> Sie sind hier: Information | Arthrose-Info-Nr.12 

Praktische Tipps bei Arthrose der Hände

Diese Hinweise sind als Fortsetzung zu unseren Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 2 gedacht, die wichtige Grundprinzipien enthalten und die wir nochmals bestens empfehlen möchten. Heute beschreiben wir zunächst die drei Grundtypen der Arthrose an der Hand, erläutern mehrere Behandlungsmöglichkeiten und nennen einige nützliche Empfehlungen.

1. Typ 1: Die Fingergelenkarthrose

Besonders häufig befällt die Arthrose die kleinen Endgelenke der Finger. Diese feinen Gelenke in direkter Nachbarschaft der Fingernägel zeigen dann typische Verformungen und Knötchenbildungen. Vom Arzt werden diese Veränderungen oft als „Heberden-Knötchen“ oder „Heberden-Arthrose“ bezeichnet. Auffallend häufig tritt diese Arthrose bei Frauen auf und kann die Schönheit der Hände erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene leiden deshalb an den Veränderungen, besonders wenn sie berufstätig sind. Sind nicht die End-, sondern die Mittelgelenke betroffen, nennt der Arzt dies „Bouchard-Arthrose“.

2. Typ 2: Die Sattelgelenkarthrose

In zahlreichen anderen Fällen tritt die Arthrose nicht oder nicht nur an den Endgelenken auf, sondern auch an der Basis des Daumens, da wo er seine gelenkige Verbindung mit der Handwurzel hat. Dieses sogenannte Sattelgelenk gibt dem Daumen seine große Beweglichkeit und ist besonders wichtig beim Umfassen und Festhalten von Gegenständen. Der Arzt nennt die Arthrose dieses Gelenks oft auch „Rhizarthrose“. Typisch sind Schmerzen beim Anfassen, beim Greifen oder beim Händeschütteln und bei fast allen Handarbeiten. Weitere Symptome sind Kraftminderung der ganzen Hand, Bewegungseinschränkung des Daumens und oft eine deutlich sichtbare Deformierung an der Daumenbasis.

3. Typ 3: Die Handgelenkarthrose

Die dritthäufigste Arthroseform der Hand findet sich am Handgelenk. Hier kann sie sowohl als Abnutzungsveränderung auftreten als auch als Spätfolge von Verletzungen, wie z. B. infolge eines Sturzes. Da das Handgelenk von einer Vielzahl von Knochen und Untergelenken gebildet wird, kann auch die Arthrose hier vielfältige Formen haben. Oft ist nicht das Gesamtgelenk betroffen, sondern kleinere Unterbezirke. Diese Tatsache kann die Therapie sehr erleichtern.

4. Handbäder

Bei jeder Arthroseform an Fingern, Daumen oder Handgelenk gibt es heute eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten. Fast immer können auch tägliche Handbäder nützlich sein. Viele Betroffene führen sie am liebsten morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen durch. Beides hilft, die typische Morgensteifigkeit zu vermindern und die Arthrose weniger schmerzhaft werden zu lassen.

In handwarmem Wasser (bis 32oC) werden die Gelenke 10 Minuten lang behutsam bewegt (Öffnen und Schließen der Hand). Als Zusätze können nach ärztlicher Empfehlung verwandt werden: Heublumen, Salhumin Rheuma-Bad oder einfach 2 Esslöffel Kochsalz.

5. Salben – auch okklusiv

Nach vorangegangenen Handbädern – aber auch ohne diese – werden Salben als sehr hilfreich empfunden. Dasselbe gilt für ärztlich verordnete Cremes, die meist noch rascher einziehen und sich deshalb besonders für tagsüber empfehlen. In schweren Fällen kann die Salbe auch besonders dick aufgetragen und dann mit Plastikfolien abgedeckt werden („okklusiv“). Praktisch sind hierfür dünne Klarsichtfolien-Handschuhe, wie sie oft in Lebensmittelabteilungen verwendet werden. (S. auch Leserbrief in ARTHROSE-INFO Nr. 4.)

6. Schienenschutz bei besonderen Tätigkeiten

Auch an die Möglichkeit, den schmerzenden Gelenken bei bestimmten Tätigkeiten einen stabilen Halt zu geben, sollte man stets denken. Häufig eingesetzt werden heute von vielen Ärzten Schienen für das Sattelgelenk (1) und für das Handgelenk (2). Durch praktische Klettverschlüsse können sie einfach und bequem angelegt werden und Arbeiten ermöglichen, die ohne diesen Schutz zu schmerzhaft wären. Wirksam und erfolgreich sind sie nur, wenn sie sorgfältig und passgerecht angefertigt bzw. angepasst werden. Auch sollte ihre Passform vom Arzt überprüft werden, und sie sollten nur stundenweise oder nur für Arbeiten, die den Schmerz provozieren, keinesfalls ganztägig getragen werden.

