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Praktische Tipps bei Arthrose des Kniegelenks

Wenn sich die Knie-Arthrose noch in einem frühen oder mittleren Stadium befindet, wird man sich oft fragen: Welche einfachen praktischen Maßnahmen könnte ich selbst anwenden? Was könnte mir ein wenig Besserung bringen? Auch zu diesem wichtigen Thema haben uns viele Mitglieder dankenswerterweise ihre persönlichen Erfahrungen übersandt. Zusammen mit den bisherigen Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 1, 11, 21, 32 und 61 können sie den Erfolg der ärztlichen Behandlung maßgeblich unterstützen. Für die freundliche Überprüfung und Ergänzung der Hinweise danken wir auch unseren Experten wiederum sehr herzlich.

1. Nach Belastungen gleich kühlen

Jedes Arthrosegelenk ist im Inneren geschwächt und neigt nach Belastungen zu Schmerzen und Entzündungen. Wenn somit das geschädigte Knie einmal mehr als üblich beansprucht wurde, empfiehlt Herr Rudolf H. aus Kassel: „Nach allen Belastungen ist die sofortige Auflage eines Eis-Packs zur Vorbeugung sehr hilfreich.“ Er verwendet ein Kühl-Pack aus der Apotheke, das er für höchstens 15 Minuten auflegt und mit einem einfachen Klettband befestigt. Zwischen Kühl-Pack und Haut sollte man ein dünnes Tuch legen, um die Haut vor zu starker Unterkühlung zu schützen.

2. Kompressionsstrümpfe Klasse II

Hilfreich ist ebenso das gelegentliche Tragen einer Kniebandage (INFO Nr. 61). Aber auch Kompressionsstrümpfe können nützlich sein. So schreibt ein Mitglied: „Mir helfen bei längeren Wegstrecken auch Kompressionsstrümpfe der Klasse II.“ Je nach ärztlicher Empfehlung kann man dabei wählen zwischen Strümpfen und Strumpfhosen sowie mehreren Stärkeklassen. Wenn gleichzeitig eine Venenerkrankung vorliegt, können Kompressionsstrümpfe auf kassenärztliches Rezept verordnet werden. Hinweis: Bei arteriellen Durchblutungsstörungen bitte nicht verwenden.

3. Balsamka-Balsam

Bei vielen Betroffenen zeigt auch das Einreiben eine positive Wirkung. Frau Ursula B. aus Essen berichtet: „Wenn ich zu Hause bin, reibe ich meine Knie mit Balsamka-Balsam ein, der bei mir besonders wirksam ist.“ Diese Pflegecreme enthält unter anderem die bekannten Naturheilmittel Menthol, Kampfer und Nelkenöl. Zur Vorbeugung gegen mögliche Hautreizungen reibt sie das Kniegelenk zuvor mit einer weiteren Kühlsalbe ein. Balsam und Kühlsalbe sind in allen Apotheken erhältlich.

4. Umschläge mit Wirsingkraut

Frau Elfriede W. aus Schönbrunn gibt den folgenden Hinweis: „Mir haben Umschläge mit Wirsingkraut gut geholfen. Wirsingkraut ist weich und nicht so hart wie Weißkohl. Zuerst wäscht man die Blätter in warmem Wasser und trocknet sie. Dann schneidet man die harten Rippen heraus und rollt mit einer Teigrolle oder Flasche über die Blätter, bis der Saft austritt. Danach legt man die Blätter auf das Knie, legt ein altes Taschentuch darauf (wird grün!) und bindet eine elastische Binde darüber. Am besten macht man diese Umschläge abends und lässt sie dann über Nacht einwirken.“

5. Schuhe der Marke „Think!“

Eine weitere Leserin empfiehlt bei Knie-Arthrose: „Ich trage nur noch Schuhe der Marke ,Think!’. Dabei achte ich darauf, dass die Sohle gerubbelt ist, so dass keine Rutschgefahr besteht.“ Hergestellt werden diese Schuhe von der österreichischen Firma Think Schuhwerk GmbH (Hauptstr. 35, A - 4794 Kopfing, Service und Informationen im Internet unter www.thinkshoes.com). Auch in manchen Schuhfachgeschäften oder Öko-Läden werden diese Schuhe geführt. Sie verbinden eine hohe Funktionalität mit einer gewissen sportlichen Eleganz.

6. MBT-Schuhe

Frau Karin N. aus Owen ergänzt: „Bei der Schuhauswahl bin ich auf die MBT-Schuhe gestoßen. Das Ergebnis ist verblüffend. Meine Gehstrecke hat sich von 30 Metern auf 2 Kilometer schmerzfreies Gehen erweitert. Der MBT-Schuh bewirkt, dass man einen aufrechten Gang hat und auf weicher Sohle läuft.“ Er hat eine stark gekrümmte Sohle und gilt als „Therapie-Gerät“. Das Tragen muss erst geübt werden und kann anfangs zu Muskelkater führen. Beim Kauf sollte man ein Rückgaberecht vereinbaren, falls man nicht damit zurechtkommt. Infos im Internet unter: www.mbt.com.

