Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps zum künstlichen Kniegelenk. Auch die 36 Hinweise, die wir bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7, 9 und 19 zusammengestellt haben, möchten wir nochmals empfehlen, da sie viele wichtige Anregungen enthalten und als Grundlage der heutigen Darstellung dienen können.
Künstliche Kniegelenke werden heute viel häufiger eingesetzt und nähern sich immer mehr der Zahl der künstlichen Hüftgelenke. Ihre Haltbarkeit ist ebenfalls etwa gleich gut. Allerdings gibt es trotz der enorm gestiegenen Anzahl dieser Eingriffe noch einen wichtigen Unterschied. Viele Studien zeigen, dass der Anteil der Patienten, die mit dem neuen Gelenk nicht zufrieden sind, höher ist als nach einer Hüftprothese. In den vergangenen Jahren ist dennoch die Zahl dieser Eingriffe wesentlich gestiegen.
Bei schwerster Kniearthrose gibt es heute aber nur noch wenige Gründe, das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks besonders lange aufzuschieben. Wer sich bald ein Herz fasst, wird meist mehrfach belohnt. Frühe Operationen sind für den Operateur oft technisch einfacher durchzuführen. Man selbst ist noch jünger, Herz, Kreislauf und Muskulatur sind noch belastbarer, und man gewinnt viele wertvolle Jahre, in denen man die großen Vorteile nutzen kann. Allerdings müssen auch die Risiken gut bedacht und alle anderen Behandlungsmöglichkeiten zuvor geprüft werden.
Ein künstliches Gelenk kann das gesunde, natürliche Gelenk bisher noch nicht gleichwertig ersetzen. Nicht alle Wünsche können damit erfüllt werden. Außerordentlich wertvoll ist aber die dramatische Verminderung der bisherigen Schmerzen. Wer jahrelang täglich Schmerzen hatte, empfindet diesen Nutzen des künstlichen Gelenks als ein großes Geschenk, für das er sehr dankbar ist (siehe hierzu auch unseren Leserbrief auf Seite 14). Bei 80 % der Patienten wird dieser große Erfolg der Schmerzfreiheit erreicht, aber leider bleiben immer noch 20 %, bei denen nicht alle Schmerzen beseitigt sind.
Wieder mehrere Stunden auf den Beinen sein zu können, mit Freunden, Bekannten und Verwandten einkaufen oder spazieren gehen zu können, ist ein Traum, der für die meisten Operierten wieder Wirklichkeit wird. Für viele aktive Menschen mit ihrer natürlichen Bewegungsfreude ist dies ein unschätzbarer Vorteil, den das künstliche Gelenk ihnen bringt (über die Notwendigkeit, Stürze sicher zu vermeiden, siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 19).
Wer einen gesunden natürlichen Schlaf hat, kann kaum ermessen, was es bedeutet, Nacht für Nacht vor Schmerzen nicht schlafen zu können. Für die meisten Menschen mit einem künstlichen Kniegelenk ist es daher eine wichtige Verbesserung, nachts wieder schlafen zu können und auch keine Tabletten dafür einnehmen zu müssen.
Bei vielen Menschen mit einer schweren Kniearthrose hatte sich im Laufe der Jahre auch eine allmählich zunehmende Verformung der Beine entwickelt, die oft zu einem sogenannten „O-Bein“ führte (der Abstand zwischen den Knien hatte sich dabei vergrößert). Nach der Operation ist diese Verformung meist sichtbar beseitigt. Das operierte Bein hat jetzt wieder einen normalen Verlauf. Welche Änderung sich dadurch auch für die bisherigen Schuhe ergeben kann, beschreiben wir im folgenden Tipp.
Wenn das Bein durch das neue Gelenk wieder seine natürliche Form erhalten hat („Geradstellung“), sollte man auch auf die resultierende Auswirkung auf die Füße und die bisherigen Schuhe achten. Wurden die Schuhe bisher verstärkt am Außenrand abgetragen? Dann sollten sie jetzt neu besohlt oder sogar ganz ersetzt werden. Wurden die Schuhe auf ärztliche Verordnung mit einer sogenannten „Schuhaußenranderhöhung“ versehen (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 11), dann sollte dies jetzt nach der Operation an allen Schuhen wieder rückgängig gemacht werden.
Auch wer sein künstliches Kniegelenk eigentlich „vergessen“ hat und nicht mehr oft daran denken muss, kann dem Gelenk einen wichtigen Schutz geben, wenn er sehr tiefe, weiche Couch-Sessel eher meidet. Feste Stühle mit seitlichen Lehnen sind zu bevorzugen. Aufstehen und Hinsetzen sind damit wesentlich einfacher möglich. Auch kann das Gelenk darin leichter durchbewegt werden und bleibt während des Sitzens entspannt.
Nicht immer notwendig, aber dennoch manchmal nützlich kann auch das Anbringen einer Toilettensitzerhöhung sein. Am einfachsten wird die Erhöhung vorgenommen durch das Aufschrauben eines Kunststoffaufsatzes, der vom Arzt verordnet werden kann. Diese Aufsätze gibt es in unterschiedlicher Höhe und Ausführung. Die gewünschte Höhe richtet sich sowohl nach der bisherigen Höhe der Toilette als auch nach der eigenen Körpergröße.
Eine ähnliche Bedeutung für die Entlastung des künstlichen Gelenks kann auch eine Erhöhung des Bettes haben. Eine einfache Erhöhung der Bettfüße, die vom Schreiner oder vom Sanitätshaus vorgenommen und gelegentlich dann auch auf Rezept verordnet werden kann, ist hilfreich sowohl beim Aufstehen als auch beim Hinsetzen und entlastet das neue Gelenk.
Neben den bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 9 und Nr. 19 beschriebenen Übungen bewährt sich oft auch das sogenannte „Radfahren im Bett“. Hierdurch werden die Muskeln gekräftigt und gelockert und die Beweglichkeit des Gelenks erhöht. Viele führen diese Übungen gern morgens vor dem Aufstehen durch. Wer diese Übung zu anstrengend findet, kann stattdessen auch das Bein bewegen, während die Ferse mit der Unterlage in Kontakt bleibt.
Das künstliche Kniegelenk darf und soll im Rahmen des Normalen belastet werden. Wer den Wunsch dazu hat und wer es gerne tut, sollte daher dem Rat vieler Ärzte folgen: „Gehen Sie täglich spazieren!“ Auch ein Stadtbummel oder das Einkaufengehen sind ohne Weiteres mit dem neuen Gelenk möglich. Wenn es sich einrichten lässt, kann man dabei vielleicht nach etwa einer Stunde eine kleinere Sitzpause einlegen. Unbedingt erforderlich ist eine solche Pause aber meist nicht.