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Praktische Tipps zur O-Bein-Form der Knie

Die Arthrose der Kniegelenke zählt zu den häufigsten Arthroseformen. Was sie an Schmerzen für die Betroffenen bedeutet, ist diesen nur allzu leidvoll bekannt. Oft entwickelt sie sich im Laufe von Jahren und Jahrzehnten in ansonsten scheinbar gesunden Gelenken. Naheliegend ist auch, dass Verletzungen, Knochenbrüche und Entzündungen bedeutende Ursachen sein können. Aber viel zu wenig Beachtung findet, dass auch die O-Bein-Form der Knie ein wichtiger Grund sein kann. Bestehen O-Beine von Jugend an, so bedingt dies oft eine spätere Knie-Arthrose. Warum ist das so, und wie kann man frühzeitig vorbeugen? Zu diesen wichtigen Fragen möchten wir im Folgen den einige nützliche Tipps vorstellen, die jeder kennen sollte.

1. Normale Bein-Form

Als normal geformt gelten Beine, wenn zwei Kontakte gleichzeitig möglich sind: Wenn sich beim geraden aufrechten Stehen beide Innenknöchel berühren, berühren sich auch die Innenseiten der Knie. Diese Beinform wird von den Ärzten auch als die „physiologische“ Form bezeichnet. Für die biomechanische Belastung der tragenden Gelenke wird sie als optimal angesehen. Dennoch – selbst bei dieser Form – können sich Arthrosen speziell an den Knie-Innenseiten entwickeln, nämlich die sogenannten „medialen Gonarthrosen“. Warum ist das so?

2. Warum?

Wie wir schon oft beschrieben haben, ist das Knie ein sehr breites Gelenk. Ober- und Unterschenkel berühren sich darin in zwei weitgehend getrennten Kompartimenten, nämlich dem außenseitigen („lateralen“) und dem innenseitigen („medialen“) Kompartiment. Man könnte auch sagen, der lasttragende Bereich des Knies besteht eigentlich aus zwei Hälften. Leider werden diese aber auch in einem normal geformten Knie nicht gleichermaßen belastet. Die Linie vom Körperschwerpunkt in Nähe des Nabels zur Sprunggelenk-Mitte zeigt meist, dass die innenseitige Hälfte höher belastet wird.

3. Die O-Beinform

Wenn sich beim geraden aufrechten Stehen die Knöchel berühren, die Kniegelenke aber deutlich auseinanderweichen, so sprechen Ärzte von einer O-Bein-Form, die nicht immer, aber meist, durch eine Formveränderung in einem oder in beiden Kniegelenken verursacht ist. Das Ausmaß der Verbiegung kann in Röntgenaufnahmen exakt in Winkelgraden gemessen werden. Für erste praktische Hinweise kann man die Verbiegung aber auch beschreiben, in dem man prüft, wie viele Fingerbreiten nun zwischen beide Knie passen. Passen jetzt zwei, drei oder gar vier Finger im Stehen zwischen beide Knie?

4. Warum häufiger Arthrose bei O-Beinen?

Warum ist die O-Bein-Form mit einem deutlich erhöhten Arthrose-Risiko verbunden? Je bogenförmiger die Knie nach außen auseinanderweichen, desto höher ist die Belastung, die auf die innenseitige Hälfte der Knie wirkt. In extremen Fällen kann es sogar dazu kommen, dass die Innenseite die gesamte Last des Körpergewichts tragen muss. Die außenseitige Hälfte der Kniegelenke hingegen wird dann nur noch geringfügig oder gar nicht mehr beansprucht. Dies lässt sich leicht bei Betrachtung des Verlaufs der gedachten Belastungslinie vom Nabel zur Sprunggelenk-Mitte verstehen.

5. Wachstumszone des Kniegelenks (schematisch)

Kinder und Jugendliche wachsen und werden größer. In fast allen Knochen gibt es mindestens eine spezielle Zone („Wachstumsfuge“), die aus Knorpelzellen besteht und die neuen Knochen bildet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit zeigen wir am Kniegelenk nur eine von ihnen. Je weiter das Wachstum voranschreitet und je näher das Wachstumsende mit zunehmendem Alter rückt, desto schmäler werden diese knorpeligen Zonen im Inneren der Knochen, bis sie schließlich verschwinden und selbst in Knochen umgewandelt werden

6. O-Beine durch ungleiches Wachstum

Für die gesunde Beinform des Erwachsenen ist es notwendig, dass die Wachstumszonen gleichmäßig und ungestört neuen Knochen bilden können. Auch benötigen diese Zonen genügend Vitamin D für ihren Stoffwechsel. Wann immer es aber durch äußere Einflüsse in dieser Zeit häufig und erheblich zu ungleichmäßigen Belastungen der Fugen kommt, werden diese gestört. Betrifft dies die Beine im Bereich der Knie, so werden deren Wachstumszonen einseitig eingeengt und die Beine können immer mehr in eine bogenförmige Form wachsen und O-Beine entstehen. Welche Ursachen sind dafür häufig?

