Wenn die Großzehe von Arthrose betroffen ist („Hallux rigidus“), kann dies sehr schmerzhaft sein. Nachdem wir im Heft Nr. 24 bereits zahlreiche wirksame Behandlungsmaßnahmen beschrieben haben, möchten wir im Folgenden einige Hinweise zur operativen Behandlung vorstellen. Wir beschreiben die drei großen Gruppen von Operationsverfahren, die heute am häufigsten angewandt werden, und welche Besonderheiten dabei zu bedenken sind. Künstliche Gelenke werden von einigen Spezialisten in seltenen Fällen auch an der Großzehe eingesetzt.
Während die vergleichsweise breite und gut gepolsterte Ferse beim Gehen für das Auftreten des Fußes zuständig ist, ist es nur Bruchteile von Sekunden später die Großzehe, über die das gesamte Körpergewicht nach vorne abrollt und mit deren Hilfe wir den Körper beim Gehen nach vorne und oben beschleunigen. Keine der anderen Zehen wird beim Gehen ähnlich hoch belastet und ist für den Gehvorgang von so entscheidender Bedeutung. Dies ist auch mit der Hauptgrund, warum die Großzehe so viel kräftiger ist als die übrigen Zehen.
Beim Abrollen wird vor allem das zweite Gelenk – von der Zehenspitze aus gesehen – bewegt. Je nach Beschaffenheit der Schuhsohle kommt es hierbei zu einer rückwärtigen Beugung der Großzehe („Dorsalflexion“) von etwa sechzig Grad. Bei Greifbewegungen und z. B. beim Barfußlaufen im Sand kann das gleiche Gelenk auch fußsohlenwärts um weitere fünfunddreißig Grad gebeugt werden („Plantarflexion“). Insgesamt hat das gesunde Großzehengrundgelenk damit eine erstaunliche Beweglichkeit, die etwa der der Fingergelenke entspricht.
Die Arthrose des Großzehengrundgelenks beginnt nicht nahe der Fußsohle, sondern typischerweise in den oberen, das heißt fußrückenseitigen Teilen des Gelenks, weil dieser Bereich beim Gehen am stärksten belastet wird. Die wichtigsten Symptome der Großzehen-Arthrose: (1) verminderte Beweglichkeit (die Großzehe kann nicht mehr so weit hochgezogen werden und blockiert beim Abrollen), (2) Schmerzen (messerstichartige Schmerzen bei jedem Schritt), (3) Verdickung und oft auch Rötung.
Cheilektomie ist die Abtragung einer schnabelförmigen Knochenanlagerung, die sich typischerweise am fußrückenseitigen Teil des Gelenkköpfchens bildet. Die Entfernung dieser Knochenzacke kann oft die verlorene Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen reduzieren. Der inzwischen pensionierte Spezialist Herr Dr. Roger A. Mann, USA, führte dieses einfache Verfahren in vielen Fällen mit Erfolg durch. Auch andere Operateure wenden diese Methode in einigen Fällen an, sofern der Gelenkknorpel fußsohlenseitig noch erhalten ist.
Ein großer Vorteil der einfachen Operation „Cheilektomie“ besteht darin, dass das Gelenk selbst erhalten bleibt. Dadurch wird auch die bisherige Form des Fußes nicht verändert. Außerdem ist der Eingriff für den erfahrenen Operateur relativ einfach und schnell durchzuführen. Er benötigt keine Vollnarkose, sondern nur eine regionale Anästhesie. Hierbei wird nur der Fuß unterhalb des Knöchels oder der Unterschenkel betäubt. Auch kann sie mit anderen Korrekturen kombiniert werden. Ein Nachteil der Cheilektomie: Die Wirkung ist oft nicht dauerhaft und auch nicht immer vorhersehbar.
