Die Arthrose der Finger-Endgelenke hat viele Besonderheiten. Obwohl sie „nur“ relativ kleine, meist kaum beachtete Gelenke betrifft, kommt diesen im täglichen Leben eine enorme Bedeutung zu. Umso dringlicher ist es, alles zu tun, um die Arthrose-Spätstadien zu verhindern. Könnte dies mit einer rechtzeitigen Radiotherapie gelingen? Im ARTHROSE-INFO Nr. 138 haben wir erste Tipps zur Schmerzbestrahlung („Radiotherapie“) bei Arthrose vorgestellt. Einige weitere Hinweise sollen nun folgen. Herrn Prof. Dostert danken wir für die sorgfältige Recherche der wissenschaftlichen Literatur. Auch den Radiologie-Experten danken wir für ihre wertvolle Unterstützung. Und Ihnen, liebe Mitglieder, danken wir für Ihre wichtigen persönlichen Berichte.
Arthrose betrifft besonders oft die sogenannten Finger-Endgelenke. Seit langem wird dafür die kürzere Bezeichnung „Heberden“-Arthrose verwendet, wobei die letzte Silbe besonders gedehnt wird. Heberden wird somit „Heberdeen“ ausgesprochen. Obwohl die Heberden-Arthrose meist an einem Finger beginnt, dauert es bei vielen Betroffenen nicht lange, bis auch die Nachbarfinger betroffen sind und schließlich alle Finger beider Hände. Heberden bezeichnet also nicht nur eine Arthrose, sondern typischerweise die Arthrose an acht Gelenken gleichzeitig, wodurch ihre Bedeutung dramatisch zunimmt.
Die Heberden-Arthrose betrifft besonders oft Frauen ab dem 50. Lebensjahr. Viele Frauen berichten zudem, dass auch ihre Mutter und Großmutter betroffen waren. Es lag deshalb nahe, sowohl hormonelle als auch genetische Faktoren als Ursache zu vermuten. Allerdings tritt Heberden auch in manchen Berufsgruppen, wie bei Bäckern, Fernfahrern oder Chirurgen, gehäuft auf. Zudem wird oft unterschätzt, wie viel Frauenhände jahrein, jahraus leisten, und das, obwohl sie von Natur aus zarter und die schützenden Gelenk-Bänder weicher sind. Auch dadurch werden diese Gelenke hoch beansprucht.
Um ein Wasserglas zu halten, umschließt man es mit dem Daumen und mehreren Fingern. Auffallend ist jedoch auch, welche Bedeutung die Fingerspitzen dabei haben. Hier liegen die eigentlichen Zentren der Sensorik und der Feinmotorik. Nur durch sie kann das Glas ertastet und sicher gehalten werden. Wie sehr leidet der Mensch, wenn heftige Schmerzen dies unmöglich machen. Wie kann man dann eine Bluse zuknöpfen, einen Reißverschluss schließen, Messer, Gabel, Löffel halten? Wie kann man Zärtlichkeit zeigen, wenn selbst feinste Berührungen schmerzen?
Oft kommen aber auch noch sichtbare Veränderungen hinzu, die vielen in tiefstem Herzen wehtun. Es sind gerade die achtsamsten Menschen, denen die Schönheit der gesunden Hände bewusst ist und denen es ein inneres Bedürfnis ist, sie zu pflegen und zu erhalten. Wie sehr leiden sie an den hoch empfindlichen Knötchen, die von den Ärzten „Mukoid-Zysten“ genannt werden. Und wie sehr grämt es sie, wenn sich dadurch auch die Fingernägel verformen und schräge unregelmäßige Rillen und Verfärbungen zeigen. Und das an mehreren Fingern! Wohin dann nur mit den Händen?
Wie bei den vielen anderen Arthrosen führen die häufigen Entzündungsschübe zur immer weiter fortschreitenden Zerstörung des Gelenkknorpels. In der Folge kommt es zu weiteren sichtbaren Veränderungen, die auch bestehen bleiben, wenn die Entzündung durch Schonung und Behandlung abklingen wird. Gereizter und überlasteter Gelenkknochen bildet neue Knochenanlagerungen („Osteophyten“), die als Verbreiterungen der Gelenke auffallen. Man kann sich vorstellen, was dies besonders für schöngeformte Frauenhände bedeutet und wie sehr die Betroffenen darunter leiden.
