Praktische Tipps bei Lendenwirbel-Arthrose

Chronische Kreuzschmerzen können unter anderem auf eine Arthrose der Lendenwirbelgelenke hinweisen. Dies gilt besonders, wenn sich die Beschwerden beim Zurücklehnen oder Bergabgehen verstärken. Wie bei anderen Arthroseformen kann auch hier das richtige eigene Verhalten die Schmerzen in so manchen Fällen lindern helfen. Viele unserer Mitglieder haben uns freundlicherweise auch zur Arthrose der Lendenwirbelsäule (LWS) über ihre persönlichen Erfahrungen berichtet und zahlreiche Tipps übersandt. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten wieder sehr herzlich. Als wichtige Grundlage dürfen wir die bisherigen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 5, 15, 25 und 65 nochmals zur freundlichen Beachtung empfehlen.

1. Schmerzauslösung 1: Hohlkreuz

Die häufigste Schmerzauslösung bei Lendenwirbel-Arthrose ergibt sich aus ihrer anatomischen Lage. Da sich die Gelenke im hinteren Bereich der Wirbelsäule befinden, verstärkt jede Hohlkreuz-Haltung die Beschwerden. Eine schwache, untrainierte Bauchmuskulatur, das Bergabgehen, das Arbeiten über Kopf und das Tragen hoher Absätze wirken sich dann gleichermaßen negativ aus. Wie zahlreiche Mitglieder festgestellt haben, sind daher vor allem zwei Maßnahmen besonders wirksam: das Tragen niedriger Absätze und das tägliche Kräftigen der Bauchmuskulatur.

2. Schmerzauslösung 2: Seitwärtskrümmung

Ähnlich wie beim Hohlkreuz kann auch eine Seitwärtskrümmung die Beschwerden auslösen. Herr Rudolf G. aus Bad Salzuflen schreibt: „Meine Beschwerden haben sich durch eine Kriegsverletzung eingestellt, bei der ich einen Unterschenkel-Schuss-Bruch erlitt. Durch die dadurch verursachte Verkürzung des linken Beins um 3,5 cm ist meine Wirbelsäule stark verkrümmt, und ich habe eine Arthrose der Lendenwirbel-Gelenke.“ Beinverkürzungen können durch ein Fersenkissen, orthopädische Einlagen oder in schweren Fällen durch Schuhsohlenerhöhung ärztlich korrigiert werden.

3. Wärme kann helfen

LWS-Arthrose führt auch zu einer Verkrampfung der Rückenmuskulatur. Verschiedene Formen der Wärmeanwendung helfen, diese zu lockern und damit die Schmerzen zu lindern. Auf eine besondere Form der Wärmeanwendung weist Frau Aybike S. aus Bamberg hin: „Bei Akutschmerzen hat sich bei mir der Therma-Care-Rückenumschlag bewährt, der mir von meinem Orthopäden empfohlen wurde. Dieser wirkt wunderbar!“ Die Wärmewirkung hält etwa acht Stunden an. Hinweis: Diese Umschläge sind in allen Apotheken erhältlich und kosten im Doppelpack ca. EUR 10,–.

4. Wirbelsäulenbehandlung nach Dorn

Wenn andere Maßnahmen nicht helfen, kann ebenso eine noch wenig bekannte physiotherapeutische Methode versucht werden. Sie ist benannt nach Herrn Dieter Dorn, der in seiner bayerischen Heimat zur Legende wurde. Obwohl er medizinischer Laie war, übernahm er zunächst die Behandlungsmethoden eines Manual-Therapeuten am Ort und entwickelte diese zu einer besonders sanften Form der Chirotherapie weiter. Ein Mitglied berichtet: „Mir selbst hilft momentan bei akuten Schmerzen am besten die Wirbelsäulenbehandlung nach Dorn.“

5. Kinesiotapes

Hilfreich kann in bestimmten Fällen auch eine physiotherapeutische Methode sein, bei der elastische Bänder in bestimmter Anordnung auf die Haut aufgeklebt werden. Kinesiotapes (gesprochen „kinesio-te-ips“) wurden in Japan und den USA entwickelt und können die Muskulatur zur Entspannung anregen. So berichtet ein Mitglied: „Ich hatte heftige Muskelschmerzen, und mein Physiotherapeut empfahl mir, es einmal zu versuchen. Seitdem sind die Schmerzen so gut wie weg!“ Diese Zügel können bis zu zwei Wochen auf der Haut kleben bleiben, und man kann damit auch duschen.

