Künstliche Kniegelenke bedeuten heute für viele Menschen mit Arthrose eine enorme Verbesserung. Es bleibt aber die Tatsache, dass leider längst nicht alle mit dem neuen Kniegelenk zufrieden sind. Was kann man selbst zum Erfolg beitragen? Im Folgenden stellen wir aus den vielen Möglichkeiten einige Tipps zu den Bereichen “Beweglichkeit”, “Infektions-Vorbeugung” und “Überlastungsschutz” vor. So kann man auf wichtige Weise mithelfen, Komplikationen zu vermeiden. Wenn man diese Hinweise vor der Operation und auch in den Jahren danach beherzigt, wird man viel zum Erfolg beitragen und sich über viele Jahre am neuen Gelenk erfreuen können.
Eine der häufigsten Klagen nach Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks ist: “Ich kann das Bein nicht ganz strecken, ich ziehe es beim Gehen nach” oder “Ich kann es nicht richtig beugen!”. Idealerweise sollte man das künstliche Kniegelenk etwa 100 bis 130 Grad beugen und – besonders wichtig – voll strecken können. Andernfalls können Treppensteigen, Gehen und viele andere wichtige Tätigkeiten behindert sein. Was sollte man deshalb schon vor der Operation wissen? Die folgenden drei Tipps geben eine wichtige Orientierung.
Eine schwere Arthrose des Kniegelenks führt im Laufe der Zeit auch zu einer zunehmenden Einsteifung. Hinzu kommt, dass sich die Beinachse oft deutlich verformt – meist in Richtung eines O-Beins. Je mehr das Gelenk einsteift und je mehr es sich seitlich verformt, umso schwieriger ist die Operation und umso größer ist das Risiko, dass auch danach die volle Beweglichkeit nicht mehr erreicht werden kann. Man sollte deshalb den Eingriff keinesfalls zu lange aufschieben. Der behandelnde Arzt wird helfen, hier den richtigen Zeitpunkt zu wählen.
Das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks ist eine Operation, die viel Erfahrung erfordert. Am sichersten ist es, diesen Eingriff in einer Klinik vornehmen zu lassen, in der dieser Eingriff häufig durchgeführt wird. Genauso wichtig ist es, dass nur bewährte Prothesen verwendet werden und nicht solche, zu denen aktuell Werbung gemacht wird, wie z. B. das sogenannte „Frauen-Knie“ oder „Tänzer-Knie“. Neue Modelle lassen sich erst nach jahrelanger Überprüfung bewerten. Vorher kann nicht zuverlässig eingeschätzt werden, mit welchen Risiken sie eventuell behaftet sind.
Selbst schwerste Arthrosen, bei denen der Gelenkknorpel vollständig verschwunden ist, erzeugen bei manchen Menschen kaum Schmerzen. Knieschmerzen können andererseits ihre Ursache aber auch in der Lendenwirbelsäule oder im Hüftgelenk haben. Bevor man sich zum Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks entscheidet, sollte deshalb stets sicher geklärt sein: Kommen die Schmerzen tatsächlich vom Knie oder eigentlich von Hüfte oder Wirbelsäule? In letzteren Fällen müssen diese Gelenke behandelt werden. Nicht selten sind dann auch die Kniebeschwerden gebessert.
Von einer Frühinfektion spricht man, wenn sich die Wunde schon gleich oder bald nach der Operation entzündet und nicht richtig heilt. Eine Spätinfektion hingegen tritt oft erst Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Operation auf. Beide stellen eine Gefahr für das künstliche Gelenk dar. Jede Klinik wird stets ihr Möglichstes tun, um zu vermeiden, dass während der Operation Bakterien in den Operationsbereich gelangen. Aber auch als Patient kann man selbst viel zur Vermeidung von Infektionen beitragen, wenn man die folgenden Tipps beachtet.
