Praktische Tipps
aus
Arthrose-Info Nr. 5
aktuell 2024
Die Arthrose der Wirbelsäule (auch „Spondyl-Arthrose“ genannt) kann 48 verschiedene Gelenke befallen und dementsprechend unterschiedliche Symptome hervorrufen, die dem Betroffenen oft nur zu gut bekannt sind. Die folgenden Tipps (Teil I) gelten zunächst vor allem für die Lendenwirbelsäule.
Auf spezielle Tipps für die Halswirbelsäule werden wir im nächsten ARTHROSE-INFO näher eingehen.
Alle Tätigkeiten, die mit dem ausgestreckten Arm durchgeführt werden, stellen eine hohe Belastung für die Wirbelsäule dar. Im Haushalt gilt dies zum Beispiel für das Aufwischen, das Fensterputzen und das Bettenmachen. Das Bettzeug sollte deshalb dünn und leicht sein. Stets sollten Sie sich beim Beziehen der Matratze mit einer Hand abstützen oder hinknien und versuchen, sich „rückengerecht“ zu verhalten.
Bevor Sie etwas greifen oder heben, empfiehlt es sich, stets einen kleinen Augenblick innezuhalten, um die Rücken- und Bauchmuskeln anzuspannen und den Rumpf steif zu machen. Sobald Sie etwas in der Hand halten, dürfen Drehbewegungen nämlich nicht mehr im Rumpf erfolgen, sondern nur noch in den Armen und Füßen. Dieses absolute Drehverbot, immer dann, wenn Sie etwas in der Hand halten, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen der Gesundung. (Stets gilt: „Bewegen ja – Heben mit Drehen nein.“)
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass bei Bandscheiben- bzw. Arthrose-Beschwerden die Matratzen hart sein sollten. Leider können die Beschwerden durch zu harte Matratzen sogar verschlimmert werden. Wichtig ist, dass die Matratze nicht durchgelegen ist und nicht durchhängt. Dies wird erreicht durch ein straffes und festes Matratzenlager, z. B. in Form eines Lattenrostes, den man in jedem Kaufhaus erwerben kann. Die Matratze selbst sollte aber eher weich sein und sich den Konturen des Körpers gut anpassen können. Zu empfehlen ist also: „straffer Matratzenrost – weiche Matratze“.
Das sogenannte Stufenbett ist eigentlich keine Bettform, sondern eine bestimmte, besonders günstige Liegestellung, die immer dann zu empfehlen ist, wenn akute Schmerzen bestehen. Auf einem stabilen Schaumstoffwürfel von etwa 40x40 cm Kantenlänge, wie er in Sanitätshäusern zu beziehen ist, können die Beine so gelagert werden, dass die Wirbelsäule entspannt wird. Das Liegen mit gestreckten Beinen und hohlem Kreuz sollte jedenfalls vermieden werden. Kissen oder Rollen dürfen deshalb im Liegen nie unter den Rücken gelegt werden, sondern nur unter Knie und Unterschenkel.
Wer an Wirbelarthrose leidet, sollte bei längeren Fahrten regelmäßig kleine Pausen einlegen. Große Vorsicht ist beim Be- und Entladen des Kofferraumes angebracht. So ist beim Einkaufen zu empfehlen, stets kleine, handliche Packungen zu wählen, die bequem im Kofferraum und im Wageninneren verstaut und später wieder entladen werden können. An diese Regel sollten Sie auch denken, wenn Sie in Geschäften einkaufen, in denen manche Waren kasten- oder kartonweise angeboten werden. In diesem Falle sollte man Packungen in zwei oder drei kleinere Pakete aufteilen. Das gleiche Prinzip gilt beim Einkauf von Getränken.
Auch wenn Sie verreisen, ist es wichtig, die Vorbereitungen klug zu planen. Wählen Sie stets kleine und handliche Gepäckstücke, damit Sie Ihren Urlaub genießen können. Vermeiden Sie insbesondere gefährliche Situationen, wie sie mit großen Gepäckstücken in Zugabteilen oder Zugtüren auftreten können. Besser sind mehrere kleinere Gepäckstücke oder Rollkoffer. An vielen Bahnhöfen wird auch ein Gepäckservice angeboten. Auch der Haus-zu-Haus-Gepäckservice der Deutschen Bahn ist eine Beachtung wert.