6. Myofasziale Triggerpunkt-Therapie

Bei einer sorgfältigen Untersuchung des schmerzenden Rückens kann der Arzt manchmal auch punktuelle Verhärtungen der Muskulatur feststellen. Diese erbsengroßen Knötchen, die bei Druck äußerst schmerzhaft sind, können weit ausstrahlende Schmerzen verursachen. Ihre Behandlung umfasst oft sowohl eine ärztliche Therapie als auch eine krankengymnastische Behandlung mit manualtherapeutischen Techniken. Frau Else D. aus Freising bei München hat mit der „myofaszialen Triggerpunkt-Therapie“ gute Erfahrungen gemacht.

7. Piriformis-Syndrom

Bei einer Lendenwirbel-Arthrose verkrampft oft nicht nur die Rückenmuskulatur. Auch ein bestimmter Muskel, der fast horizontal im Gesäß verläuft und vom Kreuzbein zum Hüftknochen zieht, kann sich verspannen und verhärten. Dieser sogenannte Piriformis-Muskel kann zudem auf den Ischias-Nerv drücken, der direkt darunter verläuft. Dann schmerzen nicht nur Rücken und Gesäß, sondern auch Bein und Fuß. Die gezielte Untersuchung und physiotherapeutische Behandlung dieses Muskels ist deshalb mitunter ein wichtiger Teil der Behandlung einer Lendenwirbel-Arthrose.

8. Hüft-Arthrose

Ebenso kann eine Hüft-Arthrose die Beschwerden bei Lendenwirbel-Arthrose verstärken oder auslösen. Wenn das Hüftgelenk bei Arthrose zunehmend in Beugung einsteift, lässt sich der Oberschenkel nicht mehr so weit nach hinten bewegen, wie dies z. B. beim Gehen notwendig wäre. Später kann man sich sogar im Stehen nicht mehr vollständig aufrichten. Dies ist dann nur noch möglich, wenn man eine Hohlkreuzhaltung einnimmt (siehe hierzu auch Tipp 1). Bei Kreuzschmerzen muss daher auch das Hüftgelenk untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden.

9. Sitzring

Ringkissen werden vom Arzt typischerweise bei Verletzungen des Steißbeins verordnet, so auch bei Frau Christa L. aus Weilmünster. Sie berichtet: „Vor zwei Jahren hatte ich durch einen Sturz das Steißbein gebrochen und bekam einen Sitzring verordnet. Jetzt nehme ich ihn besonders zum Autofahren und habe beobachtet, dass er meinem Rücken guttut. Er besteht aus Schaumgummi – nicht aus Vollgummi – und hat einen weißen Bezug, den man waschen kann. Der Sitzring schützt meinen Rücken, und es ruckelt beim Autofahren nicht so sehr.“ Hinweis: Bezug in allen Sanitätshäusern.

10. Spezialkissen „MediKiss“

Auf ein spezielles Kissen weist Frau Ingrid F. aus Liederbach hin, das durch seine Granulat-Füllung und robuste Ummantelung besonders festen Halt gibt. Das sogenannte MediKiss-Kissen hat einen Durchmesser von 30 cm, eine Höhe von 20 cm und ein Gewicht von 500 g. Frau F. legt es sich am liebsten in den Rücken, wenn sie auf dem Sofa sitzt. Versender ist die Firma Emil Vertriebs-GmbH, Watzenberg 4, 84384 Wittibreut, Tel.: 0 85 74 – 9 10 44, www.medikiss.de, E-Mail: shop@emil4kids.com. Kissen für Erwachsene: MediKiss, Preis ab EUR 26,10 plus Versand.

11. Keilkissen – breite Seite vorn

Keilkissen können auf einfache Weise die Krümmung der Lendenwirbelsäule beeinflussen. Wenn die breite Seite nach hinten zeigt, verstärkt dies die natürliche Krümmung der LWS und kann die Bandscheiben entlasten. Bei einer Lendenwirbel-Arthrose ist es jedoch hilfreich, wenn die breite Seite nach vorne zeigt. Dadurch werden die Hohlkreuzhaltung vermindert und die Wirbelgelenke entlastet. Frau Hiltraud M. aus Alfeld empfiehlt: „nur festere, d. h. härtere Keilkissen nehmen.“ Sie hat sich eine Tasche mit Tragegriff genäht, in der sie ihr Keilkissen überall hin mitnehmen kann.

12. Tai-Chi-Kurse

Für die Lendenwirbelsäule können auch die Übungszyklen der alten chinesischen Bewegungskunst „Tai-Chi“ günstig sein, die man in Kursen erlernen kann. Dabei werden alle Muskeln des Körpers auf sanfte Weise bewegt, das Körperbewusstsein geschult und das allgemeine Wohlbefinden erhöht. Typisch für die Haltung beim Tai-Chi ist das Vermeiden von Hohlkreuz, Drehung und Seitwärtsneigung im Lendenbereich. Wer diese Übungen geduldig erlernt und täglich anwendet, kann viele positive Veränderungen an sich wahrnehmen.