7. Entfernung der Knötchen?

Die Knötchen an den Fingerendgelenken (Typ 1) stören viele Betroffene sehr. Ihre operative Entfernung stellt leider keine dauerhafte Lösung dar. Meist bilden sie sich nämlich innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder nach. Dennoch kann diese Maßnahme besonders für berufstätige Frauen eine große Erleichterung bedeuten. Besonders die sog. „Mukoidzysten“ sollten operativ entfernt werden, da sie von alleine aufbrechen und sich dann entzünden (infizieren) können. Ein entsprechendes Gespräch mit einem Handchirurgen kann deshalb sinnvoll sein.

8. Operative Behandlung: wenig bekannt, aber erfolgreich

Auch andere operative Eingriffe stellen eine wertvolle, moderne Behandlungsmöglichkeit dar. Wenn die Beschwerden trotz bester Behandlung bereits dauerhaft sind und wenn sie bereits länger als ein Jahr in hoher Intensität bestehen, kann deshalb eine operative Behandlung sinnvoll sein. Dem erfahrenen Handoperateur stehen dabei zahlreiche Verfahren zur Verfügung. So kann das geschädigte Gelenk durch körpereigenes Gewebe (Sehnenabspaltung, 1) oder seltener auch durch ein künstliches Gelenk (Endoprothese, 2) ersetzt werden. Auch durch eine operative Versteifung („Fusion“) der schmerzhaften Gelenkteile kann in geeigneten Fällen die Belastbarkeit der Hand erheblich erhöht werden.

9. Mit dem Eingriff zufrieden

Wenn alle genannten Voraussetzungen erfüllt sind, werden heute bei Eingriffen durch den erfahrenen Handchirurgen hervorragende Ergebnisse erzielt. Nach Einschätzung führender Experten sind nach der Operation einer Rhizarthrose über 90 Prozent der Behandelten später „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“. Meist werden damit nicht nur die Schmerzen gebessert oder sogar ganz beseitigt, sondern es wird auch oft ein Zuwachs an Kraft, eine Verbesserung des Greifvermögens und des Aussehens der Hand erreicht. Nur etwa 10 Prozent sind nicht zufrieden. Allerdings muss bei diesen Eingriffen eine mehrmonatige Nachbehandlungszeit eingeplant werden.

10. Die Hände sind zum Arbeiten da, dennoch . . .

Wer viele Jahre lang täglich gearbeitet hat und für den das Arbeiten zum Leben gehört, der kann sich oft nicht von heute auf morgen umstellen. Dennoch sollte man bei jeder Arthrose an der Hand bestrebt sein, Überlastungen zu vermeiden und alle verfügbaren Erleichterungen einzusetzen. Wer die Gartenarbeit liebt, sollte bei Arthrose dennoch nicht selbst umspaten, sondern sich eher auf die feineren Arbeiten, die mehr Sorgfalt und weniger Kraftaufwand verlangen, beschränken. Ähnliches gilt für alle anderen Arbeiten und Tätigkeiten.

11. Hilfsmittel in der Wohnung

Bei vielen Arbeiten in der Wohnung gibt es versteckte Überlastungsmöglichkeiten, die man aufspüren und vermeiden sollte. Viele nützliche Hilfsmittel können heute besonders kritische Tätigkeiten erleichtern. Auswringgeräte, zum Beispiel Wischer oder Mopps der Firmen Leifheit und Vileda, sind heute in vielen Haushaltswarengeschäften erhältlich. Auch elektrische Rollladenheber können beispielsweise bei breiten Frontfenstern eine große Erleichterung darstellen und die Hände erheblich entlasten.

12. Hilfsmittel in der Küche

Auch für die Arbeit in der Küche gibt es heute zahlreiche Geräte, die die Hände entlasten können. So können langhebelige Glasöffner, manchmal auch ein einfacher Nussknacker, zum Aufdrehen eines Schraubverschlusses oder elektrische Dosenöffner typische Überlastungen von den Händen fern halten und eine nützliche Hilfe sein. Das Gleiche gilt für viele weitere Geräte, die heute in allen größeren Haushaltswaren-Geschäften erhältlich sind.