Die heutigen Hinweise zur Hüftarthrose sind als Fortsetzung zu unseren Tipps gedacht, die wir im ARTHROSE-INFO Nr. 3 genannt haben und die wichtige Grundregeln enthalten. Im Folgenden erläutern wir zunächst die häufigsten Arten der Hüftarthrose, beschreiben die wichtigsten Beschwerdeformen und geben dann einige nützliche Hinweise für eine wirksame Behandlung.
Wenn die Pfanne des Hüftgelenks von Geburt an zu klein angelegt ist, kann sie dem Hüftkopf keinen stabilen Halt geben. Oft zeigt der Hüftkopf außerdem noch eine zusätzliche Steilstellung, wodurch die ungünstige Form noch verstärkt wird. Alle Belastungen, die beim Gehen auf das Gelenk wirken, konzentrieren sich dann auf einen schmalen Bereich am Pfannenrand. Durch die ständige Überlastung wird der Gelenkknorpel dort bald überfordert und die Arthrose beginnt sich zu entwickeln. (Zum Impingement-Syndrom siehe die Tipps in ARTHROSE-INFO Nr. 83.)
Bei diesem Arthrose-Typ liegt die Ursache in einer vorangegangenen Hüfterkrankung, die viele Jahre zurückliegt und bereits vergessen sein kann. Diese Erkrankungen treten besonders häufig zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr auf. Beim Erwachsenen können sie Folge einer langen, hoch dosierten Cortisonbehandlung oder des Alkoholkonsums sein. Häufig führt die Verformung des Hüftkopfes, die sich dann entwickelt, zu einer ungünstigen Belastung des Gelenkknorpels und schließlich zur Entwicklung einer Arthrose.
Während Typ 1 und Typ 2 die häufigsten Formen der Hüftarthrose sind, können auch Gelenke, die keine speziellen Vorschäden erkennen lassen, betroffen sein. Der Arzt nennt diese Form „primäre“ Hüftarthrose. Häufig findet sie sich bei Menschen, die beruflich schwer arbeiten, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft oder im Bergbau, aber auch bei vielen anderen. Zur Bedeutung des Impingement-Syndroms siehe ARTHROSE-INFO Nr. 83.
Die Schmerzen bei der Hüftarthrose können sehr unterschiedlich sein. Am häufigsten werden die folgenden Formen beobachtet:
Diese verschiedenen Schmerzformen erklären, warum man bei der gleichen Diagnose „Hüftarthrose“ ganz unterschiedliche Beschwerden haben kann.
Wenn die Hüftarthrose fortschreitet, werden oft auch die folgenden Veränderungen beobachtet:
Je stärker diese Veränderungen zunehmen, desto mehr beeinträchtigen sie beim Gehen die normale Bewegung. Andere Gelenke, wie beispielsweise Knie und Wirbelsäule, werden dann ebenfalls stärker beansprucht.
Operationsverfahren, die das Ziel haben, die Stellung des Hüftgelenkes frühzeitig zu korrigieren, werden meist als „Umstellungsoperationen“ bezeichnet. Hierbei wird die Stellung der Pfanne und manchmal auch die des Kopfes verändert. Bei diesen Operationen handelt es sich um große Eingriffe. Sie werden deshalb zunehmend nur noch von Spezialisten durchgeführt, auch um überflüssige Eingriffe zu vermeiden. Insgesamt werden diese Korrekturen heute seltener vorgenommen als noch vor wenigen Jahren und eher bei jungen Patienten.
Von großer Bedeutung für die Behandlung der Hüftarthrose ist eine gute und regelmäßige Krankengymnastik. Sie hat dreierlei Ziele:
Diese Behandlungsziele können nur behutsam und mit Geduld erreicht werden. Die gewonnene Muskelkraft darf lediglich der Reserve dienen.
Es gibt eine ganze Reihe weiterer Therapien, die die Beschwerden der Hüftarthrose mildern können. Interferenzströme, diadynamische Ströme und andere Elektrotherapien ermöglichen in vielen Fällen eine wirksame Grundbehandlung. Massagen können ebenfalls nützlich sein und die Muskulatur lockern und entkrampfen. Gute Wirkung zeigen auch Wasserbehandlungen, wie „Bewegungsbäder“ oder „Thermalbäder“, sofern keine akute Entzündung vorliegt. Auch Vollbäder in der Badewanne, in die man eine Hand voll Kochsalz zugibt, können die Beschwerden lindern.
Eine nützliche Abfederung für die betroffene Hüfte kann die Verordnung von sogenannten „Puffer“-Absätzen sein. Vom schuhorthopädischen Fachmann wird hierbei auf Rezept eine weiche, etwa 1 cm dicke Gummischicht in den Absatz eingearbeitet, ohne dass die Gesamthöhe des Absatzes verändert wird. Hierdurch werden die Schmerzen, die beim Gehen auftreten, oft spürbar vermindert. Alternativ können in bestimmten Schuhen auch herausnehmbare, elastische Ferseneinlagen eingesetzt werden, die eine ähnliche Wirkung erzielen.
Eine richtige Sitzhaltung kann das Hüftgelenk entlasten. Hier die wichtigsten Hinweise:
Nützlich kann auch ein Stuhl sein, der eine zweigeteilte vordere Sitzfläche hat. Diese Stühle sind im Sanitätsfachgeschäft in verschiedenen Ausführungen erhältlich.
Wenn Hüftschmerzen akut sind, ist stets eine ärztliche Untersuchung zu empfehlen. Für die Behandlung gelten meist die Grundregeln: (1) Entlastung durch Unterarm-Gehstützen, (2) Kühlen und (3) Ruhe. Diese Maßnahmen sollten stets mit dem behandelnden Arzt in allen Einzelheiten besprochen werden. Zur rascheren Besserung ist es meist auch sinnvoll, für einige Tage ein Medikament einzunehmen, sofern es gut vertragen wird. Immer häufiger führen viele Ärzte heute auch eine Akupunktur durch. Diese hat meist keine Nebenwirkungen.
Ergänzend zu unseren Sporthinweisen im ARTHROSE-INFO Nr. 3 können die folgenden Tipps hilfreich sein: