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Praktische Tipps bei Knie-Arthrose

Die Knie sind die größten Gelenke des Körpers. Wenn sie an Arthrose erkranken, kann man dennoch selbst viel zum weiteren Schutz tun. Oft können die Schmerzen dadurch eingedämmt, ja sogar beseitigt werden. Wer die bisherigen Tipps hierzu in den ARTHROSE-INFOS Nr. 1, 11, 21 sowie in Nr. 61 und 71 jeweils Kapitel für Kapitel sorgsam befolgt hat, wird die heutigen Tipps als wichtige Ergänzung nutzen. Wieder haben wir hierzu mit vielen Knie-Experten gesprochen und ihre Empfehlungen in zwölf einfache Tipps zusammenge fasst, die jeder kennen sollte. Wir sind sicher, dass sie in vielen Fällen hilfreich sein werden.

1. Neopren-Bandagen oft angenehm

Es gibt eine Vielzahl von Knie-Bandagen. Manche haben elastische Fasern, andere sogar seitliche Gelenke. Diesmal haben unsere Experten auch mehrfach auf Bandagen aus Neopren hingewiesen. Oft besitzen sie Klettverschluss-Bänder, die ein Verrutschen verhindern helfen. Wie vom Wassersport her bekannt, können diese Bandagen eine milde Wärmewirkung entfalten. Bei Krampfadern oder nach einer Beinvenen-Thrombose sollte man aber auf Bandagen verzichten. Auch sollte man sie nur zum Gehen anlegen und im Sitzen und Liegen möglichst abnehmen.

2. Zwanzig Minuten kühlen

Wenn bereits Schmerzen bestehen oder eine Schwellung des Gelenks eingetreten ist, wird von den meisten Patienten nicht Wärme, sondern Kühlung bevorzugt. Mehrere Experten weisen auf Studien hin, die zeigen, dass nach einer Anwendungszeit von zwanzig Minuten auch im Inneren des Gelenks die Temperatur messbar sinkt und damit schädliche Stoffwechselvorgänge gebremst werden. Wie bereits mehrfach betont, dürfen Kältepackungen aber nicht direkt auf die Haut aufgelegt werden, da sie sonst Hautschäden verursachen. Stets sollte man ein Tuch (1) unter die Packung (2) legen.

3. Täglich 10 Minuten spazierengehen …

Bei jedem Schritt kommt es zu Be- und Entlastungen des Gelenks. Dies führt zu einer Art „Pump-Mechanismus“ (siehe auch Weltpreis 2016 im ARTHROSE-INFO Nr. 109). Bei Belastung werden Abfallprodukte aus dem Knorpel herausgepresst, in die Gelenkflüssigkeit entsorgt und dann über die Gelenkinnenhaut abtransportiert. Bei der Entlastung werden Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit in den Knorpel eingesaugt. Tägliches Spazierengehen in ebenem Gelände (ein- oder zweimal für jeweils 10 Minuten) kann deshalb von großem Nutzen sein.

4. … oder täglich 30 Minuten Radfahren

Radfahren kann eine gute Alternative sein und beansprucht das Kniegelenk wesentlich weniger als Zufußgehen. Deshalb kann die Trainingszeit beim Radfahren durchaus dreißig Minuten täglich betragen, sofern man in ebenem Gelände in kleinen Gängen und ohne viel Widerstand fahren kann. Ein Heimtrainer (Stand-Fahrrad) hat den Vorteil, dass man von jeglicher Witterung unabhängig und keinen äußeren Gefahren ausgesetzt ist. Zudem kann eine geringe Belastung ganz bequem und einfach eingestellt werden. (Weitere Hinweise zu Heimtrainern siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 19.)

5. Beweglichkeit erhalten

Mit dem Begriff „Beweglichkeit“ meint der Arzt, wie weit das Knie gebeugt und gestreckt werden kann. Volle Beugung (d. h. mindestens bis 90 Grad) ist besonders beim Schuhebinden und beim Aufstehen aus dem Sitzen wichtig. Die volle Streckung ist hingegen beim Stehen und Gehen von größter Bedeutung. Somit sollte man täglich mehrfach die Knie voll beugen und voll strecken, damit die Beweglichkeit erhalten bleibt. Herr Prof. Hess empfiehlt – soweit schmerzfrei – : 

10 x beugen und strecken 

        —> Pause,

10 x beugen und strecken 

        —> Pause,

10 x beugen und strecken 

        —> Pause.

6. Kräftige Muskulatur

Auch wenn man bei Arthrose das Gelenk niemals überlasten darf, ist dennoch eine kräftige Muskulatur von größter Bedeutung. Die kräftige Muskulatur hilft, Schmerzen und Entzündungen zu bekämpfen. In der Physiotherapie wird man hierzu Übungen erlernen, die man mehrmals täglich zu Hause durchführen kann. Insbesondere isometrische Übungen sind hier von großem Vorteil. Manche Experten empfehlen auch, regelmäßig den Umfang der Oberschenkel zu messen, um sicher zu sein, dass die Muskulatur durch das Training ihre volle Kraft behält und der Umfang nicht abnimmt.

