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Praktische Tipps bei Fersen-Schmerzen

Wenn heftige, stechende Fersen-Schmerzen jeden Schritt – ob in der Wohnung, in Beruf oder Freizeit – behindern, hat man dies früher meist als Folge eines sogenannten Fersensporns angesehen. Heute weiß man, dass es sich hierbei meist um eine Entzündung und Reizung einer Sehnenplatte im Bereich der Fußsohle handelt. Experten bezeichnen das Krankheitsbild daher heute als „Plantar-Fasziitis“ bzw. noch genauer „Proximale Plantar-Fasziitis“. Die Ursachen dieser häufigen Schmerzen sowie auch die erstaunlich einfachen Behandlungsmöglichkeiten beschreiben wir im Folgenden.

1. Schmerzen bei jedem Schritt

Wenn man als gesunder Mensch und zudem ohne erkennbaren Grund und ohne äußerlich sichtbare Veränderungen bei jedem Schritt heftige einschießende Schmerzen im Fußsohlenbereich der Ferse verspürt, ist man im Alltag mehr und mehr eingeschränkt. Die Schmerzen treten typischerweise sowohl beim Aufsetzen der Ferse auf als auch dann, wenn diese bereits wieder vom Boden abhebt. Sie entstehen somit beim Gehen nicht nur durch Druck, sondern primär sogar vor allem durch eine innere Zugbelastung. Wo aber entstehen diese Schmerzen genau?

2. Der Fuß als Gewölbe

Im gesunden Fuß verlaufen Ferse, Mittelfuß und Zehen von der Seite betrachtet nicht in einer geraden Linie. Vielmehr sind sie wie ein Gewölbe aufgerichtet, dessen Form durch eine Sehnenplatte zusammengehalten wird. Diese parallel zur Fußsohle verlaufende Sehnenplatte zieht von den Zehengrundgelenken zum Fersenknochen und wird heute meist als „Plantar-Faszie“ bezeichnet. Sie verhindert auch die Entwicklung eines Plattfußes. Die typischen Fersenschmerzen entstehen dort, wo dieses „Band“ am Fersenknochen entspringt, da diese Stelle besonders beansprucht wird.

3. Ursache 1: Überlastung

Entzündungen und Reizungen des Faszien-Ansatzes können zum einen die Folge von ungewohnt hohen Belastungen des Fußes sein. So können z. B. zu intensives Tennisspielen oder Joggen nicht selten Fersenschmerzen auslösen. Beim Joggen sind besonders häufig die „Vorfuß-Läufer“ betroffen, die nicht mit der Ferse, sondern wie Sprinter mit dem Vorfuß auftreten. Aber auch das Tragen von Schuhen ohne gutes Fußbett sowie stundenlanges Stehen auf hartem Boden können das Fußgewölbe über Gebühr belasten. Ebenso ist Übergewicht ein möglicher Auslöser.

4. Ursache 2: Langes Sitzen

Aber nicht nur ein Zuviel, auch ein Zuwenig an Belastung kann überraschenderweise Fersenschmerzen auslösen. Wer beruflich jeden Tag viele Stunden und ohne Unterbrechung am Schreibtisch sitzt, danach vielleicht in seiner Freizeit noch zusätzlich viel liest und Fernsehen schaut oder viele Stunden im Auto verbringt, kann ebenfalls zu Fersenschmerzen neigen. Langes Sitzen schwächt nämlich das Gewebe und beeinträchtigt zudem die muskuläre Koordination. Dies ist besonders eine Folge der zunehmenden Verkürzung der Wadenmuskeln, wie wir im Folgenden sehen.

5. Verkürzte Wadenmuskulatur

Beim Sitzen nehmen die Füße meist eine leichte Beugehaltung ein, die als „Spitzfuß-Stellung“ bezeichnet wird. Der Grund ist das natürliche Übergewicht der Wadenmuskeln, die sich bei dieser Haltung zudem weiter zusammenziehen und verkürzen. Wenn man täglich viele Stunden im Sitzen verbringt, verkürzen sich die Wadenmuskeln immer mehr und in manchen Fällen sogar dauerhaft. Beim Gehen ist dann ein harmonisches Abrollen über die Ferse zunehmend behindert, und es tritt dabei eine vermehrte Spannung am hinteren Ansatz der Plantar-Faszie auf.

