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Praktische Tipps zum künstlichen Kniegelenk

Ein künstliches Kniegelenk schenkt vielen Arthrose-Betroffenen ein neues Leben. Wie dankbar sind sie! Aber leider haben noch nicht alle dieses Glück. Viele Patienten wissen heute, dass es bei diesem künstlichen Gelenk einige Besonderheiten zu beachten gibt. Sie wissen: „Ein Kniegelenk ist kein Hüftgelenk.“ Dem wohlmeinenden Rat der Operateure und behandelnden Ärzte sowie Physiotherapeuten ist deshalb besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Alle ihre Ratschläge sollte man äußerst sorgfältig befolgen. Nur dann kann der Eingriff zum Erfolg werden und Patient und Arzt erfreuen.

1. 10 – 20 Prozent leider NICHT zufrieden

Ja, es stimmt: Manche Experten berichten uns, dass bei ihnen so gut wie jeder Patient mit seinem künstlichen Knie zufrieden ist. Viele Kliniken, leider sind es sogar die meisten, berichten allerdings, dass bei ihnen etwa jeder zehnte oder sogar jeder fünfte Patient NICHT vollständig zufrieden ist. Dies bedeutet, dass in 10 bis 20 Prozent der Fälle ein vollständiger Erfolg noch nicht erreicht wird. Immerhin sind auch in diesen Kliniken rund 80 bis 90 Prozent der Patienten zufrieden. Aber die Zahl der Komplikationen sorgt Patienten und Ärzte doch noch nach wie vor.

2. Realistische Erwartungshaltung

Um Enttäuschungen zu vermeiden, kommt einer realistischen Einschätzung vor der Operation eine besonders große Bedeutung zu. Im Vorbereitungsgespräch mit dem Operateur ist deshalb in allen Einzelheiten anzugeben, welche Tätigkeiten mit dem neuen Gelenk wieder ausgeübt werden sollen. In so manchen Fällen können die Ärzte zu hohe Erwartungen richtigstellen. Sie können guten Rat geben, was das neue Gelenk leisten kann, aber auch was es nicht leisten kann. Ebenso werden die Patienten erfahren, dass die Heilungszeit mindestens drei oder aber auch sechs und mehr Monate betragen wird.

3. Knie ist komplexer als Hüfte

Wichtig zu wissen: Auch nach Einsetzen der künstlichen Gleitflächen an Ober- und Unterschenkel sowie eventuell auch an der Kniescheiben-Rückseite ist und bleibt das Knie ein komplexes Gelenk. Es erlaubt Roll-, Gleit- und Drehbewegungen. Diese vielfältigen Bewegungsrichtungen sind nur möglich, wenn die Muskeln, Bänder und Sehnen, die das Gelenk umgeben, harmonisch aufeinander abgestimmt funktionieren. Ist diese Harmonie nicht gegeben, kann es zu Schmerzen, Teil-Ausrenkungen und auch zu vorzeitigen Lockerungen kommen.

4. Diszipliniertes Selbst-Training

Dies ist der Grund, warum eine regelmäßige Übungsbehandlung nicht nur während der Rehazeit so wichtig ist, sondern auch danach. In der Reha – ob ambulant oder stationär – werden bestimmte Übungen sorgfältig erlernt, die man danach auch zu Hause durchführen muss. Am besten ist es, wenn man diese Übungen mehrmals am Tag zu festgesetzten Zeiten macht. Dann können sie ihre größte Wirkung entfalten und dem künstlichen Gelenk die notwendige Stabilität verleihen.

5. Volle Streckung notwendig

Abgeschlossen sollte die Reha-Maßnahme erst dann sein, wenn das künstlich ersetzte Knie voll gestreckt werden kann. Ohne die volle Streckung kommt es zu erhöhten Belastungen des neuen Gelenks, aber auch zu einem Beckenschiefstand und ebenso zur Überlastung verschiedener anderer Gelenke, so z. B. der Gelenke des Beckenbereichs und der Wirbelsäule. Das in der Reha erreichte Ergebnis muss auch zu Hause unbedingt erhalten bleiben. Alle Übungen, die der vollen Streckung des Beins dienen, sind deshalb von größter Wichtigkeit.

