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Tipps zur langen Haltbarkeit der künstlichen Hüfte

Wie lange ein künstliches Hüftgelenk hält, ist nicht nur abhängig vom Können des Operateurs oder vom Typ der Prothese. Auch als Patient kann man selbst viel zum bleibenden Erfolg und damit zur langen Haltbarkeit beitragen. In den ARTHROSE-INFOS Nr. 58, 68, 78 und 98 haben wir hierzu bereits eine ganze Reihe nützlicher Tipps gegeben, die wir nochmals empfehlen möchten. Im Folgenden ergänzen wir nun weitere zentrale Punkte, die für den Erfolg entscheidend sein können und die jeder kennen sollte. Den vielen Experten, die uns dabei beraten haben, danken wir sehr herzlich.

1. Je jünger – desto höher das Lockerungs-Risiko

Wer erst zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre alt ist und an schwerster Hüftarthrose leidet, dem kann heute auch bereits in diesen jungen Jahren mit einem künstlichen Gelenk geholfen werden. Leider lockern sich die neuen Gelenke aber bei jüngeren Patienten häufig früher als bei älteren. Ob dies an einer erhöhten Aktivität der jungen Menschen oder am Knochenstoffwechsel liegt, ist bisher noch nicht sicher bekannt. Vorsichtshalber sollte man aber auf hohe Belastungen verzichten. Künstliche Gelenke sind gut, aber keinesfalls so gut wie die natürlichen.

2. Vorsicht, wenn das „neueste Modell“ angeboten wird

Leider werben immer mehr Kliniken damit, dass sie die neuesten Modelle und Methoden einsetzen. In Zeitungsanzeigen werden Vorträge von Chef- und Oberärzten angekündigt, an denen man kostenlos teilnehmen kann. Wer ein solches „neuestes Modell“ erhält, muss aber bedenken, dass erst nach vielen Jahren eindeutig ersichtlich sein wird, ob diese neuen Modelle tatsächlich besser sind. „Neu“ ist in diesem Fall eher ein Risiko, dessen man sich bewusst sein sollte. Sicherer ist es, wenn man auf bewährte Modelle setzt, zu denen die Klinik zuverlässige Angaben zur Haltbarkeit machen kann.

3. Vorsicht Tierbiss

Am künstlichen Gelenk können sich Bakterien ansammeln. Österreichische Ärzte haben nun von einem Fall berichtet, bei dem es drei Monate (!) nach einem Katzenbiss zu einer schweren Infektion am künstlichen Gelenk gekommen ist. Das Gelenk musste ausgetauscht werden. Bei den nachgewiesenen Bakterien handelte es sich eindeutig um eine Art, die nur bei Katzen vorkommt. Wer ein künstliches Gelenk besitzt, sollte deshalb auch bei eigenen Haustieren an dieses Risiko denken. Nach jeder Bissverletzung sollte man sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

4. Richtiges Verhalten in der Frühphase

Ein Experte sagt es so: „Das richtige Verhalten in der Frühphase nach der Operation ist Gold wert!“ Keineswegs sollte man falschen Ehrgeiz entwickeln und sich von einer frühen Schmerzfreiheit verführen lassen oder andere Mitpatienten übertreffen wollen. Von einigen Experten wird empfohlen, beide Unterarmgehstützen am besten während der ersten vier bis sechs Wochen zu benutzen, bis alles im Inneren gefestigt und die inneren Wunden verheilt sind. Diese Frühphase ist auch die wichtige Einheilungsphase und trägt wesentlich zur langen Haltbarkeit des neuen Gelenks bei.

5. Muskeln kräftigen

In der Reha nach der Operation erlernt man unter anderem auch wichtige Übungen zur Kräftigung der Hüftmuskeln. Dabei soll 1. insbesondere die volle Streckung erreicht und 2. die seitlich ansetzende Muskulatur gestärkt werden. Diese Übungen sollte man auch zu Hause täglich mehrmals gewissenhaft durchführen und dies auch während der folgenden Jahre. Nur wenn die Muskeln stark sind, wird auch das künstliche Gelenk sicher geführt und vor Überlastung geschützt. Natürlich gilt es hierbei – wie auch bei allen Tätigkeiten – ein gesundes Mittelmaß einzuhalten

6. Stürze vermeiden

Mit einem künstlichen Hüftgelenk ist es besonders wichtig, jegliches Risiko von Stürzen zu vermeiden, da die Knochen um die Prothese herum leichter brechen können. Große Vorsicht gilt besonders auch auf allen Treppen. Niemals sollte man – weder treppauf noch treppab – etwas in beiden Händen tragen. Vielmehr ist es klüger, sich stets mit einer Hand am Geländer zu sichern, um ein Stolpern sicher zu vermeiden. Wer abends Schlaftabletten einnimmt, sollte auch bei einem nächtlichen Gang zur Toilette besonders vorsichtig und achtsam sein und auch immer das Licht einschalten.

