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Praktische Tipps bei Knie-Arthrose

Viele Betroffene wissen aus eigener Erfahrung, dass bei einer Arthrose die Schmerzen schubweise kommen und gehen können. Bei der Knie-Arthrose gibt es aber noch einige weitere, ja erstaunliche, Besonderheiten. Welche sind dies? Hierzu haben wir wieder zusammen mit zahlreichen Experten zwölf Praktische Tipps und Hinweise zusammengetragen. Die früheren Kapitel zur Knie-Arthrose, die Sie in der Gesamtausgabe der ARTHROSE-INFOS finden, können ebenfalls sehr wertvoll sein.

1. Jahrelang ohne Schmerzen

Immer wieder erstaunt es Ärzte und Patienten, wenn die Knie zum ersten Mal geröntgt werden und sich dann gleich eine schwerste Arthrose zeigt. „Etwas gespürt habe ich aber erst seit ein oder zwei Wochen. Bis dahin habe ich sogar Fußball gespielt und intensiv Sport getrieben“, berichten einige Betroffene dann überrascht. Selbst Kniegelenke mit großem, breitflächigem Knochen-Knochen-Kontakt können jahrelang keine oder nur geringe Schmerzen auslösen.

2. Sogar bei deutlichen O- oder X-Beinen

Erstaunlich ist die lange Schmerzfreiheit besonders auch dann, wenn sich bereits deutliche O- oder X-Beine entwickelt haben. Beim O-Bein werden ja die innenseitigen Hälften und beim X-Bein die außenseitigen Hälften der Knie bei jedem Schritt zusätzlich belastet. Wie kommt es, dass selbst bei diesen klar erkennbaren Veränderungen der „Beinachsen“ oftmals keine Schmerzen auftreten – selbst bei schwerster Arthrose nicht?

3. Grund unbekannt

Die Antwort auf die vorgenannte Frage ist: „Der Grund ist immer noch nicht wirklich bekannt.“ Es gibt viele Vermutungen, Theorien und auch Hinweise, aber letztlich gibt es kaum wissenschaftlich belegte Beweise. Zwei Faktoren scheinen für die erstaunliche Schmerzfreiheit von Bedeutung zu sein: (1) eine gut entwickelte und das Gelenk gut führende Muskulatur und (2) das Einlegen längerer Erholungspausen nach Belastungen. Ob noch andere Gründe zur Schmerzfreiheit beitragen, wird seit langem erforscht. Auch hier zeigt sich, wie immens wichtig die Förderung der Arthroseforschung ist.

4. Schmerzen im Rücken

Aber es gibt noch eine weitere Besonderheit. Bei Knie-Arthrose können die ersten Schmerzen manchmal nicht im Knie, sondern überraschenderweise im Rücken auftreten, oft auch nachts. Dies kann dann leicht zu Verwechslungen mit Veränderungen der Lendenwirbelsäule führen. Bei allen Rückenschmerzen müssen deshalb stets auch die Kniegelenke sorgfältig untersucht werden (und umgekehrt). Somit gilt auch: „Hast Du Schmerzen im Knie, vergiss den Rücken nie!“

5. Nicht Knie-, sondern Hüft-Arthrose?

Wichtig zu wissen ist auch: Wenn erhebliche Knie-Schmerzen jeden Schritt zur Qual werden lassen, können die Röntgenaufnahmen dennoch gesunde Knie zeigen. Erfahrenen Ärzten ist wohlbekannt, dass bei Knie-Schmerzen auch an eine Hüft-Arthrose gedacht werden muss. Auch diese kann Knie Schmerzen auslösen. Deshalb muss bei allen Knie-Schmerzen stets auch das Hüftgelenk untersucht werden. So wie Schmerzen im Rücken auf eine Knie-Arthrose hindeuten können (Tipp Nr. 4), können in manchen Fällen Schmerzen im Knie auf eine Hüft-Arthrose hinweisen.

6. Knie-Schmerzen – sofort oder verzögert

Typischerweise führt die Knie-Arthrose jedoch zu den Knieschmerzen. Das wissen hunderttausende Betroffene in Deutschland leider nur allzu gut. Aber auch diese Schmerzen haben zwei Besonderheiten: Bei vielen treten die Schmerzen noch während hoher Belastung auf. Experten schätzen jedoch dass mindestens in der Hälfte aller Fälle von Knie-Arthrosen die Schmerzen erst Stunden oder sogar erst Tage später auftreten. Wenn die Schmerzen erst im Ruhezustand empfunden werden, führt dies nicht selten zur Fehlannahme, dass Ruhe schädlich sei und dass das Gelenk noch mehr belastet werden müsse.

