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Praktische Tipps zum künstlichen Kniegelenk

Künstliche Kniegelenke werden heute bereits fast so häufig eingesetzt wie künstliche Hüftgelenke. Viele Experten sind überzeugt, dass die Erfolge am Kniegelenk heute bereits genauso gut wie an der Hüfte sind, allerdings gibt es auch erfahrene Operateure, die zu einer gewissen Zurückhaltung raten. Die folgenden Tipps sollen einige wichtige Hinweise geben. Gern möchten wir hierzu auch auf die Tipps im letzten und vorletzten ARTHROSE-INFO hinweisen.

1. Künstliche Kniegelenke erst mit 60?

Künstliche Kniegelenke werden in manchen Kliniken erst ab dem sechzigsten Lebensjahr eingesetzt. Es gibt aber eine rasch wachsende Zahl erfahrener Operateure, die ein wesentlich früheres Operationsalter befürworten. Insgesamt gilt die Regel, dass alle anderen Möglichkeiten zuerst ausgeschöpft werden sollten. Wenn dies der Fall ist, kann heute aber auch ein früheres Operationsalter akzeptiert werden, so auch schon bei Berufstätigen.

2. Modelle I: "Schlittenprothesen"

Oft betrifft die Arthrose nicht das gesamte Gelenk, sondern nur einen Teil. In diesen Fällen können Prothesenmodelle verwendet werden, die nur die betroffenen Teile des Gelenks künstlich ersetzen. Diese Halbprothesen werden in der ärztlichen Umgangssprache meist als “unikondyläre” oder “Schlittenprothesen” bezeichnet. Das Einsetzen einer Schlittenprothese kann auch eine gewisse X- oder O-Beinstellung korrigieren, jedoch nicht jede.

3. Modelle II: Vollprothesen

Wenn die Arthrose das gesamte Kniegelenk betrifft, werden Modelle eingesetzt, die man als „Vollprothesen“ bezeichnet. Dem Arzt steht heute eine große Zahl verschiedener Typen dieser Vollprothesen zur Verfügung, die er abhängig vom speziellen Untersuchungsbefund auswählt. Die Kniescheibenrückfläche wird in den europäischen Ländern nur manchmal künstlich ersetzt.

4. Mit oder ohne Zement?

Auch am Knie hat die Existenz einer technisch hoch entwickelten Fixiermasse das Einsetzen der künstlichen Gelenke erheblich erleichtert. In einigen Fällen ist die Verwendung dieses "Zementes" aber nicht unbedingt erforderlich. Zementfreie Knie-Prothesen werden vor allem bei jüngeren Patienten eingesetzt, aber insgesamt nur selten. Anders als an der Hüfte werden etwa 90% der künstlichen Knie zementiert eingesetzt. Auch bei starken Rauchern ist die zementfreie Prothese nicht zu empfehlen, da durch Nikotin das Einwachsen des Knochens gehemmt wird.

5. Wie lange halten Knieprothesen heute?

Zahlreiche neue Untersuchungen in großen Kliniken bestätigen, dass die modernen künstlichen Kniegelenke in vielen Fällen beinahe so erfolgreich sind wie die besten künstlichen Hüftgelenke. Diesen Studien zufolge sind nach 10 Jahren die Schlittenprothesen noch zu über 85 Prozent und die Vollprothesen noch zu über 90 Prozent funktionsfähig. Allerdings zeigen die Ergebnisse noch beträchtliche Schwankungen. Die Erfahrung des Operateurs ist von großer Bedeutung.

6. Zufrieden mit dem künstlichen Gelenk?

Der Entschluss zur Einpflanzung eines künstlichen Kniegelenks wird meist nicht bereut. Etwa 80% aller Patienten sind mit dem Ergebnis “zufrieden” oder sogar “sehr zufrieden”. Die meisten Aktivitäten des täglichen Lebens können mit dem künstlichen Gelenk wieder aufgenommen werden. Allerdings ist die Zufriedenheit mit Knie-Vollprothesen längst nicht so hoch wie beim künstlichen Hüftgelenk, und es sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, die wir im Folgenden beschreiben.

