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Praktische Tipps bei operativer Knieversteifung

Mein Bein muss versteift werden? Endgültige Versteifung meines Kniegelenks? Wer dies nach mehreren erfolglosen Knie-Operationen von seinen Ärzten erfährt, ist meist zutiefst erschrocken und erschüttert. Aber es gibt Trost. Die Schmerzen können gelindert werden, und die Zeit des endlosen Leidens und der zahllosen Operationen ist vorbei. Und es gibt Hilfe. Trotz mancher Einschränkungen kann man doch ein lebenswertes Leben führen. Zur Unterstützung geben wir im Folgenden mehrere wichtige Tipps. Außerdem hat die Deutsche Arthrose-Hilfe einen Hilfsfonds „Operative Knieversteifung“ eingerichtet, der alle Betroffenen rasch und wirksam finanziell unterstützt.

1. Versteifung mit „Spacer“

Wenn ein künstliches Kniegelenk z. B. wegen einer nicht beherrschbaren Infektion zum wiederholten Mal entfernt werden musste, entsteht eine große Lücke. Dann kann eine ganz spezielle Prothese eingesetzt werden, die aber kein Gelenk hat und deshalb nicht beweglich ist. Das Mittelteil wird in der ärztlichen Sprache „Spacer“ genannt (gesprochen „spe-ser“). Der Spacer ist zugleich das Schloss der Versteifungsprothese und hilft, je nach Größe, die gewünschte Beinlänge einzustellen. Anstelle eines Spacers können auch andere Verfahren zum Einsatz kommen (Platte, Nagel, Spanner etc.).

2. Nur in großen Zentren machen lassen

Eine Kniegelenkversteifung ist ein großer Eingriff, der eine enorme Erfahrung der Operateure erfordert. Da der Eingriff zum Glück selten ist, wird er in vielen Kliniken nur ein- oder zweimal im Jahr durchgeführt. In manchen großen Zentren wird diese Operation jedoch bis zu 40 – 50 Mal im Jahr vorgenommen, d. h. durchschnittlich fast jede Woche einmal. Hierzu zählen auch einige Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken sowie Universitäts-Kliniken. Es ist dringend zu empfehlen, diese Zentren mit großen Fallzahlen und großer Erfahrung aufzusuchen.

3. Entzündung beruhigt sich deutlich

Es klingt für manchen vielleicht überraschend. Wenn sich Bakterien an einem künstlichen Gelenk angesammelt haben und auch von Experten mit allen Maßnahmen (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 98) nicht beseitigt werden konnten, kann doch die Ruhigstellung des Gelenks durch eine Versteifung die Schmerzen und die Entzündung eindämmen. Bakterien verbleiben zwar auch dann häufig noch im Gewebe, aber durch die fehlende Bewegung beruhigt sich die Entzündung und die Schmerzen werden oft spürbar gelindert.

4. Betthöhe anpassen

Wenn ein Kniegelenk seine Beweglichkeit vollständig verliert, ändert sich das alltägliche Leben. Wie geht man dann zu Bett und wie steht man morgens auf, ohne das andere Bein jetzt über Gebühr zu beanspruchen? Oft ist es nun hilfreich, ein hohes Bett (ein sogenanntes „Seniorenbett“ oder ein „Boxspringbett“) anzuschaffen. Oder man kann das bisherige Bett von einem Schreiner deutlich erhöhen lassen. Diese Anpassung der Betthöhe sollte man schon vor der Operation vornehmen. In der Reha wird man zudem das sichere Zubettgehen und das Aufstehen sorgfältig üben.

5. Toilettensitz erhöhen

Auch die Benutzung der Toilette bei Freunden, in Restaurants oder Flugzeugen ist jetzt oft nur noch schwerlich möglich. Erfreulicherweise gibt es aber in ICE-Zügen, in manchen Hotels, bei vielen Behörden und in großen Kaufhäusern behindertengerechte WCs. Zu Hause kann man sich durch die Anschaffung hoher Toilettensitze behelfen oder durch das Anbringen von aufschraubbaren zusätzlichen Sitzerhöhungen. Diese Erhöhungen gibt es auch mit stabilen seitlichen Haltegriffen. Sanitär-Firmen und Sanitätshäuser können vor Ort zuverlässig beraten und die Anpassungen vornehmen.