Die Nachbehandlung ist bei diesem Verfahren in der Regel ebenfalls einfacher und kürzer als bei anderen Methoden. Für etwa 6 Wochen nach der Operation werden Sandalen oder weiche Tennis- bzw. Joggingschuhe, von manchen Operateuren auch spezielle Vorfuß-Entlastungsschuhe empfohlen. Etwa zu jeder vollen Stunde sollte außerdem der operierte Zeh für etwa fünf Minuten in vollem Umfang durchbewegt werden, besonders nach oben. Diese Übungen sollten in der Physiotherapie erlernt werden. Schon nach 6 – 8 Wochen können meist wieder normale Schuhe getragen werden.
Nicht mehr oder jedenfalls nur noch äußerst selten wird ein Verfahren durchgeführt, das als „Operation nach Keller-Brandes“ bezeichnet wird. Um das erkrankte Gelenk zu entlasten, wird hierbei ein Teil des Gelenks vollständig entfernt („Resektion“). Die Lücke wird ggf. mit Weichteilgewebe aufgefüllt, das an diese Stelle eingebracht wird. Fast alle Ärzte sind aber überzeugt, dass dieser weit reichende Eingriff bei Jüngeren nicht durchgeführt werden darf und ebenso nicht bei älteren Patienten, die noch eine gewisse Belastbarkeit ihrer Füße benötigen.
Durch die Entfernung einer Gelenkhälfte kommt es zu einer Verkürzung eventuell mit Hochstand der Großzehe und zu einer Funktionseinbuße. Mit dem Ergebnis sind viele Patienten nicht zufrieden. Insofern ist diese OP-Methode für Sonderfälle vorbehalten.
Relativ häufig müssen Arzt und Patient auch bei diesem Verfahren damit rechnen, dass der operierte Fuß noch einige Wochen und Monate zur Ausheilung benötigt. In dieser Zeit neigt nicht nur die operierte Großzehe, sondern oft der Vorfuß oder Gesamtfuß zu einer beträchtlichen Anschwellung. Während das vorsichtige Gehen schon bald nach der Operation wieder möglich ist, sollte man daher in allen Ruhepausen den Fuß hochlegen und kühl halten, um das Abschwellen zu erleichtern.
Wenn weder die Cheilektomie noch die Entfernung einer Gelenkhälfte infrage kommen, sehen viele Experten eine Alternative u. a. in einer Fusions-Operation. Hierbei wird eine Verblockung bzw. Versteifung des Gelenks durchgeführt. Die damit unterbundene Bewegung im erkrankten Gelenk wird meist durch eine vermehrte Beweglichkeit des Endgelenks teilweise ausgeglichen. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist neben der Schmerzfreiheit die in aller Regel sehr gute Belastbarkeit des Fußes. Es kann gerade bei berufstätigen und sportlich aktiven Menschen empfohlen werden.
Einige fachkundige Ärzte weisen gern auf folgenden Tipp hin: Nach ihrer Erfahrung empfiehlt es sich, die Operation möglichst in die Frühjahrs- und Herbstmonate zu legen, da nach allen Verfahren einige Wochen lang am besten nur offene Schuhe (Sandalen) oder weiche, weite Tennis- und Joggingschuhe bzw. sogar spezielle Verbandsschuhe getragen werden sollten. In den Sommermonaten muss man bei höheren Außentemperaturen auf ausreichende Kühlung achten (vergleiche auch Tipp Nr. 9).
Ein bekannter Arzt für Orthopädie in Zürich, der über jahrzehntelange Erfahrung mit der Behandlung der Großzehenarthrose verfügte, empfahl seinen Patienten oft auch, bald nach der Operation einen Urlaub am Meer zu verbringen. Das salzhaltige Meerwasser kann dazu beitragen, dass die operationsbedingte Anschwellung des Fußes rascher abklingt und der Fuß früher wieder schlank und schön wird. Auch das Barfuß-Gehen auf weichem – nicht festem – Sandstrand, das eine gute Bewegung ermöglicht, kann dabei von Vorteil sein.