In bereits acht Ausgaben des ARTHROSE-INFOS haben wir wichtige Tipps bei Arthrose sowie bei Bandscheibenvorfällen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) vorgestellt, die wir nochmals empfehlen möchten. Beiden Diagnosen gehen oft jahrelange Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich voraus, gegen die man auch selbst viel tun kann. Was sind die typischen Beschwerden? Welche zwei Ursachengruppen sollte man kennen, und welche einfachen, aber wirksamen Maßnahmen kann man gegen die Schmerzen ergreifen? Hierzu geben wir im Folgenden zwölf interessante Tipps.
Verspannungen im Nackenbereich können sich allein auf diesen oder zusätzlich auf eine oder beide Schulterblattseiten erstrecken. Nicht selten kommt das Gefühl einer schweren Last hinzu. Diese kann den ganzen Menschen niederdrücken. Oft bemerken schon junge Erwachsene diese Beschwerden, anfangs kaum spürbar und vorübergehend, aber dann immer stärker und langanhaltender. Sie können aber auch in jedem anderen Alter auftreten.
Bei allen neu auftretenden Schmerzen im Nackenbereich sollte man frühzeitig zum Arzt gehen, damit die Ursache geklärt werden und die Behandlung früh beginnen kann. Im Zweifelsfall wird der Arzt dann auch Röntgen- und gegebenenfalls zusätzlich MRT-Aufnahmen anfertigen lassen. Sehr oft werden diese aber keine wesentlichen Befunde ergeben. Kleine unbedeutende Nebenbefunde dürfen dabei nicht zu hoch bewertet werden. Hierzu zählen zum Beispiel kleine knöcherne Verbreiterungen ("Ausziehungen"), die mit zunehmendem Lebensalter ganz normal sind.
Unser Kopf wiegt etwa sieben Kilogramm. Nur wenn man eine entspannte und aufrechte Haltung einnimmt, wird diese Last leicht von der Wirbelsäule getragen und man fühlt sich frei und unbeschwert. Bei längeren PC-Arbeiten, bei Überkopfarbeiten oder z. B. im Friseur-Handwerk wird man aber oft längere Zeit mit gebeugter Nackenhaltung arbeiten. Die Last des Kopfes muss dann verstärkt von den Nackenmuskeln gehalten werden. Auch neigen große Menschen, insbesondere Frauen, manchmal dazu, eine etwas gebückte Haltung einzunehmen, um kleiner zu wirken.
Wie bereits in mehreren ARTHROSE-INFOS zur HWS beschrieben, kann man auch durch die Anpassung des Arbeitsplatzes viel erreichen. Hierzu gehören die passenden Stuhl- und Schreibtischplattenhöhen. Das gleiche gilt für den richtigen Abstand zwischen PC-Monitor und Augen, der etwa 50 cm betragen sollte. Wenn man eine Lesebrille benötigt, wird man meist feststellen, dass man für die Arbeit am Computer-Bildschirm eine etwas schwächere Dioptrienzahl benötigt. Deshalb kann es hilfreich sein, zwei verschieden starke Lesebrillen – oder sogar eine spezielle PC-Brille – zu benutzen.
Bei Verspannungen im Nackenbereich gehört zur Behandlung immer auch eine gute Physiotherapie, die der Arzt verordnen wird. Zu den vielen Übungen, die man dabei erlernen kann, kann auch die sogenannte Alexander-Technik zählen. Sie geht auf den australischen Schauspieler Frederick M. Alexander (1869 – 1955) zurück. Dieser suchte nach Lösungen für seine Stimmprobleme und entdeckte, wie er sich selbst bewusst und wirksam steuern konnte. Inzwischen ist diese Technik auch in der Physiotherapie anerkannt und kann bei Nackenbeschwerden nützlich sein.
