Die Arthrose des oberen Sprunggelenks (das von vielen Patienten auch einfach nur „das Fußgelenk“ genannt wird) betrifft auffallend viele junge Männer. In späteren Lebensjahren sind jedoch Männer und Frauen gleich oft betroffen. Zu den vielen Informationen, die wir hierzu bereits in mehreren früheren ARTHROSE-INFOS gegeben haben, möchten wir heute auf weitere erstaunliche Besonderheiten hinweisen und viele hilfreiche Tipps geben. Allen Experten, die uns dabei beraten haben, danken wir sehr herzlich.
Die Arthrose des Sprunggelenks führt auffallend spät zu Beschwerden. Wenn jedoch die Schmerzen einmal begonnen haben, tut oft jeder Schritt weh. Besonders sind es die ersten Schritte morgens nach dem Aufstehen, die äußerst schmerzhaft sind. Aber auch im Laufe des Tages wird die Gehstrecke immer kürzer und kürzer, bis selbst das Einkaufen kaum noch möglich ist. Zu den Schmerzen kommt häufig noch eine deutliche Schwellung im Bereich der Knöchel hinzu. Selbst Halbschuhe drücken dann mit den Rändern und erhöhen die Schmerzen noch zusätzlich.
Vielen Betroffenen fällt auch auf, dass sie den Fuß nicht mehr so gut nach oben ziehen können. Vielmehr nimmt der Fuß immer mehr eine nach unten gebeugte Stellung ein. Der Arzt nennt dieses Symptom „Spitzfuß“. Schon bei kleinsten derartigen Veränderungen ist die Folge ein häufiges Stolpern und Hängenbleiben mit der Fußspitze an selbst kleinsten Unebenheiten in der Wohnung, auf dem Gehweg oder auf öffentlichen Plätzen. Auch das Trepp-auf-Gehen fällt zunehmend schwerer. Beides kann zu gefährlichen Stürzen führen.
Die beschriebene Spitzfuß-Stellung ist häufig durch kleine knöcherne Spornbildungen („Osteophyten“) an der Vorderkante des oberen Sprunggelenks verursacht. Nicht selten beginnt die Arthrose gerade in diesem Bereich und regt die Bildung kleiner Knochenzacken an. Je größer diese knöchernen Ausziehungen werden, umso mehr behindern sie das Heben des Fußes. Die sicherste und beste Lösung ist, sie mit einer einfachen Gelenkspiegelung durch kleine Hautöffnungen zu entfernen. Dann können Schmerzen und Einschränkungen schlagartig gemindert sein.
Eine Arthrose des oberen Sprunggelenks kann sich aber nicht nur an der Vorderkante entwickeln. Sie kann auch durch eine seitliche Verkantung des Gelenks entstehen. Diese ist oft die Folge einer früheren Umknick-Verletzung – mit oder ohne Knochenbruch. Ebenso kann sie durch eine starke X- oder O-Bein-Stellung verursacht sein. Um den erkrankten Bereich zu entlasten und die Stellung des Gelenks zu verbessern, sind größere Operationen notwendig. Der Arzt spricht hier von einer „operativen Achsenkorrektur“.
Künstliche Gelenke sind auch am oberen Sprunggelenk immer weiter verbessert worden (siehe hierzu auch die vielen Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 94). Aber es ist wichtig zu wissen, dass ihre durchschnittliche Haltbarkeit wesentlich kürzer ist als die der Hüft- oder Knie-Endoprothesen. Jeder Spezialist wird deshalb besonders sorgfältig abwägen, ob er bei schwerster Arthrose diese Operation empfehlen wird oder die folgende Alternative bevorzugt, sofern die Nachbargelenke gesund sind.
