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Praktische Tipps zum künstlichen Kniegelenk

Wenn die Knie-Arthrose weit fortgeschritten ist, bleibt als letzte Behandlungsmöglichkeit oft nur noch das Einsetzen eines künstlichen Gelenks. Dieser Eingriff erfordert großes Können des Operateurs und auch Geduld und Mithilfe seitens des Patienten. Wie verhält man sich richtig mit dem neuen Kniegelenk? Welche weiteren Tipps können vor und nach der Operation nützlich sein? Auch zu diesem wichtigen Thema haben uns viele Mitglieder dankenswerterweise ihre persönlichen Erfahrungen übersandt. Zusammen mit den bisherigen Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7, 9, 19, 29, 39, 49, 59 und 67 können sie den Erfolg des Eingriffs unterstützen. Für die freundliche Überprüfung und Ergänzung der Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich.

1. Wann zur Operation?

Wenn die Schmerzen seit Jahren zunehmen, das Alltagsleben leidet, man nachts nicht mehr schlafen kann und alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg bringen, sollte man nicht länger warten. Frau Heide S. aus Rüsselsheim, die schon mit 51 ein künstliches Kniegelenk erhielt, sagt: „Ich habe Patienten gesehen, die zu lange gezögert hatten, sodass sich die Muskulatur extrem zurückgebildet hatte und die Beweglichkeit des Knies stark eingeschränkt war. Andererseits, nur weil man nicht mehr schmerzfrei Tennis spielen kann, sollte man sich noch kein künstliches Gelenk einsetzen lassen.“

2. In welcher Klinik?

Ein künstliches Kniegelenk bringt heute vielen Menschen eine großartige Verbesserung. Wie aber findet man die richtige Klinik? Neben den wichtigen Ratschlägen von Ärzten, Freunden und Bekannten können auch nützlich sein: (1) die „Strukturierten Qualitätsberichte“: Seit 2005 ist jede Klinik gesetzlich verpflichtet, ihre genauen Operationszahlen zu veröffentlichen. Schnell zu finden sind sie auf der Internetseite www.weisse-liste.de: dort auf „Krankenhaus suchen“ gehen, Suchwort „Knieprothesen“ eingeben und „Behandlung“ auswählen; (2) die Focus-Liste.

3. Auch Schmerzen an der Kniescheibe?

Wer sich zur Operation entschlossen hat, sollte seinen Operateur darauf hinweisen, ob speziell auch im Kniescheibenbereich Schmerzen auftreten, da dies die Auswahl des Prothesen-Modells beeinflussen kann. Frau Rita A. aus Stuttgart empfiehlt: „Unbedingt schon bei der Vorbesprechung zum künstlichen Kniegelenk ausführlich ein eventuelles Kniescheibenproblem besprechen. Von vielen Patienten habe ich gehört, dass bleibende große und kleine Restbeschwerden oft auf Probleme mit der Kniescheibe zurückzuführen sind. Dies sollte mehr beachtet und mitdiskutiert werden!“

4. Vorsicht Bakterien

Vielen Patienten ist leider noch nicht bewusst, dass auch scheinbar unbedeutende bakterielle Infekte zur Lockerung eines künstlichen Kniegelenks führen können. Alle bakteriellen Entzündungen sollten daher sofort ärztlich behandelt werden. Nur so kann ein Übergreifen der Infektion auf das künstliche Gelenk und eine Lockerung vermieden werden. Wer zu chronischen Infekten neigt, sollte sich auch auf Reisen gleich bei den ersten Anzeichen in ärztliche Behandlung begeben (weitere Einzelheiten siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 68, S. 7).

5. Knie-Sitz-Bänkchen für die Gartenarbeit

Mit dem im ARTHROSE-INFO Nr. 59 beschriebenen Knie-Sitz-Bänkchen hat Frau Margarete S. aus Düsseldorf gute Erfahrungen gemacht. Je nach Ausführung bestehen diese leichten Bänkchen aus einem stabilen Kunststoff- oder Metallgestell. Wenn man die Sitzfläche nach unten dreht, kann man darauf – wenn unvermeidbar – knien und sich zudem beim Aufrichten abstützen. Dreht man die Sitzfläche nach oben, kann man im Sitzen arbeiten oder sich ein wenig ausruhen. Dieses nützliche Hilfsmittel wird von Versandhäusern und gelegentlich auch in Supermärkten günstig angeboten.

