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Tipps bei Kiefergelenk-Beschwerden

Wenn jedes Sprechen, jedes Essen und selbst kleinste Mundbewegungen schmerzen oder sogar immer mehr eingeschränkt sind, ist man in größter Not. Am unerträglichsten wird es aber für die Millionen von Betroffenen, wenn ihre Beschwerden von ihrer Umgebung – oder manchmal sogar vom behandelnden Arzt – nicht wirklich ernst genommen werden. Besonders schlimm ist es, wenn sie vielmehr verharmlost oder als psychische Störungen abgetan werden. Diese Schmerzen aber sind real. Sie können nicht nur die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur betreffen, sondern auch in andere Regionen ausstrahlen. Was aber kann man selbst dagegen tun? Was sollte man wissen, und welche Maßnahmen sind für eine Besserung entscheidend? Einige wichtige Hinweise geben wir im Folgenden.

1. Besonders häufig bei Frauen

Kiefergelenk-Beschwerden und Beschwerden der Kaumuskulatur verschiedener Ausprägung betreffen in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen! Die meisten von ihnen, ca. 80 Prozent, sind Frauen im jüngeren Erwachsenenalter. Aber auch schon Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Die konkreten Befunde sind nicht selten äußerst vielfältig und auch schwierig zu erkennen und einzuordnen. Aus diesem Grund sprechen Ärzte heute meist umfassend von einer „CMD“ („Cranio-Mandibuläre Dysfunktion“), d. h. Störungen, die Kopf und Unterkiefer betreffen.

2. Schmerzen in Gesicht und anderen Regionen

Das Kaugelenk liegt nur wenige Millimeter vor dem Ohr und wird von einem mehrschichtigen Muskelsystem bewegt. Diese Muskeln reichen nicht nur vom Unterkiefer zum Jochbein und damit in Augennähe (1). Ein großflächiger Muskel („Temporalis“) umfasst die Schläfenregion und Teile des behaarten Kopfes (2). In alle diese Regionen, einschließlich Ohr und Auge, können die Schmerzen ausstrahlen und oft fehlgedeutet werden. Umgekehrt können sie aber ihre Ursache auch in Nerven- und Muskelreizungen („Neuralgien“, „Triggerpunkten“) sowie in der Halswirbelsäule (3) haben.

3. Wenn die ersten Schmerzen auftreten

Wenn Kiefergelenk-Beschwerden neu auftreten, liegen die Ursachen nur selten in Fehlstellungen des Gebisses oder des Kiefergelenks selbst. Vielmehr sollte man zunächst mehrere Fragen prüfen: Fühlt man sich bei der Arbeit oft unter Stress? Arbeitet man am Bildschirm meist mit vorgestrecktem Kopf? Presst man bei Arbeitsdruck unbewusst die Zähne zusammen („Zähne-Pressen“)? Stress und bestimmte Kopfhaltungen führen zu einer Fehl- und Dauerbelastung der komplexen Kaumuskulatur, die dadurch schmerzt und die Kaugelenke überlastet.

4. Nächtliches Zähneknirschen?

Nachts im Schlaf werden viele Erlebnisse des Tages auf besondere Weise verarbeitet. Wenn das Bewusstsein ruht, übernehmen andere Kräfte die Regie. In Träumen entstehen dann oft Bilder und Geschichten, die nicht nur erstaunlich sind, sie können auch von außerordentlicher Dramatik und Energie sein. Bei manchen Menschen, auch bei Kindern, wird dabei die Kaumuskulatur so stark aktiviert, dass geradezu beängstigende und brutale Geräusche erzeugt werden. Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskulatur werden dabei auf das Höchste belastet. (Zur Therapie siehe auch INFO Nr. 30.)

5. Vermehrt beim Essen?

Bei allen Kiefergelenk-Beschwerden muss man aber auch über mehrere Wochen beim Essen äußerst vorsichtig sein und harte und besonders feste oder zähe Lebensmittel konsequent vermeiden. Die meisten Äpfel, die meisten Nüsse, bestimmte Brotsorten, zu feste Steaks oder Schnitzel und schließlich auch Kaugummis sind dann absolut tabu. Stattdessen sollte man auf weiche Speisen wie Fisch, Sandwich-Brot, Püree, Joghurt, Quark, Pudding oder – bis zum Abklingen der Beschwerden – sogar auf nahrhafte Getränke wie Früchte-Smoothies (pürierte Früchte) usw. umsteigen.

