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Praktische Tipps zum künstlichen Kniegelenk

Ein künstliches Kniegelenk muss nicht immer das ganze Gelenk ersetzen. Wenn eine schwere Arthrose nicht das gesamte Knie, sondern nur einen Teil befällt, kann auch nur dieser betroffene Abschnitt des Gelenks künstlich ersetzt werden. Diese „Teilgelenke“ werden in der Fachsprache auch als „unikondyläre Knieprothesen“ oder „Schlittenprothesen“ bezeichnet. Während anfangs noch zahlreiche Rückschläge zu beklagen waren, zeigt sich aber inzwischen immer deutlicher, dass dieser besondere Prothesentyp in vielen Fällen große Vorteile haben kann. Wann und wo kann man ein solches Teilgelenk einsetzen lassen, wie lange hält es, und was sollte man vor und nach diesem Eingriff besonders beachten? Im Folgenden geben wir hierzu einige nützliche Hinweise. Als wichtige Grundlage empfehlen wir auch unsere Praktischen Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 59.

1. Wenn sich die Beine verformen

Eine Knie-Arthrose entwickelt sich nur selten gleichmäßig im gesamten Gelenk. Viel häufiger ist die beginnende Arthrose zunächst auf die Innenseite dieses großen Gelenks begrenzt. Je weiter die Knorpelerkrankung in diesem Bereich fortschreitet, umso mehr verformen sich die Beine und umso deutlicher wird eine O-Bein-Form erkennbar. Viele Menschen, besonders Frauen, leiden sehr unter diesen sichtbaren Veränderungen, die sich oft über Monate und Jahre hinweg entwickeln, lange bevor die ersten Schmerzen auftreten.

2. Der Meniskus als letzter Schutz

Jedes Knie besitzt als zusätzliche Puffer auch zwei teilbewegliche Knorpelscheiben, nämlich einen Außen- und einen Innen-Meniskus. Je mehr sich das Bein zu einem O-Bein verformt, umso mehr wird nicht nur der innenseitige Gelenkknorpel geschädigt, sondern auch der dazwischen liegende Meniskus. Muss dieser Meniskus (teil-) entfernt werden, so ist der letzte Schutz verloren. Das O-Bein verstärkt sich nun noch weiter, und der Gelenkknorpel wird noch schneller weiter geschädigt, bis schließlich beide Knochen ungeschützt aufeinander reiben („Knochen-Knochen-Kontakt“).

3. Helfen noch Bandage und Entlastung?

In vielen Fällen können anfangs noch zwei einfache Maßnahmen erstaunlich wirksam sein. Treten Schmerzen zunächst nur bei bestimmten Belastungen auf, z. B. während des Sports, kann das Anlegen einer besonderen Kniebandage hilfreich sein, die über zwei dünne zusätzliche Führungsstäbe aus Kunststoff verfügt. Sehr wirksam ist es zudem, jegliches Übergewicht konsequent abzubauen. Je leichter man ist, umso mehr werden gerade auch die Kniegelenke geschont. Sinnvolles Abnehmen ist daher eine der wichtigsten Selbsthilfemaßnahmen.

4. Hilft Ihnen noch eine Schuh-Außenranderhöhung?

Bei innenseitiger Knie-Arthrose kann der Arzt auch eine Schuhänderung verordnen, die eine spürbare Verbesserung bringen kann, sofern die Sprunggelenke gesund sind. Durch eine Erhöhung des Schuhaußenrands an Vorder- und Absatzsohle um maximal drei bis sieben Millimeter (je nach Schuhtyp) wird die Belastung im Kniegelenk günstig verändert. Wenn man dadurch wieder schmerzfrei gehen kann, darf man dies allerdings nicht zu vermehrter Aktivität einsetzen. Vielmehr sollte dieser Erfolg nur der Erholung des erkrankten Bereichs dienen.

5. Der sparsame künstliche Ersatz

Wenn aber diese beschriebenen Maßnahmen und alle anderen ärztlichen Therapie-Möglichkeiten ausgeschöpft sind und eine Operation unausweichlich geworden ist, kann das Einsetzen eines Halbgelenks ein besonders sparsamer künstlicher Ersatz sein. Dabei wird nur der erkrankte Bereich des Gelenks künstlich ersetzt. Die übrigen, weiterhin funktionsfähigen Teile aber bleiben erhalten. Auch manche zuvor bestehenden Beschwerden im Bereich der Kniescheibe können sich dann wieder bessern.

