> Sie sind hier: Information | Hüfte | Impingement-Syndrom | INFO Nr. 83 

Praktische Tipps bei Schmerzen der Hüfte

Vor allem durch die wegweisenden Arbeiten von Herrn Prof. Reinhold Ganz in Bern und beschleunigt durch die Fortschritte in der Hüftgelenkspiegelung hat sich das Verständnis der Erkrankungen des Hüftgelenks weiter verbessert. Eine neue, wichtige Diagnose trägt einen Namen, den wir bereits vom Schultergelenk her kennen: das Impingement-Syndrom (gesprochen „impinschment“). Experten bezeichnen es auch als „F.A.I.“ bzw. Femoro-Azetabuläres Impingement. Bekannt war bisher, dass eine zu kleine Gelenkpfanne („Dysplasie“) zu Schmerzen und zu Hüftarthrose führen kann. Jetzt sind die meisten Experten überzeugt, dass auch „ein Zuviel“ das Gelenk schädigen kann. Was sollte man daher über das Impingement-Syndrom der Hüfte wissen, und welche Fragen sollte sich jeder Betroffene unbedingt stellen?

1. Symptom 1: Schmerzen in Leiste und Schambereich

Junge, aktive, ansonsten gesunde Menschen klagen heute immer häufiger über Schmerzen in der Leiste oder im Schambereich. Typisch ist das Auftreten nach intensiver sportlicher Betätigung, nach längerem Sitzen in tiefen Polstersesseln, nach längeren Autofahrten oder bei Intimbeziehungen. Meist wird der Arzt zunächst an eine Zerrung, einen beginnenden Leistenbruch oder eine Hüftkopferkrankung denken. Seit neuestem erst weiß man, dass auch ein Anstoßen und Einklemmen im Hüftgelenk selbst, das sog. Impingement-Syndrom, eine Ursache dieser Beschwerden sein kann.

2. Symptom 2: Nachtschmerz

Nicht selten können Schmerzen auch nachts im Schlaf auftreten. Beim Liegen auf der gesunden Seite wird man dann oft von Schmerzen geweckt, die auffälligerweise in der oben liegenden, also eigentlich unbelasteten Seite auftreten und auch vom Hüftknochen seitlich in Richtung Knie ausstrahlen können. Meist lassen sich diese Beschwerden schon ein wenig lindern, wenn man die Bettdecke oder ein Kissen zwischen beide Knie nimmt. – Welches sind nun die häufigsten Ursachen für diese Symptome, und wie kann es am Hüftgelenk zu Einklemmungen kommen?

3. Ursache 1: Schenkelhals-Typ

Der Gelenkkopf wird im gesunden Hüftgelenk so weit von der Gelenkpfanne umfasst, dass er in allen Bewegungsrichtungen sicher geführt wird und gleichzeitig genügend Spielraum behält. Ist der Schenkelhals jedoch verdickt oder hat er eine ungewöhnliche Form und Stellung, so kann es bei einigen Bewegungen leicht zu einem Anstoßen bzw. Einklemmen am Pfannenrand kommen. Ärzte sprechen dann vom „femoralen“ oder „Cam“-Typ des Impingements. Gründe dafür sind z. B. Knochenauflagerungen, die sich als Folge von zu hohen sportlichen Belastungen entwickeln können.

4. Ursache 2: Pfannen-Typ

Das Anstoßen kann aber auch durch die Gelenkpfanne verursacht sein. Wenn der Pfannenrand zu weit vorsteht, spricht man vom „Pfannen“- oder „Pincer“-Typ des Impingements („pincer“, zu Deutsch: „Zange“). Der Grund dafür kann eine besonders tiefe Pfannenform sein. Auch eine ungewöhnliche Stellung der Pfanne mit Drehung nach hinten kann ein Anstoßen begünstigen. In besonderen Röntgenaufnahmen wird der geschulte Arzt die Ursachen meist gut erkennen können. Welche Folgen hat nun das Impingement für das betroffene Gelenk?

5. Arthrose-Risiko

Jedes schmerzhafte Anstoßen im Hüftgelenk regt weitere knöcherne Anlagerungen sowohl am Schenkelhals als auch an der Pfanne an, sobald deren Knorpel-Rand („Labrum“) geschädigt ist. Damit verstärkt sich das Impingement-Syndrom immer mehr. Außerdem wird dadurch auch der Gelenkknorpel aufgrund biomechanischer Faktoren in bestimmten Gelenk-Bezirken zunehmend geschädigt. Ein Impingement-Syndrom ist deshalb nicht nur schmerzhaft und neigt zur weiteren Verschlimmerung, sondern kann auch ein gefährlicher Vorläufer einer Hüftarthrose sein.

