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Praktische Tipps zum künstlichen Kniegelenk

In einem Jahr erhalten in Deutschland etwa 200.000 Menschen ein künstliches Kniegelenk, meist wegen einer schweren Arthrose. Auch zu diesem großen Eingriff haben uns zahlreiche Mitglieder ihre persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen übersandt, von denen wir hiermit wieder eine Auswahl vorstellen möchten. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich. Die früheren Praktischen Tipps zu diesem Thema in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7, 9, 19, 29, 59, 67 und 69 möchten wir als wertvolle Grundlagen gern nochmals empfehlen. Sie enthalten auch wichtige Hinweise zur ärztlichen Therapie.

1. Allergien?

Etwa 12 Prozent aller Bürger sind heute gegen das Metall Nickel allergisch, bei Frauen unter vierzig sind es sogar über 30 Prozent. Obwohl die üblichen Standardprothesen dieses Metall enthalten, sind Abstoßungsreaktionen selbst bei bekannter Allergie sehr selten. Bei manchen Menschen wird sogar eine Abschwächung der bis dahin bekannten Allergie beobachtet („Desensibilisierung“). Auch bei bestehender Metallallergie werden daher meist die bewährten Standardprothesen empfohlen. Allerdings gibt es jetzt auch spezielle „Allergie-Prothesen“

2. Zähne gesund?

Zur sorgfältigen Vorbereitung auf ein künstliches Knie gehört immer auch eine zahnärztliche Untersuchung. Frau Erna F. aus Plochingen berichtet: „Einen Tag vor der Operation entwickelte sich ein Abszess (bakterielle Entzündung) am Zahnfleisch. Der Operateur nahm es ernst und schickte mich nach Hause. Es folgten drei Operationen beim Kieferchirurgen. Erst nach drei Monaten konnte ich am Knie operiert werden.“ Sorgfältige Zahnpflege und jährliche Routinekontrolle beim Zahnarzt sind für Zähne, Herz und die Haltbarkeit künstlicher Gelenke von größter Wichtigkeit.

3. Pferdesalbe gut gekühlt

Wenn sich das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks nicht auf Frühling oder Herbst verschieben lässt, kann der folgende Tipp hilfreich sein: „Meine Operation war im Juli in der größten Hitze. Daher war mein Bein relativ lange danach angeschwollen. Als die Wunde äußerlich gut verheilt war, half mir ein Wickel mit Pferdesalbe aus dem Kühlschrank. Diese Salbe enthält Rosmarin, Arnika, Kampfer und Menthol und ist u. a. in Apotheken erhältlich.“ Hinweis: Vor einer Anwendung am operierten Knie sollte man dies aber stets mit dem behandelnden Arzt besprechen.

4. Cryo-Cuff-Eiswasser-Umschläge?

Sofern der behandelnde Arzt diesem Verfahren zustimmt, kann der folgende Vorschlag auch bei einem künstlichen Gelenk nützlich sein. Frau Ursula I. aus Karlsruhe berichtet: „Wenn ich Wasser im Gelenk habe, kann dies bis zu vier Wochen anhalten. Jetzt lasse ich mich nicht mehr punktieren, sondern lege mein Knie hoch und mache mit dem Gerät ›Cryo-Cuff‹ Eiswasserumschläge sowie isometrische Übungen.“ Zur Kühlung des Gelenks können auch Kühlkompressen mit Klettverschluss angenehm sein. Wichtig: nur 15 Minuten kühlen und die Haut mit einem Handtuch schützen.

5. Kaltschaum-Matratze

Als hilfreich nach der großen Knie-Operation empfehlen viele Patienten auch eine besondere Matratze: „Ich habe mir jetzt eine Kaltschaum-Matratze gekauft und empfinde es als sehr angenehm, dass mein Knie weicher liegt“, berichtet Frau Margrit F. aus Sande. Diese neuartigen Matratzen gibt es in zahlreichen Ausführungen und Härtegraden. Sie haben mehrere innere Schichten, wodurch sie gleichzeitig als weich und dennoch fest empfunden werden. Vor dem Kauf empfiehlt sich eine sorgfältige Beratung in einem Bettenfachgeschäft und ein längeres Probeliegen.

6. Elektrisch verstellbares Kopf- und Fußteil

Viele Patienten sind zudem begeistert von dem Komfort, den ein elektrisch verstellbarer Lattenrost bietet, mit dessen Hilfe auch das Fußteil je nach Bedarf automatisch erhöht oder abgesenkt werden kann. Auch hier empfiehlt sich eine sorgfältige Beratung in einem Bettenfachgeschäft, wo verschiedene dieser Roste in Aktion vorgeführt werden können. Viele Modelle sind heute für wenige hundert Euro erhältlich. Ein leicht erhöhtes Fußteil kann das Abschwellen des Gelenks unterstützen. Hinweis: Diese Elektro-Roste benötigen stets eine Kaltschaum-Matratze (Tipp 5).

