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Praktische Tipps bei Arthrose der Schulter

Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps bei Arthrose des Schultergelenks. Auch unsere Hinweise im ARTHROSE-INFO Nr. 17 zu diesem wichtigen Thema sowie die darin beschriebene Gelenkspiegelung möchten wir als Grundlage der heutigen Darstellung nochmals empfehlen. Die heutigen Hinweise beziehen sich besonders auf die Arthrose des Schulter-Hauptgelenks.

1. Ursachen-Typ 1: Unbemerkte Sehnenrisse

Eine schwere Arthrose der Schulter hat oft ihre Ursache in Sehnen-Erkrankungen der sogenannten „Rotatoren-Manschette“. Wenn diese durch Abnutzung oder Verletzung reißt, verliert das Gelenk seine Passform, der Gelenkkopf verlässt die Pfanne und wandert nach oben, wodurch an den neuen Kontaktstellen bald Knorpelschäden entstehen. In der Fachsprache wird diese Arthroseform „Cuff-Tear-Arthropathie“ oder „Defekt-Arthropathie“ genannt. Eine gute Vorbeugung ist die frühzeitige und genaueste Untersuchung der Schulter bei allen Beschwerden.

2. Ursachen-Typ 2: Berufliche Überlastung

Auch eine langjährige hohe berufliche Belastung der Schulter kann eine Arthrose fördern. Gehäuft scheint sich diese Arthroseform daher z. B. bei Bauarbeitern, Malern, Masseuren, Bäckern, Zahnärzten und bei Personal von Großküchen zu finden. Die Schmerzen treten dabei typischerweise eher spät auf. Oft geht ihnen eine langsam zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit voraus, die zunächst wenig Beschwerden macht und kaum wahrgenommen wird. Diese zunehmende Bewegungseinschränkung ist aber ein wichtiges Frühzeichen, auf das man ganz bewusst achten sollte.

3. Ursachen-Typ 3: Stürze und Verletzungen

Stürze auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf die Schulter führen bei jüngeren Menschen oft zu einer Ausrenkung, bei älteren Menschen eher zu Brüchen und Sehnenrissen des Schultergelenks. Bei diesen Verletzungsarten können Spätschäden verbleiben, die nach einigen Jahren zu einer Arthrose führen können. Die beste Vorbeugung ist das konsequente Vermeiden aller Unfall- und Sturzgefahren. Im eigenen Haus gibt es hierzu viele Möglichkeiten (siehe hierzu auch unsere Vorschläge im ARTHROSE-INFO Nr. 19, Seite 12).

4. Auch an die Wirbelsäule denken

Auch bei nachgewiesener beginnender Schulterarthrose können Schulterschmerzen noch zusätzlich durch eine Arthrose der Halswirbelsäule verstärkt werden (siehe hierzu auch unsere Hinweise im letzten ARTHROSE-INFO, Seite 8). Die Mituntersuchung und Mitbehandlung der Wirbelsäule ist daher oft eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Therapie. Massagen, aber auch krankengymnastische Übungen (siehe auch Tipp Nr. 8) können dabei sehr hilfreich sein.

5. Wenn die Schmerzen akut sind

Schulterschmerzen können äußerst intensiv sein und sich bei jeder kleinsten Bewegung noch verstärken. Elektrotherapie, zum Beispiel in Form so genannter „Interferenz-Ströme“, bringt oftmals eine wesentliche Erleichterung. Auch schmerz- und entzündungshemmende Medikamente mit besonders schnellem Wirkungseintritt werden in dieser Phase oft mit Erfolg verordnet. Allerdings ist bei allen akuten Schulterbeschwerden auch große Geduld vonnöten, da sie meist nur langsam abklingen.

6. Kühlen

Kühlen mit Eis kann oft eine Linderung bewirken. Hierzu kann man einen Eiswürfel in ein Tuch einschlagen und damit vorsichtig die schmerzende Stelle einreiben, bis der Würfel geschmolzen ist. Noch einfacher ist die kurzzeitige Anwendung von nicht frierenden „Kalt-heiß-Kompressen“, die man im Kühlschrank vorkühlt und bei Bedarf auf die schmerzende Stelle legt (u. a. in Apotheken und Drogerien erhältlich). Auch Kalt-Warm-Gelpackungen („Cold-hot-Packs“) können empfohlen werden (u. a. in Apotheken erhältlich).

