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Praktische Tipps bei Arthrose des Kiefergelenks

Im Folgenden möchten wir einige nützliche Tipps zu einem Gelenk vorstellen, das äußerst schmerzhaft sein kann und doch oft als das „vergessene Gelenk“ bezeichnet wird. Es ist das einzige Gelenk, das fachärztlich nicht von Orthopäden, sondern meist von besonders spezialisierten Zahnärzten und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen behandelt wird. Gleichzeitig ist es ein ausgesprochenes „Stress-Gelenk“, auf das sich innere Anspannungen und Belastungen direkt auswirken können. Die folgenden Tipps sollen einer ersten Orientierung dienen. (Weitere Informationen siehe ARTHROSE-INFO Nr. 90.)

Frühsymptom Nr. 1: Nächtliches Zähneknirschen

Viele Menschen, die tagsüber eher zart und sanft wirken, können nachts im Schlaf große Kräfte freisetzen, die Kiefergelenke in einer mahlenden Bewegung belasten und dabei Geräusche erzeugen, die durch Mark und Bein gehen. Dabei werden die Zähne sehr hoch belastet, ohne dass die natürlichen Schutzmechanismen eingreifen und diese enorme Belastung verhindern. Nächtliches „Zähneknirschen“ kann auf unbewältigten Stress und Anspannungen hinweisen und spätere Kiefergelenkbeschwerden verursachen.

Frühsymptom Nr. 2: Ohrgeräusche (Tinnitus)

In Zeiten hoher seelischer Belastung können im Ohr auch Geräusche und Töne erklingen, die nicht von außen kommen, sondern im Ohr selbst entstehen. Wer in Stresssituationen unbewusst die Zähne zusammenpresst, kann alternativ (oder zusätzlich) auch an diesen Symptomen leiden. „Ohrgeräusche“ (Tinnitus) weisen daher möglicherweise auch auf eine Überlastung der Kiefergelenke hin.

Frühsymptom Nr. 3: Morgendliche seitliche Kopfschmerzen

Kopfschmerzen, die morgens beim Aufwachen bestehen, sind oft keine „Migräne“, sondern entstehen in den Kaumuskeln. Die untere Kaumuskulatur, die außen über dem Unterkiefer verläuft, kann man meist gut tasten und sehen. Daneben gibt es eine zweite, obere Partie, die sich als flächenhafter Muskel weit auf die seitlichen Bereiche des Kopfes ausdehnt. Bei manchen Menschen kann man beim Kauen beobachten, wie sich etwas an den Schläfen bewegt. Wer im Schlaf unbewusst die Zähne zusammenpresst, überlastet diese Kaumuskulatur, sodass sie frühmorgens Kopfschmerzen verursacht.

Frühsymptom Nr. 4: Schmerzen beim Mundöffnen

Dieses vierte Symptom schließlich weist am direktesten auf das Kiefergelenk hin. Schmerzen beim Öffnen des Mundes fallen manchmal zuerst beim Essen eines Brötchens oder Doppelbrotes auf. Obwohl dieses Zeichen zunächst sehr erschreckend sein kann, ist es dennoch meist nur ein Frühsymptom, das durch eine Behandlung oft wieder beseitigt werden kann. Was man selbst tun kann, und welche Möglichkeiten der Behandlung und Selbsthilfe es gibt, beschreiben wir im Folgenden.

5. Weiche Speisen bevorzugen

Wenn eines der beschriebenen Frühsymptome vorliegt oder wenn bereits eine schmerzhafte Kieferarthrose festgestellt worden ist, kann eine erste wichtige Selbsthilfe darin bestehen, auf alle festen und krustigen Nahrungsmittel vorerst zu verzichten und stattdessen weiche Speisen zu bevorzugen. Verzichtet werden sollte in dieser Zeit z. B. auf Steaks, Äpfel, Erdnüsse oder harte Brotkrusten. Empfehlenswert sind hingegen flüssige oder weiche Speisen wie: Suppen, Nudelgerichte, Joghurt, Quarkspeisen, Orangen und Bananen.

