Stürze können sich überall ereignen. Sie können zu Armbrüchen und zu verschiedenen Handgelenkbrüchen führen. Unser heutiges viertes und letztes Kapitel dieser Serie handelt nun von den besonders gefährlichen Beinbrüchen, die zudem außerordentlich häufig sind. Weit über 100.000 Menschen allein in Deutschland erleiden jährlich eine Schenkelhalsfraktur. Mehr als 12.000 (10 %) von ihnen sterben sogar in direkter Folge an dieser schweren Verletzung. Aber man kann selbst viel tun, nicht nur um die Gefahren nach Eintreten dieser Verletzung zu vermindern. Auch kann man wirksam vorbeugen, und zwar je früher, desto besser, wie wir im Folgenden beschreiben.
Mitglieder berichten: „Wegen vieler Gelenkbeschwerden kann ich mich nicht so gut bewegen. Bei einer bestimmten Drehung habe ich das Gleichgewicht verloren.“ Ein anderes Mitglied: „Ich war in einem Kaufhaus auf der Rolltreppe und wurde abgelenkt. Dann war da das Ende der Rolltreppe, und ich bin zu Boden gestürzt.“ Herr Stefan B. (54) beschreibt es so: „Es war sonntags bei einer Radtour. Auf dem Feldweg lagen da ein wenig Sand und kleine Kieselsteine. Das Vorderrad ist weggerutscht, und ich bin voll auf die Seite gefallen. Ich konnte nicht mehr aufstehen.“
Der lange Oberschenkelknochen, der vom Knie bis hoch zur Hüfte reicht, gilt als der kräftigste Knochen des Körpers. Aber er hat eine schwache Stelle. Kurz bevor er das Hüftgelenk erreicht, biegt das letzte, etwa zehn Zentimeter messende Stück in einem schrägen Winkel ab. Dieses letzte Teilstück, welches der Arzt „Schenkelhals“ nennt, ist die Stelle, die besonders gefährdet ist. Wer nach einem Sturz nicht mehr aufstehen kann, sollte stets an die Möglichkeit eines Schenkelhalsbruchs denken und sich gleich in eine erfahrene orthopädisch-unfallchirurgische Klinik bringen lassen.
Heute gilt: Eine Schenkelhalsfraktur muss so schnell wie möglich operiert werden, um Komplikationen zu vermeiden. Es gibt verschiedene Formen der Schenkelhalsbrüche. Bei jüngeren Patienten und einem einfachen glatten Bruch werden die Ärzte versuchen, diesen wieder heilen zu lassen. Meist werden sie dazu drei lange Schrauben oder eine Metallplatte mit einer gleitenden Schraube einsetzen. Bei beiden Verfahren hoffen die Operateure, dass nicht nur der Bruch wieder heilt, sondern dass auch der Hüftkopf gesund bleibt und nicht abstirbt.
Die Heilung des Schenkelhalsbruchs dauert typischerweise mehrere Monate. In manchen Fällen dürfen die Patienten aber bereits nach einigen Tagen wieder mit vollem Körpergewicht belasten. Andere Kliniken empfehlen eine mehrwöchige Teilbelastung, besonders bei jüngeren Patienten. Stets sollte man die Anweisungen der Operateure genau befolgen und bedenken, dass auch ein fest verschraubter Bruch auf keinen Fall sofort maximal belastet werden darf. Vielmehr muss man damit warten, bis im Röntgenbild die vollständige Heilung eindeutig nachgewiesen ist.
Bei älteren Patienten, bei bereits vorhandener Arthrose – und auch wenn eine „Trümmerfraktur“ mit mehreren Bruchstücken vorliegt – besteht die beste Behandlung im Einsetzen eines künstlichen Gelenks. Bei manchen Patienten wird dabei auf die künstliche Gelenkpfanne verzichtet. Meist wird jedoch die übliche „Total-Endoprothese“ eingesetzt. Mit einem künstlichen Gelenk verliert man zwar das eigene natürliche Gelenk. Ein großer Vorteil besteht aber in der vollen Belastbarkeit und darin, wieder rasch auf die eigenen Beine zu kommen.