7. Geschwollenes Knie

Bei einer Knie-Arthrose ist das Gelenk oft deutlich verdickt und entzündet. Diese Entzündung kann die Ursache der Arthrose und der Schmerzen sein, so z. B. bei Gicht oder anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen. Die Entzündung kann aber auch die Folge der Arthrose sein. In beiden Fällen führt die Entzündung zu erheblichen Schmerzen und schädigt den Gelenkknorpel immer weiter. Jede Entzündung muss deshalb dringend behandelt werden. (Siehe hierzu auch die vielen Hinweise, zu denen auch Kühlung und Hochlagerung gehören, in den früheren ARTHROSE-INFOS.)

8. Knochenschmerzen

Wenn Knochen auf Knochen reibt – wie es bei einer schweren Arthrose der Fall ist – können die Schmerzen auch ihre Ursache in den Veränderungen der Knochen haben. Auch Knochen sind lebendes Gewebe, besitzen Gefäße und Nerven und können somit Schmerzen auslösen. Die typische Verdichtung („Sklerosierung“) des Knochens bei Arthrose kann deshalb auch bei geringer äußerer Schwellung des Gelenks zu starken, tiefempfundenen Schmerzen führen. Durch jede Verhärtung des Knochens wird zudem der Gelenkknorpel immer weiter geschädigt.

9. Schmerzen an den Sehnenansätzen

Eine dritte Quelle der Knie-Arthroseschmerzen können schließlich die Ansatzbereiche derjenigen Sehnen sein, die dazu beitragen, das Knie sicher und stabil zu führen. Diese Schmerzen können vor allem seitlich auftreten oder vorne unterhalb der Kniescheibe. Es gibt Ärzte, die der Behandlung dieser Schmerzen bei der Knie-Arthrose eine besonders große Bedeutung beimessen. Nicht selten können damit die Knie Arthroseschmerzen für lange Zeit beseitigt werden

10. Temperaturmessung mit Infrarot-Kamera

Fast immer möchte der Arzt wissen: Ist das Gelenk entzündet (siehe Tipp Nr. 7), und ist es überwärmt? Typischerweise werden dafür beide Hände auf die Kniegelenke gelegt, um die Temperatur zu fühlen. Selbst erfahrene Gelenkspezialisten sind aber oft beeindruckt, um wie viel sicherer die Messung der Temperatur mit einer Infrarot-Kamera ist. Solche Kameras werden deshalb immer häufiger eingesetzt. Hierbei gibt es Ausführungen mit einem kleinen Bildschirm, der sich seitlich an der Kamera befindet, und solche, die an einen tragbaren Computer („Laptop“) angeschlossen werden können.

11. Verschiedene Behandlungsverfahren

Über die wichtigsten Möglichkeiten der Behandlung haben wir bereits in mehreren ARTHROSE-INFOS berichtet. Spritzen in das Gelenk sind in vielen Praxen beliebt. Wir selbst empfehlen sie jedoch nicht. Nicht bewiesen ist auch die Wirksamkeit so mancher in Drogerien und Apotheken erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel, da ihre Wirkung auf Placebo-Effekten beruhen dürfte. In akuten Fällen – wenn von Seiten des Herzens, der Nieren usw. nichts dagegen spricht – ist die gelegentliche Einnahme eines entzündungshemmenden Medikaments als ergänzende Maßnahme kaum vermeidbar

12. Beweglichkeit und gute Muskelführung

Von größter Bedeutung ist das Erlernen bestimmter Übungen in der Physiotherapie. Sie wirken jedoch nur, wenn sie täglich routinemäßig durchgeführt werden. Hierbei geht es erstens um den Erhalt der vollen Beweglichkeit und vor allem der vollen Streckfähigkeit des Knies. Das zweite Ziel ist eine maßvolle Steigerung der Muskelkraft all jener Muskeln, die dem Knie eine gute Führung geben. Hierfür eignen sich z. B. das Heimtrainerfahren und auch weitere Übungen, die durchgeführt werden müssen. Wer sich diese Hinweise zu Herzen nimmt, kann damit viele gute Jahre gewinnen.