Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks ist eine große Operation. Das kranke Gelenk wird entfernt und durch ein künstliches aus Metall, Kunststoff oder Keramik ersetzt. Nur allzu verständlich sind daher die Sorgen, die man sich vor und nach einem solchen Eingriff macht, und wie dankbar ist man für jeden noch so kleinen Hinweis von anderen Betroffenen. Rund einhundert unserer Mitglieder, die selbst bereits ein künstliches Hüftgelenk tragen, haben uns wiederum dankenswerterweise ihre persönlichen Empfehlungen mitgeteilt. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich. Die bisherigen Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 8, 58 und 67 möchten wir als wichtige Grundlage ebenfalls empfehlen.
„Für mich war es vor beiden Operationen die richtige Entscheidung, mich trotz Schmerzen nicht krankschreiben zu lassen, sondern meiner Tätigkeit in Vollzeit nachzugehen. So hatte ich tagsüber keine Zeit zum Grübeln. Dies war dank der Hilfe meines Mannes möglich, der mich zum Dienst fuhr und mir jegliche Hausarbeiten abnahm. Ich möchte allen Betroffenen Mut machen, eine Endoprothesen-Operation zu akzeptieren, wenn diese unvermeidbar ist. Mit neuer Lebensqualität lebt es sich anschließend bedeutend angenehmer“, berichtet Frau Karin S. aus Düsseldorf.
Herr Hans K. aus Iserlohn und andere Mitglieder empfehlen, „bereits ein halbes Jahr vor der Operation darauf zu achten, keine bakteriellen Infekte zu haben.“ So kann man vermeiden, dass sich „schlummernde“ Bakterien später am künstlichen Gelenk ansiedeln. Eine dadurch verursachte Entzündung kann sonst die Entfernung des neuen Gelenks notwendig machen. Besonders auch bei bestimmten Bronchitisformen und Zahnfleischentzündungen ist an diese Gefahr zu denken. Ebenso sollten Harnwegsinfekte ausgeschlossen werden, die bei Frauen oft ohne jegliche Symptome bestehen können.
Darf man mit einem künstlichen Gelenk schnurlose Telefone benutzen? Das Metall in künstlichen Gelenken besteht nicht aus Eisen, sondern aus nichtmagnetisierbarem Edelmetall. Gegen die Verwendung von schnurlosen Telefonen oder Handys ist daher nichts einzuwenden. Nur durch äußerst starke Magnetfelder können in manchen Prothesen Induktionsströme auftreten und zu einer Erwärmung führen. Zu einer Untersuchung mit MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie oder Kernspin-Tomographie) sollte man daher sicherheitshalber stets den Prothesen-Pass mitnehmen und vorzeigen.
Frau Gabriele W. aus Philippsthal schreibt: „Wenn ich eingeladen bin und nicht weiß, welche Sitzgelegenheiten vorhanden sind, nehme ich ein tragbares Sitzpolster mit. Dies ist prima.“ Frau Christiane A. aus Neuhausen ergänzt: „Ich benutze zu Hause auf dem Stuhl ein Keilkissen und im ‘Oma’-Sessel ein Sissel-Ballkissen.“ Dieses Luftkissen, das wir bei Kreuz-Darmbein-Arthrose beschrieben haben, kann auch beim künstlichen Hüftgelenk nützlich sein (weitere Hinweise zum Sissel-Ballkissen: siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 35, Seite 12).
Speziell für Autofahrer wurde ein Drehkissen entwickelt, das 40 cm breit ist und aus zwei Teilen besteht, die verbunden sind und um 360 Grad gedreht werden können. Dieses Drehkissen erleichtert Frau Monika A. aus Bad Blankenburg das Ein- und Aussteigen. Zum Fahren sollte es entfernt werden. Bezug: Im Internet kann man verschiedene Modelle z. B. bei www.aktivshop.de oder bei www.amazon.de finden.
Stürze mit einem künstlichen Hüftgelenk können gefährlich sein und zu schweren Verletzungen führen. Hüftschützer, auch Hip-Protektoren genannt, können daher nicht nur bei Osteoporose sondern auch beim künstlichen Hüftgelenk sehr nützlich sein, worauf ein Mitglied aus Bad Waldsee hinweist. Wer zu Schwindelgefühlen, unsicherem Gang und Stürzen neigt, kann sich mit diesem einfachen Hilfsmittel schützen. Erhältlich sind Hip-Protektoren in allen Sanitätshäusern (weitere Hinweise hierzu siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 30, Seite 6).
