Schmerzhafte Verkrampfungen und Verhärtungen der Nackenmuskeln sind leider außerordentlich häufig. Im ARTHROSE-INFO Nr. 116 haben wir bereits über einige Ursachen und auch über wichtige Selbsthilfe-Möglichkeiten berichtet. Gern möchten wir dies in der heutigen Ausgabe fortsetzen und weitere nützliche Tipps vorstellen, die jeder kennen sollte. Je früher die Selbsthilfe beginnt, umso sicherer können weitere Folgeschäden der Halswirbelsäule vermieden werden. Den vielen Experten, die uns wieder beraten haben, danken wir sehr herzlich.
Viele Menschen mit Nackenschmerzen berichten, dass ihnen Wärme gut tut. Wärme lockert die verkrampften Muskeln und die Schmerzen lassen nach. Bekanntermaßen gibt es viele Formen der Wärmeanwendung. Zu den wirksamsten zählen die in Apotheken erhältlichen sogenannten „Wärmepflaster“. Für den Nacken wird man meist die kleinste Größe wählen. Da die Wärmeentwicklung beträchtlich ist, empfiehlt es sich, die Anwendung anfangs auf wenige Minuten zu begrenzen. Dies kann bereits eine Linderung der Schmerzen bewirken. Auch Kirschkern-Säckchen können helfen.
Viele Ärzte werden auch frühzeitig Physiotherapie verordnen. Eine der Übungen, die man dort oft für zu Hause erlernt, besteht aus zwei gleichzeitig ausgeführten behutsamen Dehnungen: (1) Die rechte Hand legt man sanft auf den Kopf und zieht ihn langsam zur Seite. Sofort spürt man, wie angenehm dies die Nackenmuskulatur dehnt und die Schmerzen vermindert. (2) Die andere Hand führt man seitlich entlang des Körpers möglichst weit nach unten, sodass dadurch die betreffende Schulter abgesenkt wird. Anschließend wechselt man die Seite und wiederholt dies dann entsprechend.
Zur ärztlichen Verordnung gehört oft auch eine sogenannte „Ergo-Therapie“. Ein wichtiger Teil dieser Behandlung besteht in der Optimierung der Haltung am Arbeitsplatz. Eine aufrechte, entspannte Haltung im Beruf und zu Hause befreit die Nackenmuskulatur vom ständigen Halten einer schweren Last. Sie braucht nämlich den bis zu sieben Kilogramm schweren Kopf nicht ständig zu halten. Auch dies kann zu einer spürbaren Schmerzlinderung führen.
So mancher von uns neigt spätestens ab dem 50. Lebensjahr zur Weitsichtigkeit und will dies anfangs dennoch nicht wahrhaben. Dabei gibt es heute viele schöne Brillen, die nicht nur gut aussehen, sondern das Lesen von Texten erheblich erleichtern. Besuche beim Augenarzt und Optiker gehören deshalb zur Selbsthilfe bei Nackenschmerzen dazu. Auch dies kann helfen, die Schmerzen zu vermindern.
Stress erzeugt eine innere Anspannung, und diese erzeugt eine körperliche Anspannung. Bei dem einen wirkt sich dies auf den Blutdruck aus, bei anderen kommt es zu einer Verkrampfung der Nackenmuskulatur. Viel Stress entsteht bei der Arbeit, wenn mehrere unerledigte Aufgaben ständig im Blick sind. Eine einfache Lösung besteht darin, nur die Arbeit auf dem Schreibtisch zu belassen, die gerade ansteht. Erst wenn sie erledigt ist, nimmt man sich aus dem Schrank das nächste Projekt hervor und konzentriert sich dann auf dieses. Es ist erstaunlich, wie sehr sich dies auf die Nackenmuskulatur auswirken kann.
