Während man früher bei Rückenbeschwerden das Augenmerk vor allem auf die Bandscheiben richtete, wird heute immer mehr auch die Bedeutung der Wirbelarthrose erkannt. Im Folgenden beschreiben wir eine Reihe praktischer Tipps, die für alle Betroffenen bei einer Arthrose der Lendenwirbelsäule (LWS) von Nutzen sein können. Auch zur Vorbeugung sind sie interessant und wissenswert. Als Ergänzung zur heutigen Darstellung möchten wir unsere Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 5 und 15 nochmals bestens empfehlen.
Charakteristisch ist eine Schmerzauslösung bei Lendenwirbelarthrose, die sich aus der anatomischen Lage der Lendenwirbelgelenke erklärt. Diese liegen nämlich besonders weit hinten im Rücken und werden durch alle Haltungen und Bewegungen, die zu einer Rückwärtskrümmung der Lendenwirbelsäule bzw. zu einer Hohlkreuzhaltung führen, besonders hoch belastet. Die konsequente Vermeidung dieser Haltung ist daher eine wirksame Möglichkeit, Schmerzen bei der LWS-Arthrose zu vermindern (siehe hierzu auch die Tipps Nr. 5, 7, 8 und 9).
Hinter jeder Bandscheibe gibt es nicht nur ein Wirbelgelenk, sondern zwei, die stets paarweise angeordnet sind. Sie befinden sich daher auch nicht in der Mittellinie, die im Rücken gut zu tasten ist. Vielmehr liegen sie etwa ein bis zwei Fingerbreiten nach links und rechts verschoben unter der Muskulatur. Diese seitliche Lage erklärt auch, warum eine stärkere Seitwärtsneigung bzw. Seitverbiegung bei der Lendenwirbelarthrose Schmerzen auslösen kann, und zwar meist auf derjenigen Seite, zu der man sich neigt (siehe hierzu auch Tipp Nr. 6).
Eine Verspannung, Verhärtung und Verkrampfung der Rückenmuskulatur, wie sie durch viele verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann, presst die erkrankten Wirbelgelenke weiter zusammen und belastet sie. Maßnahmen, die die Muskeln entspannen und lockern, können daher bei der LWS-Arthrose sehr nützlich sein. Wirksam und einfach sind daher z. B. auch Hilfen, die die körpereigene Wärme speichern und damit die Muskulatur erwärmen und lockern (siehe hierzu auch den folgenden Tipp Nr. 4).
„Thermo“ heißt Wärme. Alle Möglichkeiten der milden Wärmeanwendung können die verspannte Muskulatur lockern helfen. Hilfreich können dabei moderne Thermobandagen (1) sein, die einen einfachen, breiten Klettverschluss haben. Sie bestehen aus einem ähnlichen Material wie die bekannten Neopren-Anzüge der Wassersportler. Ähnlich wirksam sind auch Lendenteile aus „Angora“ (2), die auch unter leichter Kleidung angenehm getragen werden können und die in vielen Fachgeschäften erhältlich sind.
In Rückenlage kann sich die Wirbelsäule am besten entspannen, wenn die Unterschenkel mit angebeugten Knien waagerecht hoch gelagert sind. Bei leichten und mittleren Beschwerden verwendet man dazu z. B. zwei große, feste Kopfkissen, die aufeinander gelegt werden. Eine moderne Alternative ist ein „aufblasbares Stufenbettkissen“, das auch im Koffer mit auf Reisen genommen werden kann. Mithilfe eines Blasebalgs ist es leicht aufzublasen. (Hersteller: Firma RUSSKA, Artik.-Nr. 24073000, EUR 39,90 plus Versand, Bestelladresse siehe ARTHROSEINFO Nr. 47, S. 15.)