So mancher von uns hat kleinere oder größere Hautentzündungen, wie aufgekratzte Insektenstiche oder Pickel, denen man bisher keine besondere Bedeutung beigemessen hat. An all diesen Stellen können sich aber Bakterien ansammeln und in den Körper gelangen und für die Operation ein Risiko darstellen. Dasselbe gilt für die Zähne und das Zahnfleisch. Eine Untersuchung durch den Hautarzt und den Zahnarzt können deshalb für eine sorgfältige Vorbereitung auf die Operation sehr hilfreich sein. Auf weitere Möglichkeiten, Infekten vorzubeugen, wird auch der behandelnde Arzt hinweisen.
Rauchen und Alkohol stellen ein Risiko für jede Wundheilung dar. Vor dem operativen Eingriff sollte man deshalb unbedingt frühzeitig das Rauchen einstellen und möglichst ganz aufgeben sowie auf Alkoholkonsum verzichten. Wer Diabetiker ist, muss auf eine sorgfältige Einstellung des Blutzuckers achten. Auch jedes Kilogramm Übergewicht, das man lange und rechtzeitig vor der Operation abbauen kann, wird den Erfolg des Eingriffs verbessern und dazu beitragen, Komplikationen und Infektionen zu vermeiden.
Wie im ARTHROSE-INFO Nr. 98 ausführlich beschrieben, können Infektionen aber auch nach vielen Jahren wie aus heiterem Himmel auftreten. Diese sogenannten “hämatogenen Spätinfektionen” sind selten. Aber wenn sie eintreten, sind sie eines der größten Probleme der Gelenkchirurgie. Dringend möchten wir deshalb auch beim künstlichen Kniegelenk die im ARTHROSE-INFO Nr. 98 genannten Tipps empfehlen. Wer sie klug und diszipliniert beherzigt, kann damit sehr viel für den langjährigen Erfolg seines künstlichen Kniegelenks tun.
Ein zentraler Schwachpunkt jeder Knie-Vollprothese ist die Kniescheibe. In den europäischen Ländern wird ihre Rückfläche meist nicht künstlich ersetzt. So gleitet die arthrotisch veränderte Rückfläche der Kniescheibe direkt auf dem Metall der Prothese. Dies führt immer auch zu einer zusätzlichen Belastung. Selbst wenn in die Rückfläche der Kniescheibe später ein Kunststoff-"Knopf" eingesetzt wird, so ist auch diese Verankerung nicht mit einem gesunden Gelenk vergleichbar und muss geschützt werden. Die folgenden Tipps können hierbei hilfreich sein:
Nach der Operation wieder Treppen gehen zu lernen, ist ein wichtiger Teil des üblichen Trainingsprogramms in der Reha. Dies kräftigt die Muskulatur und hilft, wieder in den normalen Alltag zurückzukehren. Aus biomechanischen Gründen bedeutet jedes Treppengehen aber auch eine hohe Belastung für die Kniescheibe und sollte deshalb stets langsam, behutsam und konzentriert erfolgen. Dies gilt auch dann, wenn man wieder die volle Kraft erreicht hat und keine Schmerzen mehr verspürt. Oft ist es eine gute Idee, Fahrstühle zu benutzen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.
Auch ohne Schmerzen ist ein künstliches Gelenk nie ein vollwertiger Ersatz für ein robustes, gesundes Kniegelenk. Bergsteigen, Tennis, Jogging oder gar Marathon-Lauf sind sicher nicht ideal. Es ist hochriskant und nicht empfehlenswert, sich ein künstliches Gelenk mit dem Ziel einsetzen zu lassen, diese besonders belastenden Sportarten wieder ausüben zu können. Auch sollte man immer auf eine ebene Gehstrecke achten. Das Gehen auf unebenen Wiesen oder Feldwegen sollte man meist eher vermeiden, da dies besonders auch für die Kniescheibe eine hohe Belastung darstellen kann.
Auch beim Aufstehen aus dem Sitzen vom Bettrand oder vom Stuhl kann man auf einfache Weise eine Überlastung des Kniescheibengelenks vermeiden. Wie bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 81 und Nr. 91 beschrieben, empfiehlt es sich, auf eine korrekte Fußstellung zu achten und sich falls möglich auch immer mit beiden Händen abzustützen. Dasselbe gilt für das Hinsetzen.
Alle diese Tipps können mithelfen, Komplikationen zu vermeiden und die Freude am neuen Kniegelenk zu erhöhen und zu erhalten.