6. Umfassende Untersuchung

Wenn die genannten Maßnahmen nicht rasch zur Besserung führen, empfiehlt sich möglichst bald eine spezialisierte Behandlung. Die genaue Untersuchung der Ursachen betrifft nicht nur Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskulatur, sondern auch die Wirbelsäule und weit entfernt liegende Gelenke. Auch eine größere Beinlängen-Differenz könnte von Bedeutung sein. Nicht selten wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt. All dies zu koordinieren und auszuwerten, wird am besten von einem spezialisierten Zahnarzt oder der Spezial-Abteilung einer Zahnklinik übernommen.

7. Ärztliche Maßnahmen

Genauso vielfältig wie die Ursachen sind auch die ärztlichen Therapien. Viele Ärzte werden entzündungshemmende Medikamente verordnen, die die Schmerzen vermindern helfen, aber auch muskelentspannende Substanzen. Vorübergehend können auch Medikamente hilfreich sein, die die allgemeine Stressempfindlichkeit verringern. Oft wird eine spezielle Krankengymnastik (Physiotherapie, kraniosakrale Therapie) durchgeführt. Viele Patienten berichten des Weiteren, dass ihnen Wärmeanwendung besonders wohltut, manchen hilft aber auch der Wechsel von Wärme und Kühlung.

8. Behandlung mit TENS

Seit vielen Jahren wird auch eine Methode eingesetzt, die speziell für die Entspannung der Kaumuskulatur entwickelt wurde, inzwischen aber auch bei anderen Gelenken eingesetzt wird. Bei dieser TENS-Methode werden die betroffenen Muskeln kurzzeitig elektrisch stimuliert (nur etwa eine Tausendstel-Sekunde), sodass sie sich im Rhythmus von etwa einer Sekunde ohne Kraftanwendung geringfügig bewegen. Dadurch entsteht eine Muskelentspannung, die man als Sonderform der Jacobson-Methode bezeichnen könnte. Das Anlegen der Elektroden ist leicht zu erlernen.

9. Prioritäten setzen

Was kann man selbst noch für die Heilung und Gesundung tun? Hierzu gehören mehrere weitere Maßnahmen. Die erste ist das vorausschauende Vermeiden von Stress und allgemeiner Überforderung. Wer sich am Tag zuvor die drei wichtigsten Aufgaben des kommenden Tages in Ruhe überlegt und festlegt, kann sich sagen: „Dies kann und werde ich getrost erledigen!“ Auch am Arbeitsplatz sollte man besprechen, dass alle Arbeiten möglichst so organisiert werden, dass sie ohne Hast ausgeführt werden können. Nur dann wird man sich auch in der Freizeit wirklich erholen können.

10. Gesunder Schlaf

Ein gesunder und ausreichender Schlaf ist für die körperliche und seelische Gesundheit und Belastbarkeit von größter Bedeutung. Viele Menschen schlafen gut, wenn sie abends festgelegte Rituale einhalten. Hierzu können Abendspaziergänge, das Lesen eines besonders positiven Buchs oder auch das Trinken warmer Milch gehören. Mancher wird auch auf ein Glas Wein oder Bier vertrauen. Allerdings sollte man dies bei sich selbst zuerst prüfen. Aus neueren Messungen weiß man, dass der abendliche Alkoholkonsum den Schlaf behindern und Träume beeinflussen kann.

11. Für Eltern …

Für Eltern von Kindern, die nachts mit den Zähnen knirschen und in Behandlung sind, gilt auch: „Lassen Sie den Kindern genügend Zeit zum befreienden und zwanglosen Spielen und halten Sie Sorgen von ihnen fern.“ Schule und Hausaufgaben sind für viele Kinder anstrengend genug. Nicht jedes Kind muss nur Einsen im Zeugnis haben, und nicht jede Stunde der Freizeit muss exakt verplant sein. Kinder brauchen viel Bewegung und ein verlässliches und positives Umfeld. Wenn man dies verständnisvoll beachtet, nimmt man viel Anspannung von den Kindern – und von sich selbst.

12. Für Männer …

Ein möglicher Grund für die häufigen Kiefergelenk-Beschwerden bei jungen Frauen liegt auch darin, dass sie nicht nur berufstätig sind, sondern dass zu Hause noch viel Arbeit auf sie wartet. Oft ist es nicht einmal die Schwere der Arbeit, sondern es sind die vielen Details, die geplant, besprochen und sorgfältig ausgeführt werden müssen. Dies kann nur gelingen, wenn die Arbeit fair aufgeteilt wird. Auch gegenseitiges Zuhören und Zeit füreinander haben kann zur Entspannung beitragen. Nicht zuletzt wird ein besonderes Geschenk oder ein schöner Blumenstrauß viel Freude bereiten.