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Tipps zur Finger-Endgelenk-Versteifung

„Hier hilft nur eine Versteifung des Gelenks“ ist für viele eine der bittersten Empfehlungen, die Ärzte aussprechen können. Besonders gilt dies für die Finger. Aber nirgends gibt es dabei so viele falsche Vorstellungen. Die Funktion und die Gebrauchsfähigkeit der Finger insgesamt werden dadurch nämlich nicht vermindert, sondern deutlich erhöht. Auch die Schönheit der Hände wird dadurch nicht beeinträchtigt, sondern verbessert. Nachdem wir zuletzt auch im ARTHROSE-INFO Nr. 102 viele nützliche Tipps bei Finger-Endgelenk-Arthrose (der sogenannten „Heberden-Arthrose“) gegeben haben, möchten wir nun eine erfolgreiche und hilfreiche Operation vorstellen, die von großem Gewinn sein kann. Allerdings sollte man sie nur von sehr erfahrenen Hand-Operateuren durchführen lassen.

1. Heberden – der vierfache Schmerz

Die schmerzhafte Arthrose der Finger-Endgelenke, die sogenannte „Heberden-Arthrose“ (gesprochen: „heberdéén“), ist äußerst häufig, besonders bei Frauen. Oft ist nicht nur ein Finger – z. B. der Zeigefinger oder der Mittelfinger – betroffen, sondern es können alle Finger einer Hand oder sogar bei der Hände sein. Viele Frauen leiden außerdem sehr unter den unschönen Verdickungen durch Knötchenbildung. Auch eine zunehmende seitliche Schrägstellung ihrer einst so schönen, feingliedrigen Finger belastet sie oft sehr. Aber …

2. Gegenstände fallen aus der Hand

Aber nicht nur das Aussehen bedrückt. Auch die körperlichen Schmerzen machen viele einfachste Alltagstätigkeiten zur Qual. Was soll man empfinden, wenn vor Schmerzen immer wieder die Kaffeetasse oder die Gabel oder das Messer aus der Hand fallen? Was soll werden, wenn man nicht einmal mehr die eigene Haustür öffnen und nur mit größter Mühe den Schlüssel drehen kann? Und wie kommt man damit zu recht, wenn die Hände sogar in Ruhe, ja auch nachts, weh tun?

3. Versteifung – ein Wort, vor dem viele Angst haben

Es gibt kaum einen Menschen, der nicht zutiefst erschrickt, wenn die Versteifung der erkrankten Gelenke empfohlen wird. Versteifung klingt einfach zunächst nach noch stärkerer Behinderung. Und wie kann damit die Schönheit der Hände wiederhergestellt werden? Aber sind diese Einschätzungen und Vorstellungen auch richtig und berechtigt?

4. Warum diese Sorgen nicht berechtigt sind

Auch in der gesunden Hand beträgt die Bewegung in den Finger-Endgelenken meist nur wenige Grad. Zur Gesamtbewegung der Finger trägt sie nur einen eher geringen Teil bei. Werden diese Gelenke bei der Heberden-Arthrose versteift, bleiben die Finger insgesamt beweglich, ja sie werden durch die Operation sogar wieder funktionsfähiger und belastbarer als vorher. Die Veränderungen sind so gering, dass man sich relativ rasch daran gewöhnen und anpassen kann. Um sich davon zu überzeugen, verordnen manche Ärzte auch vor der OP ein Schienchen, das man einige Zeit zur Probetragen kann.

5. Wann sollte man es wagen?

Zu keiner Operation sollte man sich drängen lassen oder sich leichtfertig dazu entschließen. Jede Operation hat auch ein gewisses Risiko – ob groß oder klein. Wenn aber alle Schmerzmittel nicht mehr helfen, wenn auch die vielen guten Tipps aus den ARTHROSE-INFOS im eigenen Fall keine bleibende Besserung bringen konnten und wenn man so manche Alltagstätigkeit trotz bestem Willen nicht umstellen kann, dann – und nur dann – sollte man es wagen.

