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Praktische Tipps
 

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Arthrose-Info Nr. 15
 

aktuell 2024


Praktische Tipps bei Arthrose der Lendenwirbelsäule

Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps bei Arthrose der Lendenwirbelsäule (LWS). Sie sind als Ergänzung zu unseren Hinweisen im ARTHROSE-INFO Nr. 5 gedacht, die wir als wichtige Grundlage nochmals empfehlen möchten. Zunächst erläutern wir die häufigsten Ursachen und zeigen dann einige nützliche Behandlungs- und Verhaltensgrundsätze auf.

1. Anatomie

Die Lendenwirbelsäule muss wesentlich höhere Lasten tragen als andere Wirbelsäulenabschnitte. Ihre Bandscheiben (vorn) und ihre Gelenke (hinten) werden daher oft überlastet, was zu einer Arthrose führen kann. Am häufigsten befällt die Arthrose den untersten Wirbel (Lendenwirbel Nr. 5), da er von allen Wirbeln am stärksten beansprucht wird.

2. Arthrose durch Hohlkreuz

Ist die normale Einwärtskrümmung des Lendenbereichs verstärkt, so wird dies als ,,Hohlkreuz“ bezeichnet. Meist führt die verstärkte Krümmung zu einer wesentlich höheren Belastung der Wirbelgelenke und schließlich zur Arthrose. Ursachen für das Hohlkreuz können eine schwache Rücken- und Bauchmuskulatur, Übergewicht und das Tragen sehr hoher Absätze sein. Auch eine schwere Hüftarthrose kann zu einem Hohlkreuz führen (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 13). Bergabgehen verstärkt ein bestehendes Hohlkreuz noch und sollte möglichst vermieden werden.

3. Arthrose durch Bandscheibenschaden

Die Bandscheibe hat die Aufgabe, Stöße und Schläge auf die Wirbelsäule abzufedern und zu dämpfen. Wenn die Bandscheibe geschädigt ist und dadurch dünner wird, verliert sie diese Wirkung, und die gesamte Wirbelsäule rückt an dieser Stelle enger zusammen. Damit wird auch der Druck auf die Wirbelgelenke größer, die dadurch oft überlastet werden. Ein vorausgegangener Bandscheibenschaden ist daher eine sehr häufige Ursache für eine Arthrose der Lendenwirbel.

4. Typische Schmerzformen

Die Schmerzen bei einer LWS-Arthrose können sehr verschieden sein. Am häufigsten sind die beiden folgenden Formen:

  1. Schmerzen, die nach rechts oder links ausstrahlen;
  2. Schmerzen im Gesäßbereich oder Bein, die typischerweise einen bestimmten „brennenden“ Charakter haben.

Diese Schmerzformen erklären, warum man bei der gleichen Diagnose „LWS-Arthrose“ ganz unterschiedliche Beschwerden haben kann.

5. Krankengymnastik

Krankengymnastische Übungen der Rücken- und besonders auch der Bauchmuskulatur sind für die Behandlung von größter Bedeutung. Die Übungen haben zum Ziel, die Muskeln zu kräftigen, ein bestehendes Hohlkreuz abzuflachen und die Wirbelgelenke zu entlasten. Diese Übungen sollten zunächst unter Anleitung in der Krankengymnastik erlernt werden. Später können einzelne Übungen dann auch zu Hause durchgeführt werden.

6. Elektrotherapie, Massagen, Schwimmen

Neben der Krankengymnastik gibt es eine ganze Reihe weiterer Therapien, die die Beschwerden der Lendenwirbelarthrose mildern können. Diadynamische Ströme, Interferenzströme und gelegentlich auch Ultraschall ermöglichen in vielen Fällen eine wirksame Grundbehandlung. Massagen können ebenfalls nützlich sein und die Muskulatur lockern und entkrampfen. Das Gleiche gilt für die vielen Wasseranwendungen, wie z. B. auch für das Schwimmen in Thermalbädern (Temperatur zwischen 28 und 30 Grad). Hierbei ist insbesondere das Rückenschwimmen zu empfehlen.

