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Praktische Tipps bei Baastrup-Syndrom

Heute möchten wir auf eine besondere Form von Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) aufmerksam machen. Sie ist nach einem Röntgenarzt aus Dänemark, Herrn Dr. Baastrup, benannt. In der ärztlichen Sprache heißt sie deshalb „Baastrup Syndrom“ oder „Morbus Baastrup“. Typischerweise treten diese Schmerzen meist nur bei bestimmten Haltungen und Bewegungen auf. Wenn man die Ursachen dieser Schmerzen kennt, kann man sich oft bereits mit einigen einfachen Maßnahmen wirksam helfen. Im Folgenden beschreiben wir zunächst die erstaunlich vielfältige Anatomie der Lendenwirbel, dann den für das Baastrup-Syndrom typischen Knochen-Knochen-Kontakt und einige häufige Ursachen. Danach stellen wir mehrere nützliche Tipps vor, mit denen man sich Linderung und Besserung verschaffen

1. Anatomie der Lendenwirbel

Die Wirbelsäule trägt Rumpf und Kopf und umschließt in voller Länge einen Hohlraum, den sogenannten „Rückenmarkskanal“, in dem sich das Rückenmark und die dazugehörigen Nerven befinden. Rückseitig wird dieser Kanal bei jedem Wirbel von einem knöchernen Bogen gebildet, der fünf lange Fortsätze besitzt. Dies sind links und rechts die „Querfortsätze“ („Q.“) und die „Gelenkfortsätze“ („G.“) sowie mittig der „Dornfortsatz“ („D.“). Die Wirbel der LWS zeichnen sich durch besonders kräftige Wirbelkörper (vorn) und große, blattförmige Dornfortsätze (hinten) aus.

2. Formen der Lendenwirbelsäule

Die normale menschliche Wirbelsäule verläuft nicht kerzengerade wie ein Strich. Vielmehr zeigt sie typische Kurven, die die Belastungen beim Gehen und Laufen abfedern helfen. So besitzen die Halswirbelsäule und die Lendenwirbelsäule eine leichte Hohlkrümmung, die Brustwirbelsäule hingegen einen rückwärtigen Rundbogen. Ist die Krümmung der LWS deutlich verstärkt, so spricht man meist von einem „Hohlkreuz“ oder medizinisch von einer verstärkten „Lendenlordose“ bzw. einer „Hyperlordose“ der LWS.

3. Knochen-Knochen-Kontakt der Dornfortsätze

In der gesunden Lendenwirbelsäule haben die Dornfortsätze trotz ihrer beachtlichen Größe einen deutlichen Abstand voneinander (siehe Abbildung 1 bei Tipp Nr. 5). Ist die Hohlkrümmung der LWS jedoch verstärkt und besteht somit ein Hohlkreuz, können sich die Dornfortsätze so weit nähern, dass sie sich berühren und dadurch Schmerzen auslösen. Dieser Kontakt und die dazugehörenden Schmerzen werden als „Baastrup-Syndrom“, „Baastrup-Phänomen“ oder „Morbus Baastrup“ bezeichnet.

4. Ursache 1: Muskel-Schwäche oder Muskel-Verkrampfung

Die Ursachen einer starken Hohlkreuz verformung der LWS können vielfältig sein. Naheliegend ist die Bedeutung der Muskeln, die der Wirbelsäule ihre Form geben. Sind die Bauchmuskeln zu schwach und sind auch die Muskeln, die vorne entlang der Wirbelsäule verlaufen, zu wenig ausgebildet, so richten sie die Wirbelsäule nicht genügend auf und geben ihr zu wenig Halt. Verstärkend kann hinzukommen, dass sich die Rückenmuskulatur bei Rückenschmerzen verkrampft und verkürzt und damit die Hohlkreuz-Verkrümmung noch verstärkt.

5. Ursache 2: Bandscheibenschaden

Eine weitere Ursache des Baastrup Syndroms kann ein fortgeschrittener Bandscheibenschaden sein. Dadurch nähern sich die beiden Wirbel oft deutlich einander an, und es kommt an mehreren Stellen zu einer vermehrten Belastung. Vorne können sich die Wirbelkörper direkt berühren, dahinter werden die Wirbelgelenke links und rechts vermehrt belastet (bis hin zur Wirbelgelenk-Arthrose) und ganz hinten kann ein Kontakt der beiden Dornfortsätze entstehen. In diesem Fall können zum Baastrup-Syndrom also mehrere weitere Schmerzquellen hinzukommen.