7. „Ein paar Spritzen und alles ist okay?“

Bei keiner ärztlichen Therapie gibt es so viele unterschiedliche Meinungen wie zu diesem Thema. Cortison? Hyaluronsäure? Glukoselösung? Die Reihe der Substanzen, die in Arthrosegelenke gespritzt wurden und werden, ist lang. Einige bringen vorübergehende Linderung und werden daher sehr oft eingesetzt. Der renommierte Knie-Spezialist Herr Prof. Imhoff (München) rät allerdings eher zur Zurückhaltung, da er in seinem großen Zentrum viele Patienten sieht, bei denen es durch Spritzen ins Gelenk zu schweren bakteriellen Infektionen gekommen ist.

8. Falsche Vorstellungen korrigieren

Viele Hausfrauen zum Beispiel sind oft mehrere Stunden ohne Unterbrechung auf den Beinen. Die Kniegelenke werden hierdurch stark belastet, auch wenn Sie es im Augenblick gar nicht spüren. Es gilt die Regel: “Nie länger als eine Stunde auf den Beinen sein.” Gönnen Sie sich nach jeder Stunde eine Pause, wenn auch nur für 5 oder 10 Minuten. Dabei am besten die Knie ausstrecken und Kniegymnastik machen. Dies gibt Ihnen neue Kraft und schont Ihre Knie. Was immer bei Arthrose hilft, die Beschwerden zu mindern oder für lange Zeit ganz zu beruhigen, niemals ist dadurch der Schaden im Inneren des Gelenks vollständig beseitigt. Deshalb sollte man ein Arthrosegelenk stets nur sorgsam beanspruchen und alles tun, um keine neuen Schmerzen auszulösen. Sind dennoch bestimmte Tätigkeiten schmerzhaft, darf man keinesfalls gegen den Schmerz ankämpfen. Vielmehr ist es ratsam, sich nur im „schmerzfreien“ Bereich zu bewegen. Auch Schmerzen, die erst nach einer Belastung auftreten, sind ernst zu nehmen.

9. Kann man sein Verhalten ändern?

Unbewusst sagt man sich manchmal Dinge wie: „Ich kann mich nicht mehr ändern“ oder „Ohne mein geliebtes Wandern kann ich nicht leben“ usw. Gefühle und Gewohnheiten sind wichtig und niemand möchte gern etwas aufgeben. Aber man sollte daran denken, dass die Gesundheit das Wichtigste ist. Wer Arthrose hat, kann und sollte mit dem Rauchen aufhören, um das Gelenk nicht weiter zu schädigen. Dasselbe gilt auch für das Einhalten eines normalen Körpergewichts (s. Metabolisches Syndrom im ARTHROSE-INFO Nr. 110). Auch hierbei gilt: Warum warten? Nur Mut!

10. Aktiv bleiben

Wer Arthrose hat und sein Verhalten auf vielerlei Weise anpassen muss, kann dennoch ein aktives und interessantes Leben führen. Besonders wichtig ist, dass auch die sozialen Kontakte erhalten bleiben. Der Besuch bei Verwandten oder Freunden und die Teilnahme an Veranstaltungen geben dem Leben Farbe und Freude. Keineswegs sollte man sich abkapseln und zurückziehen. Dies würde nur zu weiterem Bewegungsverlust führen und die Arthrose noch verstärken. Sehr empfehlenswert ist es, wenn möglich, einen Sitzplatz einzunehmen, an dem man die Beine ganz ausstrecken kann.

11. Vor dieser Operation sollte man zögern

Arthrose befällt in den großen Kniegelenken oft nur eine Hälfte des Gelenks. Meist ist dies die Innenseite. Dabei wird hier nicht nur der Gelenkknorpel geschädigt, sondern auch die knorpelige Zwischenscheibe, die als „Meniskus“ bekannt ist. Nicht selten wird deshalb vermutet, die Schmerzen seien „Meniskus-Beschwerden“ und dieser müsse entfernt werden. Wenn dies aber geschieht, fällt sozusagen die „letzte Verteidigungslinie“ des Gelenks und die Arthrose schreitet umso schneller voran. Bei Arthrose sollten Meniskusteile nur dann entfernt werden, wenn sie immer wieder zu Blockaden führen.

12. Wann aber ist es Zeit für ein künstliches Gelenk?

Ist die Arthrose jedoch weit fortgeschritten und werden die Schmerzen trotz aller Maßnahmen unerträglich, dann sollte man mit einem künstlichen Gelenk nicht zu lange warten. Sonst wird die Muskulatur schwächer, die Beweglichkeit nimmt ab und eine spätere Operation wird komplizierter. Allerdings sollte man diesen Eingriff nur von einem sehr erfahrenen Operateur durchführen lassen. Ihre behandelnden Ärzte und auch die Deutsche Arthrose-Hilfe können Ihnen Spezialisten empfehlen. Zum richtigen eigenen Verhalten danach siehe auch unsere Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 99.