Die feinen Gelenke der Hand ermöglichen uns so viele verschiedene Tätigkeiten. Wenn sie erkranken, führt dies zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Kraftlosigkeit. Oft sind dann viele berufliche, häusliche und andere lieb gewonnene oder notwendige Tätigkeiten beeinträchtigt. Auch das Aussehen der Hand kann ungünstig beeinflusst sein. In den ARTHROSE-INFOS Nr. 2 und 12 haben wir bereits 24 nützliche Tipps zusammengestellt. Im Folgenden möchten wir hierzu weitere wichtige Informationen benennen, die für die Behandlung und auch für die Vorbeugung nützlich sind.
Die Arthrose in den kleinen Gelenken an den Fingerspitzen tritt besonders häufig bei Frauen auf. Bekannt ist, dass die Anfälligkeit hierfür vererbt werden kann. Wenn Mutter und Großmutter bereits eine solche Arthrose hatten, ist es daher wichtig, schon möglichst früh viel Aufmerksamkeit auf eine wirksame Vorbeugung zu legen. Berufliche Tätigkeiten, bei denen die Finger bekanntermaßen hoch belastet werden, sollten dann möglichst nicht gewählt werden. Auch bestimmte Sportarten, wie Tennis oder Kegeln, sollten dann zurückhaltend ausgeübt werden.
Eine langjährige hohe berufliche Belastung kann die Gefahr der Entstehung einer Arthrose in nahezu jedem Gelenk der Hand erhöhen. Häufig findet sich die Arthrose an der Hand daher z. B. bei Bäckern, Masseuren, Chirurgen, Landwirten, Lastwagenfahrern, Büroangestellten, Sekretärinnen und nicht zuletzt auch Hausfrauen. Besonders im Haushalt werden von den zarten Frauenhänden oft schwere Lasten bewegt, die meist unterschätzt werden. Spätestens wenn schon die ersten Gelenkveränderungen auftreten, müssen deshalb konsequent auch Hilfsmittel eingesetzt werden, die die Hände entlasten und die genannten Tätigkeiten erleichtern.
Stürze auf die Hand können zu Knochenbrüchen im Handgelenk und manchmal auch im Daumenwurzelgelenk führen. Leider bleiben oft auch nach Abheilung dieser Brüche noch Schäden in den Gelenken zurück, die sich noch nach Jahren zu einer Arthrose entwickeln können. Beste Vorbeugung für diesen Arthrosetyp ist daher eine ärztliche Untersuchung nach einem Sturz sowie das konsequente Vermeiden aller Sturzgefahren. Im eigenen Haus gibt es hierzu viele Möglichkeiten (siehe hierzu auch unsere Vorschläge im ARTHROSE-INFO Nr. 19, Seite 12).
Schmerzen bei Arthrose im Handbereich treten meist bei alltäglichen Bewegungen auf, bei denen ein gewisses Maß an Kraft aufgewendet werden muss oder die mit einer Drehbewegung verbunden sind. Schmerzhaft kann daher besonders auch das Öffnen von Flaschen und Gläsern sein. Aber auch das Zusammendrücken der Finger, wie es z. B. beim Händeschütteln vorkommt, kann für viele äußerst schmerzhaft sein. Oft treten die Schmerzen darüber hinaus aber paradoxerweise auch besonders nachts und in Ruhe auf.
In der Therapie hat sich seit langem die Ultraschall-Behandlung bewährt. Mit diesem Gerät werden die betroffenen Gelenke mit Schallwellen behandelt, die aber für das menschliche Ohr nicht hörbar und somit lautlos sind. Der „Schallkopf“ wird hierbei meist von Hand über die entsprechenden Partien geführt. Eine weitere, oft eingesetzte Methode verwendet die Übertragung des Ultraschalls im Wasser. Diese sogenannte „subaquale“ Ultraschallbehandlung, bei der die ganze Hand im Wasser eingetaucht ist, hat den Vorteil, dass mehrere Gelenke gleichzeitig behandelt werden können.
Von vielen Ärzten wird auch das Verfahren der „Iontophorese“ mit Erfolg empfohlen. Es handelt sich dabei um eine Salbenbehandlung, bei der aber die Eindringtiefe der Salbe bzw. des Gels durch das Anlegen eines elektrischen Stromes vermutlich gefördert wird. Hierdurch kann die Wirksubstanz tiefer in das Gewebe und somit auch in das Gelenk eindringen. Die Iontophorese kann mit verschiedenen Substanzen durchgeführt werden, so auch z. B. mit Gels, die den Wirkstoff Diclofenac enthalten.
