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Praktische Tipps bei „Bouchard-Arthrose“

Arthrose betrifft besonders oft die Finger. Über die Arthrose der Endgelenke (die sogenannte Heberden-Arthrose) haben wir bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 102 und 112 ausführlich berichtet. Arthrose kann aber auch die mittleren Gelenke der Finger betreffen. Diese Mittelgelenk-Arthrose wird ärztlich meist als „Bouchard-Arthrose“ bezeichnet, da sie von dem französischen Arzt Herrn Dr. Bouchard bereits vor über 100 Jahren beschrieben wurde. Warum beeinträchtigt gerade diese Arthrose jeden Handgriff so sehr? Was kann man selbst dagegen tun, und welche weiteren Möglichkeiten stehen den Ärzten zur Verfügung? Zu all diesen Fragen haben wir wieder – zusammen mit zahlreichen Experten – mehrere wichtige Tipps zusammengetragen.

1. Belastungsschmerz

Oft sind es typische Alltagstätigkeiten, die gerade die mittleren Gelenke der Finger hoch beanspruchen, ja überlasten. Jeder von uns, der eine volle Wasserkocher-Kanne in der Hand hält, spürt, wie hoch der seitliche Druck auf die Fingergelenke ist und wie leicht die Gelenke dadurch überfordert werden können. Umso mehr ist dies bei einer Arthrose der Mittelgelenke der Fall. Volle Kannen sind dann kaum noch zu heben, das Öffnen der Haus- oder Wohnungstür mit dem Schlüssel schmerzt, und selbst Teller können aus der Hand fallen

2. Morgensteifigkeit

Aber auch ohne jegliche bewusste Belastung fällt vielen Betroffenen auf, wie steif die Finger vor allem morgens beim Aufwachen sind, und dass das Schließen der Hand große Mühe macht. Manche Mitglieder haben beobachtet, dass es ihnen schon hilft, die Hände unter fließendes warmes Wasser zu halten, um die Beweglichkeit zumindest ein wenig zu verbessern.

3. Warm halten

Bei chronischer Bouchard-Arthrose hilft es meist, die Hände auch tagsüber warmzuhalten. Ein Mitglied hat beobachtet, wie gut es ihr tut, nicht nur im Winter, sondern bereits im Herbst und auch noch im Frühjahr beim Radfahren Handschuhe zu tragen, damit die Hände durch den Fahrtwind nicht auskühlen, sondern schön warm bleiben. Auch bei längeren Spaziergängen ist dies sehr empfehlenswert. Kühlung hingegen kann bei akuter Entzündung wirksam helfen

4. Regelmäßig leicht durchbewegen

Bei der chronischen Arthrose der Mittelgelenke helfen nicht nur Schutz und Wärme, sondern auch das regelmäßige leichte Durchbewegen der Finger. Ein fast spielerisches Öffnen und Schließen der Hände ohne Widerstand kann den betroffenen Gelenken gut tun und die Beweglichkeit erhalten. Dies hilft, eine fortschreitende Einsteifung zu verhindern, und fördert auch den Stoffwechsel des Gelenkknorpels. Schonung, Wärme und Bewegung ohne Belastung sind somit die ersten bedeutenden Selbsthilfe-Maßnahmen bei einer Bouchard Arthrose. Was sollte man noch beachten?

5. Nicht klammern

Wer regelmäßig Auto fährt, kann oft mit Staunen beobachten, wie ungeduldig und hektisch der Verkehr vielerorts geworden ist. Gerade zu Zeiten des Berufsverkehrs will so mancher ein zu spätes Aufstehen durch besonders aggressives und riskantes Fahren kompensieren. Dies führt leider bei vielen zu einem intensiven „Klammern“ der Hände am Lenkrad, wodurch die schon geschädigten Gelenke über längere Zeit hoch belastet werden. Auch das lange Halten großer Computer-Tablets stellt eine beachtliche Belastung dar. Dies sollte nicht unterschätzt und besser vermieden werden.

6. Vorsicht mit „Therapie-Kneten“

Auch heute noch wird das Kneten einer steifen Masse („Therapie-Knete“) von vielen Therapeuten empfohlen, um die Muskulatur der Hand zu kräftigen. Da dies aber die Gelenke oft beträchtlich belastet, kann es die Arthrose verschlimmern und wird deshalb von uns nicht mehr empfohlen. Das Gleiche gilt für das wiederholte Zusammendrücken sogenannter „Igel-Bälle“ aus Gummi. Nur die ganz weichen Bälle aus Schaumstoff („Softbälle“) können für Handübungen bei Arthrose noch von gewissem Nutzen sein.

