In vielen Fällen hat die Hüftarthrose ihre Ursache bereits in den Kindheitstagen, ja sogar schon zum Zeitpunkt der Geburt. Ergänzend zu den sechsunddreißig Tipps, die wir zu dieser häufigen Arthrose bereits genannt haben, möchten wir daher diesmal zunächst einige interessante Hinweise zur Vorbeugung im Kindesalter vorstellen, die in manchen Fällen helfen können, den Kindern oder Enkelkindern einmal eine spätere Arthrose zu ersparen. In den weiteren Tipps beschreiben wir dann eine Reihe nützlicher Hinweise zum eigenen Verhalten bei vorhandener Arthrose und möchten auch alle früheren Tipps nochmals empfehlen.
Viele Ursachen der Hüftarthrose reichen bis in die Kindheitstage zurück. Neben den Hüftgelenkveränderungen des Klein- und Schulkindes (siehe Tipp 2 und 3) kann auch die Form des Gelenks zum Zeitpunkt der Geburt über das spätere Schicksal entscheiden. Die heutige Ultraschalluntersuchung der Hüften des Neugeborenen und das sogenannte „breite Wickeln“ scheinen sich aber bereits segensreich auszuwirken. Sie können helfen, die sogenannte „Dysplasie“-Hüfte frühzeitig zu behandeln. Die Teilnahme an allen Vorsorgeuntersuchungen ist daher allen Eltern unbedingt zu empfehlen.
Schmerzen nicht an der Hüfte, sondern im Knie, sind auch bei Kindern oft die einzigen Anzeichen einer Hüftgelenkerkrankung. Alle Knie-Schmerzen eines Kindes müssen daher ernst genommen und ärztlich untersucht werden. Nicht selten kann dann eine Hüfterkrankung schon in einem frühen Stadium erkannt und leichter behandelt werden. Kritisch für kindliche Hüftgelenkerkrankungen sind oft die Zeiten zwischen dem vierten und achten sowie dem zehnten und sechzehnten Lebensjahr.
Auch ein leichtes Hinken kann bei Kindern ein Symptom einer Hüfter-krankung sein, selbst wenn das Kind zunächst über keinerlei Schmerzen klagt. Möglicherweise fällt lediglich eine rasche Ermüdbarkeit des Kindes auf oder eine ungewöhnliche abendliche Erschöpfung. Diese Frühzeichen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Manchmal können sie auf eine Erkrankung der Hüftgelenke hinweisen, die dann wirksam behandelt werden kann. So manche spätere Arthrose kann damit vermieden werden.
Wenn bei Kindern die Füße beim Gehen nicht nach vorn, sondern weit nach innen zeigen, liegt die Ursache oft in einer ungewöhnlichen Stellung des Hüftkopfes, die ärztlich untersucht werden sollte. Meist wächst sich dies nach wenigen Jahren von selbst wieder aus. Eine Sitzhaltung beim Spielen, bei der das Kind mit dem Po zwischen den Fersen sitzt („umgekehrter Schneidersitz“), sollte konsequent vermieden werden. Stattdessen sollten die Beine besser ausgestreckt und gespreizt werden, sodass das Kind seine Spielsachen zwischen die Beine legen kann.
Jedes Gelenk braucht Bewegung, besonders auch das arthroseerkrankte. Stets sollte man bei Arthrose aber Belastungen vermeiden und bewusst auch häufige Pausen einlegen. So kann der Wanderweg oder der Einkaufsbummel so gewählt werden, dass es möglich ist, etwa alle zwanzig Minuten eine Pause einzulegen. Auch bei der Hausarbeit empfiehlt es sich, Arbeiten im Stehen mit solchen, die man im Sitzen durchführen kann, bewusst abzuwechseln (ein nützliches Hilfsmittel beschreiben wir in Tipp Nr. 8).
