Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps bei Arthrose der Halswirbelsäule (HWS). Auch unsere Hinweise in den ARTHROSE-INFOS Nr. 6 und 16 zu diesem wichtigen Thema und besonders auch die darin empfohlenen ärztlichen Maßnahmen möchten wir als Grundlage der heutigen Darstellung nochmals besonders empfehlen.
Beschwerden, die ihren Ursprung in den oberen HWS-Wirbeln haben, bleiben meist nicht auf die Halsregion beschränkt. Oft strahlen sie in Hinterkopf, Scheitel und sogar Stirn aus und können zu heftigen Kopfschmerzen führen, die von Ohrgeräuschen und Schwindelgefühlen begleitet sein können. Bei allen unklaren Kopfschmerzen ist deshalb auch eine möglichst baldige Untersuchung der Halswirbelsäule ratsam, um eine wirksame Behandlung zu ermöglichen.
Beschwerden, die ihren Ursprung in den mittleren HWS-Wirbeln haben, beschränken sich meist auf die Halsregion und führen zu einem Beschwerdebild, das als „mittleres HWS-Syndrom“ bezeichnet wird. Typisch dabei ist neben den starken lokalen Schmerzen eine enorme Verspannung der empfindlichen und schmerzenden Nackenmuskulatur, wodurch die betroffenen Wirbel noch stärker zusammengepresst und die Schmerzen noch weiter verstärkt werden. Muskellockernde Maßnahmen können daher bei diesem Schmerztyp eine wertvolle Behandlung darstellen (siehe auch Tipps Nr. 4–11).
Beschwerden, die ihren Ursprung in den unteren Gelenken des Halses haben, können in Schulter, Arm oder Hand ausstrahlen. Oftmals sind diese Schmerzen von eigenartiger Natur, lassen sich möglicherweise nicht genau lokalisieren oder werden als Brennen oder Taubheitsgefühl empfunden. Manchmal können ausstrahlende Schmerzen durch Druck auf bestimmte Nerven verursacht werden. Eine frühzeitige ärztliche Untersuchung ist daher bei allen ausstrahlenden Beschwerden unbedingt erforderlich.
Viele Arbeiten in Haushalt und Beruf werden leider in gebückter Haltung durchgeführt. Dies belastet aber nicht nur den Rücken, sondern auch die Halswirbelsäule. Beim Bügeln und Kochen z. B. sollte man eine gebückte Haltung besser grundsätzlich vermeiden. Bei bestimmten Tätigkeiten kann auch ein sogenannter „Stehstuhl“ oder eine „Stehhilfe“ nützlich sein, wie man sie bei einigen Versandhäusern beziehen kann, z. B. bei SSI Schäfer Shop GmbH, Industriestr. 65, 57518 Betzdorf, Tel. 02741/286-222, im Katalog walzvital, siehe INFO Nr. 79, oder bei www.amazon.de.
Manchmal kann man genau spüren, wie eine schmerzhafte Verkrampfung bestimmter Halsmuskeln soeben beginnt. In dieser Situation kann die folgende Übung hilfreich sein und eine Lösung der Verkrampfung ermöglichen: (1) Aufrecht hinsetzen, (2) bei Beschwerden auf der linken Seite die rechte Hand auf den Kopfscheitel legen und den Kopf langsam und behutsam nach rechts rüberziehen. – Verstärkt wird dieser lockernde und dehnende Effekt durch ein gleichzeitiges bewusstes Herabziehen der linken Schulter.
„Bei allen Beschwerden im Nacken täglich eine Stunde zusätzlich hinlegen“ ist eine alte ärztliche Regel, die sich immer wieder neu bewährt. Durch das entspannte Liegen wird das Gewicht des Kopfes von den schmerzenden kleinen Gelenken der HWS genommen, die Spannung der Muskulatur vermindert und der gesamte Nackenbereich entlastet. Wer berufstätig ist, kann diese Ruhepause zum Beispiel gleich nach der Rückkehr von der Arbeit einlegen. Wer diese einfache Regel befolgt, wird nach wenigen Tagen eine erstaunliche heilende Wirkung beobachten können.
