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Praktische Tipps zum künstlichen Kniegelenk

Wenn bei einer schweren Kniearthrose alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, kann ein künstliches Gelenk heute in den meisten Fällen eine bedeutende Verbesserung bringen. Wie aber verhält man sich richtig mit dem neuen Gelenk, und wie kann man das neue Gelenk schützen? Ergänzend zu den früheren fünf Kapiteln zu diesem Thema beschreiben wir im Folgenden einige weitere nützliche Empfehlungen. Auch die Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7, 9, 19, 29, 39 und 49 können nochmals empfohlen werden.

1. Hervorragend – jedoch nicht wie das gesunde

Nach Jahren mit Schmerzen und Einsteifung des Kniegelenks durch Arthrose erfahren viele Menschen ihr künstliches Gelenk als großes Geschenk. Das künstliche Kniegelenk ist belastbar und robust. Man kann sich damit am Leben erfreuen und auch längere Reisen unternehmen. Allerdings sollte man schon vor der Operation wissen, dass das neue Gelenk nicht dieselben Eigenschaften besitzt wie ein gesundes Kniegelenk. Deshalb ist es wichtig, mit dem künstlichen Gelenk sorgfältig und behutsam umzugehen. Welche Besonderheiten gilt es dabei stets zu beachten?

2. Anfangs vor Sonne schützen

Nach der Operation sollte man die direkte Sonneneinstrahlung zunächst für einige Wochen vermeiden. Deshalb empfiehlt es sich, in dieser Zeit nicht in heiße südliche Länder zu verreisen. Auch auf der eigenen Terrasse ist es besser, das operierte Knie nicht direkt der Sonne auszusetzen. Vielmehr ist es für den Heilungsprozess günstiger, sich im Schatten aufzuhalten – unter einem Baum oder Sonnenschirm – und das künstliche Gelenk gegebenenfalls mit einem feuchten Tuch zu bedecken und vor Überwärmung zu schützen.

3. Wenn das Gelenk noch anschwillt und warm wird

In den ersten Monaten – nicht selten sogar bis zu einem Jahr – kann sich das operierte Kniegelenk morgens noch „steif“ anfühlen und muss vor dem Aufstehen erst durchbewegt werden. Auch kann es gegen Abend noch dick werden und überwärmt sein, besonders nach längerer Beanspruchung. Es empfiehlt sich dann, das Bein auf einem Stuhl oder Sessel hochzulegen und mit Kühlpacks oder Eiswürfeln (im Plastikbeutel oder Handtuch) zu kühlen. Die Haut schützt man dabei mit einem dünnen Tuch, auf das man die Kühlpackungen für einige Minuten auflegt.

4. Stets vor Bakterien in Acht nehmen

Das neue Kniegelenk ist – ebenso wie das künstliche Hüftgelenk – anfällig für Bakterien im Blut. Diese können sich an der Prothese ansiedeln und sie lockern. Die Behandlung einer solchen Infektion kann außerordentlich langwierig und kompliziert sein. Bei Erkrankungen im Zahn- sowie Hals-Nasen-Ohren-Bereich sollte man deshalb auf das künstliche Kniegelenk hinweisen. Wenn z. B. entzündete Zahnwurzeln oder vereiterte Nasennebenhöhlen behandelt werden, ist unbedingt ein Antibiotika-Schutz erforderlich. Eine ähnliche Gefahr stellen auch eingewachsene Zehennägel dar.

5. Wieviel Grad Beugung benötigt das Knie?

Um Treppen gehen zu können, muss das Knie etwa 50 – 90 Grad gebeugt werden können. Bei der krankengymnastischen Behandlung nach der Operation werden diese fast immer erreicht, oft auch 100 oder 110 Grad. In den meisten Alltagssituationen wird man damit gut zurechtkommen. Gefährlich kann allerdings das Aussteigen aus älteren Straßenbahnen, Eisenbahnwagen oder Bussen sein, falls die Stufen sehr hoch sind. Um Stürze – ja Knochenbrüche – zu vermeiden, sollte man dabei das operierte Bein sicherheitshalber gestreckt halten und es beim Treppabgehen vorsetzen.

6. Kann man wieder knien?

Solange das Knie noch gelegentlich anschwillt, wird empfohlen, auf ein Hinknien ganz zu verzichten. Später kann ein gepolstertes Kniebänkchen, wie wir es in den ARTHROSE-INFOS Nr. 6 und Nr. 7 beschrieben haben, hilfreich sein. Gelegentlich werden diese Bänkchen auch in einigen Supermärkten günstig angeboten. Bei Yoga-Lehrern oder Moslem-Gläubigen empfehlen manche Spezialisten auch das Einsetzen von Spezialprothesen, die eine stärkere Beugung ermöglichen können. Allerdings ist die langjährige Haltbarkeit dieser Sondermodelle noch nicht endgültig geklärt.

