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Tipps bei Lockerung des künstlichen Hüftgelenks

Wer sich nach langen Jahren mit einer Hüft-Arthrose für das Einsetzen eines künstlichen Gelenks entscheidet, hat große Erwartungen, dass das neue Gelenk für immer halten wird. Was aber, wenn später doch wieder Schmerzen auftreten und sich herausstellt, dass sich das künstliche Gelenk gelockert hat? Was sind die typischen Symptome? Wie stellt der Arzt die Diagnose, und was ist vor und nach einer Aus-tausch-Operation zu beachten? Diesen wichtigen Fragen möchten wir uns in der heutigen Ausgabe zuwenden. Die grundlegenden Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 8, 18, 28 und 38 dürfen wir vorab nochmals bestens empfehlen. Im Falle eines Bruchs des Keramikkopfs siehe auch unseren wichtigen Hinweis im INFO Nr. 105 auf Seite 15.

1. Lockerungen sind selten

Lockerungen (und andere Komplikationen) sind zum Glück selten. Von den über 200.000 künstlichen Hüftgelenken, die zurzeit jährlich in Deutschland eingesetzt werden, sind nach heutigem Stand über 90 Prozent auch 15 Jahre nach der Operation noch voll funktionsfähig. Etwa 80 bis 85 Prozent halten sogar 20 Jahre und länger. Ein höheres Lockerungsrisiko scheinen jüngere, aktive Prothesenträger zu haben und vermutlich auch Männer. Es wird angenommen, dass beide Gruppen ihre Prothese stärker belasten und dadurch eine höhere Lockerungsrate aufweisen.

2. Pfanne oder Schaft betroffen?

Ein künstliches Hüftgelenk besteht aus zwei Teilen: der Gelenkpfanne und dem Gelenkkopf. Die Gelenkpfanne ist im Beckenknochen befestigt. Der Gelenkkopf befindet sich auf dem Prothesenhals, der seinerseits bei den meisten Prothesen-Modellen über einen „Schaft“ im Oberschenkelknochen fest verankert ist. Beide Komponenten können mit oder ohne Knochenzement eingesetzt sein. Bei einer Lockerung des künstlichen Hüftgelenks können entweder allein die Pfanne oder allein der Schaft oder beide Teile gleichzeitig betroffen sein.

3. Ursache 1: Belastung erzeugt Abrieb

Pro Jahr macht man mindestens eine Million Schritte. Bei jedem Schritt bewegt sich der Gelenkkopf in der Gelenkpfanne und erzeugt eine winzige Abnutzung, die sich im Laufe der Zeit zu einem beträchtlichen Abrieb summieren kann. Nach mehreren Jahren kann so z. B. die Innenfläche der Pfanne eine erhebliche Ausbuchtung aufweisen und zur Folge haben, dass die Prothese einseitig („exzentrisch“) belastet und das Gehen möglicherweise unsicher wird. Diese ungünstige Belastung und auch die entstandenen Abriebteilchen sind die häufigste Ursache für eine Lockerung.

4. Ursache 2: Knochenrückbildung

Zwei Mechanismen können dazu führen, dass sich das Knochengewebe trotz seiner natürlichen Härte von der Prothese zurückzieht und sie damit lockert: (1) Wiederholte zu hohe Belastungen des Gelenks überfordern und schädigen den Knochen und führen zu einem örtlichen Knochenschwund (Wolff’sches Gesetz). (2) Abriebteilchen (siehe Tipp 3) können in die Grenzfläche zwischen Prothese und Knochen eindringen. Das Knochengewebe reagiert darauf mit der Bildung von Entzündungsgewebe („Fremdkörper-Granulomen“), das ebenfalls zu einer Knochenrückbildung führen kann.

5. Neu auftretende Schmerzen

Das erneute Auftreten von Schmerzen nach monate- oder jahrelanger Schmerzfreiheit kann ein deutlicher Hinweis auf eine Lockerung sein. Neu auftretende Leisten- oder Gesäßschmerzen können auf eine Pfannen-Lockerung, Oberschenkelschmerzen auf eine Schaft-Lockerung hindeuten. Allerdings werden nicht alle Schmerzen durch eine Lockerung verursacht. Schmerzen können auch auf eine bakterielle Infektion hindeuten. Auch die Lendenwirbelsäule kann oft Ursache dieser Schmerzen sein.