7. Langes Sitzen anfangs vermeiden

In den ersten Wochen und Monaten nach der Knie-Operation empfinden viele ein längeres Sitzen ohne Aufstehen als unangenehm. Alle Tätigkeiten, Veranstaltungen oder Termine, bei denen man lange ohne Unterbrechung sitzen muss, sind daher eher ungünstig und besser zu vermeiden. Dies gilt sowohl für Theater- und Kinobesuche als auch für längere Bus- und Autofahrten. Wenn längere Auto-, Zug- oder Flugreisen unvermeidlich sind, sollte man nach Möglichkeit immer wieder kleine Pausen einlegen, aufstehen und ein paar Schritte gehen.

8. Einlagen erforderlich?

Mit einem künstlichen Kniegelenk werden einige Gelenke anders beansprucht als vor der Operation. Sie müssen sich erst allmählich an die neue Belastungssituation anpassen. Herr Dr. Hans K. aus Kaarst berichtet: „Bei der Operation wurde bei mir auch eine Schrägstellung des Beins korrigiert. Allerdings traten nach einem Jahr Schmerzen in beiden Fußwurzeln auf, die jetzt durch Einlagen behandelt werden.“ Nach dem Einsetzen eines künstlichen Knies sollte auch den anderen Gelenken genügend Zeit gegeben werden, sich an die veränderte Beanspruchung zu gewöhnen.

9. „Nordic Walking-Stöcke helfen mir super“

Manchmal dauert es mehrere Monate, bis man sich beim Gehen wieder sicher fühlt, selbst wenn dies nur ein subjektives Empfinden ist. Ein deutlich höheres Sicherheitsgefühl haben viele Patienten, wenn sie anfangs noch zwei Stöcke zur Hand nehmen. Eine moderne und sportliche Lösung hierfür können Nordic Walking-Stöcke sein. Frau Hannelore B. aus Renningen empfiehlt: „Nordic Walking-Stöcke helfen super! Man kann damit auch langsam gehen. Anfangs genügen 10 bis 20 Minuten, erst danach kann man die Zeit langsam steigern. Der Erfolg stellt sich ein.“

10. Schuhe mit Spikes

Zusätzliche Sicherheit beim Gehen können in bestimmten Fällen auch kräftige Spezialschuhe geben, die über versenkbare Metallstifte („Spikes“, gesprochen „spaiks“) verfügen. Wenn man diese Spikes je nach Jahreszeit herausklappt, kann man auch auf rutschigem Gelände eine gewisse Sicherheit gewinnen. Frau Irmhild S. aus Waldbrunn berichtet: „Um Stürze auf feuchtem Laub, Eis und Schnee zu vermeiden, habe ich mir Schuhe mit Spikes gekauft.“ (Bezug: z. B. www.walzvital.de oder www.amazon.de).

11. Hilfe nach Knie-Versteifungsoperation

Leider hält nicht jedes künstliche Kniegelenk. In seltenen, sehr ungünstig verlaufenden Fällen bleibt den Ärzten dann keine andere Wahl, als das zerstörte Kniegelenk operativ zu versteifen, was eine enorme Umstellung mit sich bringt. Bei dieser besonders schweren Einschränkung hilft die Deutsche Arthrose-Hilfe. Wer dann Unterstützung bei Umbaumaßnahmen am Auto und in der Wohnung, bei der Anschaffung von Hilfsmitteln und bei der beruflichen Umschulung benötigt, kann sich gern an die Direkthilfe der Deutschen Arthrose-Hilfe wenden (Anschrift u. Tel.-Nr. siehe Seite 2).

12. Weitere nützliche Anregungen

Auch der Hinweis von Herrn Hermann N. aus Walsrode kann nützlich sein: „Meine Operationen an beiden Kniegelenken sind erfolgreich verlaufen. Hilfreiche Anregungen habe ich dabei auch aus dem Buch ›Die Endoprothese‹ von Herrn Dr. Hinkelmann und Herrn Dr. Fleischhauer gewonnen. Ich verweise besonders auf die Kapitel: ›Aktivitäten des täglichen Lebens‹, ›Risiken und deren Vermeidung‹ sowie ›Zehn Endoregeln‹.“ (Bestellangaben: Urban & Fischer Verlag, ISBN 978-3-437-47192-6, Preis € 27,–.) Wer diese Regeln befolgt, wird mehr Freude an seiner neuen Beweglichkeit haben.