Ein künstliches Kniegelenk kann heute vielen Menschen mit schwerer Kniearthrose wieder Schmerzfreiheit bringen. Die meisten sind daher mit ihrem neuen Kniegelenk hoch zufrieden, wenn auch das eigene Verhalten nach der Operation für den Erfolg sehr wichtig ist. Was kann man selber für den Erfolg tun? Und wie kann man das neue Gelenk schützen und es für viele Jahre erhalten? Gern möchten wir hierzu auch auf die bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7 und 9 gegebenen Tipps hinweisen, die wir nochmals empfehlen möchten.
Trotz der langen Haltbarkeit der modernen künstlichen Kniegelenke gibt es eine große Zahl anerkannter Kliniken, die einem anderen Eingriff zunächst möglichst den Vorzug geben, der sogenannten ,,Umstellungsoperation“. Immer wenn nur eine Hälfte des Knies von der Arthrose betroffen ist und zudem eine X- oder O-Beinstellung vorliegt, kann diese Alternative vor allem bei jüngeren Patienten bedacht werden. Diese Operation wird meist nur vor dem siebzigsten Lebensjahr durchgeführt. (Weitere Angaben: siehe ausführliche Darstellung im ARTHROSE-INFO Nr. 39.)
Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist und eine Umstellungsoperation nicht infrage kommt, dann ist das künstliche Kniegelenk für viele ein gutes Verfahren, wieder schmerzfrei zu werden. Stets wird der Arzt dabei abwägen, ob eine Halb- oder Vollprothese eingesetzt werden kann. Ist nur eine Hälfte des Gelenks betroffen, kann eine Halbprothese (auch ,,Schlitten“-Prothese genannt) gewählt werden (1). Betrifft die Arthrose aber größere Teile der Gelenkfläche, wird meist die Vollprothese gewählt (2).
In Deutschland erhalten zurzeit jährlich über 400.000 Menschen ein neues künstliches Hüft- und Kniegelenk. Wie oft werden hierbei die verschiedenen besprochenen Operationsmethoden angewandt? Im großen Durchschnitt kann geschätzt werden, dass die Umstellungsoperation (Tipp 1) bei weniger als 5 % und die Halbprothesenoperation bei knapp 15 % der Fälle durchgeführt werden. Ihre Zahl nimmt allerdings ständig zu. In mehr als 80 % der Fälle wird eine Vollprothese eingesetzt.
Auch wenn man nach der Operation keinerlei Schmerzen mehr verspürt, sollte man an bestimmte Vorsichtsmaßnahmen denken und das neue Gelenk pflegen und nur maßvoll beanspruchen. Warum? Von Experten werden zwei besondere Gründe genannt: (1) Bei zu hoher Belastung kann es leicht zu dauernden Beschwerden an der Kniescheibe kommen, (2) eine überhöhte Aktivität kann zu einer früheren Lockerung des Gelenks, ja auch zu Knochenbrüchen führen. Eine wichtige Regel lautet daher: ,,Benutzen und belasten ja, aber nicht übertreiben.“
Die Dauer der Entlastung richtet sich heute meist nach den noch vorhandenen Schmerzen. Sowohl bei zementfreien Prothesen als auch bei Verwendung von sogenanntem Knochenzement kann oft bereits am ersten Tag nach der Operation voll belastet werden. Stöcke werden dann nur so lange benötigt, bis man die volle Gewalt über die Muskulatur wieder gefunden hat (siehe auch Tipp Nr. 12). Stets sollte der Stock auf der gesunden Seite getragen werden (1). Er wird außerdem im Gleichschritt mit dem operierten Bein bewegt und belastet (2).
Mit dem künstlichen Kniegelenk sollte man sich beim Treppengehen stets sicher am Geländer abstützen. Darüber hinaus ist besonders am Anfang auch eine bestimmte Gehtechnik zu beachten, bis die Muskulatur wieder ihre volle Kraft entwickelt hat: Beim Treppaufgehen wird zuerst das gesunde Bein vorgesetzt, die operierte Seite folgt nach. Beim Treppabgehen wird zuerst das operierte Bein vorgesetzt und die gesunde Seite wird nachgezogen.