Erstaunliche Wirksamkeit kann bei vielen Menschen auch ein Gerät besitzen, das in manchen Arzt-, Ergotherapiepraxen oder Kliniken zur Verfügung steht, das Aerodyn-Gerät. In einer Art Glaskasten befindet sich hierbei eine Schicht Mais-Schrot, der durch ein Luftgebläse aufgewirbelt und auf eine recht hohe Temperatur (z. B. auf 50 Grad) erwärmt wird. Dabei wird die Hand in diesem Wirbelstrom bewegt.
HINWEIS: Dieses Gerät wird leider inzwischen nicht mehr hergestellt. Eine mögliche Alternative kann unser Hinweis „Aquariumsand“ in ARTHROSE-INFO Nr. 34, Seite 15 sein.
Ergo-Therapie bedeutet ursprünglich Beschäftigungs- oder Arbeitstherapie. Darüber hinaus ist sie aber eine intensive persönliche Beratung für den Alltag mit wertvollen praktischen Übungen. Welche nützlichen Hilfsmittel kann man bei den eigenen alltäglichen Arbeiten nutzbringend einsetzen? Was ist z. B. bei der Ausstattung von Bad, Küche und Arbeitsplatz zu beachten? Wie können bestimmte, bei beruflichen Tätigkeiten notwendige Bewegungen günstiger durchgeführt werden? Gerade bei der Arthrose an der Hand kann die Verordnung einer „ergotherapeutischen Beratung“ und Behandlung von höchstem Nutzen sein. Sie kann auch ambulant auf Rezept verordnet werden.
Aus der Fülle von praktischen Alltagshilfen möchten wir besonders auch auf ein einfaches Hilfsmittel hinweisen, dessen Wirkung sehr vorteilhaft sein kann. Beim normalen Schnüren der Schuhe werden Finger und Daumen stark belastet. Eine wirksame Abhilfe können sogenannte „elastische Schnürsenkel“ schaffen, die man in den Sanitäts- und vielen Schuhgeschäften günstig erwerben kann (Hersteller: z. B. Thomashilfen). Es empfiehlt sich, die Schuhe gleich im Geschäft damit schnüren zu lassen. Zu Hause kann man dann den Schuh einfach aus- und anziehen, ohne den Schuhriemen wieder öffnen und binden zu müssen.
Je dünner Bleistifte und Kugelschreiber sind, umso schmerzhafter kann das längere Schreiben damit bei einer Handarthrose sein. Eine einfache, immer wieder austauschbare Hilfe stellen Überzüge dar, die man in vielen Bastelgeschäften oder auch Sanitätshäusern erhalten kann. Manchmal werden sie auch als „Moosgummi-Überzüge“ oder „Styropor-Überzüge“ bezeichnet. Weitere Hinweise zu möglichen Hilfsmitteln: siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 12.
Genauso entlastend wie die Verwendung von Alltagshilfen ist das regelmäßige Durchführen von einfachen Lockerungsübungen. Hierbei werden die Hände vorsichtig geöffnet und vollständig gestreckt (1). Anschließend werden mit dem Daumen langsame, vorsichtige Kreiselbewegungen erst in die eine, dann in die andere Richtung durchgeführt (2). Diese einfachen Übungen dauern insgesamt nur ein bis zwei Minuten und sollten tagsüber so oft wie möglich durchgeführt werden.
Vielen Betroffenen bringen auch tägliche leichte Bewegungsübungen im Wasser eine Erleichterung. Im bereits empfohlenen Handbad (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 12) kann man dabei ganz vorsichtige Kräftigungsübungen durchführen, sofern diese gut vertragen werden. Hierbei werden die Finger langsam ganz gestreckt und wieder behutsam zu einer Faust geschlossen, ohne dass dabei aber ein besonderer Druck ausgeübt werden darf. Auch ein einfacher, weicher Schwamm kann hierbei eingesetzt werden, der nur vorsichtig zusammengedrückt wird. Wasserzubereitung: nur handwarm, als Zusatz z. B. ein Esslöffel Meersalz.