Die großen, tief in der Leiste gelegenen Hüftgelenke sind bei Männern und Frauen gleichermaßen in etwa einem Viertel aller Arthroseerkrankungen betroffen. Die damit verbundenen Schmerzen werden oft als besonders zentral und intensiv empfunden. In den ARTHROSE-INFOS Nr. 3 und 13 haben wir bereits viele nützliche Tipps zusammengestellt, die wir als Grundlage erneut empfehlen möchten. Im Folgenden stellen wir weitere Informationen vor, die für Behandlung und Vorbeugung nützlich sind.
Die Beschwerden bei Hüftarthrose stammen sehr oft nicht nur aus dem erkrankten Gelenk selbst, sondern auch aus der großen, kräftigen Muskulatur, die dieses zentrale Gelenk umgibt. Besonders die Muskeln des Gesäßes und des Oberschenkels zeigen bei Hüftarthrose nämlich schmerzhafte Verspannungen, Verhärtungen und Verkürzungen, die auch die Beweglichkeit weiter einschränken. Muskellockernde Maßnahmen (wie Krankengymnastik, Massagen und viele andere) können daher bei Hüftarthrose sehr wertvoll sein.
Die Verspannungen der Hüftmuskulatur haben oft noch eine weitere Auswirkung. Durch die fehlenden Erholungszeiten werden die Sehnen dieser Muskeln überlastet und schmerzen. Da viele dieser Sehnen sich am Hüftknochen (Trochanter major) konzentrieren, strahlen diese Schmerzen oft in die Nähe dieses tastbaren Knochens ein. Behandlungen mit sogenannten Infiltrationen und Physiotherapie können bei diesen Beschwerden sehr wirksam sein (siehe auch Tipp Nr. 6).
Ein Teil der Beschwerden kann aber auch aus dem Gelenk selbst stammen und zwar aus dem Knochen und der umgebenden Gelenkkapsel. Der direkte „Knochen-Knochen-Kontakt“ im Arthrosegelenk führt oft zu dumpfen, tief sitzenden und charakteristischen „Knochenschmerzen“. Eine Bewegung ohne Belastung, z. B. durch Pendeln, entlastet die Kontaktflächen und bringt eine spürbare Erleichterung (siehe Tipp Nr. 11). Schmerzen, die durch Spannung und Reizung der Gelenkkapsel entstehen, können oft bis ins Kniegelenk ausstrahlen.
Enge Hosen (z. B. Jeans), zu fest sitzende Mieder, zu enge Röcke usw. sollten bei Hüftarthrose eher gemieden werden, da sie einen nicht unbeträchtlichen Druck auf das Gelenk selbst, die Muskulatur und auch auf die Sehnenansätze ausüben können. Großzügig weite Kleidungsstücke ermöglichen eine freiere Bewegung des betroffenen Gelenks, vermeiden den zusätzlichen Druck und werden meist als viel angenehmer empfunden.
Wärme löst Muskelverspannungen und verbessert die Durchblutung. Bei Hüftarthrose kann damit oft eine beachtliche Wirkung erzielt werden. Die Wärme sollte dabei nicht auf das Gelenk und die Knochen, sondern vielmehr auf die benachbarte Muskulatur konzentriert werden. Als Anwendungsmöglichkeiten für die Hüfte empfehlen sich z. B. wärmende Salben, Thermalbäder, Wärmflaschen, wärmende Unterwäsche für Herbst und Winter oder auch die dosierte Anwendung eines Heizkissens (max. 20 Minuten).
Da die Schmerzen bei der Hüftarthrose wie beschrieben auch aus Muskeln und Sehnen stammen können, kann es sehr wirksam sein, wenn schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe direkt an den Schmerzpunkten eingesetzt werden. Der Arzt bezeichnet diese Behandlung, die er mit feinen und kaum spürbaren Nadeln durchführt, meist als „lokale Infiltration“. Die oft sofort eintretende Schmerzfreiheit, die für Stunden und Tage anhalten kann, darf aber nicht zu unvorsichtigen und unerlaubten Belastungen des Gelenks missbraucht werden. Vielmehr kann sie nur der Erholung und Entlastung des betroffenen Gelenks dienen.
Nur selten haben unsere beiden Beine eine exakt gleiche Länge. Erfahrungsgemäß tritt eine Arthrose zuerst auf derjenigen Seite auf, die etwas länger ist, da diese höher belastet wird. Wenn der Arzt einen solchen Längenunterschied feststellt, kann eine Schuherhöhung auf der gesunden, kürzeren Seite helfen, da dadurch das schmerzende Gelenk geschont wird. Größere Unterschiede lassen sich durch Verordnung einer Absatz- oder Schuhsohlenerhöhung, kleinere durch eine Einlage ausgleichen. Oft wird ein solcher Ausgleich in Etappen von je 0,5 cm vorgenommen.
Statistische Auswertungen bestätigen, wie wirksam Kuren in Spezialkliniken gerade bei Hüftarthrose sein können. Fast immer werden hierdurch Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit für viele Monate verbessert. Auch vor dem Einsetzen eines künstlichen Gelenks empfiehlt sich daher oft der Versuch einer stationären Kurbehandlung. Die Kosten dafür werden von den Versicherungsträgern weitgehend übernommen (siehe auch unsere Erläuterungen im ARTHROSE-INFO Nr. 5 „Wie beantragt man eine Kur?“).
Nach den Erkenntnissen der gesetzlichen Rentenversicherungen kann bei stationären Kuren mit bedeutenden Erfolgen gerechnet werden:
Trotz der großen Fortschritte, die inzwischen mit den künstlichen Gelenken erzielt worden sind, wird man stets bestrebt sein, einen solchen Eingriff möglichst lange aufzuschieben. In welchem Umfang gelingt dies? Es wird geschätzt, dass vom ersten Auftreten der Beschwerden bis zur Operation heute bei 90% der Betroffenen ein Zeitraum von mehreren Jahren überbrückt werden kann. Bei etwa 10% der Betroffenen kann die Hüftoperation sogar ein Leben lang vermieden werden.
Nützlich kann auch eine einfache Übung sein: das sogenannte Pendeln. Im Sitzen kann es durchgeführt werden, indem man sich hierzu auf den Rand eines stabilen Schreibtisches setzt. Während man nur auf der gesunden Hüfte sitzt, bleibt die betroffene Seite frei und führt vorsichtige, pendelnde Bewegungen des Beines durch. Wenn man das Pendeln im Stehen durchführt, ist ebenfalls auf einen sicheren Halt zu achten. Besonders wirksam ist diese Übung, wenn sie möglichst häufig durchgeführt wird und wann immer sich gerade die Gelegenheit zu einer kleinen Pause bietet. Weitere Einzelheiten werden meist in der Krankengymnastikstunde eingeübt.
Oft ist der große Streckmuskel an der Vorderseite des Beines, der sogenannte „Quadriceps“-Muskel, bei Hüftarthrose deutlich geschwächt. Um diesen wichtigen Muskel wieder aufzubauen und um damit auch dem Gelenk Kraft und Halt zu geben, wird gern ein krankengymnastischess „Quadrizeps“-Training empfohlen, das sich meist an eine umfassende Dehnungsbehandlung aller Hüftmuskeln anschließt. Einfach, behutsam und wirksam kann dieses Training später auch durch Fahrrad- oder Heimtrainerfahren (geringer Widerstand) fortgeführt werden.