6. Ursache 3: Hüftarthrose

Eine Hüftarthrose führt mit zunehmendem Fortschreiten zu einer Einschränkung der Beweglichkeit des Hüftgelenks. Meist fällt dann den Patienten auf, dass sich das Bein nicht mehr ganz nach hinten strecken lässt, sondern in einer Beugeposition bleibt. Diese Einschränkung wird ärztlich als „Beugekontraktur“ bezeichnet. Wird das Bein dennoch im Liegen flach aufgelegt oder beim Gehen weiter nach hinten bewegt, so ist dies nur möglich, wenn die Lendenwirbelsäule eine verstärkte Hohlkreuzform annimmt. Auch eine Hüftarthrose kann somit das Baastrup-Syndrom auslösen

7. Diagnose 1: „Punktförmiger“ Rückenschmerz

Da die Schmerzen des Baastrup-Syndroms durch den Knochen-Knochen-Kontakt zweier Dornfortsätze ausgelöst werden, können Patient und Arzt oft ganz genau auf die schmerzende Stelle zeigen. Auch die Auslösung der Schmerzen bei Tätigkeiten, die die Hohlkreuzform verstärken, ist typisch Hierzu gehören z. B. alle Überkopfarbeiten, wie das Putzen von Deckenlampen oder das Anbringen der Gardinen. Auch das Tragen hoher Absätze hat eine ähnliche Wirkung.

8. Diagnose 2: Röntgenbild

Das Baastrup-Syndrom trägt aus gutem Grund den Namen eines Röntgenarztes. Denn bereits eine einfache Röntgenaufnahme – besonders wenn sie im Stehen und mit Rückwärtsneigung durchgeführt wird – zeigt an, ob sich zwei Dornfortsätze berühren. Es gibt auch Fälle, in denen sich an der Kontaktstelle ein Schleimbeutel bildet. Wenn dieser Verdacht besteht oder auch an andere Ursachen der Beschwerden gedacht wird, werden einige Ärzte zusätzlich eine MRT-Untersuchung anordnen, in der die Weichteile ebenfalls sichtbar werden

9. Stabilisierung der LWS hilft

Rückenbandagen jeglicher Art, Mieder und sogenannte „Figurformer“ (Shapewear) können helfen, die vermehrte Hohlkreuz-Krümmung der Lendenwirbelsäule abzumildern und das Baastrup-Syndrom zu vermeiden. Besonders bei längeren stehenden Tätigkeiten im Haushalt oder Beruf und insbesondere auch bei Überkopfarbeiten empfiehlt es sich immer, diese einfachen Selbsthilfen anzuwenden. Sie können erstaunlich wirksam sein.

10. „Umgekehrtes“ Keilkissen

Kissen, die an einem Ende dicker sind als am anderen, werden als „Keilkissen“ bezeichnet. Sie sind unter anderem in jedem Sanitätshandel erhältlich. Beim Baastrup-Syndrom können sie helfen, die verstärkte Hohlkreuz-Krümmung im Sitzen aufzurichten oder wenigstens zu verringern. Wichtig ist dabei, dass die dicke Seite vorne zu liegen kommt und die dünne hinten. Andernfalls würde das Baastrup-Syndrom sogar noch verstärkt werden.

11. Empfehlenswertes Rückenschwimmen

Beim Brustschwimmen neigt man dazu, die Hohlkreuzhaltung der Wirbelsäule noch zu verstärken. Rückenschwimmen hingegen vermindert sie in den meisten Fällen. Wer Schwimmen als Sport liebt und ausüben kann, wird deshalb meist feststellen, dass insbesondere das Rückenschwimmen die Baastrup-Beschwerden lindert und somit sehr empfehlenswert ist

12. Hilfreiche Physiotherapie

Bei einer ärztlich verordneten Physiotherapie (Krankengymnastik) werden insbesondere solche Übungen erlernt, die die Kraft der vorderen Rumpfmuskeln stärken und die Verkrampfung der hinteren Rückenmuskeln lösen. Besteht eine Hüftarthrose mit Beugekontraktur, wird auch versucht werden, ob sich die Beweglichkeit noch verbessern lässt. Alle erlernten Übungen können aber nur wirken, wenn sie zu Hause mehrmals täglich wiederholt werden. So kann man dann selbst oft viel zur Besserung und Gesundung beitragen.