7. Gutes Sitzen

Eine gute Sitzhaltung kann die Wirbelgelenke wesentlich entlasten. Bei der Wahl der richtigen Sitzgelegenheit können die folgenden Hinweise nützlich sein:

  1. Die Oberschenkel sollten in ihrer gesamten Länge aufliegen können.
  2. Die Rückenlehne sollte gepolstert und etwa 30 Grad nach hinten geneigt sein.
  3. Seitliche Armlehnen zum Abstützen der Arme bewirken eine weitere Entlastung des Rückens.

Auch Spezialsitze für Autofahrer (z. B. RECARO-Bandscheibensitze) können oft empfehlenswert sein.

8. Tiefes Bücken vermeiden

Tiefes Bücken erhöht den Druck auf die Wirbelsäule. Es empfiehlt sich deshalb, stets nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, die das tiefe Bücken aus der Wirbelsäule vermeiden helfen. Wenn die Knie gesund sind, kann man z. B. stattdessen in die tiefe Hocke gehen. Auch ein langstieliger Schuhlöffel kann das Anziehen der Schuhe erleichtern. Auch automatische Garagentoröffner mit Sender können eine wertvolle Erleichterung sein. Daneben gibt es viele weitere rückenschonende Hilfen für Haushalt, Garten und Beruf.

9. Operationen?

Operationen werden an den Gelenken der Wirbelsäule viel seltener durchgeführt als an anderen Gelenken. Einige Verfahren, wie z. B. die „Wirbelverblockung“, sind große Eingriffe, die nur sehr selten notwendig werden. Methoden, die nur die Ausschaltung bestimmter Schmerzfasern zum Ziel haben, können in speziellen Fällen gute Linderung erzielen. In über 95% aller Fälle von Lendenwirbelarthrose erfolgt die Behandlung daher heute ohne Operation trotz zunehmender Häufigkeit.

10. Bevor die Schmerzen akut sind

Sehr wirksam können Selbsthilfemaß-nahmen sein, die bei den ersten Anzeichen eines beginnenden Schmerzschubes ergriffen werden. Sie eignen sich auch für unterwegs, wenn Sie Ihren Arzt nicht gleich aufsuchen können: Die in der Apotheke rezeptfrei erhältlichen Wärme-Pflaster (z. B. „ABC“ oder „ThermaCare“) bewirken bei vielen Menschen eine spürbare Linderung der Beschwerden. Hinweis: Siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 25. Auch die dort beschriebene Thermobandage kann sehr wirksam sein, da sie der Wirbelsäule zusätzlich einen sicheren Halt gibt.

11. Natürlich und gut: Der Heublumensack

Auch der einfache, altbekannte Heublumensack kann oftmals wirksame Linderung bringen. Er wurde von Pfarrer Kneipp in die Therapie eingeführt und wird als „Morphium der Naturheilkunde“ bezeichnet. Kaufen Sie sich im Reformhaus Heublumen und füllen Sie damit ein kleines Leinensäckchen. Dieses können Sie über Wasserdampf erhitzen, gegebenenfalls in ein Handtuch einwickeln und sich anschließend – am besten in seitlich liegender Position – ans schmerzende Kreuz legen. Sie werden begeistert sein.

12. Die Rückenschule

Auch wenn Sie alle Tipps beherzigen, ist es höchst empfehlenswert, mit anderen ,,Leidensgenossen“ einen Kurs, eine sogenannte Rückenschule, durchzuführen. Dort werden die Besonderheiten unserer Wirbelsäule in Einzelheiten erläutert und die Regeln des rückengerechten Hebens, Sitzens und Tragens erlernt. Ebenso werden gemeinsam sinnvolle Gymnastikübungen durchgeführt, die Sie zu Hause regelmäßig wiederholen sollten. Ihr Arzt oder Ihre Krankengymnastin können Ihnen Auskunft geben, wohin Sie sich an Ihrem Wohnort wenden können.