„Mir ist noch nie so bewusst gewesen, wie wichtig die Hände sind!“, sagt ein junges Mitglied, das schon seit Jahren eine Arthrose im Handgelenk hat, und weiter: „Ich habe doch mein halbes Leben noch vor mir und muss noch 30 Jahre arbeiten.“ Ihre Arthrose ist die Folge eines Kahnbein-Bruchs im Handgelenk (vom Arzt auch „Skaphoid-Fraktur“ genannt). Im Folgenden beschreiben wir zunächst die erstaunliche Anatomie, dann die typischen Ursachen dieser häufigsten Knochenbrüche des Handgelenks, und was bei Diagnose, Therapie und Vorbeugung der Kahnbein-Brüche besonders zu beachten ist. Allen Experten, die uns hierbei beraten haben, danken wir sehr herzlich.
Ein Gelenk ist üblicherweise die Stelle, an der sich zwei Knochen berühren und gegeneinander bewegen. Beim Handgelenk jedoch findet sich eine erstaunliche anatomische Besonderheit. Es besteht aus einer Vielzahl von kleinen Unter-Gelenken. Die fünf Mittelhandknochen, die den fünf Fingern der Hand entsprechen, bewegen sich nicht direkt gegen die langen Unterarmknochen. Vielmehr befinden sich dazwischen noch zwei Reihen von insgesamt acht kleinen Knochen, die eine Art „Kugel-Lager“ darstellen und das Handgelenk bilden. Einer dieser kleinen Knochen ist das Kahnbein.
Das Kahnbein ist ein kleiner, länglich geformter Knochen im Handgelenk, der daumenseitig gelegen ist. Wenn dieser kleine Knochen bricht, können vier verschiedene Bruch-Typen unterschieden werden. Nach dem australischen Arzt Herrn Dr. Herbert werden sie als „Herbert A, B, C oder D“ bezeichnet. Für die Praxis besonders wichtig ist die Feststellung, ob der Knochen nur gebrochen ist oder ob auch eine Verschiebung der Bruchteile vorliegt. Dies ist sowohl für die Diagnostik als auch für die Art der Therapie von großer Bedeutung, wie wir im Folgenden sehen werden.
„Mit 19 Jahren hatte ich einen Sportunfall. Da ist mir ein Fußball mit voller Wucht gegen die Hand geflogen und hat sie nach oben geschlagen“, schildert eine junge Frau. Viele Experten berichten: „Früher haben wir diese Verletzungen besonders bei Arbeitern gesehen, heutzutage sind es vor allem Sportler, die z. B. bei den sogenannten „Fun“-Sportarten wie Skateboard- oder Snowboard-Fahren, Inline-Skaten oder aber beim Radfahren stürzen und sich verletzen.“ Auch im häuslichen Bereich kann man z. B. bei Glätte oder auf rutschigen Böden und Treppen schwer stürzen.
Wenn ein Sturz auf die ausgestreckte Hand oder ein heftiger Schlag durch einen Ball oder eine Maschine zu einem Kahnbein-Bruch führen, verursacht dies meist sofort starke Schmerzen. Der Arzt wird dann prüfen, ob ein Druck an einer bestimmten Stelle unterhalb des Daumens, in der sogenannten „Tabatière“, die Schmerzen noch verstärkt. Leider wird besonders bei Sportverletzungen und Stürzen aber nicht immer gleich an die Möglichkeit einer Kahnbein-Fraktur gedacht. Äußerlich sind – anders als bei Unterarmbrüchen – ja keine auffälligen Fehlstellungen sichtbar.
Bei allen Stürzen oder Schlägen, die zu einer schmerzhaften Überdehnung des Handgelenks führen, darf man keineswegs nur an eine „Prellung“ oder „Zerrung“ denken und diese mit einem Salbenverband behandeln. Vielmehr sollte man sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. In vielen Fällen kann der Arzt mit speziellen Röntgenaufnahmen (sogenannten „Kahnbein-Aufnahmen“) einen Bruch dieses kleinen, aber wichtigen Knochens erkennen. Im Zweifelsfall wird er eine CT-Untersuchung durchführen. Auch MRT-Aufnahmen haben eine große Bedeutung.
Früher wurden Kahnbein-Brüche meist konservativ behandelt, wobei mit einem Gips begonnen wurde, der vom Oberarm bis zu den Fingerspitzen reichte. Heute werden Kahnbein-Brüche aber nur noch konservativ behandelt, wenn der Bruch stabil ist, d. h. die Bruchstücke nicht verschoben sind und der Patient zudem eine mindestens sechswöchige Ruhigstellung akzeptieren möchte. Der Gips reicht mittlerweile nur noch vom Unterarm bis zur Mittelhand. Meist wird heute jedoch die Operation empfohlen.
