Weit über eine Million Menschen leben heute in Deutschland mit einem künstlichen Gelenk, ein Großteil davon mit einer künstlichen Hüfte. Wie viel man selbst zum Erfolg des neuen Gelenks beitragen kann, zeigen die zahlreichen Erfahrungsberichte und Empfehlungen, die wir erneut von unseren Mitgliedern erhalten haben und die wir hier vorstellen möchten. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich. Die früheren Praktischen Tipps zu diesem Thema in den ARTHROSE-INFOS Nr. 8, 18, 28, 38, 48, 58 und 68 möchten wir ebenfalls als wertvolle Grundlagen nochmals empfehlen. Sie enthalten viele wichtige Hinweise zur ärztlichen Therapie.
Künstliche Hüftgelenke haben heute eine lange Haltbarkeit. Nach 15 Jahren sind durchschnittlich noch bis zu 95 Prozent intakt. Bei Patienten, die zum Zeitpunkt der Operation jünger als 50 Jahre alt sind, vermindert sich dieser Wert jedoch deutlich. Nach Zahlen des Schwedischen Hüftprothesen-Registers, das weltweit als vorbildlich gilt, sinkt die 15-Jahres-Haltbarkeit bei diesen frühen Operationen auf fast bis zu 70 Prozent. Das bedeutet: Besonders vor dem 50. Lebensjahr sollte genau geprüft werden, ob ein künstliches Gelenk wirklich bereits notwendig ist.
Andererseits sollte man auch nicht zu lange warten. Dies gilt insbesondere für Frauen. Nach der schwedischen Statistik warten sie durchschnittlich vier Jahre länger als die Männer. Auch in anderen Ländern wird dies beobachtet, ohne dass die Ursachen genau bekannt wären. Ein zu langes Hinauszögern der Operation kann diese aber erschweren und zu Schäden an der Lendenwirbelsäule führen. Bei weit fortgeschrittener Hüft-Arthrose gilt deshalb die Empfehlung von Herrn Dr. Hermann S. aus Landshut: „Je früher die OP – umso weniger Muskelaufbau-Therapie ist nötig.“
Eine weitere wichtige Beobachtung, die viele Ärzte und Betroffene immer wieder machen, hebt Frau Ada T. aus Oberhausen hervor. Sie empfiehlt: „Wenn gleichzeitig Knie- und Hüftgelenkprobleme
bestehen, sollte zuerst die Hüfte operiert werden. Danach verschwinden die Knie-Probleme oft von selbst.“ Auf diese Weise kann man manchmal – jedoch nicht immer – eine zusätzliche Operation am Knie-Gelenk vermeiden. Ein erfahrener Operateur kann hinsichtlich der richtigen Reihenfolge am besten beraten.
Seit langem versuchen die Operateure, die Muskeln besonders zu schonen. Sie nennen dies die M.I.S.-Technik (englisch: minimal invasive surgery) oder „minimal-invasiv“. Die Länge der Narbe ist dabei nicht entscheidend. Sie beträgt in vielen Fällen sowieso nur etwa 10 Zentimeter. Bei dieser Methode ist die Nachbehandlung kürzer. Die früher vorgenommene Ablösung und Durchtrennung der Muskulatur ist heute nicht mehr notwendig.
Je nach persönlichem Befund wird man nach der Operation noch eine Zeit lang Unterarm-Gehstützen zum Entlasten benötigen. Viele Ärzte empfehlen daher, das Gehen mit diesen Stützen bereits vor der Operation unter fachlicher Anleitung zu erlernen. Umso sicherer fühlt man sich dann nach dem Eingriff damit. Darauf weist Frau Gerda K. aus Frankfurt hin. In der Physiotherapie kann man auch das Treppengehen mit Gehhilfen erlernen. Zu weiteren Vorbereitungen in der eigenen Wohnung siehe auch unsere Hinweise in den INFOS Nr. 8, 18 und 28.
Entscheidend für den Erfolg des künstlichen Hüftgelenks ist auch, dass sich in der Umgebung des neuen Gelenks keine Verknöcherung bildet. Ein Mitglied empfiehlt: „Vorher sollte man sich erkundigen, ob entzündungshemmende Medikamente gegeben werden. Sonst sollte man darum bitten.“ Ein anderes Mitglied berichtet: „Ich bin untröstlich, dass bei meiner ersten OP nichts unternommen wurde. Ergebnis: eine hochgradige Verknöcherung.“ Wer entzündungshemmende Medikamente nicht verträgt, kann alternativ eine Bestrahlung erhalten (weitere Hinweise hierzu s. INFO Nr. 38).