7. Vorsicht im Sportstudio

Das Trainieren in Sportstudios und Fitness-Centern ist heute weitverbreitet, und zwar in allen Altersgruppen – von Kindern bis hin zu Senioren. Bestimmte, zunächst harmlos erscheinende Übungen können die Hände aber beträchtlich belasten. Wann immer nach dem Training die Hände anschwellen und zunehmend steif werden oder sogar schmerzen, sollte man diese Übungen reduzieren oder ganz durch andere ersetzen. In guten Studios kann man sich auch vom Fachpersonal entsprechend beraten lassen.

8. Nützliche Handtherapie

Allgemein schätzen die meisten Experten eine auf die Hände spezialisierte Ergotherapie als sehr günstig ein. Eine allgemeine Physiotherapie hingegen kann leicht zu einer ungewollt hohen Beanspruchung der Hände führen. Physiotherapie wird deshalb auch nur bei solchen Therapeuten empfohlen, die sich ebenfalls auf die Behandlung der Hände spezialisiert haben. Sie tragen dann gleichfalls die Bezeichnung „Hand-Therapeuten“. Hand-Therapeuten sind also Ergotherapeuten oder Krankengymnasten, die über eine spezielle Ausbildung in der Behandlung der Hände verfügen.

9. Röntgenreiz-Bestrahlung

Eine spezielle Röntgenbestrahlung der schmerzenden Gelenke wird von einigen Ärzten als denkbare Therapie empfohlen. Es gibt aber auch gewichtige Stimmen, die entschieden davon abraten, da einige Ärzte immer wieder auch Hautschäden beobachtet haben, wenn die Bestrahlung zu hoch dosiert war. Wer diese Methode dennoch ausprobieren möchte, für den ist es empfehlenswert, sich mit anderen Patienten zu unterhalten, die schon Erfahrung mit dieser Therapie haben. Auch Hausärzte und behandelnde Fachärzte können gut beraten.

10. Durchtrennung der Schmerz-Nerven

Auch mit diesem Verfahren haben die Experten recht unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Mit einem sehr kleinen operativen Eingriff durchtrennen Handchirurgen dabei nur diejenigen Nerven, die das schmerzende Arthrose-Gelenk versorgen. Dies ist jedoch eine rein symptomatische Behandlung und darf keinesfalls dazu verführen, das geschädigte Gelenk wieder „normal“ hoch zu belasten, da dies die Arthrose unweigerlich verstärken würde. Auch die Beweglichkeit wird kaum verbessert. Die „Nerven-Kappung“ wird deshalb längst nicht von allen Experten empfohlen.

11. Künstlicher Ersatz 1: „Spacer“

Während bei den Endgelenken (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 112) eine operative Versteifung ausgezeichnete Ergebnisse bringt, besteht an den Mittelgelenken der „Gold-Standard“ in einer Operation, mit der bereits ein halbes Jahrhundert Erfahrung gesammelt wurde. Es handelt sich um die „Swanson-Prothese“, die auch als „Spacer“ bezeichnet wird (gesprochen „spe-i sser“). Diese Silikon-Prothese ist elastisch und hält je nach Beanspruchung rund 10 Jahre oder länger. Sie erlaubt eine Beweglichkeit von etwa 45 Grad und ist somit nur ein behelfsmäßiger Ersatz für die erkrankten Gelenke.

12. Künstlicher Ersatz 2: „Oberflächenersatz“

Lange Jahre und Jahrzehnte wurde versucht, die erwähnten Spacer durch übliche künstliche Gelenke zu ersetzen. Leider sind diese Versuche lange Zeit fehlgeschlagen. Erst in neuester Zeit wurde in Zürich eine „Oberflächenersatz-Prothese“ entwickelt, mit der nach Meinung einiger Experten jetzt ein Durchbruch gelungen ist. Der große Vorteil: Sie ermöglicht eine deutlich größere Beweglichkeit als ein Spacer. Ihre langjährige Haltbarkeit muss aber noch weiter untersucht werden. Für nicht wenige Handspezialisten sind die Spacer deshalb bislang immer noch die erste Wahl geblieben