6. Kann ich Belastungen vermeiden?

Die zwei wichtigsten Fragen für jeden Betroffenen sind daher: (1) „Ist es mir möglich, mein Verhalten so weit zu ändern, dass ein Anstoßen (Impingement) des Hüftgelenks und damit eine Operation vermieden werden kann?“ und (2) „Oder ist die Operation aus Sicht des Arztes bereits unbedingt erforderlich?“ Die Antwort auf die erste Frage kann durch genaues Erkennen der schmerzauslösenden Bewegungen gefunden werden, am besten zusammen mit einem erfahrenen Arzt oder Physiotherapeuten. Hilfreich können dabei auch die nachfolgenden Hinweise sein.

7. An Eleganz und Intelligenz denken

Bei der Ausübung vieler Sportarten, wie Fußball, Handball oder Kampfsport, sollte man auch auf Eleganz achten und ein zu riskantes Verhalten vermeiden. Wer bei großen Geschwindigkeiten abgebremst wird und wenn es dabei zusätzlich zu einer Beugung und Drehung kommt, kann sich am Hüftgelenk verletzen und damit im Laufe der Zeit ein Impingement auslösen. Spätestens bei Beschwerden sollte man deshalb besonders auf die Gesundheit achten und die Spielweise anpassen. Schwimmen, Radfahren usw. können zudem in vielen Fällen gute Alternativen sein.

8. Tiefes Sitzen vermeiden

Auch tiefes Sitzen, etwa in weichen Polstermöbeln oder tiefen Sesseln, kann ein wichtiger Auslöser von Impingement-Schmerzen sein. Dabei kommt es zu einer starken Beugung im Hüftgelenk, die ein Anstoßen am Pfannenrand begünstigt. Ebenso kann häufiges Arbeiten in tiefer Hocke die Beschwerden auslösen. Wenn man diese und vergleichbare Haltungen und Bewegungen bei den ersten Symptomen konsequent vermeidet, kann man in vielen Fällen eine Operation für lange Zeit verhindern. – Sollte diese jedoch unumgänglich sein, welche Methoden gibt es heute?

9. Operation 1: Mini-Open

Bei Impingement-Operationen wird oft das Gelenk während des Eingriffs ganz ausgerenkt („chirurgische Luxation“). Dies kann aber nur von sehr erfahrenen Hüftoperateuren sicher durchgeführt werden. In anderen Fällen werden nur noch kleinere Öffnungen gewählt, um die betroffenen Bereiche gezielt zu erreichen. Experten sprechen dann von „Mini-Open“-Operationen. („Mini-Open“, deutsch: „klein-offen“). Aber auch dabei handelt es sich immer noch um bedeutende Eingriffe, die auch zu Komplikationen wie Thrombosen und Weichteilverknöcherungen führen können.

10. Operation 2: Arthroskopie

Von einigen Spezialisten können bestimmte Formen des Hüft-Impingements auch mit einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) operativ behandelt werden. Der Vorteil für den Patienten liegt bei den besonders kleinen Operationsöffnungen. Allerdings dauert diese Operation relativ lange und es können auch hierbei Komplikationen auftreten. Hierzu zählen: Thrombosen, Nervenverletzungen oder spätere Weichteilverknöcherungen („heterotope Ossifikationen“). Auch Hüft-Arthroskopien sollten nur von besonders geschulten Spezialisten durchgeführt werden.

11. Eventuell lange Nachbehandlungszeit

Bei Impingement-Operationen muss man sich eventuell auf eine lange Nachbehandlungszeit einstellen. Manchmal dauert es sechs bis zwölf Monate, bis wieder eine vollständige Schmerzfreiheit erreicht wird, also länger als bei einem künstlichen Gelenk. Dies ist ein weiterer Grund, warum operative Eingriffe beim Hüft-Impingement gut begründet sein sollten. Wichtiges Ziel der mehrmonatigen physiotherapeutischen Nachbehandlung ist das Erlernen einer verbesserten „Koordination“, um die Bewegungsmuster an die neu gewonnene Beweglichkeit anzupassen.

12. Zusammenfassende Hinweise

„Impingement der Hüfte“ ist immer noch eine relativ neue Diagnose. Bei unklaren Schmerzen in Leiste, Schambereich oder seitlich am Hüftknochen sollte man gern den behandelnden Arzt auf diese Möglichkeit ansprechen. Bisher konnten klinische Studien noch nicht alle Fragen sicher beantworten. Vor jeder Operation sollte man daher die Notwendigkeit des Eingriffs mit einem erfahrenen Arzt sorgfältig abwägen und wann immer möglich zunächst die Belastung der Hüfte vermindern und in Beruf und Freizeit das Verhalten den eigenen Möglichkeiten anpassen.