Von erfahrenen Praxisärzten wird uns immer wieder die folgende wichtige Beobachtung berichtet: Obwohl Arthrose mit Gicht eigentlich nichts zu tun hat, können bereits leichte und mittlere Erhöhungen der Blutharnsäure, die noch keine Gichtanfälle auslösen, das Arthrosegelenk empfindlich machen und die Schmerzen verstärken. Ein Versuch mit einer sogenannten harnsäurearmen Ernährung ist deshalb – nach Absprache mit dem behandelnden Arzt – auch bei Hüftarthrose sinnvoll (siehe auch unseren Buchtipp „Harnsäurespiegel senken ...“ in ARTHROSE-INFO Nr. 22).
Sehr praktisch kann auch ein zusammenklappbarer Spazierstock sein, der in jede Tasche passt und den man bei Bedarf rasch entfalten und beim Gehen und Wandern benutzen kann. Er verfügt über einen schönen, angenehmen Holzgriff, einen Gummistopper, hat zusammengefaltet eine Länge von nur 30 Zentimetern und kann mit einem einfachen Handgriff auf verschiedene Höhen eingestellt werden. Er ist aus Aluminium und daher besonders leicht. (Bezug: z. B. Versandhaus Walz, Anschrift siehe Tipp 8, oder bei www.amazon.de)
Unser Mitglied Frau Ursula G. aus Zittau hat mit dem Stehstuhl (auch Stehhilfe genannt), den wir im ARTHROSE-INFO Nr. 61, Tipp Nr. 9 beschrieben haben, bei der Hausarbeit sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch bei Hüftarthrose kann dieser Stehstuhl wertvoll sein. Bezug: In vielen Kauf- und Möbelhäusern sowie z. B. bei: SSI Schäfer Shop GmbH, Industriestraße 65, 57518 Betzdorf, Telefon 02741/286-222, beim Versandhaus Walz (Katalog: walzvital), 88336 Bad Waldsee, Bestell-Telefon 0180/5334011 (0,14 €/Min.), oder bei www.amazon.de.
Wenn die Hüftarthrose fortgeschritten ist und sich die Hüfte nicht mehr so gut beugen lässt, bereitet auch das Anziehen der Schuhe manchmal Mühe. In dieser Situation kann die Verwendung elastischer Schuhriemen hilfreich sein. Unter Zuhilfenahme eines langen Schuhlöffels können dann auch Schnürschuhe an- und ausgezogen werden, ohne die Riemen öffnen und binden zu müssen. Erhältlich sind diese Schuhriemen in allen Sanitätsfachgeschäften. Hersteller ist z. B. die Firma Thomashilfen in Bremervörde.
Nicht nur nach Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks, sondern auch bei fortgeschrittener Hüftarthrose, die noch nicht operiert ist, kann eine Toilettensitzerhöhung sehr hilfreich sein. Auf ärztliche Verordnung wird sie meist vom Sanitätshaus geliefert und montiert. In manchen Fällen wird der Arzt auch ein Modell empfehlen, das zusätzlich über zwei seitliche Griffe verfügt, die das Hinsetzen und Aufstehen erleichtern.
Die Berliner Forschungsgruppe, die wir bereits im ARTHROSE-INFO Nr. 16 vorgestellt haben, hat bisher Folgendes gemessen: Bei einseitiger Hüftarthrose sollte man ein Gewicht, wie z. B. einen Koffer, am ehesten auf der kranken Seite (!) tragen. Dadurch wird das Gelenk erstaunlicherweise um zwanzig Prozent weniger belastet, als wenn die Last auf der gesunden Seite getragen wird. Noch besser ist es aber, bei Hüftarthrose ganz auf das Tragen von Lasten zu verzichten.
In Ergänzung zu unseren früheren Übungstipps möchten wir diesmal auch den sogenannten Stepper erwähnen. Dieser hat bereits unter Sportlern viele Freunde gewonnen. Vermutlich kann er auch bei leichter Hüftarthrose für das Muskel- und Kreislauftraining akzeptiert werden, wenn man das Training wohl dosiert. Sobald uns exakte biomechanische Daten vorliegen, werden wir berichten. Vorteile des Gerätes sind: Es nimmt wenig Platz ein, ist preisgünstig und das Training macht Spaß. Geräte verschiedener Hersteller sind über Sportgeschäfte, Kaufhäuser und Internet ab ca. EUR 50,– erhältlich.