In besonders akuten Fällen wird von vielen Ärzten gern und mit Erfolg eine „Infiltrationsbehandlung“ durchgeführt. Die Injektion sehr kleiner Mengen entzündungshemmender und schmerzstillender Substanzen an ganz bestimmte, ausgewählte Schmerzpunkte (sogenannte „Trigger-Punkte“) kann die Schmerzen oftmals rasch und innerhalb weniger Minuten lindern und eine erste Entlastung bringen. Die damit gewonnene Verschnaufpause lässt sich für weitere unterstützende Behandlungen nutzen (siehe hierzu auch INFO Nr. 16). Eine sofortige Alltagsbelastung ist danach aber nicht sinnvoll.
Ärzte, die große Erfahrung in der Anwendung der Akupunktur besitzen, bestätigen immer wieder die besondere Wirksamkeit dieser Methode gerade bei Beschwerden der HWS. Spätestens dann, wenn alle anderen Behandlungen zu keinem bleibenden Erfolg geführt haben, kann daher auch an die Möglichkeit einer Akupunktur gedacht werden. Auch die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese altbewährte, in Deutschland aber immer noch neue Behandlung meist auf vorheriger Anfrage (weitere Hinweise siehe auch im ARTHROSE-INFO Nr. 14).
Eine wohltuende Wirkung können auch bestimmte Wärmesalben haben, die helfen, die verspannte Nacken-Muskulatur zu lockern. Inzwischen gibt es eine große Zahl von Salben, die in ihrer Wirkung vergleichbar sind, sich im Preis aber erheblich unterscheiden. Einige von ihnen sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Gern könnten Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen, welche Wärmesalbe für Sie geeignet sein könnte. (Bitte nur im Nacken – nicht am vorderen Hals – und nur nach Empfehlung des Arztes anwenden.)
Auch natürliche Wärmespender können eine heilende und wohltuende Wirkung auf die verspannte Nackenmuskulatur entfalten. Oft werden hierfür das altbekannte „Kartoffelsäckchen“ und das „Heublumensäckchen“ empfohlen. Weich gekochte Kartoffeln, etwas zerkleinert und im warmen, aber nicht heißen Zustand in ein selbst genähtes Leinensäckchen gelegt, können über längere Zeit eine überaus wohltuende Wirkung ausüben. Ähnlich wirken auch Heublumensäckchen, die man in Drogerien und Apotheken beziehen kann (z. B. „Florapress“, Größe I, EUR 10,00).
Wer immer wieder an Beschwerden im HWS-Bereich leidet, dem bringt oft auch ein regelmäßiges Autogenes Training Erleichterung. Durch diese leicht zu erlernenden Übungen können die Durchblutung gefördert, die Muskulatur entspannt und die erkrankten Gelenke entlastet werden. Der große Vorteil dieser Methode: Sie ist frei von Nebenwirkungen und lässt sich ohne Hilfsmittel durchführen. Erlernt werden kann das Autogene Training in Kursen der Krankenkassen, der Volkshochschulen oder in bestimmten Fällen auch auf ärztliches Rezept (siehe auch unseren Buchtipp im INFO Nr. 19).
Bei HWS-Arthrose sollte auf forciertes Tennisspiel eher verzichtet werden. Der Aufschlag über Kopf und auch das Rückschlagen des Balles üben sehr hohe Spitzen-Belastungen auf Arm und Schulter aus, die sich als Erschütterungen in den Halsbereich fortsetzen. Als eine wertvolle sportliche Betätigung kann hingegen u. a. das Heimtrainerfahren empfohlen werden (siehe auch unsere ausführlichen Hinweise in den ARTHROSE-INFOS Nr. 18 und Nr. 19). Eine niedrige Sattel- und eine hohe Lenkerstellung erleichtern dabei eine entspannte Haltung.