Bei der Arthrose der unteren Wirbelsäule sollten Sie nicht ständig ein starres Korsett tragen. Die Muskulatur würde hierdurch zu sehr geschont und auf Dauer sogar geschwächt werden. Eine Abstützung und ein leichter Schutz kann aber zu bestimmten Zeiten angenehm sein. Immer dann, wenn sich bestimmte, belastende Arbeiten beim besten Willen nicht vermeiden lassen, ist es hilfreich, den Lendenbereich kurzfristig zu schützen und zu gurten. Praktisch sind hierfür auch die sogenannten „Nierenschutz-Gurte“ der Motorradfahrer, die in Sportgeschäften erhältlich sind.
Bei allen Formen der Wirbelarthrose kommt der Wahl der richtigen Schuhe eine große Bedeutung zu:
- Verzichten Sie auf zu harte oder kantige Absätze.
- Damen sollten Schuhe mit zunehmend niedrigerem Absatz wählen.
- Viele Patienten bevorzugen auch Schnürschuhe und meiden Sandalen oder offene Schuhe. Sehr zu empfehlen sind sog. Trainings-Laufschuhe von bekannten Sportartikelherstellern (z. B. adidas, Nike).
Spätestens bei bereits festgestellter Arthrose der Wirbelsäule sollten Sie sich zu einer guten Haltung erziehen. Üben Sie deshalb eine aufrechte und freie Haltung, und lockern und entspannen Sie die Schultern. Machen Sie sich das tägliche Spazierengehen – am besten abends – zur Gewohnheit. Der tägliche Fußweg von halbstündiger Dauer hat schon manche chronischen Schmerzen „wegspaziert“. Meiden Sie außerdem niedrige Tische und wählen Sie Ihre Stuhlhöhe stets so, dass Sie aufrecht am Tisch sitzen können. Auch die Kücheneinrichtung sollte so angebracht sein, dass Sie aufrecht und bequem arbeiten können.
Weise und erfahrene Ärzte halten dies für den wichtigsten Rat bei der Wirbelarthrose. Fröhliche Geselligkeit entspannt die Rückenmuskulatur wirksamer und natürlicher als jedes Medikament. Suchen Sie deshalb regelmäßig die Gesellschaft froher und gut gelaunter Menschen. Gönnen Sie sich jeden Tag eine Zeit der Entspannung und Erbauung. Auch gegen ein Gläschen Bier oder Wein dürfte nichts einzuwenden sein. Ebenso kann die Teilnahme an Gesprächskreisen und Selbsthilfegruppen wertvolle Dienste leisten.
Sportarten wie Kegeln, Tennis oder Windsurfen sowie Hallensportarten auf harten, ungefederten Böden sollten möglichst vermieden werden. Empfehlenswert sind Radfahren, Rückenschwimmen sowie das tägliche Spazierengehen.
Als Grundtraining können außerdem die folgenden Übungen nützlich sein:
Übung 1: Einfache Liegestützen
Liegestützen (Auf- und Absenken in den Armen) sind eine einfache Übung, wenn sie beispielsweise an der Bettkante ausgeführt werden: 7-mal langsam auf und ab „pumpen“.
Für diese zweite Übung, die sich am besten gleich an die erste Übung anschließt, benötigen Sie zwei kleine Hanteln, wie sie in Sportgeschäften zu haben sind (Gewicht für Damen etwa 1-2 kg, für Herren ca. 2-3 kg). Mit diesen Gewichten pendeln Sie langsam und vorsichtig auf und ab, wobei die beiden Arme eine gegenläufige Bewegung ausführen.
Hinweis: Übung 1 sollte 7-mal, Übung 2 10-mal durchgeführt werden. Beide Übungen benötigen zusammen nur 2 Minuten. Am wirksamsten sind sie morgens vor oder nach dem Ankleiden. Dann geben sie Ihnen frischen Schwung für den ganzen Tag.