Die Kniescheibe ist nur ein kleiner, aber wichtiger Teil des Kniegelenks. Wenn sie von Arthrose betroffen ist, kann dies zu heftigen Schmerzen führen. Wie unerträglich diese sein können, beschreibt Frau Regina R. aus Ludwigsburg so: “Ich habe schon Tage erlebt, da war ich allein unterwegs und habe vor Schmerzen gedacht, ich schaffe es nicht mehr nach Hause!” Im Folgenden stellen wir nun einige wichtige praktische Tipps vor, mit deren Hilfe man auch bei dieser besonders schwierigen Arthroseform selbst viel bewirken kann. Auch die Tipps in den INFOS Nr. 32, 81 und 91 können sehr hilfreich sein.
Die Arthrose der Kniescheibe könnte man auch als “Kniebeuge-Arthrose” bezeichnen. Wenn der dicke Knorpel der Kniescheibe zerstört ist, verliert sie auch einen Teil ihrer Hebelwirkung. Schmerzen und Kraftverlust treten auch deshalb vor allem bei Belastung des gebeugten Knies auf, oft schon bei nur geringem Beugewinkel. So haben viele Betroffene Schmerzen beim Treppab- oder Treppaufgehen. Die erste Regel der Selbsthilfe ist daher, Tätigkeiten, bei denen das Knie in Beugung belastet wird, möglichst zu vermeiden oder sich dabei zumindest gut abzustützen und zu sichern.
Aber selbst bei längerem Sitzen mit gebeugten Knien können nach einer gewissen Zeit unerträgliche Schmerzen auftreten. Manche Patienten erleben dies z. B. bei der Arbeit im Büro oder zu Hause, bei Theater- bzw. Konzertbesuchen oder bei längeren Reisen und leiden sehr darunter. Die zweite Regel der Selbsthilfe bei Kniescheiben-Arthrose ist daher, das erkrankte Knie nicht für längere Zeit gebeugt zu halten. Das vollständige Strecken des Beins (auch im Sitzen) kann rasche Erleichterung bringen und die Schmerzen sogar ganz vermeiden helfen.
Fast immer wird der Arzt Physiotherapie (Krankengymnastik) verordnen. Diese hat zunächst das Ziel der “Mobilisierung” der Kniescheibe, da die seitlichen Bänder durch die chronischen Entzündungen nicht selten verhärtet und verkürzt sind. Auch der große Streckmuskel an der Vorderseite des Oberschenkels (Quadrizeps) sollte täglich mehrmals gedehnt werden. Beide Übungen wird man bald auch selbst zu Hause regelmäßig wiederholen können. Die Quadrizeps-Dehnung kann man auch im Liegen in Seitenlage durchführen. Im Stehen sollte man auf sicheren Halt achten.
Ein wenig erstaunlich ist auch, wie wirksam die Mitbehandlung der Hüft- und Wadenmuskeln, ja selbst der Fußmuskeln, sein kann. Sie alle sind Teil der gleichen langen “Bewegungskette”, die vom Rücken bis zu den Füßen reicht. Nicht selten sind diese Muskeln bei Kniescheiben-Arthrose verkürzt und verhärtet. Bei verkürzten Hüft- und Wadenmuskeln ist das Kniegelenk selbst beim Stehen nie mehr ganz gestreckt. Dies führt zu einer zusätzlichen Belastung der Kniescheibe. Auch diese Dehn-Übungen wird man zunächst bei der Physiotherapie erlernen und dann zu Hause regelmäßig durchführen.
Wie bei fast jeder Arthrose können auch isometrische Kraftübungen hilfreich sein. Dabei wird die Muskulatur angespannt, ohne dass das Gelenk bewegt wird. Dies kann man – im Liegen oder Sitzen – am besten mit ganz gestrecktem Bein machen. Zur Verstärkung der Wirkung kann man auch zusätzlich eine Gewichtsmanschette anlegen, wie sie in Sportgeschäften erhältlich ist. Wenn vor allem der innenseitige Teil des großen Streckmuskels gestärkt werden soll, kann auch die Übung “Schreiben des Namens in der Luft” mit nach außen gedrehtem Fuß wirksam sein.