6. Wann aber eher nicht?

Sind die Finger jedoch schmerzfrei und nur etwas verdickt, und kann man sich zudem mit so manchen Hilfsmitteln (die wir in vielen ARTHROSE-INFOS empfohlen haben) noch ganz gut im Alltag behelfen, dann ist der Zeitpunkt für die Operation in den meisten Fällen noch nicht gekommen. Dann sollte man diese Operation – nach unserer Einschätzung – noch hinauszögern und damit warten.

7. Die häufigste Methode und ihre Vorteile

Die Versteifung eines Finger-Endgelenks wird heute oft mit einer besonders feinen Schraube („Herbert“-Schraube) durchgeführt. Sie besitzt zwei unterschiedlich steile Gewinde. Durch das Einschrauben werden die Gelenkflächen damit fest aufeinandergedrückt, sodass sie verwachsen können. Auch die Knötchen und die Schrägstellung der Finger werden bei diesem Eingriff beseitigt. Mancher Operateur wird vielleicht ein anderes Operationsverfahren bevorzugen, mit dem er gute Erfahrung gemacht hat. Der Vorteil der Herbert-Schraube ist aber auch, dass sie später nicht entfernt werden muss.

8. Wenn beide Hände betroffen sind

Wenn beide Hände betroffen sind, wird in den meisten Fällen empfohlen, zunächst nur die am schlimmsten betroffene Hand zu operieren und zuerst auch nur die besonders wichtigen Zeige- und Mittelfinger. Erst danach werden auch die übrigen schwer betroffenen Finger operiert. Meist wird man über alle Maßen erfreut sein, wie schön und schlank die operierten Hände nach einigen Wochen wieder aussehen.

9. Warum nur in erfahrenen Zentren?

Warum sollte man diese Eingriffe nur von besonders erfahrenen Hand-Operateuren durchführen lassen, für die sie Routine sind? In der Hand der Erfahrenen sind diese Eingriffe schnell und sicher durchführbar, sie sind nur mit sehr geringen Risiken behaftet und die Heilung verläuft zügig. Aber gerade weil es um die Hände geht und um sehr kleine feine Gelenke, ist zugleich äußerste Präzision von entscheidender Bedeutung. Jeder Operateur wird es deshalb gut verstehen, wenn man vertrauensvoll fragt: „Wie oft führen Sie diese Operation im Monat durch?“

10. Wie lange dauert es danach?

Oft wird man an den operierten Fingern zunächst für etwa eine Woche einen Wundverband tragen. Danach wird vom Operateur oder Ergotherapeuten häufig ein abnehmbares Schienchen angefertigt, das man für rund sechs Wochen tragen wird. In dieser Zeit kann und sollte man schon alle übrigen Fingergelenke systematisch bewegen und beüben, damit sie ihre Beweglichkeit erhalten. Erst wenn die Röntgenaufnahmen die feste „Durchbauung“ bestätigen, kann man ganz auf die Schiene verzichten und die ein wenig veränderte Greiffunktion einüben, bis man schließlich ganz zufrieden ist.

11. Zufriedenheit mit der Operation

Wenn die Schmerzen, die man über Jahre und Jahrzehnte zunehmend erdulden musste, beseitigt sind, wird man unendlich dankbar sein. Oft hat man das Gefühl, ein neues Leben zu beginnen. Wenn auch die Knötchen und die Fehlstellung dauerhaft beseitigt sind – welch eine wunderbare Erleichterung ist auch dies! Die meisten Patienten sind deshalb nach der erfolgreichen Operation sehr zufrieden und würden sie jederzeit wieder durchführen lassen.

12. Was ist nach der OP wieder möglich?

Wenn alles nach Plan verlaufen ist, lautet die Antwort auf diese Frage: „einfach alles!“ Man kann seine Strümpfe wieder selbst anziehen. Auch elastische Kniestrümpfe und sogar Kompressionsstrümpfe kann man wieder selbst anziehen. Man kann wieder Hemden und Blusen allein auf- und zuknöpfen und sich damit ohne fremde Hilfe ankleiden. Man kann sich dem geliebten Garten wieder zuwenden usw., usw. Kurzum: Die Mutigen, die sich von irrtümlichen Vorstellungen freigemacht haben, werden schließlich überausreich belohnt!