7. Aufstehhilfe: Erhöhung von Couch und Bett

Je höher man sitzt, umso weniger werden die Kniegelenke beim Aufstehen belastet. Jede Erhöhung der Sitzfläche bedeutet daher eine geringere Beanspruchung für die geschädigten Gelenke. Frau Edith D. aus Aschaffenburg berichtet über eine einfache Lösung, die sich bei ihr bewährt hat: „Als Aufstehhilfe habe ich unter die losen Polster unserer Couchgarnitur eine 10 cm dicke Styroporplatte gelegt und sie mit einem passenden Stoff selbst bezogen. Das Bett habe ich mit einer zweiten Matratze erhöht. Beides erleichtert mir das Aufstehen sehr.“

8. Höherer Pkw

Eine weitere Empfehlung lautet: „Ich habe mir einen Pkw gekauft, der etwas höher ist. Die höheren Sitze erleichtern mir das Ein- und Aussteigen.“ Diese neueren Modelle gibt es inzwischen bei fast allen bekannten Autoherstellern. Bei Knie-Arthrose können diese Wagen, deren Gesamt-Sitzhöhe von der Straße aus gemessen etwa 70 cm beträgt, eine spürbare Erleichterung bringen. Ein Nachteil ist der höhere Benzin- oder Stromverbrauch bedingt durch den größeren Luftwiderstand. Hinweis: Auch in vielen anderen Pkws lassen sich die Vordersitze heute um einiges höher einstellen.

9. Isometrische Übungen

Auch regelmäßige Übungen sind besonders zu empfehlen. Am besten sollte man sie in der Krankengymnastik erlernen und dann zu Hause täglich wiederholen. Ein Mitglied empfiehlt: „auch isometrische Übungen nicht vergessen!“ Bei diesen Übungen werden die Muskeln angespannt, ohne dass sich das Gelenk bewegt, und zwar nach den folgenden Regeln: (a) Anspannungsdauer 7 Sekunden, (b) Pause nach der Anspannung 20 Sekunden. Bereits ein bis zwei Anspannungen pro Tag mit mindestens zwei Drittel der Maximalkraft zeigen Wirkung (s. auch ARTHROSE-INFO Nr. 17, Seite 5).

10. Ist die Wirbelsäule gesund?

Schmerzen in den Knien können auch von der Wirbelsäule herrühren bzw. von dort verstärkt werden. Dies bestätigt ein weiteres Mitglied: „Ich lasse mich zudem an der Wirbelsäule behandeln, weil sich dies positiv auf meine Kniebeschwerden auswirkt. Ich habe keinen Bandscheibenschaden, sondern nur eine Fehlhaltung.“ Bei allen Kniebeschwerden sollte man auch an diese Möglichkeit denken (sowie an die Hüfte, siehe Interview Seite 4 – 6). Krankengymnastisch erlernte Übungen für die Wirbelsäule können so- mit helfen, die Beschwerden bei einer Knie-Arthrose zu vermindern.

11. Knieschule nach Prof. Grifka

Mehrere Mitglieder weisen auch auf gute Erfolge mit dem von uns im ARTHROSE-INFO Nr. 32 vorgestellten Buch „Die Knieschule“ von Herrn Prof. Dr. med. J. Grifka hin. Herr Prof. Grifka ist inzwischen Professor an der Universität Regensburg und Direktor der orthopädischen Klinik in Bad Abbach. Sein Buch enthält zahlreiche praktische Anregungen und Übungsbeispiele. (Hinweis zum aktuellen Nachdruck: Es ist unter dem Titel „Die Neue Knieschule“ in neuer Auflage erschienen und ist über jede Buchhandlung lieferbar.)

12. Ismakogie - Bewegungslehre

Auch dieses Buch, auf das uns Frau Irmtraud A. aus Glattbach hingewiesen hat, könnte bei Knie-Arthrose hilfreich sein. Sie schreibt: „Mit kleinen, sanften und harmonischen Bewegungen kann man im Alltag viel für sich und seinen Körper tun.“ Wer sich mit Geduld mit diesem Buch einer österreichischen Ärztin beschäftigt, kann darin den einen oder anderen nützlichen Hinweis finden. Bestellt werden kann es in Deutschland schriftlich oder telefonisch nur über die in der Abbildung angegebene Anschrift. Eine ausführliche Beschreibung findet sich auf Seite 14 dieser Ausgabe.