Viele erfahrene Ärzte berichten uns auch über eine unterstützende Wirkung der Iontophorese. Dabei wird ein entzündungshemmendes Gel auf die Haut aufgetragen. Dann werden darauf zusätzlich zwei Elektroden angelegt, mit deren Hilfe ein schwaches (!) elektrisches Feld das Gel in die Tiefe zieht. Die Wirkstoffe werden somit rascher und stärker in den erkrankten Bereich transportiert. Dies kann manchmal eine hilfreiche Ergänzung der Physiotherapie sein, sofern sie von der Haut gut vertragen wird. Eine Iontophorese-Behandlung dauert etwa zwölf Minuten.
Eine einfache und dennoch wichtige Selbsthilfe-Maßnahme bei Kniescheiben-Arthrose ist die Wahl der richtigen Schuhe. Jeder Zentimeter, den man an Absatzhöhe einspart, entlastet das Kniescheibengelenk. Auch Schuhe mit Null-Absatz oder mit leicht (!) gerundetem Sohlenverlauf können einen 10Versuch wert sein. Diese Schuhform ist in vielen Sport- oder Sanitätsfachgeschäften zu finden. Dort sollte man sie erst in aller Ruhe anprobieren und dabei testen, ob man sich darin auch sicher fühlt. Zuhause können auch geschlossene Hausschuhe mit gutem Fußbett empfehlenswert sein.
Je nachdem welcher Teil der Kniescheibe am meisten von Arthrose betroffen ist, kann Radfahren angenehmer sein als Gehen. Frau Jutta M. aus Offenbach bestätigt dies und ergänzt: “Wir haben uns nun einen Heimtrainer gekauft. So können wir auch bei schlechtem Wetter drinnen etwas machen.” Bei vielen Betroffenen sind ebenso die neuen e-Bikes (gesprochen: “i-baiks”, Elektro-Fahrräder) sehr beliebt. Der leichte, kaum sichtbare Elektromotor kann eine große Hilfe bedeuten, wenn man ortsbedingt hügeliges Gelände nicht ganz vermeiden kann.
Bei Bahnfahrten helfen die Zugschaffner – oder auch freundliche Mitreisende – heute gern beim Aussteigen aus Zügen. So kann man gefährliche Stürze vermeiden, die sich bei zu hohen Stufen ereignen können. “Bei manchen Bussen und Bahnen muss man richtig springen”, beschreibt es eine Patientin. Besondere Vorsicht ist aber auch beim Aufstehen während der Fahrt, z. B. beim Gang zur Toilette, geboten. Während der Fahrt kommt es nicht selten zu abrupten Seitwärtsbewegungen des Zuges. Frau Rosemarie L. aus Herne berichtet, dass sie so im fahrenden Zug gestürzt ist.
Wenn man als Autofahrer beim Kuppeln, Bremsen oder Gasgeben immer wieder Schmerzen im Kniescheibengelenk verspürt, kann dies zu gefährlichen Situationen führen. In so manchen Fällen wird deshalb ein Auto mit Automatikgetriebe eine hilfreiche Investition sein. In schweren Fällen wird man sogar auf vollständigen Handbetrieb umstellen und die entsprechenden Hebel installieren lassen. Ist man Beifahrer, empfiehlt es sich, den Sitz möglichst weit zurückzuschieben, so dass man die Beine ganz durchstrecken kann. Dann kann man auch längere Autofahrten genießen.
Es sind schon viele Versuche unternommen worden, die isolierte Kniescheiben-Arthrose operativ zu behandeln. Ein erfahrener Klinikleiter berichtet jedoch: "Leider wird es in so manchen Fällen mit einer Operation nur noch schlimmer!" An einem wirklich haltbaren Ersatz des Kniescheibengelenks wird zwar seit langem gearbeitet. Die Ergebnisse sind bisher aber leider noch nicht immer überzeugend. Wenn eine Operation an diesem Gelenk unumgänglich erscheint, sollte man sie auf jeden Fall nur von einem gerade auf diesem Gebiet höchst erfahrenen Spezialisten durchführen lassen.
Übergewicht begünstigt und verstärkt auch diese Form der Arthrose. Kann man es schaffen, Übergewicht abzubauen? Wir haben “Slim-Fast” (aus der Apotheke) und “Atkins” (INFO Nr. 59) selbst getestet und können bestätigen: Beide wirken rasch. Und kann man das gesunde Gewicht danach auch dauerhaft halten? Ja, indem man sich bewusst und ausgewogen ernährt, sich täglich auf die Badezimmerwaage stellt und sich sagt: “Wie es andere können, so kann ich es auch!” Es ist ein großartiges Gefühl, wenn dann die Schmerzen nachlassen und man sich am Leben wieder erfreut!