6. Frühzeitige Diagnostik

Entscheidend für die Diagnostik sind Röntgenaufnahmen, die von Experten zur regelmäßigen Kontrolle empfohlen werden. Oft werden auch die früheren, gleich nach der Operation angefertigten Aufnahmen zum Vergleich benötigt. Es empfiehlt sich daher, diese früheren Aufnahmen bereits vor dem Arztbesuch anzufordern, um sie mit in die Sprechstunde zu nehmen. Nicht selten zeigen die Röntgenaufnahmen die beginnende Lockerung bereits, bevor die ersten Schmerzen auftreten.

7. Muss immer ausgetauscht werden?

Die einzig wirksame Behandlung einer Lockerung besteht in der Entfernung der alten Prothese und dem Einsetzen eines neuen Gelenks („Austausch-Operation“). Oft muss dabei nur der gelockerte Teil der Prothese ausgetauscht werden. Wie dringend ist die Operation? Es gilt die Regel: „Nicht zu lange warten“. Dringlich ist eine Operation bei drohendem größerem Knochenverlust. Je ausgedehnter der Knochenschwund, umso schwieriger wird es nämlich, die neue Prothese zu befestigen, und umso länger und riskanter wird dann die ohnehin unvermeidliche Operation.

8. Vorbereitung auf die Austausch-Operation

Bis zum Aufnahme-Termin vergehen oft noch mehrere Wochen, die man für eine optimale Vorbereitung nutzen kann: (1) Untersuchung beim Hausarzt und gegebenenfalls Behandlung von Blutzucker, Blutdruck, Entzündungsherden, Blutarmut (Anämie) oder der Zähne; (2) organisatorische Vorbereitung und (3) eine betont gesunde Lebensweise, zu der neben einer gesunden, vitaminreichen Ernährung die Einhaltung eines günstigen Körpergewichts und auch die Einschränkung des Rauchens gehören können. Je gesünder man ist, umso besser wird auch der operative Eingriff überstanden.

9. Die Austausch-Operation ist oft ein größerer Eingriff

Die Entfernung der alten Prothese und die manchmal schwierige Befestigung der neuen Prothese machen die zweite Operation durchschnittlich doppelt so lang wie die erste. Es empfiehlt sich daher, diesen größeren Eingriff in einer darin besonders erfahrenen Klinik vornehmen zu lassen, die auch über die entsprechenden Voraussetzungen verfügt. Dazu zählen: besonders erfahrene Operateure, ein spezielles OP-Instrumentarium, eine Vielzahl von vorrätigen Austauschprothesen sowie moderne Möglichkeiten des Blutersatzes (siehe INFO Nr. 18).

10. Mögliche Einschränkungen und Risiken

Nach der Austausch-Operation ist öfter als nach der Erst-Operation mit Einschränkungen und Risiken zu rechnen. Man wird eventuell über weniger Kraft und weniger Bewegungsumfang verfügen und länger auf Hilfsmittel angewiesen sein (Gehhilfen, Greifhilfen, Toilettensitzerhöhung, s. INFO Nr. 28 und Nr. 29). Auch müssen bestimmte Bewegungen vermieden werden, die das Ausrenken des künstlichen Gelenks begünstigen können. Ist zudem das operierte Bein kürzer oder länger, so wird die Differenz durch eine entsprechende Schuhsohlen-Erhöhung ausgeglichen.

11. Vorsicht bei Infekten

Wer ein künstliches Gelenk besitzt – und besonders ein ausgetauschtes – muss wissen, dass alle Infekte ein besonderes Risiko bedeuten. Jede eitrige Entzündung birgt die Gefahr in sich, dass sich Bakterien am künstlichen Gelenk ansiedeln und einen erneuten Austausch des Gelenks notwendig machen. Früh ist daher eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika erforderlich bei bestimmten Zahnbehandlungen und Entzündungen der Bronchien, der Haut, der Gallenblase sowie der Harnwege.

12. Sport besser nein – Bewegung ja

Viele Austausch-Prothesen sind nicht so belastbar wie die Erst-Prothese. Experten empfehlen daher oft, bei einem Austauschgelenk auf sportliche Belastungen ganz zu verzichten. Alpines Skifahren, Joggen und Ballsportarten können das ausgetauschte Gelenk gefährden. Auf jeden Fall ist vor der Aufnahme von sportlichen Aktivitäten der Rat des behandelnden Arztes einzuholen. Gegen Spazierengehen und kleinere Wanderungen in ebenem Gelände werden meist keine Bedenken bestehen. Beides kann viel zur Lebensfreude beitragen und die Knochen stärken.