Mit dem künstlichen Gelenk kann man im Liegen eigentlich jede Position einnehmen, die als angenehm empfunden wird. Wegen der enormen Wichtigkeit, die die volle und gerade Streckbarkeit des Knies für das Gehen hat, empfiehlt es sich aber, in Rückenlage ein Kissen nicht unter das operierte Knie zu legen. Wenn man das Bein hochlegen möchte, empfiehlt es sich, ein Kissen oder eine Rolle nur unter die Ferse zu legen. Hierdurch wird die volle Streckfähigkeit des neuen Gelenks sicher erhalten und ein Thrombose-Risiko verringert.
Auch wenn die Operation hervorragend durchgeführt wurde, kann es dennoch in den ersten Monaten danach noch zu Anschwellungen im Knie- und Fußbereich kommen. Helfen kann man sich dabei zum Beispiel durch Hochlegen des Beines (siehe Tipp Nr. 7) und Kühlung mit Eis (zum Beispiel nasses Handtuch ins Kühlfach legen und anschließend im trockenen Frotteetuch auflegen (1)). Auch das Einreiben mit einer abschwellend wirkenden Salbe kann wirksam sein. In besonders schweren Fällen ist auch an die ärztliche Empfehlung von Kompressionsstrümpfen sowie einer ,,Lymphdrainage“ zu denken.
In den ersten Monaten nach der Operation empfiehlt es sich, auf Wärmeanwendungen jeder Art am operierten Knie unbedingt zu verzichten. Von Fangopackungen (1), Wärmesalben oder Wärmelampen (2) ist daher unbedingt abzuraten. Ebenso sind alle anderen Wärmeanwendungen wie Sauna-Besuche in den ersten sechs Monaten nach der Operation zu vermeiden, um die oft vorhandene Schwellneigung nicht noch weiter anzuregen.
Bakterielle Entzündungen aller Art bergen stets die Gefahr einer Entzündung am künstlichen Kniegelenk in sich. Vereiterte Zahnwurzeln, entzündete Fußzehennägel oder chronische Entzündungen von Gallenblase und Nierenbecken sollten deshalb konsequent behandelt werden, wobei der behandelnde Arzt auch an die Möglichkeit der Verordnung von Antibiotika denken wird. Auch ist bei Diabetes (Blutzuckererhöhung) stets die sorgfältige Einstellung der Zuckerwerte wichtig, da auch dies der Entstehung von Entzündungen vorbeugen kann.
Wer ein künstliches Kniegelenk besitzt, muss große Sorgfalt auf das Vermeiden aller Unfall- und Sturzgefahren verwenden. Bei jedem Hinfallen kann ja das künstliche Gelenk ebenfalls verletzt werden. Im Winter sollte man daher Glatteis unbedingt meiden. Auch in der Wohnung sollte man alle Unfallgefahren ausschalten. Hierzu gehören z. B. freiliegende Teppiche oder Türschwellen, die man begradigen könnte. Ebenso sollte man natürlich niemals auf einen Stuhl klettern, um zum Beispiel an ein hohes Regal besser heranzukommen.
Die kräftige Muskulatur gibt dem Gelenk seinen normalen und stabilen Halt und erhöht außerdem die Haltbarkeit des künstlichen Gelenks. Nach dem Einüben in der Nachbehandlungsklinik sollten bestimmte Übungen daher auch zu Hause regelmäßig durchgeführt werden. Hierzu gehören neben den krankengymnastischen Übungen zum Beispiel auch das Training mithilfe eines Gummibandes (1) (z. B. THERA-Band) oder das Trainieren mit einem Heimtrainer (2). Das Heimtrainerfahren empfiehlt sich besonders auch deshalb, weil damit gleichzeitig die Beweglichkeit verbessert werden kann (siehe auch Seite 4-6).