6. Volle Beugung wichtig

Aber auch die volle Beugung des Knies ist wichtig. Aufstehen aus dem Sitzen, Treppengehen, Radfahren und viele andere Tätigkeiten erfordern meist eine Beugung von mindestens 90-100 Grad. 90 Grad bedeutet, dass das Knie bis zum rechten Winkel gebeugt werden kann. Viele Operateure zielen heute sogar auf eine noch höhere Beuge Fähigkeit, nämlich von etwa 110-120 Grad. Dadurch werden viele Bewegungen deutlich erleichtert. Auch die erlernten Beugungs-Übungen sollten täglich und regelmäßig durchgeführt werden. Nur dann kann das künstliche Gelenk seinen vollen Nutzen entfalten.

7. Anschwellung und Überwärmung

Wie bereits in Tipp Nr. 2 erwähnt, braucht die Heilung nach einem künstlichen Kniegelenk eine Zeit von mehreren Wochen und Monaten. Nach längeren und höheren Belastungen kann es deshalb abends zu einer Anschwellung mit und ohne Überwärmung des operierten Kniegelenks kommen. Fast immer ist dies eine normale Reaktion, die sich bis zum nächsten Morgen wieder zurückbilden wird. Sollte die Überwärmung aber länger bestehen bleiben oder sogar zunehmen und somit ein Verdacht auf eine Infektion gegeben sein, empfiehlt sich die sofortige Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt.

8. Schmerzen an der Kniescheibe

Schmerzen, die dem Patienten Sorgen bereiten, betreffen oft die Vorderseite des Knies. Sie treten meist bei Tätigkeiten auf, bei denen das operierte Knie relativ leicht gebeugt belastet wird. Dieser „vordere Knieschmerz“ bedarf stets einer sorgfältigen Abklärung und kann vielfältige Ursachen haben: Läuft die Kniescheibe optimal in ihrem Gleitlager? Wurde sie künstlich ersetzt und ist alles regelrecht? Ist der Ersatz im schmalen Kniescheiben-Knochen fest verankert? Werden seitliche Bänder und Sehnen überlastet? Wurde während der Operation eine größere Achsenkorrektur vorgenommen? usw.

9. Schmerzen, die vom Fuß ins Knie strahlen

Schmerzen im künstlich ersetzten Knie können ihre Ursachen aber auch in weiter entfernt gelegenen Gelenken haben. Immer häufiger wird beobachtet, dass durch die Knie-Operation auch die Sprunggelenke anders belastet werden als zuvor und deshalb zu schmerzen beginnen. Diese Fußschmerzen können bis zum Knie hochstrahlen. Bei allen Knieschmerzen nach künstlichem Ersatz sollten daher auch das obere und das untere Sprunggelenk des Fußes untersucht und gegebenenfalls behandelt werden.

10. Bakterielle Infektionen als Risiko

Wer ein künstliches Kniegelenk hat, sollte stets auch auf optimale Blutzucker-Werte achten. Insbesondere bei bekanntem Diabetes ist es wichtig, dass der Blutzucker-Wert regelmäßig überprüft und optimal eingestellt wird. Es ist bekannt, dass ein zu hoher Wert bakterielle Infektionen begünstigt mit all ihren Komplikationen für das künstliche Gelenk. Ebenso ist stets daran zu denken, dass das Kniegelenk sehr nahe an der Hautoberfläche liegt. Stürze und Anstoßen sollten deshalb unbedingt vermieden werden, damit durch Schürfwunden keine Bakterien in das Gelenk gelangen können.

11. Medikamente, die die Muskeln schwächen, meiden

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme beim künstlichen Gelenk betrifft Medikamente, die man aus anderen Gründen regelmäßg einnimmt. Es gibt z. B. Medikamente, die bei Herzrhythmus-Störungen eingenommen werden und als Nebenwirkung auch eine Schwächung der Muskulatur zur Folge haben. Wer mit einem künstlichen Kniegelenk den Eindruck hat, insbesondere auf leicht unebener Gehfläche nicht sicher gehen zu können, sollte die behandeln den Ärzte darüber informieren und mit ihnen gegebenenfalls beraten, ob die bisherige Medikation durch eine andere ersetzt werden kann

12. Normalgewicht von großem Vorteil

Wie kann man auch vor der Operation zum Erfolg noch zusätzlich beitragen? Besonders wichtig ist, deutliches Übergewicht zu vermeiden. Es wird immer Menschen geben, die von Natur aus zu einem höheren Körpergewicht neigen. Mit Wissen und Entschlusskraft wird es ihnen dennoch gelingen, zumindest ein übermäßiges Übergewicht zu vermeiden. Dies erleichtert die Operation, vermindert das Risiko von Infektionen und erleichtert auch die notwendigen Übungen in der Reha und später zu Hause. Die damit verbundenen Bemühungen zahlen sich also mehrfach aus und tragen vielfache Früchte.