7. Ab wann wieder Auto fahren?

Mit dem künstlichen Kniegelenk kann man auch wieder selbst Auto fahren. Meist benötigt das operierte Knie dafür eine Heilungszeit von etwa sechs Wochen. Voraussetzung ist, dass das Bein zum Kuppeln und Bremsen kraftvoll, koordiniert und vollständig gestreckt werden kann. Dies wird während der Krankengymnastik nach der Operation auch besonders geübt. Sehr selten kann das Autofahren bereits nach zwei Wochen wieder möglich sein, in anderen Fällen vielleicht erst nach zehn und mehr Wochen. In jedem Fall sollte man zuvor den behandelnden Arzt um Rat fragen.

8. Arbeitsfähigkeit

Viele Patienten, die ein künstliches Kniegelenk erhalten, sind zum Zeitpunkt der Operation noch berufstätig. Wer körperlich leichte Arbeiten verrichtet, z. B. im Büro, am Schreibtisch, als Arzt oder Unternehmer, kann oft bereits nach 4 bis 6 Wochen seine Arbeit wieder aufnehmen. Bei mittelschweren körperlichen Tätigkeiten mit ganztägigem Stehen dauert es etwa 3 Monate bis zur Wiederaufnahme der Arbeit. Bauarbeiter, Kranführer, Fliesenleger oder auch Maler werden ihre gewohnten Tätigkeiten oft nicht mehr in der früheren Form ausüben können.

9. Gartenarbeit

Für viele Menschen bedeutet ihr Garten, die Wunder und Schönheiten der Natur selbst miterleben zu dürfen. Oft ist die Gartenarbeit deshalb zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden, und sie finden darin Erholung, Freude und Erfüllung. Wie vor der Operation kann man auch mit dem künstlichen Kniegelenk nach einigen Monaten viele Arbeiten im Garten wieder selbst verrichten. Ein praktisches Hilfsmittel ist auch hier ein gepolstertes Kniebänkchen, auf das man sich sowohl knien als auch setzen kann (siehe Tipp Nr. 6). Auf das Umspaten sollte man jedoch besser verzichten.

10. Sport I: Welche Sportarten sind zu MEIDEN?

Alle Bewegungen, die mit Stauchungen, Sprüngen und direktem Körperkontakt einhergehen, können das künstliche Kniegelenk überfordern. Hierzu zählen fast alle Kontakt-, Ball- und Hallensportarten, wie z. B. Fußball, Handball und Basketball. Auch Klettern, Fallschirmspringen, Drachenfliegen und Hochgebirgswandern sollten vermieden werden. Ebenso werden Dauerlauf (Jogging) sowie die im nachfolgenden Tipp beschriebenen Sportarten von vielen Ärzten als zu ungünstig eingestuft.

11. Sport II: Sportarten, die große VORSICHT erfordern

Einige Sportarten, die früher gänzlich tabu und verboten waren, werden heute von manchen Experten mit Einschränkung akzeptiert. Hierzu zählen z. B. Einzeltennis, Skiabfahrtslauf und Reiten. Bedingung für die Ausübung dieser Sportarten ist jedoch, dass man (1) sie schon vor der Operation sicher beherrscht hat, (2) über kräftige Muskulatur verfügt und (3) betont vorsichtig ist. Gegen ein gemächliches Tennisspiel auf Sandplatz und den vorsichtigen, defensiven Skiabfahrtslauf des geübten Skifahrers gibt es dann weniger Einwände.

12. Sport III: GÜNSTIGE Sportarten

Da Bewegung sowohl Knochen, Muskeln und Gelenke als auch Herz und Kreislauf stärkt, können die folgenden Sportarten – sofern der Operateur zustimmt – empfehlenswert sein: Rad fahren (in der Ebene, oft auch zuerst auf dem Heimtrainer), Schwimmen (am besten als Kraulschwimmen) und Wandern (auch Nordic Walking, beim Bergabgehen ist der Einsatz von zwei Stöcken besonders nützlich). Auch Golf, Tennisdoppel auf Sand und langsames Tanzen sind möglich. Wohl dosiert können diese Sportarten helfen, das neue Kniegelenk zu festigen und für viele Jahre voll zu erhalten.