Rund 6.000 vor allem jüngere Menschen werden jährlich in Deutschland von einer Erkrankung betroffen, die nicht nur äußerst schmerzhaft ist, sondern auch zu einem teilweisen oder vollständigen Zusammenbruch des Hüftkopfs führen und dann eine schwere Hüftarthrose zur Folge haben kann. Die Ursache für diese Erkrankung ist ein Infarkt des Hüftkopfs, den der Arzt Hüftkopf-„Nekrose“ oder „Osteonekrose des Hüftkopfes“ nennt. Wie beim Herzinfarkt kommt es hierbei zum Zelltod, genannt „Nekrose“, wodurch schwere Schäden im Gelenk ausgelöst werden und die Gelenkflächen oft nicht mehr glatt und passgenau aufeinander gleiten können. Im Folgenden beschreiben wir zunächst die Ursachen dieser Erkrankung und wenden uns dann der Behandlung und Vorbeugung zu.
Auch der Knochen lebt. Für seine Gesundheit benötigt er eine ungestörte Durchblutung. Das entscheidende Blutgefäß verläuft entlang des oberen Schenkelhalses und gibt vier bis fünf Äste in den Hüftkopf ab. Eine Hüftkopf-„Nekrose“ (bzw. ein Hüftkopf-„Infarkt“) kann entstehen, wenn (1) dieses Gefäß entweder durch einen Unfall verletzt wird oder (2) die Durchblutung im Innern des Hüftkopfs behindert ist. Betrifft die Durchblutungsstörung größere Bezirke, so kann dies für den Hüftkopf dramatische Folgen haben:
Die Durchblutungsstörung betrifft oft – jedoch nicht immer – die oberen, vorderen Bezirke des Hüftkopfs. Je größer die abgestorbenen Areale sind und je mehr diese im Hauptbelastungsbereich liegen, desto höher ist die Gefahr, dass das tote Knochengewebe der üblichen Belastung auf Dauer nicht standhalten kann. Bei einer bestimmten Bewegung kann es sogar plötzlich zusammenbrechen. Das Auftreten mit diesem Bein wird dann so schmerzhaft, dass man sich noch nach Monaten an dieses dramatische Ereignis erinnern wird. Welche Ursachen sollte man für diese Erkrankung kennen?
Alkohol in großen Mengen zu trinken, gilt leider bei vielen Menschen immer noch als selbstverständlich oder sogar als Zeichen von Stärke. So werden in Deutschland im Jahr pro Kopf etwa zehn Liter reiner Alkohol getrunken, der meiste davon in Form von Bier oder Wein. Viele Menschen verschenken damit leider nicht nur die Gesundheit ihrer inneren Organe. Große Mengen Alkohol – insbesondere in Kombination mit Nikotin – sind eine der häufigen Ursachen der beidseitigen Hüftkopf-Nekrose. Oft wird der berufliche und persönliche Lebensweg dadurch für immer erheblich beeinträchtigt.
Wer mit Cortison behandelt werden muss, leidet bereits an einer besonderen und langwierigen Erkrankung. Schweres chronisches Asthma, chronische Entzündungen des Darms, eine chronische rheumatische Arthritis und viele andere Erkrankungen erfordern oft die hoch dosierte Einnahme von Cortison-Tabletten. Unglücklicherweise kann dies aber schwere Nebenwirkungen zur Folge haben. Eine der gravierendsten ist die Zerstörung des Hüftkopfs. Wer mit Cortison behandelt wird, sollte sich daher bei Beschwerden in der Hüfte umgehend ärztlich untersuchen lassen.
Viele Verkehrsunfälle können zu schweren Hüftverletzungen führen. Mit einer vorsichtigen und zurückhaltenden Fahrweise wären sie oftmals vermeidbar. Auch bei Stürzen im Haus oder bei Glatteis kommt es häufig zu schweren Knochenbrüchen an der Hüfte. In vielen Fällen, insbesondere bei verschobenen Schenkelhalsbrüchen, kann dabei das entscheidende Blutgefäß des Hüftkopfs verletzt und die Durchblutung des Hüftkopfs gefährdet werden. Nach einer solchen Hüftverletzung muss man selbst noch Jahre später mit der Möglichkeit einer Hüftkopf-Nekrose rechnen.
