Viele ältere Menschen fallen oft – manchmal sogar ohne dass sie selbst einen konkreten Grund erkennen könnten. Einige dieser Stürze führen nur zu Prellungen oder kleinen Platzwunden. Häufig kommt es jedoch zu Knochenbrüchen an Schenkelhals, Handgelenk oder Oberarm in Nähe des Schultergelenks. Die letztgenannten Brüche können das Schultergelenk schädigen und in vielen Fällen zur Arthrose führen. Auch beim Sport können sich schwere Stürze mit besonders komplizierten Verletzungen ereignen. Der Arzt nennt die schulternahen Oberarmbrüche „Humeruskopf-Frakturen“ oder „Proximale Humerus-Frakturen“. Im Folgenden beschreiben wir zunächst einige typische Sturz-Situationen. Danach schildern wir, welche Brüche harmlos und welche kompliziert sein können, und geben nützliche Tipps zur Vorbeugung.
Sportarten, die ein Geschwindigkeitserlebnis vermitteln, sind sehr beliebt und können bei hohem Tempo ein Hochgefühl erzeugen. So kann man beim Skifahren (in allen Formen), Motorradfahren und zügigen Fahrradfahren (auch mit Rennrad oder Mountain-Bike) rasch den Alltag vergessen und sich innerlich erholen. Leider ereignen sich dabei aber immer wieder schwere Stürze, bei denen oft auch die Schulter verletzt wird und Knochen brechen. Bei hoher Geschwindigkeit sind diese Verletzungen besonders schwerwiegend. Man spricht dann von „Hoch-Energie-Brüchen“.
Noch viel häufiger – und besonders im höheren Lebensalter – ereignen sich Stürze auf die Schulter aber aus Situationen heraus, die harmloser nicht sein könnten. Meist stürzt man sogar in der eigenen Wohnung oder in der Nähe des eigenen Hauses. Man geht ins Wohnzimmer, vielleicht ganz in Gedanken, und bleibt an einer winzigen Stufe im Parkett hängen oder stolpert über den Teppichrand. Auch im Winter weiß man, dass Glätte gemeldet ist, aber „die paar Schritte kann man doch sicher mal versuchen“ und stürzt dabei schwer. Wo und wie bricht nun der Oberarm besonders häufig?
Gott sei Dank sind viele, ja sogar die meisten Oberarmbrüche am Schultergelenk relativ einfach. Die Bruchlinie verläuft dann am sogenannten „chirurgischen Hals“ des Oberarms. Bei dieser Bruchform entstehen somit nur zwei Bruchstücke, und der Arzt nennt diesen Bruchtyp daher heute einen „2-Teile-Bruch“ bzw. eine „2-Teile-Fraktur“. Oft sind die Bruchstücke nur wenig verschoben oder ineinander gestaucht und damit sogar ein wenig stabil. Dann sind sie meist einfach und rein konservativ zu behandeln, also ohne Operation.
Wenn Brüche konservativ behandelt werden können, besteht die Behandlung zunächst in einer konsequenten Ruhigstellung für ein bis zwei Wochen, in besonderen Fällen auch länger. Ganz wichtig zu wissen: Brüche, die außerhalb des Gelenks liegen, können ohne Weiteres über längere Zeit ruhiggestellt werden. Die Sorge vor einer raschen Einsteifung des Schultergelenks ist in diesen speziellen Fällen unbegründet. Die Ruhigstellung ist vielmehr die entscheidende Voraussetzung dafür, dass der Knochenbruch heilen kann, und sie muss daher sorgfältig durchgeführt werden.
Wenn der erfahrene Arzt sich nach ein bis zwei Wochen durch erneute Röntgenaufnahmen von der weiterhin korrekten Stellung des Bruchs und seiner Stabilität überzeugt hat, wird er meist nun in der zweiten Phase eine vorsichtige und behutsame Übungsbehandlung verordnen. Auch hierbei muss man sich sorgfältig an die Vorgaben des Arztes und der Physiotherapeuten halten und darf keineswegs zu viel üben. Behutsamkeit und Disziplin sind dabei von größter Wichtigkeit. Wer dies befolgt, bei dem wird ein einfacher Knochenbruch meist innerhalb weniger Wochen fest verheilen.
