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Tipps bei Knochenbrüchen am Handgelenk

Knochenbrüche am Handgelenk sind meist die Folge von Stürzen. Der Versuch, sich mit der ausgestreckten Hand noch abzufangen, führt besonders häufig bei Frauen zu typischen Brüchen am Handgelenk, die der Arzt „distale Radius-Frakturen“ nennt. In schweren Fällen kann sich daraus eine schmerzhafte und langwierige Arthrose entwickeln. Im Folgenden beschreiben wir zunächst die drei Grundtypen dieser Verletzung sowie besonders riskante Komplikationen und stellen sodann nützliche Hinweise zu Therapie und Vorbeugung vor. Allen Experten, die uns hierbei beraten haben, danken wir sehr herzlich.

1. Fraktur-Typ „A“ – außerhalb des Gelenks

Im Unterarm verlaufen zwei lange Röhren-Knochen nebeneinander. Sie heißen Radius und Ulna (auch Speiche und Elle genannt) und ergänzen sich in ihren Funktionen. Während die Ulna die Beugung und Streckung des Ellenbogengelenks ermöglicht, ist der Radius derjenige Knochen, der am Handgelenk mit einer besonders breiten Gelenkfläche beteiligt ist. Als Typ A werden Radius-Brüche bezeichnet, die noch eine gewisse Entfernung zum Handgelenk haben. Der Gelenkknorpel des Handgelenks wird dabei nicht verletzt, so dass die Gefahr einer späteren Arthrose gering ist.

2. Fraktur-Typen „B“ und „C“

Bei diesen beiden Fraktur-Typen hingegen verläuft die Frakturlinie auch durch den Gelenkknorpel des Handgelenks. Bei Typ B ist ein großes Kantenstück des Knochens abgesprengt. Durch eine Verschiebung dieses Fragments kann zudem eine Stufe im Gelenk entstehen, die ein hohes Arthrose-Risiko in sich birgt. Bei Typ C ist der Radius-Bruch noch komplizierter und mit zusätzlichen Frakturen verbunden, wodurch sich das Arthrose-Risiko noch weiter erhöht. Die Typen B und C werden in der Regel operativ behandelt (siehe Tipp Nr. 8).

3. Ursachen

Die meisten Radius-Frakturen beim Erwachsenen ereignen sich durch Stürze in der Wohnung oder in der Nähe des eigenen Hauses z. B. durch:

  1. hochstehende Teppichränder oder andere Hindernisse
  2. zu glatte Fußböden
  3. glatte Fußwege durch feuchtes Laub, Glatteis oder Schnee
  4. Schwindelneigung – auch nach Medikamenten-Einnahme – usw.

Hinzu kommen oft mit zunehmendem Alter: ein vermindertes Risikobewusstsein, eine verminderte Reaktionsschnelligkeit und evtl. eine Osteoporose.

4. Symptome

Wenn Knochen beim Sturz auf die ausgestreckte Hand brechen, spürt der Verletzte meist sofort, was passiert ist. Häufig kommt es dabei auch zu einer sichtbaren Fehlstellung der Hand und einer Verschiebung des abgebrochenen Knochens. Durch die innere Blutung aus den gebrochenen Knochenteilen schwillt der Bruchbereich zudem rasch an. Rein äußerlich können Arzt und Patient daher meist schon die Diagnose „Knochenbruch“ vermuten. Präzisere Erkenntnisse bringen dann die Röntgenaufnahmen.

5. Wichtige Komplikation – 1: Nervenschädigung

Bei jeder Radius-Fraktur muss man auch auf ernste Komplikationen achten, die sofort erkannt werden müssen. Eine wichtige Frage, die mehrfach überprüft werden sollte, ist dabei: „Ist das Gefühl in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger normal oder entwickelt sich eine zunehmende Taubheit?“ Jede Taubheit in diesem Bereich deutet auf eine Druckschädigung des wichtigen „Medianus“-Handnervs hin, die eine sofortige operative Entlastung bei gleichzeitiger Stabilisierung der Fraktur erfordert.

6. Wichtige Komplikation – 2: Kahnbein-Bruch

Eine weitere mögliche Komplikation betrifft die kleinen Knochen der Handwurzel. In nur etwa einem von 1.000 Fällen kommt es bei einer Radius-Fraktur auch zu einem Bruch des „Kahnbein“-Knochens. Kahnbein-Brüche sind häufig anfangs kaum zu erkennen. Bei jedem Verdacht müssen deshalb Computer-Tomographie- oder MRT-Aufnahmen angefertigt und eventuell wiederholt werden. Jede Kahnbein-Fraktur muss unbedingt behandelt werden, da sie sonst zu einer schweren Arthrose im Handgelenk führen kann. Auch an Bandverletzungen muss gedacht werden.