Besonders bei älteren Patienten gilt nämlich: Nach jeder Schenkelhalsfraktur sollte man sich keineswegs erst einmal „ausruhen“ oder übervorsichtig werden. Vielmehr sollte man alles daransetzen, die mögliche Angst vor einem erneuten Sturz zu überwinden. Auch sollte man das Ziel haben, während der stationären und nachfolgenden ambulanten Reha die volle Beweglichkeit und die volle Aktivität wiederzuerlangen. Nur wer die alte Kraft wieder zurückgewinnt und diese sogar noch verbessert, ist vor künftigen Stürzen wirksamer geschützt.
Schenkelhalsbrüche sind meist nicht nur extrem schmerzhaft. Sie können oft auch lebensgefährlich sein. Man muss deshalb alles tun, um vorzubeugen. Zur Vermeidung von Stürzen verweisen wir gern nochmals auf die vielen Tipps, die wir hierzu bereits in früheren Ausgaben genannt haben. Brüche kann man zudem auch vermeiden, indem man den Knochen kräftigt und gegen Osteoporose vorbeugt (siehe hierzu auch den Buchtipp im INFO Nr. 92). Im Folgenden geben wir einige weitere wichtige Hinweise, mit deren Umsetzung man so früh wie möglich beginnen sollte.
Ohne dieses Vitamin kann kein Knochen seine Festigkeit behalten. Vitamin D kann (1) vom Körper selbst gebildet werden, wenn man sich regelmäßig im Freien aufhält. (2) In nördlichen Ländern müssen viele Menschen Vitamin D aber über die Nahrung oder in Tablettenform aufnehmen. Besonders viel ist in Lachs und Hering enthalten, geringere Mengen auch in Milchprodukten. Ob man genügend Vitamin D hat, kann man nur nach einer Blutuntersuchung wissen, die das „25-OH-Vitamin-D3“ bestimmt. Diese kostet etwa 35,– Euro und wird von uns dringend empfohlen.
Trainierte Muskeln sehen nicht nur gut aus. Sie haben auch eine zweifach vorbeugende Wirkung. Sie schützen vor Stürzen und sie kräftigen die Knochen. Systematisches Muskeltraining ist deshalb in jedem Alter wichtig. Längst haben dies nicht nur Jüngere erkannt. Auch immer mehr Menschen jenseits der Fünfzig haben Sportstudios für sich entdeckt und erfreuen sich an diesem regelmäßigen Training. Um dabei auch die Gelenke und Sehnen zu schützen, empfehlen wir, mit möglichst leichten Widerständen zu beginnen und diese erst nach mehreren Wochen langsam zu erhöhen.
Auch Balance, Geschicklichkeit und Reaktionsschnelligkeit schützen vor Stürzen und erfordern eine feine Abstimmung verschiedener Muskelgruppen sowie regelmäßiges Training. Dieses „Koordinations-Training“ kann man in der einfachsten Form wie folgt durchführen: Während der paar Minuten des täglichen Zähneputzens stellt man sich abwechselnd jeweils nur auf ein Bein und versucht dabei, das Gleichgewicht zu halten. Noch wirksamer und den ganzen Körper trainierend sind Gymnastikkurse und besonders auch das tägliche Tai-Chi, für das es heute ein vielfältiges Angebot gibt.
Für ein besonders hochwertiges und rasches Erlernen von wichtigen Kraft- und Koordinationsübungen ist auch an selbstbezahlte Physiotherapie-Stunden zu denken. Sie kosten meist zwischen 25,– und 60,– Euro und garantieren, dass man unter besonders fachgerechter und persönlicher Anleitung genau die richtigen Übungen erlernt. Später sollte man diese Stunden regelmäßig auffrischen. Auch wenn man sie selbst bezahlen muss und die Kosten von den meisten Krankenkassen für die Vorbeugung leider nicht übernommen werden, lohnt sich diese Investition in hohem Maße.
Ebenso wichtig sind zudem Aufgaben und Ziele. Jeder von uns erlebt dies täglich neu. Wer auch als älterer Mensch aktiv bleibt und Körper und Geist täglich weiterentwickelt, kann sich gesund erhalten und auch wirksam vor Stürzen schützen. Gute Möglichkeiten hierzu bestehen darin, interessante Hobbys intensiv zu pflegen, Gesellschaft z. B. in Vereinen zu suchen und gern und froh auch etwas für andere zu tun. Immer mehr reift dann zudem ein Gefühl der Gesundheit, der Dankbarkeit und der Erfüllung. Was kann es Schöneres geben?