Aber auch ganz einfache Übungen können viel bewirken. Nie sollte man mehrere Stunden in der gleichen Haltung verharren. Erst recht sollte man eine nach vorn gebeugte Haltung vermeiden. Viele kleine Pausen kann man für einfache Gymnastikübungen nutzen. Hierzu gehören z. B. behutsame Kreisbewegungen der Schultern nach vorn und nach hinten sowie das sanfte Seitwärtsziehen des Kopfes. Dessen Wirkung wird noch verstärkt durch ein bewusstes nach unten Strecken des gegenseitigen Arms (2). Dies hilft, die verkrampften, schmerzenden Muskeln vorsichtig zu dehnen und zu lockern.
Regelmäßig Sport zu treiben fördert die allgemeine Gesundheit und vermindert auch die Verspannung der Muskulatur in vielen Bereichen des Körpers. Dies gilt besonders für die Nackenregion. Die einfachsten Formen des Sports sind sicherlich längere Spaziergänge oder das Wandern. Wenn man in einer sicheren Gegend wohnt, kann man sich auch das abendliche Spazierengehen zur festen Gewohnheit machen. Dies hilft zudem gegen die zweite wichtige Ursache, die wir im Folgenden beschreiben.
Seelische Belastungen drücken nicht nur auf die Stimmung. Vielmehr reagieren auch verschiedene Muskelgruppen mit erhöhter Anspannung. “Immer mehr, immer schneller, immer wie eine Maschine funktionieren” ist nicht gesund und sollte soweit wie möglich vermieden werden. Ebenso sollte man sich jeden Tag etwas Zeit nehmen, um z. B. auch über philosophische oder religiöse Themen nachzudenken. Dies kann helfen, so manche Rückschläge, Enttäuschungen und sogar Schicksalsschläge, die leider in jedem Leben unvermeidlich sind, mit mehr innerer Stärke zu meistern.
Wie oft kehren unsere Gedanken immer und immer wieder in die Vergangenheit zurück und lassen “innere Filme” von früheren Kränkungen, Enttäuschungen oder Schicksalsschlägen ablaufen. Wie der Dichter aber sagt: Höher erhebt sich der Mensch nie, als wenn er vergibt! Einen großen Schritt nach vorne tut jeder, der anderen verzeiht und auch seine eigenen Fehler annimmt und damit abschließt. Zudem kann man sich ganz bewusst vor der Flut der Skandal-Nachrichten schützen. Das eigene Leben selbst zu leben ist für sich und für alle, für die man da ist, das Allerbeste.
Immer wieder kann man erstaunt sein, wie gut es tut, sich schon am Vortag die zwei oder drei wichtigsten Aufgaben des kommenden Tages aufzuschreiben. Dies heißt nicht, sich schon jetzt damit zu befassen, sondern nur zu wissen: Diese Punkte stehen morgen an und denen werde ich mich dann, wenn es an der Zeit ist, zuwenden. Genauso wichtig ist es auch, sich in jeder Woche einen Tag von Trubel und beruflicher Arbeit vollständig frei zu halten. Dies hat man schon vor Tausenden von Jahren erkannt und gilt heute mehr denn je!
Auch eine fachliche Unterstützung kann helfen, so manche Sorgen loszulassen und die eigenen Kräfte aufzufrischen und zu stärken. Viele Betroffene berichten, wie gut ihnen Gespräche mit einem verständnisvollen psychologischen Psychotherapeuten getan haben. Dies gilt besonders auch für die sogenannte Logotherapie, in der einige Psychologen speziell ausgebildet sind. Meist wird man staunen, wie wirksam diese sein kann und wie angenehm die Unterhaltung ist. Warum sollte man sich also scheuen, den eigenen Arzt um eine entsprechende Empfehlung zu bitten?
In den allermeisten Fällen von Schulter-Nacken-Verspannungen sind Operationen nicht erforderlich, ja sogar kontra-indiziert. Ausnahmen sind lediglich sehr seltene Ursachen, wie z. B. die Einengung des Wirbelkanals, große Bandscheibenvorfälle oder Tumore. Vor einer Operation empfiehlt es sich daher, die Meinung eines zweiten erfahrenen Arztes einzuholen. In vielen Fällen werden dann auch erst einmal einfache konservative Methoden empfohlen. Auch wird jeder Arzt noch weitere Tipps geben können, was man selber zur Lockerung und Entspannung des Nackenbereichs tun kann.