Viele Patienten mit künstlicher Hüfte werden nachts kein besonderes Lagerungskissen für die Beine benötigen. Sollte man aber Schwierigkeiten mit einer bequemen Haltung haben, so kann das „Knie- und Fersenkissen“ der Firma Tempur hilfreich sein. Es ist visko-elastisch und schmiegt sich den Körperformen an. Gute Erfahrungen hat damit Frau Renate B. aus Düsseldorf gemacht, die es bei ihrer Arbeit mit Patienten einsetzt. Erhältlich sind diese Kissen in allen Sanitätshäusern; der Preis beträgt je nach Ausführung etwa € 100,–.
In den meisten Fällen wird man in der Reha-Klinik auch das sichere Treppengehen erlernen und damit zu Hause gut zurechtkommen. Sollten die Treppen aber besonders steil und die Stufen recht kurz sein, ist Vorsicht geboten. Immer dann, wenn man sich beim Treppengehen noch unsicher fühlt, kann die Empfehlung von Frau Josie B. aus Zwingenberg hilfreich sein: Wenn man treppab rückwärts geht, kann man sich meist gut und sicher am Geländer festhalten. Am besten sollte man dies ebenfalls bereits in der Reha einüben.
Die in der Reha-Klinik erlernten Übungen werden ihre volle Wirksamkeit erst entfalten, wenn man sie auch zu Hause regelmäßig durchführt. Es ist daher empfehlenswert, sich während der Reha auch mit Block und Bleistift entsprechende Notizen zu machen. Eine besonders nützliche Übung besteht darin, das operierte Bein gegen den sanften Widerstand eines Gummibands abzuspreizen. Mit dieser Übung werden die Muskeln gestärkt, die für das Gehen besonders wichtig sind. Solche Therabänder gibt es je nach Stärke in den Farben Gelb oder Rot. Sie sind in allen Sanitätshäusern erhältlich.
Viele Mitglieder haben uns auch über ihre guten Erfahrungen mit Bewegungsübungen im warmen Wasser berichtet: „Warmwasser-Bewegung ist eine Wohltat“, „Zweimal in der Woche gehe ich zum Aqua-Training: Es ist gelenkschonend und bekommt mir gut“, „Ich fahre jedes Jahr im November drei Wochen zum Thermalbaden in einen Kurort. So komme ich besser über den Winter.“ Bei allen Warmwasser-Übungen muss man aber unbedingt darauf achten, das Herz nicht zu überfordern. Daher sollte man dieses Training zuvor mit dem behandelnden Hausarzt abstimmen.
Frau Bärbel Q. aus Helmstedt berichtet: „Wenn möglich erledige ich alle Wege mit dem Fahrrad. Ich habe eins mit elektrischem Hilfsmotor, der bei Bedarf zugeschaltet werden kann und meine Tretleistung unterstützt. Ohne diese Erleichterung wäre es in unserer bergigen Gegend nicht möglich, mit dem Rad zu fahren und mir ginge dieses wertvolle Training verloren“ (Hersteller: Fa. Giant, Mettmanner Str. 25, 40699 Erkrath, Tel.: 02 11 – 38 54 75 60, www.giant-düsseldorf.de). Auch ohne Motor empfiehlt es sich, nur Damenfahrräder zu benutzen, da sie den Auf- und Abstieg erleichtern.
Wer jahrelang sicher Ski gefahren ist, darf heute auch mit dem künstlichen Hüftgelenk wieder vorsichtig Ski fahren, sofern er defensiv fährt. Frau Liane E. aus Gauting gab hierzu folgende Empfehlung: „Diese defensive Ski-Technik entwickelte Herr Dr. Hörterer, der Chefarzt für Orthopädie und zugleich staatlich geprüfter Skilehrer war“ (Infos: z. B. Medical Park, Sonnenfeldweg 29, 83707 Bad Wiessee, Tel.: 0800 – 6337275). Noch günstiger ist es, eine der vielen Sportarten zu bevorzugen, die das neue Gelenk sicher schützen und eine lange Haltbarkeit unterstützen helfen.