6. Wie haltbar sind Teilgelenke?

Das Einsetzen eines künstlichen Teilgelenks setzt besonders viel Erfahrung und Können des Operateurs voraus. Während die Haltbarkeit bei einigen Untersuchungen nach 15 Jahren nur etwa 70 Prozent erreicht, berichten andere Experten über eine Haltbarkeit von 90 Prozent und mehr. Entscheidend für den Erfolg sind die Erfahrung des Operateurs und zunächst die Beachtung wichtiger Voraussetzungen, die vor dem Eingriff sorgfältig geprüft werden müssen. Die wichtigsten beschreiben wir in den beiden folgenden Tipps.

7. Wichtige Voraussetzungen

Ein künstliches Teilgelenk sollte nur eingesetzt werden, wenn zunächst einige wichtige Fragen geklärt sind: (1) Wie gut ist die Beweglichkeit des erkrankten Kniegelenks? Kann es noch voll gestreckt werden? Der Streckverlust sollte höchstens zehn Grad betragen. Andernfalls ist das Einsetzen eines künstlichen Halbgelenks nicht empfehlenswert. (2) Sind die Kreuzbänder noch intakt? Diese im Inneren des Knies verlaufenden Bänder müssen ebenfalls erhalten und intakt sein. Sonst würde das künstliche Teilgelenk zu hoch beansprucht werden.

8. Zustand der übrigen Knorpelflächen

Eine weitere Voraussetzung betrifft die übrigen, arthrosefreien Knorpelflächen. Idealerweise sollten diese sowohl außenseitig als auch unter der Kniescheibe noch vollkommen gesund sein. Von einigen Experten werden heute aber auch noch leichte Knorpelveränderungen der Stadien I und II akzeptiert. Dabei sollten nur kleinere Bereiche Schwellungen (Stadium I) oder feine Risse (Stadium II) zeigen, nicht aber Erosionen oder sogar Knochen-Knochen-Kontakt. Die Stadien kann der Arzt im MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder bei einer Arthroskopie erkennen.

9. Vorteile gegenüber dem Vollgelenk

Teilgelenke haben mehrere Vorteile. So berichten viele Patienten über ein ausgezeichnetes „Gelenkgefühl“ und hohe Zufriedenheit. Wer an dem einen Knie ein Teilgelenk besitzt und an dem anderen ein künstliches Vollgelenk, wird fast immer feststellen, dass sich das Teilgelenk „natürlicher“ und „normaler“ anfühlt. Dadurch ist das Gehen auch sicherer. Ein weiterer Vorteil ist der relativ einfache Austausch, falls eine Lockerung auftreten sollte. Viele Experten empfehlen deshalb, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, nur ein Teilgelenk einzusetzen und nicht eine Vollprothese.

10. Und wann eine Umstellungs-Operation?

Wenn die erkrankte Gelenkhälfte noch keinen Knochen-Knochen-Kontakt zeigt, ist es noch zu früh für ein künstliches Teilgelenk. Bei manchen jüngeren Patienten kann dann eine „Umstellungs-Operation“ empfohlen werden. Hierbei wird der Schienbeinknochen durchtrennt, dann um einige Grad „aufgeklappt“ und in der neuen Position mit einer Metall-Platte fixiert. Bis zur Heilung muss der Patient etwa acht Wochen lang entlasten. (Mit einem künstlichen Teilgelenk, das allerdings erst in einem späteren Stadium eingesetzt werden sollte, kann hingegen sofort belastet werden.)

11. Auswahl des Operateurs

Wie für alle anderen Operationen gilt auch für das künstliche Knie-Teilgelenk: „Übung macht den Meister“. Eine größere Fallzahl, d. h. das häufige Durchführen einer Operation, verbessert in der Regel das Ergebnis. Genauso wichtig ist das Vorliegen exakter Erfolgszahlen. Nur wenn die Operateure ihre eigenen Langzeitergebnisse kennen, können sie diese auch verbessern. Kliniken, die eine nachgewiesene 10- bzw. 15-Jahres-Haltbarkeit von über 90 Prozent erreichen, sind deshalb aus unserer Sicht zu bevorzugen. Diese kann man gern beim Operateur erfragen.

12. Kann ich damit wieder alles tun?

Körperlich aktiv zu sein, ist für viele Menschen zu einem Grundbedürfnis geworden. Dies fördert die Freude am Leben und dient der Gesundheit. Nicht selten hören Patienten deshalb: „Ja, Sie können jetzt wieder alles tun.“ Kurzfristig trifft dies zwar zu. Wer aber alles für eine lange Haltbarkeit tun möchte, dem empfehlen wir kluge Zurückhaltung. Nach der Operation sollte man sich vor allem an der neuen Schmerzfreiheit erfreuen, die Aktivität aber nicht wesentlich steigern. Sportarten wie Joggen sind deshalb nicht empfehlenswert, Radfahren und Spazierengehen usw. jedoch sehr.