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Tipps bei Sesamo-Iditis des Vorfußes

„Ich war beruflich auf einer Messe unterwegs und bin lange Strecken gegangen. Am nächsten Tag habe ich dann diese Schmerzen unter dem Ballen gehabt und werde sie seither nicht mehr los“, schreibt unser Mitglied Herr Gregor W. aus Regensburg. Frau Lisa S. aus Feucht bei Nürnberg berichtet: „Ich bin 23 Jahre alt und Studentin. Schon vor einem Jahr hat es angefangen. Ich spielte Tennis in der Mannschaft und irgendwann konnte ich nicht mehr auf den Platz. Seither mache ich eigentlich keinen Sport mehr. Sogar beim Autofahren habe ich mit dem Pedal Probleme. Das geht jetzt schon so seit einem Jahr, obwohl ich gleich zum Arzt gegangen bin.“ – Wo treten diese Schmerzen genau auf, was ist ihre Ursache, welche Beziehung haben sie zur Arthrose – und vor allem, was kann man selbst dagegen tun?

1. Schmerzen unter dem Großzehen-Ballen

Schmerzen unter dem Großzehen-Ballen bei jedem Schritt sind typisch für diese Erkrankung. Die Betroffenen beschreiben sie nicht als dumpf, sondern als hell und scharf: „Manchmal denkt man, man hat einen kleinen spitzen Stein im Schuh.“ Andere Patienten beschreiben ein Gefühl „wie wenn man auf eine Reißzwecke tritt“. In den meisten Fällen treten diese Schmerzen am innenseitigen Rand des Großzehen-Ballens auf. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie wir im Folgenden sehen.

2. Schmerzen am Fuß-Außenrand

Paradoxerweise kommen manche Patienten nämlich zum Arzt mit Beschwerden nicht im Bereich der Großzehe, sondern am Fußaußenrand. Dies hat der bekannte Fußspezialist Dr. Roger Mann (USA) mehrfach beobachtet. Auch die Schuhsohle wird in diesem Fall vermehrt auf dem Außenrand abgenutzt. Bei seiner sorgfältigen Untersuchung erkennt der erfahrene Arzt dann aber, dass die eigentliche Ursache im Großzehen-Ballen liegt. Es zeigt sich, dass dieser Bereich hochempfindlich ist und vom Patienten unbewusst geschont wird.

3. Sesambeine – ein natürliches „Kugellager“

Landläufig kaum bekannt ist eine erstaunliche anatomische Besonderheit des menschlichen Fußes. Im Großzehen-Ballen befinden sich direkt unter dem Gelenk in eine Sehne eingelagert zwei erbsengroße Knöchlein. Der Arzt nennt sie Sesambeine. Ihre Aufgabe ist es, die Sehne und das Gelenk zu schützen. Gegen den darüber liegenden Mittelfußknochen gleiten sie wie ein Gelenk – und haben auch eine Knorpelfläche. Wird diese zerstört, bildet sich eine Arthrose („Sesambein-Arthrose“). Besteht nur eine Entzündung, wird diese als „Sesambein-Entzündung“ oder „Sesamo-Iditis“ bezeichnet.

4. Sehr viel Last auf diesen zwei winzigen Knöchlein

Bei jedem Schritt wirkt nicht nur das normale Körpergewicht, sondern aus biomechanischen Gründen sogar das Mehrfache des Körpergewichts auf diese winzigen Knochen, oft bis zu 300 oder 400 Kilogramm! Beim Abrollen und Abdrücken, also in dieser letzten Schrittphase, steigt die Belastung auf besonders hohe Werte an. Erstaunlich ist, dass die kleinen Knöchlein – so lange sie gesund sind – dies über Jahre und Jahrzehnte tagein, tagaus klaglos ertragen.

5. Wenn zusätzlicher Druck hinzukommt …

Schmerzen treten typischerweise nach hoher Belastung im Sport oder im Beruf auf. Oft ist dies bei „Stop and go“-Sportarten oder nach Sprüngen der Fall. Sie können aber auch durch zu enge Schuhe ausgelöst werden. Sind feste Schuhe einfach zu eng („Vorsicht bei Sonderangeboten!“), führen sie zu einem Dauerdruck auf diese Knöchlein, wodurch sich deren Knochenhaut sowie Knorpel und Knochen entzünden. Unser erster Tipp zur Vorbeugung und zur Selbsthilfe besteht deshalb darin, stets Schuhe zu bevorzugen, die nicht zu eng sind und die auch von oben keinerlei Druck auf den Vorfuß ausüben.