Ein großer Irrtum ist es, bei viel Arbeit sich immer mehr anzustrengen und sich unter Druck zu setzen. Viel wirksamer, klüger – und gesünder – ist es, nach jedem Arbeitsschritt eine kleine Pause einzulegen, z. B. ein paar Schritte zu gehen, etwas zu trinken oder eine leichte angenehme Übung zu machen. Dann geht die nächste Arbeit viel leichter von der Hand, und man tut den Nackenmuskeln viel Gutes.
Wer tief und erholsam schlafen möchte, wird für sich fast immer eine gleichbleibende Routine einüben, durch die man schon vor dem Zubettgehen langsam zur Ruhe kommt. Manche Menschen lieben einen kurzen erholsamen Abendspaziergang. Andere schließen den Tag mit einem Eintrag in ihr Tagebuch ab. Äußerst wichtig ist dabei der wertvolle Rat der berühmten Amerikanerin Oprah Winfrey, nur die drei schönsten Erlebnisse des Tages aufzuschreiben. Wer die letzten Minuten vor dem Schlafengehen froh und glücklich gestimmt ist, wird meist auch einen ruhigen und gesunden Schlaf finden
Körper und Geist brauchen zur Erholung und Erneuerung genügend Schlaf. Wer morgens früh aufstehen muss oder sich sagt: „Morgenstund hat Gold im Mund“, wird am besten auch abends rechtzeitig zu Bett gehen. Zu wenig Schlaf erzeugt Stress und Anspannung. Genügend Schlaf hingegen fördert die Gesundheit und die Entspannung des gesamten Körpers und insbesondere auch der Nackenmuskulatur. Ausreichend Schlaf gehört somit auch zur wirksamen Behandlung der Nackenschmerzen.
Geselliges, fröhliches Beisammensein, Einladungen aussprechen oder Einladungen dankbar annehmen, aber auch interessante Reisen sind wichtige Kraftspender, an die man bei Nackenschmerzen ebenfalls denken sollte. Sie können die Gesundheit auf wundersame Weise fördern. Bei Reisen kann man an Fernreisen denken, muss es aber nicht. Auch in der Nähe kann es schöne Ausflugsziele geben. Nicht erst seit „Corona“ heißt es ja: „Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“
Kraft und damit Entspannung finden viele Menschen auch durch interessante Kurse. Das Erlernen der Tai Chi-Übungen zum Beispiel wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Eine einfachere und allseits bekannte Entspannungsmethode ist das Autogene Training. Die einfachste Weise, die Wirksamkeit dieser Methode zu testen, ist das Betrachten der Handinnenseite für einige Minuten. Es ist erstaunlich, was man dann verspürt und wie dies zu einer Entspannung des gesamten Körpers und damit auch des Nackens führen kann. Viele Hinweise und Angebote finden sich im Internet.
Bei den Tipps Nr. 1 bis Nr. 10 handelt es sich um echte Selbsthilfe-Maßnahmen, die jeder selbst durchführen kann. Bei der ärztlichen Untersuchung werden oft auch bestimmte sogenannte Triggerpunkte entdeckt. Wenn auf diese Druck ausgeübt wird, werden die Schmerzen gezielt verstärkt. Die Behandlung dieser Punkte mit kaum spürbaren Injektionen schaltet diese Triggerpunkte aus und lindert die Schmerzen oft rasch. Dies kann eine gute Ergänzung zu den genannten Tipps sein und deren Anwendung erleichtern.
Wenn keine Methode zum Erfolg führt, ja wenn sogar stationäre konservative Schmerztherapien erfolglos waren, dann werden manche Ärzte die sogenannte multi-modale Schmerz-Therapie empfehlen. Dabei handelt es sich um einen stationären Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik oder Tagesklinik. Die Behandlung erfolgt durch ein ganzes Team von Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen usw. Wer für diese Behandung in Frage kommt und wer die intensive Behandlung auf sich nimmt, dem kann sie auch in schweren Fällen helfen, wieder ein besseres Leben zu führen.