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Praktische Tipps bei Arthrose der Halswirbelsäule

Die feinen Gelenke der Halswirbelsäule ermöglichen es durch ihre große Beweglichkeit, dass wir den Kopf weit nach oben heben und seitlich bis zu den Schultern drehen können. Auch verlaufen zwei Arterien links und rechts wie aufgefädelt durch die Wirbel selbst. Bei schwerer Arthrose der Halswirbelsäule müssen diese Besonderheiten stets beachtet werden. Viele unserer Mitglieder haben uns über ihre persönlichen Erfahrungen bei Halswirbel-Arthrose berichtet und wie es ihnen gelingt, die ärztlichen Maßnahmen zu unterstützen. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich. Als wichtige Grundlage möchten wir die Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 6, 16, 26, 36 und 66 nochmals empfehlen, da die heutigen Tipps auf diesen aufbauen.

1. Besondere Vorsicht 1: Einrenken

Wenn bestimmte Muskeln sich verspannen, können sie ein Gelenk so stark zusammenpressen und verkanten, dass heftige Schmerzen ausgelöst werden und jede Bewegung unmöglich wird. Diese Blockaden können erfahrene Therapeuten durch bestimmte Griffe lösen (sogenanntes Einrenken). Dabei muss aber an den besonderen Aufbau der Halswirbelsäule gedacht werden. Frau Annemarie W. aus Kohlberg schreibt: „Bei mir liegt eine hochgradige Verkalkung der Halswirbel-Arterie (Vertebral-Arterie) vor. In- zwischen weiß ich, dass ich mich deshalb niemals einrenken lassen darf.“

2. Besondere Vorsicht 2: Seitwärtsdrehung

Wenn eine weit fortgeschrittene Arthrose eine Einengung der Vertebral- Arterie verursacht, dann können auch Seitwärtsdrehungen des Kopfes gefährlich werden. Frau Irmgard D. aus München berichtet: „Ich habe in der Physiotherapie Kopfdrehungen im Wärmekasten machen müssen und bin dabei ohnmächtig geworden. Mehrere Monate konnte ich nicht mehr lesen und schreiben und hatte Wortfindungs- und Gleichgewichtsstörungen. Mein Arzt hatte die Therapeutin zuvor gewarnt und ihr gesagt: ›Achten Sie auf die Vertebral-Arterie, die durch eine starke Arthrose eingeengt ist!‹“

3. Günstiger Sitzplatz

Das häufige Drehen des Kopfes kann man auch durch eine kluge Wahl des Sitzplatzes vermeiden. Frau Hildegard N. aus Neuendettelsau empfiehlt: „Im Kino, im Theater oder bei Vorträgen wähle ich immer einen Mittelplatz, damit ich nur geradeaus schauen muss. Auch vermeide ich es, in der ersten Reihe zu sitzen, um nicht hochschauen zu müssen.“ Herr Eugen M. aus Darmstadt ergänzt: „Ich halte es bei Familienfeiern so, dass ich am Kopfende des Tisches sitze und bei Gesprächen keine größeren Drehbewegungen nach links oder rechts machen muss.“

4. Ergonomisch geformte Computer-Tastatur

Am Arbeitsplatz kann man sich ebenfalls viele Tätigkeiten so organisieren, dass die Halswirbelsäule (HWS) weniger beansprucht wird. Zum Arbeiten am Computer haben wir bereits in den INFOS Nr. 16 und Nr. 56 einige nützliche Hinweise gegeben. Auch eine ergonomisch geformte Tastatur kann sowohl für die Handgelenke als auch für Schultern und HWS günstig sein. Man kann dabei zwischen verschiedenen Ausführungen wählen. In der einen Form ist die Tastatur vollständig zweigeteilt, in einer anderen wird die Zweiteilung durch eine Schräganordnung der beiden Tastenblöcke erreicht.

5. Spezialkissen?

Hilfreich kann ebenso die richtige Wahl des Kopfkissens sein. Bevorzugt werden oft Halbkissen, die nur 80 x 40 cm groß sind und eine lockere Kunststofffaser-Füllung besitzen. Über den Reißverschluss kann man den Füllungsgrad des Kissens so weit verändern, dass man in Rücken- und Seitenlage bequem liegen kann. Diese Kopfkissen sind in allen größeren Kaufhäusern erhältlich. Verschiedene Spezialkissen aus visco-elastischem Kunststoff erhält man zudem in vielen Sanitätshäusern. Manche dieser Kissen kann man mehrere Tage kostenlos zu Hause testen, so z. B. die der Firma Kubivent.