6. Rucksack-Stuhl

Frau Traute W. aus Erlangen weist auf eine weitere interessante Möglichkeit hin: „In einem Anglerbedarfs-Laden habe ich einen kombinierten Rucksack-Stuhl erstanden. Unterwegs oder bei Veranstaltungen kann man sich darauf setzen oder das Bein hoch legen.“ Je nach Ausführung kostet er zwischen EUR 30,– und EUR 70,–. Weitere Informationen siehe im Internet unter dem Suchwort „Rucksack“ bei www.angelsport.de. Ähnlich hilfreich kann auch ein Sitzstuhl sein, der sich zusammengeklappt als Spazierstock verwenden lässt, z. B. bei www.walzvital.de.

7. Pedaltrainer

Gerade auch mit dem künstlichen Gelenk muss man auf regelmäßiges Bewegungstraining achten. Frau Ursula R. aus Plauen berichtet: „Vor dem Fernseher steht heute mein Pedaltrainer. Er passt unter jeden Tisch.“ Wenn die Anschaffung eines Heimtrainers nicht möglich ist, kann dieses einfache Trainingsgerät nützlich sein. Vom normalen Stuhl aus kann man damit seine täglichen Übungen machen. Der Tretwiderstand lässt sich mit einem einfachen Handgriff verstellen. Weitere Hinweise zum Pedaltrainer siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 19, Seite 5.

8. Fahrradfahren mit Knieschützern

Auch Radfahren ist – sobald man sich sicher fühlt – eine empfehlenswerte Sportart. Herz und Kreislauf werden dabei trainiert und die Muskulatur gekräftigt, ohne dass das Gelenk das volle Körpergewicht tragen muss. Sicherlich sollte man mit dem künstlichen Gelenk vorsichtig fahren sowie verkehrsreiche und bergige Strecken meiden. Herr Prof. Ernst G. aus Coburg empfiehlt zudem: „Bei Angst vor Stürzen kann man Knieschützer tragen, wie sie beim Inline-Skating üblich sind.“ Diese Knieschützer sind in Sportgeschäften erhältlich und dürfen nicht zu eng angelegt werden.

9. Fahrrad mit besonders tiefem Einstieg

Mit einem künstlichen Kniegelenk ist es meist einfacher, Damenräder zu benutzen und auf das Fahren mit Herrenrädern eher zu verzichten. Damenräder erleichtern das Auf- und Absteigen und schützen damit das neue Gelenk. Auf eine nützliche Besonderheit weist auch Frau Claudia K. aus Ergoldsbach hin: „Ich habe mir ein Fahrrad mit besonders tiefem Einstieg gekauft. Sollte ich einmal ganz schnell absteigen müssen, bleibe ich nicht mit dem Fuß hängen.“ Erhältlich sind diese speziellen Räder in Fahrradfachgeschäften und bei vielen Versandhäusern.

10. Fahrrad mit Sonderkurbel

Frau Almut L. aus Zorneding empfiehlt: „Da ich nach der Operation die 90-Grad-Beugung noch nicht erreicht habe, ließ ich mir am Fahrrad eine sogenannte Invalidenkurbel anbringen. Das gesunde Bein tritt ganz normal, das operierte muss jedoch nicht so stark gebeugt werden.“ Der Radius kann individuell eingestellt werden. Frau Doris M. aus Grevenbroich ergänzt: „Mein Fahrradhändler hat mir auf der operierten Seite eine kürzere Kurbel von einem Kinderrad montiert. So ist es mir möglich zu radeln, obwohl ich das operierte Knie noch nicht ganz beugen kann.“

11. Auch beim Spazieren und Wandern auf Sicherheit achten

Spazierengehen und Wandern in ebenem Gelände sind mit dem künstlichen Kniegelenk gut möglich, sofern man dabei auch auf die eigene Sicherheit achtet. Ein Mitglied gibt hierzu folgenden interessanten Hinweis: „Wenn ich mir etwas mehr zutraue und etwas weiter hinausgehe, achte ich stets darauf, das Handy dabeizuhaben. Des Weiteren bleibe ich bei meinen Wanderungen immer in Gegenden, in denen notfalls ein Auto heranfahren kann.“ Ein Experte ergänzt: „Auch sollte man an den Rückweg denken und am Anfang Strecken wählen, an denen Ruhemöglichkeiten (Bänke) vorhanden sind.“

12. Schwimmen in Schwimmbad und Meer

Auch diese Empfehlung kann nützlich sein: „Ich kann mit meinem künstlichen Knie ganz gut schwimmen. Allerdings gehe ich nur in Schwimmbäder, in denen eine Treppe mit Geländer in das Becken führt. Keine Leitern!“ und weiter: „Ich schwimme auch gern im Meer, suche mir jedoch nur Urlaubsziele aus mit flachem Sandstrand, ohne Steine und ohne Löcher. Auch starke Brandung muss man meiden, da man sonst zu stark angeschoben wird und stürzen kann.“ So wird man auch mit einem künstlichen Kniegelenk das Schwimmen zu Hause und im Urlaub genießen können.