Es gibt aber auch komplizierte Brüche, besonders bei „Hoch-Energie-Verletzungen“. Am Oberarm setzen auch die Muskeln der Rotatoren-Manschette an, die für das Heben und Drehen des Arms wichtig sind. Bei Stürzen können sie solche Kräfte entfalten, dass sie ganze Knochenstücke ausreißen. Zu den zwei übrigen Bruchstücken kommt dann noch ein drittes oder viertes hinzu. Besonders „4-Teile-Brüche“ können extrem schmerzhaft sein und müssen oft operiert werden. Auch die Zeit danach kann über viele Monate hinweg „hart“ und schmerzhaft sein. Hierzu im Folgenden mehr.
Einfache „2-Teile-Brüche“ müssen nur selten operiert werden, „3-“ oder „4-Teile-Brüche“ jedoch viel öfter. Aber in allen Fällen gelten die folgenden Regeln: (1) Ist der Bruch nicht übungsstabil, so sollte eher operiert werden. (2) Sind die Bruchteile zwar fest ineinander gestaucht, jedoch zu weit verschoben, verkippt oder verdreht, muss ebenfalls operiert werden, da sonst die Funktion des Arms stark behindert würde. Operationen dieser Art sollten nur in großen Unfallzentren und von Schulterspezialisten durchgeführt werden, auch wenn man sich dafür verlegen lassen muss.
Diese Operationen am Schultergelenk gehören nicht selten zu den schwierigsten überhaupt. In manchen Fällen wird man mit kleinen Eingriffen und dem Einbringen von dünnen Metallstäben („Bohrdrähten“) auskommen. Einige Spezialisten haben sogar eine „Minimal-invasive Technik“ entwickelt, der sie vertrauen. Oft sind jedoch große Operationen erforderlich, die von Verschraubung, Verplattung, Nagelung bis hin zum Einsetzen eines künstlichen Gelenks reichen. Manchmal muss eine „Inverse Prothese“ eingesetzt werden, bei der Gelenkkopf und Pfanne vertauscht sind.
Bei komplizierten Brüchen können auch schwerwiegende Komplikationen auftreten. Anders als bei den beschriebenen Brüchen am „chirurgischen Hals“ (Tipps 3 bis 5) besteht so bei allen Brüchen, bei denen das Gelenk selbst betroffen ist, sowie nach Operationen die Gefahr einer Einsteifung der Schulter. Zur Vorbeugung muss deshalb in diesen Fällen schon am zweiten Tag nach der Operation mit Übungen begonnen und keineswegs darf dann längere Zeit ruhiggestellt werden. Auch hierbei ist die genaue Einhaltung der physiotherapeutischen Vorgaben erforderlich.
Bei komplizierten Brüchen werden leider oft auch Gefäße verletzt und damit die Blutversorgung des Knochens gestört oder vollständig unterbrochen. In manchen Fällen kommt es dann zu einem Absterben des Gelenkkopfs oder anderer abgerissener Knochenteile. Dies kann sich erst nach Monaten oder sogar nach mehreren Jahren bemerkbar machen. Im Röntgenbild und MRT sind dann Veränderungen der Knochendichte und der Knochenkontur erkennbar, die vielleicht auch schon zur Arthrose geführt haben. Oft muss spätestens dann ein künstliches Schultergelenk eingesetzt werden.
Wie kann man diesen Brüchen noch vorbeugen? Viele der in Tipp 1 und 2 genannten Sturzursachen kann man durch Umsicht und Klugheit vermeiden. Manche Menschen bemerken es leider aber erst spät, wenn sich ihre Augen verschlechtern. Besonders ein ansteigender Augeninnendruck („Grüner Star“, „Glaukom“) stellt eine große Gefahr dar. Er äußert sich meist nur in einem immer kleiner werdenden Blickfeld. Dadurch kann man bald nur noch das sehen, was sich direkt vor einem befindet. Noch bevor man dies feststellt, sollte man sich regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen.
Im höheren Lebensalter gilt auch: Mit Kraft und Fitness kann man viele Stürze vermeiden. Wer früh anfängt, kann zudem nicht nur seine Muskeln kräftigen, sondern auch seine Knochen stärken und einer Osteoporose entgegenwirken. Ideal für dieses Training sind seriöse Fitness-Studios, die heute immer häufiger auch von Senioren entdeckt werden. Bereits 7 Millionen Deutsche machen heute ein solches Training. In der eigenen Umgebung kann man bestimmt ein Studio finden, das gut erreichbar ist, in dessen Atmosphäre man sich wohlfühlt und wo man von guten Trainern betreut wird.