6. Therapie – 1: Dehnungsübungen

Zentrale Therapie bei Fersenschmerzen sind daher Dehnungsübungen, die man auch in den Schuhen z. B. auf folgende Weise durchführen kann:

  1. Zuerst wird das Bein gestreckt (im Sitzen oder Liegen).
  2. Danach wird die Fußspitze zusätzlich angezogen. Dabei kann man ein deutliches Ziehen in den Waden spüren.

Diese Übungen sollte man beidseits so oft wie möglich, mindestens aber stündlich wiederholen. Sie benötigen jeweils nur eine Minute und werden meist als sehr wohltuend empfunden.

7. Therapie – 2: Kühlung

Sehr hilfreich ist es zudem, diese Dehnungsübungen mit Kühlung zu kombinieren:

  1. Im Sitzen sollte man tagsüber immer wieder den Schuh ausziehen, abends eventuell auch den Strumpf und nachts den betroffenen Fuß nicht unter die Bettdecke nehmen.
  2. Versucht werden kann auch eine Roll-Massage mit einer „Kühl-Flasche“, für die man eine kleine normale Plastikflasche zu etwa drei Vierteln mit Wasser gefüllt und im Eisfach gekühlt hat. Durch Hin- und Herrollen wird die entzündete Stelle gekühlt und die Fußmuskulatur massiert.

8. Einlagenversorgung – falls erforderlich

Wenn man alle Überlastungsursachen (Tipp 3) konsequent ausschaltet sowie Dehnungsübungen und Kühlung regelmäßig durchführt, werden die Beschwerden in den meisten Fällen bereits nach wenigen Tagen deutlich nachlassen und innerhalb einiger Wochen ganz verschwunden sein. In besonders hartnäckigen Fällen wird der behandelnde Arzt prüfen, ob das Fußgewölbe noch zusätzlich durch besondere Einlagen unterstützt werden muss. Manchmal werden auch Fersenpolster, die sogenannten „Schock-Absorber“, verordnet, um die schmerzende Stelle zusätzlich zu schützen.

9. Stoßwellentherapie

Allgemein ist heute bekannt, dass man Nierensteine mit einer Stoßwellenbehandlung zertrümmern kann. Ähnliche Stoßwellen werden auch bei Sehnen- und Faszien-Entzündungen, so auch bei der Plantar-Fasziitis der Ferse, eingesetzt. Manche Ärzte berichten über rasche Erfolge damit und bezeichnen die Stoßwellentherapie als ihre „letzte Waffe“. Zu bedenken ist aber auch, dass diese Behandlung teuer ist und dass sie die beschriebenen Übungen und Kühlungen nur ergänzen, keineswegs aber ersetzen kann und eine Wirkung nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist.

10. Therapien, die an Bedeutung verloren haben

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung des Fersenschmerzes deutlich verändert. Injektionen werden nur noch gelegentlich vorgenommen, Operationen führen Fachleute nur noch selten durch. Die meisten Experten raten heute sogar dringend davon ab. Insbesondere die frühere Diagnose „Fersensporn“ hat für sie heute keine therapeutische Bedeutung mehr. Keineswegs sollten diese auf Röntgenaufnahmen sichtbaren knöchernen Anlagerungen operativ entfernt werden, da dies nicht selten die Beschwerden auf Dauer sogar verstärken kann.

11. Überprüfung der Schuhe – 1: Aufprägungen, Etiketten …

Wer Schmerzen unter der Ferse verspürt, sollte stets auch die Innenseite seiner Schuhe überprüfen. Aufgenähte Etiketten im Fersenbereich oder tief eingestanzte bzw. deutlich vorstehende Beschriftungen und Aufprägungen sollte man dann umgehend entfernen, da sie den schmerzenden und druckempfindlichen Faszien-Ansatzbereich nur zusätzlich reizen und eine Heilung behindern. Diese kleinen, aber wichtigen Maßnahmen können die Überlastungsvermeidung, die Dehnungsübungen und die Kühlungen wirksam unterstützen.

12. Überprüfung der Schuhe – 2: gutes Fußbett

Zur erfolgreichen Behandlung von Fersenschmerzen gehört es zudem auch, ausschließlich nur Schuhe mit gutem Fußbett zu tragen. Dadurch wird das Fußgewölbe wirksam gestützt und auch der Fersenbereich gleichmäßig gepolstert. Dies entlastet und schützt die Faszie und unterstützt zudem alle Gelenke des Fußes. Auch zur Vorbeugung sind Schuhe mit gutem Fußbett eine wichtige und empfehlenswerte Investition. Denn stets sollte man bedenken: Gesunde Füße sind ein großes Geschenk und danken gute Behandlung ein Leben lang!