Auch wenn man auf der Seite liegt, sollten die Knie angezogen werden (am besten mit einem Kissen zwischen den Beinen), um die Wirbelgelenke der LWS zu entspannen (1). Viele Arthrosebetroffene berichten außerdem über gute Erfahrungen mit einem kleinen, festen Kissen, mit dem sie den Taillenbereich unterstützen (2). Dieses Taillenkissen verhindert ein stärkeres Durchbiegen der Wirbelsäule, wie sie in Seitenlage besonders bei Frauen leicht auftreten kann.
Etwa fünfzehn Prozent aller Menschen schlafen gern auf dem Bauch oder nehmen die Bauchlage beim Lesen ein. Bei Arthrose der Lendenwirbelsäule kann diese Körperhaltung aber nicht empfohlen werden, da sie die Wirbelgelenke belastet (siehe Tipp Nr. 1). Aus dem gleichen Grunde kann auch Brustschwimmen bei Lendenwirbelarthrose zu Beschwerden führen. Stattdessen sollte möglichst das Rücken- oder Kraulschwimmen bevorzugt werden.
Erfahrene Ärzte weisen gern auch auf eine erstaunliche Beobachtung hin: Betont langsames Spazierengehen, wie z. B. das sonntägliche Schaufensterbummeln, kann die Beschwerden eher verstärken. Ein etwas schnelleres, zügigeres Gehen wird jedoch meist gut vertragen. Der Grund für dieses Phänomen liegt in der unterschiedlichen Haltung der LWS. Beim schnelleren Gehen wird die Bauchmuskulatur stärker beteiligt, wodurch die Lendenwirbelsäule aufgerichtet und eine Hohlkreuzhaltung eher vermieden wird.
Übergewicht wirkt sich auf die Lendenwirbelgelenke meist sehr negativ aus. Bei höherem Körpergewicht wird die Wirbelsäule deutlich stärker belastet und oft noch zusätzlich in eine Hohlkreuzhaltung gezogen, die aber vermieden werden sollte. Eine entschlossene Reduzierung des erhöhten Körpergewichtes kann daher bei Lendenwirbelarthrose eine sehr wirksame Selbsthilfe darstellen. Sie lohnt sich (siehe hierzu auch unsere Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 21).
In besonderen Fällen kann auch ein modernes technisches Hilfsmittel von Nutzen sein: der automatische Fensteröffner. Dieses neue, relativ einfach zu installierende Gerät kann für manchen Betroffenen eine Erleichterung bedeuten und den Rücken entlasten helfen. Wer sich über Angebote und Preise informieren möchte, kann sich z. B. an die folgende Herstellerfirma wenden:
WindowMaster GmbH, Griegstraße 75, Haus 26a, 22763 Hamburg, Telefon (0 40) 87 40 95 60, www.windowmaster.de.
Die folgende Übung hat das Ziel, die Bauch- und vordere Rumpfmuskulatur zu kräftigen. Sie ist einfach durchzuführen: (1) In Rückenlage ein oder beide Knie weit anziehen und den Fuß bzw. die Füße auf der Unterlage aufsetzen (WICHTIG: Ohne diesen ersten Teil darf der folgende zweite Teil bei der LWS-Arthrose NICHT durchgeführt werden); (2) Kopf und Oberkörper werden jetzt aufgerichtet und langsam in Richtung der Knie gebeugt, so weit dies ohne Schmerzen möglich ist. Diese Übung kann morgens noch vor dem Aufstehen durchgeführt und siebenmal wiederholt werden.
Wer Beschwerden im Rücken hat, spürt oft, welche beträchtlichen Schläge beim normalen Fahrrad fahren auf die Wirbelsäule einwirken können. Um diese abzufedern, gibt es inzwischen verschiedene technische Lösungen, die auch bei LWS-Arthrose dienlich sein können. So gibt es z. B. Spezial-Fahrräder, bei denen zwischen Sattel und Hinterrad eine besondere Federung eingebaut ist. Eine einfacherere und billigere Abfederung kann man auch durch gefederte Sättel erreichen, oder wenn die Reifen nicht zu stramm aufgepumpt werden.