6. Keine dünnen Ledersohlen

Patienten, die Beschwerden an den Sesambeinen haben, berichten auch immer wieder, dass das Tragen von Schuhen mit dünnen Ledersohlen – und besonders beim Gehen auf harten Gehwegen (Teer, Beton oder Kopfsteinpflaster) – die Beschwerden verstärkt. In den meisten Fällen sind deshalb Schuhe mit Gummisohlen zu bevorzugen. Auch fürs Büro gibt es dafür durchaus ansehnliche Modelle. Manchmal können Sportschuhe mit Luftpolsterung oder Schuhe mit leicht gebogener Sohle nützlich sein. Durch beides wird der Abrollvorgang erleichtert.

7. Weiches Fußbett

Unterstützen kann man dies noch, indem man beim Schuhkauf auf Modelle achtet, die ein besonders weiches Fußbett besitzen. Dies kann man leicht mit einem Fingerdruck auf die Schuhinnensohle überprüfen. Wenn in Schuhen genug Platz ist, kann man aber auch eine Weichschaum-Einlage verwenden. Solche Einlagen sind in Drogeriemärkten, im Sanitätshaus oder beim orthopädischen Schuhmacher preiswert erhältlich. Welche Weichbettung im eigenen Fall wirklich hilft, sollte man zuerst ausprobieren. Manchmal kann eine zu weiche Polsterung eher ungünstig sein.

8. Strümpfe unbedingt passend wählen

Erstaunlich ist, wie sehr sich die Beschwerden auch bei zu kleinen Strümpfen verstärken können. Doch fast noch gravierender wirkt es sich aus, wenn die Strümpfe um eine Schuhgröße zu groß sind und dann unter der Fußsohle kleine Falten bilden. Eine solche Falte, die sich gerade unter der Großzehe bildet, kann die Schmerzen dramatisch verstärken. Deshalb sollte man gut darauf achten, Strümpfe immer genau passgerecht zu tragen, so dass sie den Fuß glatt und angenehm umschließen.

9. Fäden im Inneren der Strümpfe

Aber auch passgerechte Strümpfe können Schmerzen auslösen und verstärken. Wenn man Wollstrümpfe nach links dreht, kann man nahe der Spitze oft einen recht dicken, gezwirbelten Faden entdecken, der etwa 2 bis 3 Zentimeter lang ist. Beim Gehen legt sich dieser Faden leicht auf die schon empfindliche Stelle des Großzehen-Ballens. Dadurch wird der Druck hier enorm ge- steigert. Stets sollte man deshalb Wollstrümpfe auf solche Fäden überprüfen und diese entfernen. Dies ist auch bei Sportsocken und bei elastischen sogenannten „Airport-Kniestrümpfen“ hilfreich.

10. Jegliche Dauerbelastung vermeiden

Ein weiterer nützlicher Tipp ist es, jede Dauerbelastung zu vermeiden, die den Gelenkknorpel der feinen Gelenke pausenlos zusammendrückt. Beim Sitzen am Schreibtisch, beim Studieren, beim Lesen usw. sollte man darauf achten, die Füße nicht nach hinten zu schlagen, sondern die Knie entspannt auszustrecken. Damit kann sich der Vorfußbereich erholen und die Sesambeine bleiben gesund. Unterstützen kann man dies durch ein regelmäßiges vollständiges Strecken der Knie mit Hochheben der Beine und Hochziehen der Fußspitzen.

11. Einfach und angenehm

Eine Kühlung des Fußes ist oft angenehm. Wann immer man Schmerzen im Vorfußbereich hat, ist es auch hilfreich, im Bett den betroffenen Fuß nicht zuzudecken. So wird er über mehrere Stunden angenehm gekühlt und zudem von jeglichem Druck befreit. Fast immer unterstützt dies die körpereigenen Heilungsvorgänge und wird sich deshalb positiv auswirken.

12. Zwei weitere Regeln

Manche Beschwerden an den Gelenken heilen in wenigen Tagen. Bei den Sesambeinen ist dies aber leider nicht der Fall. Vielmehr muss der Heilung viel Zeit gegeben werden, in der man auf jegliche Belastung verzichten muss und auch nicht zu früh „testen“ darf. Wenn die ersten Beschwerden nicht erst Stunden nach einer bestimmten Belastung, sondern plötzlich während derselben aufgetreten sind, so kann es sich auch einmal um einen Sesambein-Knochenbruch handeln. Besonders dann sollte man frühzeitig einen Fußspezialisten aufsuchen, um diese und andere seltene Ursachen auszuschließen.