6. Lieber breitere, gepolsterte Träger

Entlastend und schonend kann auch die richtige Wahl der Unterwäsche sein. Viele Frauen berichten, dass breitere und gepolsterte BH-Träger eine Linderung bei ihren HWS-Beschwerden bewirkt haben. Dies ist leicht verständlich, da die obere Schultermuskulatur direkt mit der Halswirbelsäule verbunden ist und Schultern und HWS somit eine funktionelle Einheit bilden. Je geringer der Druck auf die Schultermuskulatur ist, umso weniger wird die Halswirbelsäule belastet. Frau Josefa G. aus Ennigerloh hat damit besonders gute Erfahrungen gemacht.

7. Sport-Unterwäsche

Bei Halswirbel-Arthrose tut auch milde Wärme gut. Seidenschals, Nicki-Tücher oder Rollkragen-Pullis (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 66) wärmen den Hals direkt. Ebenso entfaltet das Aufwärmen des gesamten Körpers durch wohlig warme Unterwäsche eine ähnlich positive oder sogar noch stärkere Wirkung und fördert ebenfalls die Entspannung der Hals- und Nackenmuskulatur. Praktisch und modern kann sogenannte Sport- bzw. Funktions-Unterwäsche sein, die relativ dünn ist, kaum aufträgt und zudem in verschiedenen modischen Farben angeboten wird.

8. Heizstrahler im Badezimmer

Als hilfreich erweist es sich ebenfalls, besonders im Badezimmer auf eine behagliche Temperatur zu achten. Ein Mitglied schreibt: „Ich habe mir in der Nähe des Waschbeckens einen Heizstrahler anbringen lassen, der morgens und abends zum Einsatz kommt. Dies ist in der kühlen Jahreszeit äußerst angenehm.“ Diese Geräte, die für Nassräume geeignet sein müssen, gibt es in fest montierbaren Ausführungen und als verschiebbare Standgeräte. Sicherheitshalber sollte man sie von einem Fachmann installieren lassen. Ähnlich wirksam können auch hochreichende Heizkörper sein.

9. Ohr-Elektro-Akupunktur

Schmerzen in Nacken und Halswirbelsäule können in so manchen Fällen aber auch durch alternative Heilmethoden gelindert werden. Besonders einfach ist dabei eine Form der Akupunktur, bei der keine Nadeln benötigt werden. Vielmehr werden mit einem kleinen Akupunktur-Gerät bestimmte Punkte an der Ohrmuschel aufgesucht, auf die winzige Stromimpulse gesendet werden, die vollkommen schmerzfrei sind. Diese „Aurikulo-Therapie“ kann zwar die Arthrose nicht heilen. Einige Betroffene berichten aber: „Seither geht es mir viel besser!“ und: „Jetzt kann ich gut damit leben!“

10. Physiotherapie nach der sanften Dorn-Methode

Mehrere Mitglieder berichten auch, wie gut ihnen eine Behandlung nach Dorn geholfen hat (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 75). Blockierungen einzelner Wirbelgelenke werden dabei durch sanften seitlichen Druck und vorsichtiges aktives Bewegen des Kopfes durch den Patienten selbst gelöst. Ergänzend empfiehlt sich eine behutsame und vorsichtig ausgeführte Krankengymnastik mit dem Ziel: (1) die verspannte und verkürzte Muskulatur zu dehnen, (2) die Beweglichkeit langsam zu erhöhen und (3) die gesamte Körperhaltung zu verbessern und damit die Halswirbelsäule zu entlasten.

11. Eine einfache, aber hilfreiche Übung

Des Weiteren kann auch diese Übung nützlich sein:

  1. Man lege sich bequem auf den Rücken und strecke den Nacken langsam aus.
  2. Dann wird das Kinn noch zusätzlich nach unten geführt, wodurch die Streckbewegung weiter verstärkt wird.
  3. Schließlich hebt man nun den Kopf in dieser Position nur etwa 1 cm von der Unterfläche ab und hält ihn so für 5 Sekunden.

Diese Übung sollte etwa dreimal wiederholt werden, am besten morgens und abends.

12. Lebensfreude durch Yoga

Auch die alte asiatische Haltungs- und Bewegungslehre Yoga kann in vielen Fällen von Nackenbeschwerden nützlich sein. Wie auch beim Tai-Chi (INFO Nr. 75) sollte man diese Übungen von erfahrenen Lehrern in Kursen erlernen. Ihre Wirksamkeit entfalten sie erst durch tägliches Üben und wenn sie Teil des eigenen Lebens werden. Bemerkenswert ist ihre Kraft spendende Wirkung. Durch das Gewahrwerden des Körpers lösen sich Verspannungen, die Haltung verbessert sich, und bei vielen entwickelt sich ein tiefgreifendes Wohlbefinden, das den ganzen Menschen durchströmt.