7. Behandlung – konservativ

Viele Radius-Frakturen lassen sich problemlos konservativ, d. h. ohne Operation, behandeln. Da aber das abgebrochene Ende des Radius oft deutlich verschoben oder verkantet steht, muss das Fragment zuerst wieder in die richtige Position gebracht werden. Dies kann z. B. durch einen langsamen Zug mit Gewicht am Oberarm geschehen. Anschließend wird ein Unterarmgips angelegt, der längs gespalten werden muss, da das Gewebe noch weiter anschwellen kann. Regelmäßige Röntgenkontrollen sind meist nach 4, 7 und 11 Tagen notwendig (sogenannte „4711“-Regel).

8. Behandlung – operativ

Frakturen mit Gelenkbeteiligung (Typ B und C), wie sie im Tipp Nr. 2 beschrieben sind, müssen fast immer operativ behandelt werden. In einfacheren Fällen kann das Bruchstück mit dünnen Metallstäben, sogenannten Bohrdrähten, stabil fixiert werden. In schweren Fällen ist aber eine größere Operation und Fixierung der Bruchstücke mit Schrauben und Metallplatte oder in sehr seltenen Fällen sogar mit einem äußeren Metallgestänge („Fixateur externe“) erforderlich.

9. Arthrose-Risiko

Wie hoch das Risiko einer späteren Arthrose des Handgelenks ist, hängt sowohl vom Fraktur-Typ als auch vom Heilungsergebnis ab. Eine ideal verheilte Radius-Fraktur birgt nur ein geringes Risiko. Ist es nach Abheilung aber zu einer Radius-Verkürzung von vier Millimetern und mehr gekommen, steigt das Arthrose-Risiko auf über dreißig Prozent. Sind Gelenkstufen verblieben (siehe Abbildung), steigt das Risiko auf bis zu neunzig Prozent an. Auch Verkippungen um mehr als zwanzig Grad erhöhen das Arthrose-Risiko. Was sollte man daher stets noch zusätzlich beachten?

10. Langfristiger Schutz

Wann immer die im Tipp Nr. 9 genannten Risikofaktoren bestehen und nicht operativ korrigiert werden können, sollte man zeitlebens auf einen sorgfältigen Schutz des Handgelenks achten. Schwere körperliche Arbeit in Beruf, Haushalt oder Garten sind dann nicht mehr empfehlenswert. In manchen Fällen wird der behandelnde Arzt auch eine speziell angefertigte, passgenaue Leder-Manschette verordnen. In leichteren Fällen kann – auf Anraten des Arztes – eventuell eine einfache Kunststoff-Manschette ausreichend sein, die man nur bei bestimmten Tätigkeiten anlegt.

11. Vorbeugung – 1: auf Sicherheit achten

Viele Stürze lassen sich vermeiden, wenn man sich des hohen Sturzrisikos ständig bewusst bleibt und alle in Tipp Nr. 3 genannten Ursachen systematisch ausschaltet. Besonders wichtig sind auch: (1) Niemals in der Wohnung in ein Zimmer gehen, das nicht hell beleuchtet ist. Immer zuerst das Licht anmachen (daran ist besonders mit zunehmendem Alter zu denken). (2) Lose Teppiche oder Teppichränder müssen sicher befestigt werden, z. B. durch rutschfeste Teppichunterlagen oder fachgerechte Fixierung. (3) Keine Verlängerungskabel oder Telefonleitungen frei auf dem Boden verlegen.

12. Vorbeugung – 2: körperliche Fitness

Wer zeitlebens auf gute körperliche Fitness achtet, wird auch im höheren Alter stabilere und gesündere Knochen haben, die nicht so leicht brechen: (1) Körperliche Beanspruchung in Beruf und Freizeit zahlen sich daher langfristig aus und erhöhen zudem das Wohlgefühl. (2) Kraft, Beweglichkeit und Koordination systematisch und regelmäßig zu trainieren, z. B. in Fitness-Centern, wird aber auch mit zunehmendem Lebensalter immer wichtiger und kann helfen, viele Stürze von vornherein zu vermeiden. Diese Übungen sind eine wichtige Investition in gute Gesundheit und Lebensfreude.