Größere Freude an seinem neuen Gelenk hat, wer auf eine gesunde Ernährung und ein niedriges Körpergewicht achtet. Zurückhaltung ist angebracht bei allen großen Buffet-Angeboten. Ein Mitglied warnt: „Beim anschließenden Aufenthalt in der Reha-Klinik gab es gleich frühmorgens warmes und kaltes Buffet, immer ein verführerisch großes Essensangebot. Ich habe in den sechs Wochen leider einige Kilogramm zugenommen. Vorsicht!“ Frau Professor Gerda L. aus Frankfurt empfiehlt ergänzend: „Gewichtsreduktion, falls angebracht, und Muskelaufbau!“
„Mit meinem Strumpfanzieher mache ich tagtäglich die besten Erfahrungen. Ich habe ihn beim Versandhaus Witt Weiden bezogen. Die Stangen sind aus Metall und können verlängert werden, die Griffe sind stabil“, berichtet Herr Franz-Josef R. aus Hannover. Frau Claudia W. aus Lampheim ergänzt: „Strumpfanzieher sind sehr praktisch, nur sind sie leider noch nicht bis in alle Kliniken vorgedrungen.“ Kostenloser Katalog und Bezug – am besten schon vor der OP – z. B. bei Versandhaus Witt Weiden, Schillerstr. 4 – 12, 92637 Weiden, Tel.: 01805–212100 (14 Cent/ Min.) Internet: www.witt-weiden.de.
Gute, angenehme Schuhe sind nicht nur für die Füße gesund, auch das künstliche Hüftgelenk und die Muskeln des Beins und des Rückens werden dadurch geschont. Ein Mitglied berichtet: „Besonders weiche Schuhsohlen haben die Schuhe der Marke Bär.“ (Bezug und kostenlose Kataloganforderung bei: Firma BÄR GmbH, Pleidelsheimer Str. 15, 74321 Bietigheim- Bissingen, gebührenfreie Telefon-Nr.: 08 00 – 51 65 65 56, Internet: www.baer-schuhe.de.
Seit einige Arthrose-Betroffene über recht positive Erfahrungen mit den sogenannten MBT-Schuhen berichtet haben (siehe Hinweise in ARTHROSE-INFO Nr. 71 und Nr. 75), werden diese von manchen Betroffenen auch bei einem künstlichen Hüftgelenk getragen. Ähnlich geformt sind die „Aktiv-Schuhe“ der Firma Ganter, auf die ein Mitglied aus Idar-Oberstein hinweist. (Händlernachweis über: GANTER Shoes GmbH, Joseph-Lorenz-Str. 2, A-4775 Taufkirchen/Pram, Tel.: 0043 – 7719 – 8 81 17 00, Internet: www.ganter-shoes.com) Wichtig: vorher Probe gehen!
Büroarbeiten im Stehen zu erledigen, tut vielen Arthrose-Betroffenen gut. Nicht nur bei Rückenbeschwerden, auch bei Hüft-Arthrose und mit einem künstlichen Hüftgelenk empfehlen manche Experten daher das zeitweise Arbeiten an einem Stehpult. Empfehlenswert kann auch ein höhenverstellbarer Schreibtisch sein. „Dieser ermöglicht mir, die PC-Arbeiten im Stehen zu erledigen. Das ist für mich sehr angenehm“, schildert ein Mitglied. (Fachhändler-Nachweis: z. B. über Sedus Stoll AG, Christof-Stoll-Str. 1, 79804 Dogern, Tel.: 07751/840, Fax: 07751/84310, www.sedus.com.)
Ein künstliches Hüftgelenk darf zwar nicht ständig hoch belastet werden. Andererseits sollte man es aber keineswegs zu sehr schonen, da dies die Haltbarkeit vermindern würde. „Man sollte die wiedergewonnene Lebensqualität auch nutzen“, schreibt Frau Marion K. aus Essen. Mit einem künstlichen Gelenk kann man vielen Alltags-Tätigkeiten nachgehen: „Radfahren kann ich nur empfehlen, ist sehr entspannend“; „Ich benutze wieder die Treppe und meide Aufzüge“; „Es ist wichtig, sich zu bewegen und täglich Spaziergänge zu machen. Damit habe ich meine Lebensqualität gesteigert!“