6. Auf dem Rücken schlafen

Auch die Schlafhaltung kann sich auf das schmerzende Kiefergelenk auswirken. Seitenlage oder gar Bauchlage können ein bereits empfindliches Kiefergelenk beträchtlich belasten. Die Rückenlage hingegen führt nach Meinung vieler Fachleute eher zu einer Entspannung der Kiefergelenkmuskulatur und zu einer Entlastung des Gelenks. Sie wird daher von vielen Experten empfohlen und kann eine gewisse Erleichterung bringen.

7. Untersuchung beim Spezialisten

Für eine fachgerechte Behandlung des Kiefergelenks empfiehlt sich oft die gründliche Untersuchung beim Spezialisten. Sie wird bisher nur von einer bemerkenswert kleinen Gruppe von besonders ausgebildeten Zahnärzten durchgeführt, deren Anschrift man oft vom behandelnden Arzt oder Zahnarzt erfahren kann oder im Internet unter: www.dgfdt.de. In besonderen Fällen kann es sich auch empfehlen, in der nächstgelegenen Universitäts-Zahnklinik zu fragen, ob sie bereits über eine „Kiefergelenk-Sprechstunde“ verfügt. Mit dieser kann man meist telefonisch einen Termin vereinbaren.

8. Sehr wirksam: Die sogenannte „Schiene“

Eine sehr wirksame und entscheidende Entlastung, die die erkrankten Gelenke bald zur Ruhe kommen lässt, ist die sogenannte „Schiene“ oder „Knirscher-Schiene“. Gemeint ist damit eine dünne Auflage aus durchsichtigem Kunststoff, die meist auf die obere Zahnreihe aufgesetzt wird. Dieser Schutzüberzug wird in der Regel nur nachts getragen. Für die Reinigung mit Zahnbürste und Zahnpasta kann man diesen Überzug selbst abnehmen und ihn danach wieder aufsetzen.

9. Die Zähne sanieren

Nur selten werden „schlechte Zähne“ allein der Auslöser für Kiefergelenkschmerzen sein. Fast immer sind Stress-Situationen als Hauptursache beteiligt (siehe Tipp 1–3 sowie 11 und 12). In vielen Fällen kann das Kiefergelenk aber zusätzlich durch eine Sanierung der Zähne und die Verbesserung der Kontaktgenauigkeit unterstützt werden. Wenn zum Beispiel mehrere Backenzähne fehlen, kann das Einsetzen einer Zahnbrücke das Kiefergelenk entlasten. Auch andere maßvolle Sanierungen der Zähne oder des Zahnersatzes können ein wichtiger Bestandteil des Therapieprogramms sein.

10. Spezielle Physiotherapie

Wertvoll kann auch eine speziell verordnete Krankengymnastik (Physiotherapie) sein. Die Dehnung der verhärteten Kaumuskeln und ein vorsichtiges Einüben bestimmter Bewegungsformen sind meist ein wichtiges Ziel der Behandlung. Auch bestimmte Haltungsübungen für Wirbelsäule und Schultern haben durch die Entspannung der Hals- und Schultermuskulatur eine positive Wirkung auf die verkrampfte Kaumuskulatur.

11. Autogenes Training

Da Stress- und Anspannungssituationen fast immer wichtige Auslöser von Schmerzen im Kiefergelenk sind, sind alle Methoden, die die Entspannung fördern, überaus hilfreich. Eine sehr wirksame Methode ist das Autogene Training (siehe Buchtipp in Heft 19), mit dessen Hilfe die Muskeln gelockert und die Bewegungsmuster verbessert werden können. Wer zu Beschwerden im Kiefergelenk neigt, kann spürbare Linderung erfahren, wenn er diese Übungen dreimal täglich für jeweils drei Minuten durchführt. Auch Yoga und Muskelentspannung können helfen (Buchtipps INFO Nr. 63 und Nr. 87).

12. Entspannung finden

Entspannung finden kann man auch, indem man sich ganz bewusst entschließt, ein „glückliches Leben“ zu führen und die vielen kleinen Erlebnisse des Alltags bewusst zu genießen. Viele Menschen können diese Entspannung im Gespräch mit Freunden finden („Freundschaften pflegen“). Auch eine regelmäßige sportliche und spielerische Betätigung kann Anspannungen verfliegen lassen, zu neuer Gesundheit führen und sich gerade auch auf die Kiefergelenke positiv auswirken.