7. Wichtige Übungen

Das künstliche Kniegelenk bedarf immer – auch noch Jahre nach der Operation – einer guten Pflege. Dazu gehören regelmäßige Übungen zum Erhalt der vollen Beweglichkeit. Im Sitzen wird hierbei das Knie abwechselnd gestreckt (1) und gebeugt (2). Die Streckung sollte bis zur Geraden, die Beugung bis 90 oder sogar 120-130 Grad reichen. Diese Übungen sind am besten morgens, mittags und abends jeweils 10-mal durchzuführen. Sie benötigen nur etwa 2 Minuten. Das Erreichen der vollen Streckung ist besonders wichtig.

8. Vorsicht beim Treppabgehen

Mit dem künstlichen Kniegelenk kann man auch wieder Treppen steigen, die zuvor vielleicht Mühe bereitet haben. Besondere Vorsicht empfiehlt sich aber beim Treppabgehen. Die Muskeln des operierten Beines müssen sich nämlich erst noch über einige Wochen an das neue Gelenk gewöhnen und besitzen noch nicht ihre volle Kraft. Man sollte sich deshalb insbesondere beim Treppabgehen sicher und kräftig am Geländer abstützen und betont sorgfältig und vorsichtig auftreten.

9. Knieschutz

Auf kniende Tätigkeiten sollte man mit einem künstlichen Gelenk am besten ganz verzichten. Wann immer das Hinknien aber nicht zu vermeiden ist, ist die Verwendung eines weichen Polsters sehr zu empfehlen. Hinweis: Nützliche Tipps zur Herstellung eines solchen Polsters finden Sie auch im ARTHROSE-INFO Nr. 6 in der Rubrik "Leserbriefe".

10. Wichtige Hilfsmittel

Mit Freude wird man nach der Operation auch wieder längere Einkäufe tätigen können. Ein einfaches Hilfsmittel, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut, kann hierbei eine wertvolle Unterstützung geben. Moderne, leichte Einkaufswagen, die sich vor und nach dem Gebrauch einfach zusammenklappen lassen, erleichtern Ihnen das Tragen der Tüten und Taschen erheblich. Sie sind heute in vielen Kaufhäusern und Fachgeschäften zu erhalten und kosten nicht viel. In der Regel genügen die einfachsten Ausführungen vollauf.

11. Sportarten, die man meiden sollte

Mit dem neuen Kniegelenk kann man viele Sportarten wieder aufnehmen. Es gibt aber wichtige Einschränkungen:

  1. Ballsportarten: Alle Sportarten, die mit Stößen, Sprüngen, Gegner-Kontakt oder möglicherweise Stürzen verbunden sind, sind gefährlich. Hierzu gehören Fußball, Hallen-Tennis, Faustball und andere.
  2. Ungünstige Kniebelastungen: Sportarten, bei denen das Knie im Inneren einseitig belastet oder verkantet wird, sollten besser vermieden werden. Querfeldeinwandern, Gehen in Hanglagen und bestimmte Yogaübungen sind deshalb zu meiden.

12. Empfehlenswerte Sportarten

Empfehlenswert sind unter anderem: Tanzen, Wandern, Spazierengehen, vorsichtig Skilanglauf. Gerade das ausgedehnte Spazierengehen bzw. Zufußgehen stellt ein einfaches und gesundes Training dar. In Japan wird dies in den Vorsorgeprogrammen der Regierung gefördert. Ebenso sind Schwimmen und Radfahren möglich. Beim Radfahren muss man insbesondere innerorts äußerst vorsichtig sein, um die Gefahr von Stürzen absolut sicher zu vermeiden. Auch sollte man den Sattel nicht zu tief einstellen. Golf ist ebenfalls meist möglich.