Kahnbein-Frakturen werden bei der Operation mit einer speziellen feinen Schraube fixiert, die sowohl am Anfang als auch am Ende ein Gewinde besitzt. Diese besonderen Doppelgewinde-Schrauben werden auch „Herbert-Schrauben“ genannt. Damit gelingt es dem erfahrenen Hand-Operateur, die Bruchstücke so fest und passgenau aufeinanderzustellen, dass kein Fraktur-Spalt mehr verbleibt und auch keine seitliche Stufe, die sonst leicht zu einer Arthrose führen könnte (siehe Tipp Nr. 9). Die operative Therapie hilft auch die folgende Komplikation zu vermeiden.
Wird ein Kahnbein-Bruch nicht erkannt, so heilt die Fraktur nicht. Bei jeder Bewegung der Hand bewegen sich die Frakturteile nun gegeneinander. Hierdurch entsteht ein sogenanntes Falschgelenk bzw. ein Pseudo-Gelenk (ärztlich: „Pseud-Arthrose“). Eine unbehandelte Pseud-Arthrose führt zu zunehmenden Schmerzen – manchmal erst nach einigen Jahren – und danach meist zur Arthrose. Nach konservativer Behandlung entwickelt sich diese Komplikation bei etwa jedem zehnten Patienten (10 %), nach operativer Behandlung jedoch deutlich seltener.
Nicht nur Falschgelenke stellen ein beträchtliches Arthrose-Risiko dar. Heilt ein Kahnbein-Bruch in einer leicht verschobenen Stellung, bildet die Knorpelschicht keine glatte Fläche mehr. Eine Stufe in der Gelenkoberfläche überlastet den Gelenkknorpel und zerstört ihn nach und nach. Die dann entstehende Arthrose ist anfangs auf einen kleinen Bereich beschränkt. Im Laufe der Zeit kann sie sich auf das gesamte Handgelenk ausdehnen und zu immer stärkeren Schmerzen führen. Handgelenkverletzungen sollten deshalb stets von erfahrenen Handspezialisten behandelt werden.
Die meisten Kahnbein-Brüche heilen folgenlos ab. Nach drei Monaten kann die Hand wieder voll belastet werden. Wenn sich jedoch eine Arthrose entwickelt, sollte man zeitlebens auf die sorgfältige Schonung des Handgelenks achten. Schwere körperliche Arbeiten in Beruf, Haushalt oder Garten sind dann nicht mehr empfehlenswert. In manchen Fällen wird der behandelnde Arzt auch eine speziell angefertigte Leder-Manschette verordnen. In leichteren Fällen kann – auf Anraten des Arztes – eine einfache Kunststoff-Manschette ausreichen, die man nur bei bestimmten Tätigkeiten anlegt.
Viele Stürze lassen sich durch kluges Vorsorgen vermeiden. Wenn in der Wettervorhersage Schnee und Glatteis angekündigt werden, empfiehlt es sich, passendes Schuhwerk bereitzustellen. Auch anschnallbare Spikes werden immer wieder gern empfohlen und können Stürze vermeiden helfen. (Bezug: z. B. bei: Versandhaus Walz, Steinstr. 28, 88339 Bad Waldsee, Bestell-Telefon: 0180/5334011 (0,14 €/Min.), www.walzvital.de: „Schuhspikes“ oder „Schuhkralle“ im Katalog „Moderne Hausfrau“, bzgl. Größe bitte angeben, ob Damen- oder Herrenschuhe.) Beim Anlegen dieser Spikes ist auf sicheren und stabilen Halt zu achten.
Auch beim Sport darf man die Sicherheit nie außer Acht lassen. Je moderner und schneller viele Fahrräder und andere Sportgeräte werden, umso größer ist die Gefahr von schweren Stürzen. Dabei kann es zu massiven Verletzungen an Schulter, Wirbelsäule und Handgelenk kommen. Klüger ist es, die Geschwindigkeit so zu dosieren, dass man immer die absolute Kontrolle über sein Gerät behält. Beim Inline-Skaten ist u. a. das Tragen von Handgelenk-Schutzmanschetten unbedingt empfehlenswert. Dann kann man auch diese Sportart genießen und viel für die eigene Fitness tun.