Auch gesunde Finger-Endgelenke werden bei vielen Tätigkeiten nicht nur in Richtung Beugung oder Streckung beansprucht. Viele Tätigkeiten führen auch zu einer seitlichen Belastung in Richtung des kleinen Fingers, so z. B. das Anziehen von Hose und Strümpfen. Auch die Osteophyten (Tipp Nr. 5) können die erkrankten Gelenke nicht stabilisieren und seitlich stützen. So kommt es allmählich zu einer dauerhaften Schrägstellung der Fingerspitzen. Wer keine Möglichkeit hatte, die erkrankten Gelenke frühzeitig zu schonen, leidet dann zusätzlich an diesen sichtbaren Schrägstellungen.
Wenn diese Spätstadien erreicht sind, klingen die Entzündungsschübe manchmal allmählich ab. Aber die sichtbaren Verbreiterungen und Schrägstellungen bleiben. Auch die Greiffunktion der Hände bleibt eingeschränkt. Können Operationen noch helfen? Ja, aber sie haben ihren Preis. Denn operativ bleibt nur noch die Möglichkeit der Versteifung. Die Ergebnisse sind erstaunlich gut. So vergessen viele ihren ersten Schrecken, als ihnen diese Operation empfohlen wurde, und stimmen zu. Aber hätte man nicht früher etwas tun können? Welche ZWEI Behandlungsprinzipien gehören zusammen?
In der Tat: Wer früh beginnt, die ersten Schmerzen zu behandeln, kann Spätstadien und Versteifungs-OPs vermeiden. Immer wieder erreichen uns Berichte zur Wirksamkeit der Schmerz-Gels, Schmerz-Cremes, der Okklusiv-Verbände, Handbäder, Sandbäder, der Elektrotherapie, Akupunktur, Aurikulo-Therapie, des „mexikanischen Rezepts“, der „zwölf weißen Pfefferkörner“ usw. – die Reihe ist endlos. Auf Dauer helfen kann all dies aber nur, wenn die behandelten Gelenke um mindestens ein Drittel weniger belastet werden. Deshalb sind Achtsamkeit, Hilfsmittel und Ergotherapie so wichtig.
Kann Radiotherapie (auch „RT“, „Schmerzbestrahlung“, „Strahlentherapie“ oder „Röntgenreizbestrahlung“ genannt) besonders gut helfen? Ist es danach sogar möglich, auf die zusätzliche Schonung zu verzichten? So manche Berichte lassen dies vermuten. Auch im ARTHROSE-INFO Nr. 138 haben wir im Editorial zwei Leserbriefe zitiert, die dies beschrieben haben. Frau Anneliese Z. aus Ludwigshafen berichtete u. a.: „Meine Behandlung ist nun schon einige Jahre her, und die sehr gute Besserung der Beschwerden hält immer noch an. ... Ich kann im Garten arbeiten und weiterhin stricken.“
Dies sind sicher Einzelberichte. Aber auch in wissenschaftlichen Publikationen werden immer wieder erstaunliche Verbesserungen beschrieben. Über die Anzahl der Patienten, die vollkommen beschwerdefrei wurden, gibt es zwar noch keine verlässlichen Zahlen. Auch schwanken die Angaben, in wie vielen Fällen die Besserung von Dauer war. Ebenso gab es bisher noch keine Studien, in denen bei Heberden-Arthrose gezielt Methode gegen Methode getestet wurde. Einigkeit besteht aber darin, dass die Wirkung stets verzögert eintritt und dass die Beschwerden dann von Woche zu Woche geringer werden.
Wie im ARTHROSE-INFO Nr. 138 angedeutet, wenden führende Univ.-Strahlenkliniken und andere Einrichtungen die niedrig dosierte Strahlentherapie bei gutartigen Veränderungen am Bewegungsapparat bereits ab einem Alter von 40 Jahren an. Das Risiko von gefährlichen Nebenwirkungen, die erst Jahre, ja Jahrzehnte später auftreten, wird von ihnen als „äußerst gering“ oder „zu vernachlässigen“ eingeschätzt. „Gering“ bedeutet aber nicht „ist gleich null“. Da das Risiko mit zunehmendem Alter abnimmt, empfiehlt es sich bei Heberden-Arthrose, mit einer RT besser bis zum 60. Lebensjahr zu warten.
Heberden-Arthrose betrifft kleine Gelenke. Aber es sind viele, und sie sind sehr wichtig. Jeden Tag sind es tausende und abertausende Bewegungen der Hände, an denen sie beteiligt sind. Wie froh wären Millionen von Menschen, wenn sie den Begriff „Heberden“ nie hätten kennenlernen müssen. Und wie dankbar wären sie, wenn ihnen einmal besser geholfen werden könnte. Endlich wieder ein normales Leben führen! Endlich nicht mehr durch Schmerzen gebremst werden! Dafür braucht die Forschung auch Ihre Unterstützung. Die Deutsche Arthrose-Hilfe dankt Ihnen herzlich für jeden Bericht