Die Arthrose der Schulter kann Schmerzen auslösen, die nach oben in den Nacken oder nach unten in Oberarm, Ellbogen oder Hand ausstrahlen. Im Folgenden beschreiben wir die wichtigsten Formen dieser Arthrose und erläutern einige nützliche Behandlungs- und Verhaltensgrundsätze.
Verletzungen und Knochenbrüche, auch berufsbedingte Überlastungen der Schulter, können eine Arthrose im Hauptgelenk der Schulter auslösen. Dieses Gelenk wird vom Oberarmkopf und der Schulterpfanne, die ein Teil des Schulterblattes ist, gebildet und gibt dem Arm seine große Beweglichkeit. Eine Arthrose im Hauptgelenk wirkt sich auf fast alle Tätigkeiten aus, bei denen Arme und Hände benötigt werden. Oft stellt sie deshalb eine erhebliche Einschränkung im beruflichen und persönlichen Bereich dar.
Anstelle des Hauptgelenks kann die Arthrose auch ein kleines Gelenk betreffen, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet und im Allgemeinen wenig bekannt ist. Es ist dies das sogenannte Schulter-Eckgelenk. Es wird vom Schulterdach und dem Schlüsselbein gebildet. Weil der Arzt das Schulterdach „Acromion“ und das Schlüsselbein „Clavicula“ nennt, wird diese Arthrose in der Sprechstunde auch als ,,AC-Gelenk-Arthrose“ bezeichnet. Oft – aber nicht immer – treten die Schmerzen bei diesem Arthrosetyp besonders beim Überkreuzen des Armes zur Gegenseite auf.
Selten kann die Arthrose auch in einem Gelenk auftreten, das vom eigentlichen Schultergelenk bereits ein gutes Stück entfernt liegt, aber dennoch zum Schultergürtel gehört. Es wird von Schlüsselbein und Brustbein gebildet. Wenn sich in diesem Gelenk eine Arthrose entwickelt, können die Beschwerden anfangs manchmal mit Herzbeschwerden verwechselt werden. Später zeigen sich dann eine leicht erkennbare Vergrößerung des Gelenks sowie die typischen Schmerzen beim Greifen nach oben oder Hinübergreifen zur Gegenseite.
Zwei einfache Tests wird der Arzt bei der Schulterarthrose häufig durchführen:
Wenn Sie beide Tests ohne Einschränkung schmerzfrei durchführen können, kann dies ein Hinweis sein, dass die Gelenke des Schultergürtels weitgehend gesund sind.
In welcher Stellung und Haltung kann sich die Schulter am raschesten erholen, wenn akute Schmerzen bestehen? Bei starken Beschwerden wird von vielen Ärzten oft zwischen zwei Methoden der Ruhigstellung gewählt:
(1) dem „Briefträgerkissen“,
(2) der „Thorax-Abduktionsschiene“ (dies ist eine besondere, abnehmbare Schulterschiene).
Mit beiden Maßnahmen erholt sich das entzündete Schultergelenk oft rasch, und es kann meist einer dauerhaften Einsteifung des Hauptgelenks vorgebeugt werden.
Wer gesund ist, kann sich kaum vorstellen, wie rasch eine vollständige Einsteifung der Schulter eintreten kann und wie langwierig die Behandlung danach ist, um diesen Zustand wieder rückgängig zu machen. Die häufigste Ursache für eine solche Einsteifung ist das irrtümliche zu lange Verwenden eines Schultertuches oder einer Armschlinge. Diese stellen leider keine Selbsthilfe dar, sondern können dem Schultergelenk bei zu langer Anwendung großen Schaden zufügen. Stets gilt deshalb für beide: „Nur mit ärztlicher Verordnung und Kontrolle!“
Alle Tätigkeiten, die über dem Kopf durchgeführt werden, können die Schultergelenke unter Umständen überfordern. Bei einer bestehenden Schulterarthrose sollte man deshalb auf Tapezieren, Anstreichen oder ähnliche Arbeiten besser verzichten. Auch beim Fensterputzen, Wäscheaufhängen oder Einräumen hoch liegender Regale sollte man, wenn möglich, Hilfsmittel benutzen. So wird eine Reizung der betroffenen Gelenke vermieden.
In vielen Fällen kann während der krankengymnastischen Behandlung die Anwendung von Eis sinnvoll sein. Wenn die akuten Beschwerden abgeklungen sind, empfinden manche Betroffene aber auch eine vorsichtige Wärmeanwendung als angenehm und hilfreich. In zahlreichen Rehabilitationszentren wird hierfür gern das ,,Kirschsteinsäckchen“ oder „Kirschkernkissen“ angewandt, das in einigen Apotheken, Drogerie-Märkten und Internet-Shops erhältlich ist (,,Kirschsteinsäckchen“ oder „Kirschkernkissen“, Preis ab ca. 5 EUR plus Versand).
Sobald durch rasche ärztliche Behandlung die größten Beschwerden abgeklungen sind, richtet sich die weitere Therapie dann auf eine Rückgewinnung der Beweglichkeit. Zu den Übungen, die man zu Hause durchführen kann, gehören z. B. im Liegen das „Pendeln“ mit einem Gewicht. Diese oder andere Übungen wird man in der Regel in der Krankengymnastik erlernen und dann zu Hause täglich mehrmals für jeweils 5 bis 10 Minuten durchführen. Auch Bewegungen im Wasser und das „Klettern“ an einer Tür können sehr günstig sein.
Später, wenn die Beschwerden weiter abgeklungen sind, kann eine einfache Übung nützlich sein. Sie besteht aus 2 Teilen:
(1) Beide Hände im Nacken verschränken.
(2) Jetzt die Ellbogen vorsichtig öffnen und seitlich nach hinten führen.
Diese Übung kann im Sitzen, aber auch im Liegen durchgeführt werden. Wenn die Bewegungen langsam und behutsam erfolgen, ist der Dehnungseffekt am sichersten. Die Übung dauert jeweils nur eine Minute und kann mehrmals am Tag wiederholt werden.
Sportliche Betätigungen, bei denen die Schulter durch Stöße, Schläge oder Stürze belastet wird, sollten vermieden werden. Hierzu zählen: Handball, Basketball, Volleyball, Faustball, Torwartspiel beim Fußball, Speerwerfen sowie Tennis.
Andererseits kann Brustschwimmen vorsichtig und mit langsamen Bewegungen versucht werden. Günstig sind in der Regel auch Spazierengehen und Heimtrainerfahren.
Die Gelenkspiegelung oder Arthroskopie wird heute auch am Schultergelenk durchgeführt. Dabei werden Verklebungen gelöst und freie Gelenkkörper sowie entzündliches Gewebe entfernt. Dies kann nicht selten zu einer Besserung führen, die u. U. über mehrere Monate anhalten kann. Im Anschluss an die Gelenkspiegelung ist die Durchführung einer krankengymnastischen Übungsbehandlung besonders wichtig. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose kann die Arthroskopie keine anhaltende Besserung schaffen und sollte eher vermieden werden.