Eine Hüftkopf-Nekrose tritt auch bei Berufs-Tauchern auf („Caisson-Krankheit“). Nicht selten kommt sie ebenso bei Blut-Erkrankungen, wie zum Beispiel der vererbbaren Sichelzellen-Anämie oder der Akuten Lymphatischen Leukämie vor. Forscher vermuten, dass auch ein erhöhter Blutzucker, eine erhöhte Harnsäure und Störungen des Blutfett-Stoffwechsels mitverantwortlich sind. Bei mehr als 50 Prozent der Fälle kann aber auch heute noch keine eindeutige Ursache gefunden werden. Der Arzt bezeichnet diese Fälle als „idiopathische“ Hüftkopf-Nekrosen.
Schmerzen in der Leiste sind typisch. Aber auch Kreuzschmerzen und sogar Knieschmerzen können manchmal die einzigen Symptome sein. Nach der Untersuchung des Patienten wird der Arzt als erstes Röntgenaufnahmen beider Hüftgelenke anfertigen lassen. In vielen Fällen von fortgeschrittener Hüftkopf-Nekrose kann er damit bereits die Diagnose stellen. Nur wenn die Röntgenaufnahmen unauffällig oder nicht eindeutig sind, wird er zusätzlich eine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT, Kernspin) veranlassen, mit der man auch die Frühstadien sehr deutlich erkennen kann.
Obwohl das Frühstadium einer Hüftkopf-Nekrose gelegentlich nicht eindeutig von einer vorübergehenden Druckerhöhung im Hüftkopf („Transitorisches Hüftödem“) unterschieden werden kann, ist die Behandlung für viele Experten dieselbe. In beiden Fällen wird eine nur kurz dauernde Operation durchgeführt. Dabei wird der Knochen von außen angebohrt und so von seiner inneren Druckerhöhung befreit. Dies hat oft die sofortige Beseitigung der Schmerzen zur Folge, verbessert die Durchblutung und kann zudem das spätere Zusammenbrechen des Hüftkopfs verhindern.
Wenn die Nekrose nur kleine Herde betrifft und sich diese in der Hauptbelastungszone befinden, kann eine Umstellungs-Operation versucht werden. Dabei werden die erkrankten Areale, soweit möglich, aus der Belastungszone gedreht. Manche Experten verwenden in dieser Phase auch zusätzliche Verfahren mit dem Ziel, die Knochenneubildung zu fördern. Andere Spezialisten füllen den zusammengebrochenen Bereich mit Knochenzement auf oder setzen „Inlays“ aus Metall ein. Damit soll versucht werden, mehrere Jahre zu gewinnen, bis die folgende Maßnahme notwendig wird:
Immer dann, wenn die Hüftkopf-Nekrose große Herde betrifft, der Kopf stark entrundet und der Knorpel an Hüftkopf sowie Hüftpfanne zerstört und somit eine schwere sekundäre Arthrose eingetreten ist, wird heute in der Regel auch bei jüngeren Menschen das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks als beste Methode empfohlen, sofern die Schmerzen nicht anders beherrscht werden können. Es wird vermutet, dass heute sogar bis zu zehn Prozent aller künstlichen Hüftgelenke aufgrund einer Hüftkopf-Nekrose eingesetzt werden.
Vor dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks wird der Arzt versuchen, die Schmerzen so erträglich wie möglich zu halten. Diese Bemühungen kann man mit den folgenden Maßnahmen unterstützen: (1) im Sitzen die kranke Hüfte möglichst gestreckt halten und nicht stark beugen; (2) im Liegen sich besser auf die gesunde Seite, nicht auf die kranke drehen; (3) bei vielen Arbeiten kann ein Stehstuhl eine spürbare Erleichterung verschaffen (ARTHROSE-INFO Nr. 33); (4) beim Autofahren kann die Wahl eines hochbeinigen Modells das Ein- und Aussteigen erleichtern.
Alkohol hat leider viele schädliche Auswirkungen. Stets sollte man sich deshalb mit dem Trinken von Alkohol zurückhalten. Bei Behandlung mit Cortison-Dosen über 40 Milligramm täglich, wie sie u. a. auch bei bestimmten Augen- oder HNO-Erkrankungen eingesetzt werden, sollte geprüft werden, ob dies unbedingt notwendig ist. Denn selbst bei einer Anwendung von wenigen Tagen bedeutet sie ein Risiko für eine Hüftkopf-Nekrose. Die in vielen Fällen noch ungeklärten Ursachen der Hüftkopf-Nekrose zeigen aber auch, wie dringend nötig die weitere Erforschung der Gelenke ist!