7. Osteoporose vermeiden

Künstliche Gelenke werden im Knochen verankert. Nur wenn dieser stark und kräftig ist, kann auch das neue Gelenk gut halten. Frauen und Männer sollten deshalb alles tun, um einen vermehrten Knochen-Abbau (Osteoporose) zu vermeiden (siehe auch unsere Buchtipps in den INFOS Nr. 92 und Nr. 95). Es empfiehlt sich zudem, den Vitamin-D-Spiegel im Blut jährlich kontrollieren zu lassen. Die Krankenkasse wird die Kosten oft übernehmen, wenn man ihr zuvor die Begründung mitteilt. Auch ist eine ausgewogene und kalziumreiche Ernährung wichtig. Milchprodukte enthalten viel Kalzium.

8. Übergewicht ?

Übergewicht bedeutet nicht nur für die Operation ein erhöhtes Risiko. Auch nach dem Eingriff lohnt es sich, das neue Gelenk vor dieser zusätzlichen Belastung zu schützen. Es gibt viele Möglichkeiten, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen. Bei allen steht aber am Anfang immer der eigene feste Entschluss. Dann ist es leicht, und man wird täglich mit Freude die Fortschritte auf der Badezimmer-Waage erkennen. Es ist außerdem ein schönes Gefühl, wenn man wieder die Kontrolle über sein eigenes Essverhalten hat! Auch eine pro fessionelle Ernährungsberatung kann hilfreich sein.

9. Unterschiede in der Beinlänge ?

Nach der Hüft-Operation wird nicht selten festgestellt, dass die Beine unterschiedlich lang sind. Ist die operierte Seite länger als die andere, wird sie meist höher beansprucht. Ist sie kürzer, kommt es nicht selten zu einer bestimmten Form des Hinkens. Dies führt ebenfalls zu einer vermehrten Belastung. Der Arzt wird deshalb die Beinlängen nachmessen und, falls erforderlich, mit Einlagen oder einer Schuhsohlen Erhöhung ausgleichen. Dabei wird er auch das „Gefühl“ des Patienten berücksichtigen.

10. Kein Joggen, kein Rennen, kein Springen

Mit einem künstlichen Hüftgelenk muss man nicht übervorsichtig sein. Aber auf Dauerlauf (Jogging), Basketball, Badminton, Kampfsportarten (wie Judo und Karate) und Fußball spielen sollte man besser verzichten. Alle Höchstbelastungen gilt es klug zu vermeiden. Auch das Rennen zum Bus ist „out“. Dies gilt auch, wenn man keinerlei Schmerzen verspürt. Die Haltbarkeit des Gelenks würde sonst mit Sicherheit darunter leiden. Wer aber möchte nicht alles für einen bleibenden Erfolg tun? Viele geeignete Sportarten haben wir bereits in den früheren Ausgaben beschrieben

11. Skifahren ? Tennis ?

Bei diesen Sportarten werden Sie oft die unterschiedlichsten Meinungen hören. Die Regeln sind aber ganz einfach: Buckelpisten fahren? Nein! Skilanglauf? Auf einfachen Loipen: ja. Aber nicht selten kann es auf schwierigen Loipen zu Stürzen mit schweren Verletzungen kommen, wie der Fall unserer Bundeskanzlerin anschaulich gezeigt hat. Tennis? Gemütliches Doppel auf Sandplatz: eventuell ja, Einzeltennis: unseres Erachtens nein! Die meisten Betroffenen sagen: „Mein künstliches Gelenk ist für mich ein riesiges Geschenk. Gern will ich alle Risiken vermeiden, damit es lange hält!“

12. Regelmäßige Nachuntersuchungen

Je nach Verlauf der Operation wird der Operateur empfehlen, Nachuntersuchungen in bestimmten zeitlichen Abständen durchzuführen. Später, wenn man keinerlei Beschwerden mehr hat, sollte man aber mindestens alle drei bis fünf Jahre eine Nachuntersuchung durchführen lassen. Manche Ärzte raten auch zur jährlichen Nachuntersuchung, dann aber ohne jedes Mal zu röntgen. Sollten Beschwerden auftreten, empfiehlt es sich immer, sofort zum Arzt zu gehen. Wer diese zwölf Tipps beherzigt, wird an seiner neu gewonnenen Beweglich keit lange Freude haben