6. Nützliche Hilfen beim Anziehen

Wer alleinstehend ist und vielleicht zudem im Rücken und in den Hüftgelenken nicht mehr voll beweglich ist, wird auch beim Anziehen der Unterhose, der Strümpfe, der Hose und der Schuhe auf Hilfsmittel angewiesen sein. Beim Anziehen der Schuhe können ein langstieliger Schuhlöffel und die Verwendung von elastischen Schuhriemen nützlich und hilfreich sein. Diese sind ebenfalls in Sanitätshäusern erhältlich. Auch Schuhe mit Klett- oder Magnetverschluss erweisen sich oft als nützlich.

7. Stühle und Sitzgelegenheiten anpassen

Wenn man nun zu Besuch geht, wird man auf den üblichen Stühlen meist nur noch auf der vorderen Kante sitzen können oder man benötigt eine zusätzliche Ablage für das nicht mehr beugbare Bein. Sehr hilfreich kann zu Hause und im Büro ein sogenannter „Arthrodesen-Stuhl“ sein. Dieser hat zwei getrennte Sitzflächen, wobei die Fläche für das versteifte Bein abgeschrägt ist. Auch sind stabile seitliche Armlehnen beim Hinsetzen und Aufstehen sehr nützlich. Diese Stühle lassen sich über Sanitätshäuser, Hilfsmittelhersteller oder Büroeinrichtungshäuser beziehen

8. Hilfen im Haushalt

Nicht nur bei Arthrose, sondern auch bei Knieversteifung sind sogenannte Steh-Stühle bei der Küchenarbeit, beim Bügeln oder bei bestimmten beruflichen Tätigkeiten sehr zu empfehlen. Sie entlasten das Bein und tragen dazu bei, die Entzündung und die Restschmerzen zu beruhigen. Auch langstielige „Helfende Hände“ sind praktisch, um Gegenstände vom Boden aufzuheben. Am besten sollte man verschiedene Modelle ausprobieren.

9. Ein Gehstock gibt Sicherheit

In der Reha wird man das sichere Gehen mit dem steifen Bein gut erlernen. So mancher Patient berichtet aber, dass selbst kleinste Stufen oder Kanten auf dem Gehweg plötzlich zu Stürzen führen können, weil man das Gleichgewicht verliert. Vorsichtshalber empfiehlt es sich deshalb, außerhalb des Hauses immer auch eine Unterarmgehstütze oder zumindest einen sogenannten Fritzstock zu benutzen. Dies gibt zusätzlichen Schutz und Sicherheit. Auch in der Wohnung ist auf Teppichränder und andere Stolperfallen besonders zu achten.

10. Fahrrad fahren?

Es gibt heute die Möglichkeit, Fahrräder so einzurichten, dass man auch mit einem versteiften Bein Radfahren kann. Viele Patienten fürchten allerdings ein erhöhtes Risiko von Stürzen. Ein Patient beschreibt es so: „Als ich mit dem Rad anhalten musste, bin ich einfach umgefallen. Ich konnte nichts dagegen tun!“ Ein anderes Mitglied hat für sich die Vorteile eines kleinen Elektro-Fahrzeugs entdeckt, eines so genannten Elektro- oder E-Scooters (gesprochen „skuter“). Damit fährt sie problemlos einkaufen und freut sich über die neue Bewegungsfreiheit.

11. Auto anpassen

So mancher Patient kann mit dem Umstieg von Gangschaltung auf Automatik-Getriebe wieder gut Auto fahren. Andere berichten aber: „Ich hatte Schwierigkeiten und habe immer wie der Gas- und Bremspedal verwechselt. So habe ich mein Auto gegen das Garagentor gefahren.“ Bei einer Versteifung des rechten Beins ist der Einbau von Handbetrieb-Hebeln sogar fast immer zwingend notwendig. Auch die Türen müssen sich weit öffnen lassen, und die Sitze müssen weit nach hinten verschiebbar sein. Dafür ist der Einbau besonders langer Verschiebe-Schienen erforderlich

12. Gemeinsame Hilfe

Berufliche Umschulungen, Umbaumaßnahmen im Haus oder am Auto und zusätzliche Anschaffungen von Hilfsmitteln sind nach einer Knieversteifung fast immer erforderlich. Viele dieser Kosten sind von Menschen mit geringem Einkommen kaum allein aufzubringen. Deshalb danken wir allen Mitgliedern und Lesern, die unseren Hilfsfonds „Operative Knieversteifung“ unterstützen. Hierzu steht auf Wunsch auch eine Sonderinformation zur Verfügung. Dann können auch diese schwer getroffenen Patienten neue Zuversicht entwickeln und schneller in ihr normales Leben zurückfinden.