7. Fußball

Es gibt Sportarten, die – wenn von Kindern und Jugendlichen zu intensiv betrieben – oft zur Entwicklung von O-Beinen führen. Jeder Fußball Interessierte kennt die typischen Fußballer Beine, die bei manchen Profi-Spielern unschwer zu erkennen sind. Besonders „berühmt“ waren die O-Beine des Nationalspielers Pierre Littbarski, die sich bei ihm schon in sehr frühen Jahren entwickelt hatten. Hohe asymmetrische Belastungen treten nicht nur im Schussbein auf, sondern auch im Standbein. Ähnliche Belastungen der Knie entstehen bei dem im Fußballspiel typischen Zickzacklauf.

8. Tennis

Sicherlich weniger bekannt und weniger ausgeprägt ist die Wirkung von Tennis-Spielen auf die spätere Beinform. Aber Kinder und Jugendliche, die von ehrgeizigen Eltern gedrängt werden, früh und intensiv für eine Profi-Karriere zu trainieren, zeigen nicht selten kerzengerade Beine, bei denen im aufrechten Stand doch ein oder zwei Finger zwischen die Knie passen. So manche von ihnen bezahlen ihren Profi-Erfolg mit einer späteren Arthrose. Dies sollten Eltern und Trainer stets mitbedenken, wenn sie Kinder im Wachstumsalter zu intensiv und zu hoch belasten lassen.

9. Reiten? Leistungs-Sprinten?

O-Beine werden oft auch als „Cowboy Beine“ bezeichnet. Der Grund ist naheliegend. Beim Reiten schmiegen sich die Beine an die Rundung des Pferdekörpers. Bei noch wachsenden Kindern und Jugendlichen kann dies zu einem erhöhten innenseitigen Druck auf die Wachstumsfugen der Kniegelenke mit den bereits beschriebenen Folgen für die Beinform führen. Allerdings wird dieser Sport in unseren Breiten selten so extrem und intensiv betrieben. Ob auch Leichtathletik, wie Sprinten und Hürdenlauf, in nennenswerten Fällen zu O-Beinen führt, wird auch von Experten unterschiedlich gesehen

10. Wachstums-Ende bei Mädchen und Jungen

Sobald Jugendliche ihre endgültige Körpergröße erreicht haben und die Wachstumsfugen komplett geschlossen sind, dann ist auch die Gefahr der Bildung von O-Beinen für die meisten jungen Menschen vorbei. Der Zeitpunkt des Wachstumsendes ist von Kind zu Kind unterschiedlich und wird durch genetische, aber auch manch andere Faktoren beeinflusst. Kinderärzte schätzen, dass bei vielen Mädchen – aber nicht bei allen – das Wachstum mit 14 Jahren endet. Bei Jungen dauert das Wachstum rund zwei Jahre länger und ist somit in etwa mit 16 Jahren abgeschlossen.

11. O-Bein-Prophylaxe bei Jugendlichen

Sport ist in jedem Alter gesund, also erst recht auch bei Kindern und Jugendlichen. Wenn diese jedoch ihren Sport besonders intensiv, ja Tag für Tag und stets viele Stunden lang ausüben, sollten Eltern und Großeltern mit darauf achten, dass der Wachstumsprozess nicht gestört wird. Regelmäßige Untersuchungen durch Kinder- oder Sportärzte können frühzeitig helfen, die Bildung von O-Beinen zu vermeiden. Schließlich ist ja eine lebenslange Gesundheit der Gelenke viel wichtiger als aller Profi-Ruhm und alles Profi-Geld. Dem sollte jeder gern zustimmen.

12. Arthrose-Prophylaxe bei Erwachsenen

Wurden all diese Vorsichtsmaßnahmen leider versäumt und nicht bedacht, so können auch Erwachsene mit O-Bein-Form, die aus welchem Grund auch immer entstanden ist, viel zur Vorbeugung einer späteren Kniearthrose tun. Stets sollten sie bedenken, dass jede Last bei ihnen fast gänzlich von einer Hälfte ihres betroffenen Knies getragen werden muss. Hochbelastende Sportarten oder Berufe sollten deshalb klug vermieden werden. Stattdessen gibt es eine Fülle interessanter und befriedigender Tätigkeiten, die die Knie schützen helfen. Sehr gern verweisen wir hierzu auf viele frühere Knie-Tipps in den INFOS