7. Nachts den Arm gut lagern

Auf der kranken Seite sollte man nach Möglichkeit nicht liegen. Wenn man auf der gesunden Seite liegt, ist es oft sehr hilfreich, den kranken Arm nicht einfach vor sich abzulegen, sondern ihn auf ein Kissen oder eine zusammengerollte dünne Decke zu lagern, sofern dies gut vertragen wird. In Rückenlage kann dies zum Beispiel ein zusammengelegtes Handtuch sein. Durch diese Lagerung wird vermieden, dass die Gelenkkapsel zu stark gedehnt wird, wodurch die Schmerzen noch verstärkt würden.

8. Krankengymnastik

Krankengymnastische Übungen werden meist verordnet, wenn die heftigsten Schmerzen bereits etwas abgeklungen sind. Ziel der Behandlung ist es dann, (a) die Beweglichkeit zu verbessern, sofern dies möglich ist, und (b) die Schultermuskeln überaus vorsichtig und behutsam zu kräftigen, ohne dass erneut akute Schmerzen ausgelöst werden. Hierzu stehen den krankengymnastischen Experten viele Methoden zur Verfügung. Oft wird dabei auch eine Behandlung mit dem sogenannten „Schlingentisch“ durchgeführt, der eine Bewegung des Armes in vollkommener Schwerelosigkeit ermöglicht.

9. Künstliche Gelenke

Wenn der Gelenkknorpel in großen Bereichen zerstört ist und die Schmerzen durch andere Behandlungsmethoden nicht mehr zu lindern sind, kann ein künstliches Gelenk in bestimmten Fällen die wirksamste Hilfe sein. Bei der sogenannten „Halbprothese“ (1) wird nur der Gelenkkopf durch eine Prothese ersetzt. Bei der „Vollprothese“ (2) wird auch die Gelenkpfanne ersetzt. (Zur „inversen Prothese“ siehe INFO Nr. 57.) Der größte Nutzen des künstlichen Schultergelenks besteht in der Verminderung der Schmerzen. Auch die Beweglichkeit kann damit oft wieder verbessert werden.

10. Wie lange halten künstliche Schultergelenke?

Der künstliche Ersatz des Schultergelenks ist eine ausgereifte und bewährte Operation geworden. Sie hat das Experimentierstadium seit langem verlassen. Künstliche Schultergelenke erreichen heute eine Haltbarkeit, die bereits mit den hervorragenden Ergebnissen an Hüft- und Kniegelenken verglichen werden kann. Es wird geschätzt, dass von Schultergelenken, die von erfahrenen Operateuren eingesetzt werden, nach zehn Jahren noch etwa neunzig Prozent intakt sind. Nur rund zehn Prozent haben eine geringere Haltbarkeit.

11. Keine Arbeiten mit ausgestrecktem Arm

Der ausgestreckte Arm wirkt wie ein langer Hebel, der die Belastungen auf das Schultergelenk vielfach multipliziert. Selbst einfache Tätigkeiten können dadurch zu einer großen Beanspruchung des Gelenks werden. Als wichtige Regel gilt daher bei jeder Schulterarthrose: (1) Keine Arbeiten mit lang gestrecktem Arm ausführen, (2) bei allen Arbeiten Ellbogen und Oberarm möglichst nah am Rumpf halten und Überkopf-Arbeiten vermeiden. Diese Grundsätze können auch bei beruflichen Tätigkeiten helfen, die Belastung der erkrankten Schulter möglichst gering zu halten.

12. Pendelübungen

Leichte Pendelbewegungen mit einem kleinen Gewicht in der Hand (z. B. 0,5 bis 1,0 Kilogramm), die vorsichtig im schmerzfreien Bewegungsbereich durchgeführt werden, können das Gelenk entlasten und gleichzeitig die Beweglichkeit verbessern. Sie können auch im aufrechten Stehen oder mit Abstützung an der Tischkante durchgeführt werden. Als Gewicht kann zum Beispiel ein leichtes Reise-Bügeleisen dienen, da es einen besonders handlichen Griff hat. Auch eine Wasserflasche (ohne Kohlensäure) kann dafür eingesetzt werden.