Die Alternative löst bei ihrer Nennung beim Patienten zunächst Schrecken und Ablehnung aus: die „Versteifungs-Operation“ (Fusion). Sie bringt aber bedeutende Vorteile mit sich. Wenn das obere Sprunggelenk durch eine Operation versteift wird, kann man viel besser gehen als vorher! Die Schmerzen sind beseitigt und beim Gehen fällt kaum ein Unterschied zur gesunden Seite auf. Ein Experte beschreibt es so: „Ein Laie wird keinen Unterschied beim Gehen erkennen können. Nur der Spezialist wird einen feinen Unterschied wahrnehmen, wenn er den so behandelten Patienten auf der Straße gehen sieht!“
Kann man denn heute nicht auf die drei zuletzt genannten Operationen ganz verzichten? Ist es noch nicht möglich, das Gelenk durch die neuen Verfahren der Knorpelzüchtung und Knorpeltransplantation wieder ganz gesund zu machen? Trotz der großen Fortschritte, die bei begrenzten Knorpelschäden bereits damit erzielt werden, bei fortgeschrittener Arthrose sind diese Verfahren leider bisher noch ganz und gar nicht einsetzbar. Umso dringender ist die weitere Forschung auf diesem Gebiet. Wer würde sich nicht von Herzen freuen, wenn das Gelenk wieder vollständig gesunden könnte?
Aber Gott sei Dank muss auch heute längst nicht jede Arthrose des Sprunggelenks operiert werden. In den frühen Stadien kann man selbst mit einfachen Maßnahmen viel gegen die Schmerzen tun, das Gelenk schützen und die weitere Entwicklung der Arthrose zumindest verlangsamen oder ganz aufhalten. Neben den bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 64 und Nr. 74 gegebenen wichtigen Tipps können auch die folgenden Hinweise nützlich sein.
Der bekannte amerikanische Fußspezialist Herr Dr. Glenn Pfeffer aus Los Angeles legt großen Wert darauf, alle konservativen Möglichkeiten zu nutzen. So beobachtet er bei vielen seiner Patienten eine deutliche Linderung der Beschwerden, wenn sie den erkrankten Fuß zunächst für zehn Sekunden in warmes und dann für zehn Sekunden in ganz kaltes Wasser halten und diesen Wechsel mehrmals täglich fünf Minuten lang wiederholen. Sehr ähnlich ist die Wirkung der „kalten Güsse“ der Kneipp-Kuren, die in vielen Reha-Zentren angewandt werden.
Die ersten Schuhe, die als „MBT“ bezeichnet wurden, hatten ihren erstaunlichen Namen als Abkürzung für „Massai-Barfuß-Technologie“. Damit sollte anklingen, dass man damit so gut wie die berühmten afrikanischen Massai Krieger laufen könnte. Leider war die typische Rundung der Sohle aber so stark, dass viele Menschen große Mühe hatten, damit zu gehen. Seither gibt es gute Nachahmermodelle, die über eine wesentlich geringere Rundung verfügen. Sie sind in vielen Sanitätshäusern erhältlich. Auch elegante Stiefeletten können eine echte Erleichterung mit sich bringen und das Gelenk schonen.
Bei einer frühen Arthrose des Sprunggelenks kann auch die Physiotherapie (Krankengymnastik) sehr hilfreich sein. Neben vielen weiteren Verfahren gehört hierzu oft auch das „Proprio-Training“ (oder mit vollständigem Namen „Propriozeptives Training“). Auf einer speziellen weichen Matte wird dabei gelernt, diejenigen Muskeln zu koordinieren und zu trainieren, die dem Gelenk zusätzlichen Halt und Stabilität geben. Oft wird man dann auch üben, zu Hause beim Zähneputzen nur auf einem Bein zu stehen (und sich mit einer Hand vielleicht sicherheitshalber möglichst wenig abzustützen).
Patienten, die vor Schmerzen nur noch kleine Strecken zu Fuß gehen können, vermögen dennoch oft „stundenlang“ Rad zu fahren! Ebenso ist vielen Patienten Ski-Abfahrtslauf möglich, da die Ski-Schuhe weit über die Knöchel reichen und das Gelenk stabilisieren. Wenn die in den Tipps Nr. 3 bis Nr. 6 genannten Operationen bei schwerster Arthrose unausweichlich sind, braucht man sie nicht zu fürchten. Klüger ist es aber natürlich, alle konservativen Maßnahmen zuvor systematisch auszuschöpfen und sich an den gewonnenen Verbesserungen zu erfreuen!